Interessante Debatte. Ich möchte auch meine 2ct dazu geben. 
- Es stimmt: 11kW dauerhaft an den existierenden Wohnungsstromzählern wird i.d.R. nicht möglich sein, ohne den Hausanschluss zu erweitern, sobald man über mehr als 2 und 3 Einheiten in der Anlage spricht.
- Das heißt nun aber nicht, dass eine große Lösung mit Lastmanagement für alle vernünftig wäre. Das ist sie in der Regel nicht, ganz einfach deshalb weil die Technologie heute neu und deshalb teuer ist, umgekehrt aber kaum jemand heute schon eine Wallbox braucht.
- Der Königsweg ist m.E. in den meisten Fällen, die existierenden Benutzer in einer Weise zu versorgen, die späteren Benutzern nicht die Möglichkeit verbaut, dasselbe zu tun - und falls es in Zukunft mal besser geht, dann um so besser für die Neunutzer.
Hier ein konkretes Beispiel (nämlich da, wo ich selbst wohne
), wie sowas aussehen kann.
Wir sind eine Anlage mit 42 Wohneinheiten und einem Kindergarten, verteilt auf vier Häuser, die jeweils ihren eigenen Hauptanschluss haben. Mein Haus hat 9 Parteien und den Kindergarten, und wir haben 100A am Hauptanschluss. Das ist ziemlich großzügig und nur deshalb so viel, weil der Kindergarten eine Küche hat, in der mehr passiert als in einer Wohnungsküche.
Ich habe mal ausführlich recherchiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass wir tagsüber wohl problemlos bis zu 25A für Elektroautos teilabzweigen könnten (mit dem Gedanken, dass die in den meisten Fällen nicht alle gleichzeitig tagsüber laden werden und die 25A deshalb fast nie erreicht werden - insbesondere nicht in der Zeit, in der im Kindergarten gekocht wird). Wenn man sich tagsüber auf 6A beschränkt, kann man also bis zu 4 Stellplätze mit einer Wallbox ausstatten. Nachts braucht man diese Beschränkung nicht. 4 von 9 sind ja schon mal ganz schön viel - es wird Jahre dauern, bis die alle eine Wallbox haben wollen.
Falls sich jemand wegen der Gleichzeitigkeitsüberlegung Sorgen macht - keine Angst, das ist Standard und wird bei Anlagenanschlüssen immer so gemacht. Wenn z.B. 7 von uns 9 gleichzeitig die Herd/Ofen-Kombi anschalten, fliegt die Sicherung sofort. Auch wenn sonst alles aus ist und der Kindergarten Ferien macht. Die Praxis zeigt aber eben, dass es zu diesem Ereignis nie kommt.
Was passiert nun, wenn irgendwann mal noch mehr aus unserem Haus auf demselben Weg eine Wallbox haben wollen, oder wenn der Kindergarten eine haben will (wo tagsüber laden die Regel sein wird, so dass er nicht in die Argumentation oben passt)? Ganz einfach: Hausanschluss erweitern. Bis zu 160A sind bei den hiesigen Elektrizitätswerken Standard, das gibt’s zum Festpreis. Wenn es dazu kommt, würde dieser Festpreis auf alle Wallbox-Nutzer des Hauses umgelegt - auch auf die, die schon da sind. Dem müsste man vorab zustimmen, um seine Wallbox installieren zu dürfen.
Was passiert, wenn umgekehrt jemand z.B. Taxifahrer ist und deshalb verlässlich 11kW oder gar 22kW braucht, auch tagsüber? Dann ist der Zeitpunkt für eine große Lösung mit separatem Stromanschluss und separatem Zähler gekommen. Die wird ja durch die bestehenden Wallboxen in keinster Weise behindert. Und von den bestehenden Nutzern kann sich da ja jeder anschließen, ggfs. unter Aufgabe der bisherigen Hardware.
Noch habe ich dieses Vorgehen nicht genehmigt bekommen, aber in der letzten Eigentümerversammlung vor Corona hatte es bereits eine Mehrheit - hat halt mit der damaligen Rechtslage nicht ausgereicht.
Eine ‚große‘ Lösung hätte bei unserer Eigentümerstruktur keine Chance, weil’s ganz einfach niemand braucht. Wie gesagt: man muss sich jeden Einzelfall separat anschauen, das ist wirklich kompliziert. Ich glaube aber, dass in der aktuellen Situation die kleine Lösung öfter empfehlenswert ist als die große.