Reisebericht Island 18.03.22 - 02.04.22

Meine Frau und ich haben vom 18.03-02.04.22 einen Roadtrip in den hohen Norden gemacht. Nach Island!

Ich berichte gerne im Folgenden darüber; zunächst mal die groben Reisedaten und dann einzelne Posts für jeden Tag mit ein paar Impressionen.

Planung und Routenplanung haben schon vor einigen Monaten angefangen, auch weil es etwas war, worauf man sich in der Coronazeit freuen konnte.

Aufgrund der zeitlichen Einschränkung auf 2 Wochen bei uns war relativ schnell klar, dass wir keine „Umrundung“ machen, würden sondern gezielt Orte anfahren und dort auch mal 2 Nächte bleiben wollen.

Außerdem waren wir auch nicht sicher, wie sich unser „Oldie“ Model S 70 D mit der Reichweite aufgrund der Umstände (z.B. Kälte) dort schlagen würde und haben die Etappen mit etwas mehr Sicherheit geplant. Aber das war Teil des Abenteuers.

Die groben Reisedaten:

Island hat nur eine Fährverbindung nach Europa. Mit der Smyrilline geht es von Hirtshals in der Nebensaison jeden Samstag um 15:00 Uhr los. Dann ist man drei Tage unterwegs, wobei es einen Zwischenstopp auf den Faroer Inseln gibt. Da kann man entweder unterbrechen und eine Woche bleiben oder nur einen Landgang machen. Wir haben uns für letzteres entschieden und sind durchgefahren.

Ankunft auf Island ist dann in immer dienstags in Seydisfjordur, auf der Ostseite der Insel. Reykjavik liegt exakt entgegengesetzt auf der Westseite, ist also maximal entfernt.

Die Rückfahrt nach Hirtshals startet am Mittwochabend.

Wenn man angekommen ist, kann man sich für einen Aufenthalt von 1, 8, 15 usw. Nächten entscheiden und entsprechend planen

Auf Island gibt es die sogenannte Ring Road (1), auf der man die Insel einmal umrunden kann. Im Winter ist diese Straße die einzige, die im Osten und speziell im Nordosten der Insel zu befahren ist, und selbst diese ist immer mal wieder gesperrt.

Auf http://road.is gibt es stundenaktuelle Informationen, wie die Straßenverhältnisse sind.

Da wir schon 2017 auf Island waren und den Bereich um Reykjavik kannten, haben wir beschlossen, mit 8 Nächten kommen wir zu allem was wir wollen.

Daraus ergab sich dieser Reiseplan:

18.03.22 Hamburg – Aalborg
19.03.22 Aalborg – Hirtshals
20.03.22 Auf See
21.03.22 Landgang in Torshavn, Faroer Inseln
22.03.22 Seydisfjordur – Egilsstadir – Höfn
23.03.22 Höfn
24.03.22 Höfn – Egilsstadir
25.03.22 Egilsstadir – Myvatn
26.03.22 Myvatn – Akureyri
27.03.22 Akureyri
28.03.22 Akureyri – Myvatn
29.03.22 Myvatn – Egilsstadir
30.03.22 Egilsstadir – Seydisfjordur
31.03.22 Landgang in Torshavn, Faroer Inseln
01.04.22 Auf See
02.04.22 Hirtshals – Hamburg

Man sieht schon, dass dies eine Route mit vielen Hin- und Rückfahrten ist. Trotzdem war es nie langweilig, da sich die Natur jeden Tag verändert und es immer wieder neue Ein- und Ausblicke gibt.

Auf der Karte sieht das so aus:
Route

Legende (Punkt 2 ist Höfn):
legende
Die korrespondierende Karte der Supercharger:

Zur Ladestrategie:

Natürlich wollten wir vor allem die Supercharger nutzen, aber das reicht für unsere Reichweite nicht aus.

Deswegen haben wir nach Alternativen geschaut, es gibt Ladestationen von on.is isorka und virta auf der Insel. Zum Zeitpunkt der Abfahrt gingen wir noch davon aus, dass wir mit der Plugsurfing-app die Ladestationen von on.is nutzen können, deren Verteilung sieht so aus:

Spoiler: Plugsurfing geht nicht, wir haben trotzdem da geladen!

Zu den einzelnen Tagen gibt es einzelne Posts. Viel Spaß beim Lesen!

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18.03.22: Hamburg – Aalborg
Eine unspektakuläre Anreise, etwas Stau, einen vollen und drei leere Supercharger erlebt, und bis auf ein wohl defektes Kabel keine Probleme gehabt. Langstrecke und Tesla geht immer noch.
Ja, wir laden eher langsam, (kW ist 100-SoC) aber das wussten wir und haben entsprechende Pausen eingeplant.
Da die Fähre am nächsten Tag in Hirtshals um 15:00 ablegt, ab 12:00 ist Check-In möglich, haben wir in Aalborg übernachtet.
Das Bild zeigt den Supercharger in Randers. (Graceland Randers V-E-J nach Tesla Navi Sprechweise :slight_smile: )

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19.03.2022 Aalborg- Hirtshals und 20.03.22 Seetag

Der Weg von Aalborg nach Hirtshals ist entspannt für einen Vormittag, so konnten wir am Supercharger Hjörring nochmal weit aufladen, damit wir bei Ankunft auf Island gleich mit einigermaßen gut gefüllten Akku ankommen

In Hirtshals wurden wir „ausgesondert“, wohl nicht wegen vermeintlicher Brandlast, sondern eher wegen Gewicht. In der Fähre gibt es ein Auto-Zwischendeck, was für 2 Tonnen ausgelegt ist. Da sind wir drüber.

Es gibt im Wartebereich nach dem Check-in sogar Ladestationen (von clever.dk), die haben wir aber nicht genutzt, weil es wirklich schnell an Bord ging.

Wir haben einen schönen Parkplatz bekommen und konnten uns dann das Schiff, die MS Norröna, ansehen. Die Kabinen auf Deck 8 sind wirklich komfortabel und für drei Nächte sehr gut auszuhalten. Die Restaurants sind völlig in Ordnung und bieten für jeden etwas. Ich empfehle für mindestens einen Abend das Buffet vorab zu buchen. Ist etwas günstiger und man bekommt einen Platz. Wir haben das nicht gemacht und uns insbesondere bei der Rückfahrt darüber geärgert. An Bord ist keine Reservierung möglich.

Empfehlenswert ist die Bar auf Deck 10, ein grandioser Rundumblick

Der erste Abend war sehr ruhig. Über den nächsten Tag und die nächste Nacht wurde das Wetter schlechter und die Wellen immer höher. In der zweiten Nacht bei 4-6 Meter war es eine Achterbahnfahrt und man musste sich auch mal am Bett festhalten. Ist halt Nordsee.

Da helfen die guten Restaurants und ein paar Snacks in der Kabine. Immer was im Magen, dann geht das auch mit den Wellen.

Vorbereitung in Hjörring

Warten auf Einlass, abgesondert…

Parkplatz für die nächsten drei Tage…

Impressionen der Überfahrt

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21.03.22 Landgang in Torshavn

Die Ankunft in Torshavn ist sehr früh, bereits um 7:30 Uhr. Wir haben dann einen Spaziergang von 2,5 Stunden durch die Gegend gemacht, wirklich viel hatte noch nicht geöffnet. Es gibt einige alte Holzhäuser sowie Stadtwald zu sehen , was ungewöhnlich für die Inseln ist. Man kann auch direkt vor dem Büro des Premierministers ein gutes Foto von der Norröna am Liegeplatz machen.

Um 13:00 ging es schon weiter Richtung Island, immer noch mit ordentlich Welle.

Mitten in Torshavn:

Blick auf den Liegeplatz:

Impressionen vom Abend:

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22.03.22 Seydisfjordur – Egilsstadir – Höfn

Um 9:00 Uhr war Ankunft auf Island. Schon die Einfahrt in den Fjord beeindruckt und es bleibt ein durchgängiges Thema der Reise: Wie klein man selbst doch ist. Das erdet.

Auch der niedrige Wasserstand erdet, zumindest bei uns den Unterboden mit der Laderampe der Fähre. Nicht so schlimm, aber beim nächsten Mal besser anfahren.

Wir haben uns für den ersten Tag gleich die längste Etappe nach Höfn im Süden Islands vorgenommen, das sind etwa 250km. Zuerst geht es über ein Bergmassiv nach Egilsstadir. Das sind nur 25 km, aber es gibt schon gleich verschneite Pässe zu sehen und atemberaubende Aussichten.

In Egilsstadir haben wir dann den ersten Supercharger genutzt, ein 2er Palettenstall. Funktioniert problemlos, allerdings glaubt unser Auto, es wäre der in Hjörring…ein Neustart hilft und dann sind wir auch alle auf Island angekommen.

Weiter geht es auf der Ringstrasse nach Süden, zuerst wieder über Berge und dann entlang der Küste.

Und wir wollen auch gleich die Ladeinfrastruktur ausprobieren. Am ersten ON-Charger (50kW DC) startet das Laden noch ohne irgendeine Legitimation. Kostenlos, sehr gerne!

Beim zweiten Charger, dem Mittagsstopp in Djupivogur kam dann allerdings die böse Überraschung: Die ON-Charger sind NICHT mit der Plugsurfing App benutzbar. In der App heißt es, ein Ladeschlüssel sei erforderlich. Den habe ich nicht. Hm…

Also habe ich bei der auf der Säule aufgedruckten Service-Nummer angerufen. Dort dann die Auflösung: Man hat die Zusammenarbeit mit Plugsurfing beendet, und für einen Ausländer gibt es im Moment keine Möglichkeit, die Säule gegen Bezahlung zu nutzen. Oh. Problem?

Nein, jetzt muss ich einmal mit aller Inbrunst die Freundlichkeit der Isländer betonen. Alle, wirklich alle Menschen, die wir getroffen haben, waren unfassbar nett! Allein das ist Urlaub gewesen!!!

Also weiter: ON arbeitet an einem Payment-System für Ausländer. Das ist aber wohl schwierig aufgrund der steuerlichen Gegebenheiten in Island und soll erst im Mai zur Verfügung stehen. Hat man mir alles nett am Telefon erklärt.

Und nun? Gar kein Problem, höre ich: Ich rufe einfach jedes Mal (24/7) diese Nummer an, wenn ich laden will und man schaltet mir die jeweilige Säule kostenlos frei. Geht es noch netter?!

Damit war das Mittagsessen in Djupivogur gerettet, und auch das war super. Im Vid Voginn gibt es sehr leckere Fish and Chips (https://www.vidvoginn.is/)

Von Djupivogur sind wir dann zum Hrafnavellir Guest House (ungefähr 20km vor Höfn) gefahren.

(https://hrafnavellir.is/) Eine sehr nette Gastgeberin vermietet dort einzelne kleine Häuser mit Schlafzimmer und Bad mit einem unverbauten Blick auf eine große Ebene. Bei klarem Wetter der ideale Punkt für Nordlichter, und deswegen haben wir das auch gebucht, aber leider war es bedeckt.

Macht nix, dafür gibt es wilde Rentiere, die fast bis an den Balkon herankommen und eine meditative Stille.

Einfahrt in den Fjord bei Seydisfjordur:

Die ersten Meter auf Island:

Supercharger Egilsstadir:

Der erste „Fremdlader“:

Djupivogur und leckeres Mittagessen


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23.03.22 Höfn

Wir fahren nach dem Frühstück weiter richtig Höfn, um die Restaurants für den Abend zu checken und den Supercharger auszuprobieren. Zuerst allerdings eine Wanderung zum ersten Wasserfall, Empfehlung der Gastgeberin. Das Wetter ist islandtypisch unstet, aber wir sind fast die einzigen Menschen dort. Das hat auch etwas.

Der Supercharger in Höfn liegt perfekt, direkt bei den Restaurants und am Hafen. Vor dort kann man in Höfn spazieren gehen und alle wichtigen Orte inspizieren. Das sind in diesen kleinen Ortschaften nicht viele, eben Restaurants, Supermarkt, Indoor Fussballfeld und Hafen. Es gibt aber auch einen Spazierpfad entlang der Küste. Den lassen wir aus, wir fahren zum „Viking Cafe“ (https://vikingcafe.is/). Dort gibt es die raue Küste anzuschauen und eine nie genutzte Filmkulisse eines Wikingerdorfes. Ganz witzig, aber das dafür Eintritt verlangt wird… na ja.

Zurück am Parkplatz leider eine negative Überraschung: Der Türgriff der Fahrerseite fährt nicht mehr heraus, der Motor müht sich vergeblich. Schlimmer noch, auch im abgeschlossenen Zustand läuft in der Tür ein Motor weiter. Dazu gibt es im Forum ja massenweise Berichte und somit kommt es für uns nicht unerwartet. Aber ist doch eher ein unglücklicher Zeitpunkt.

Was nun? Nach ein bisschen Rumprobiere rufen wir beim Tesla Service an. Und ja, nach 5 Minuten habe ich jemanden aus Deutschland am Telefon. Wir versuchen auch alle Neustarts, die natürlich nichts bringen, und überlegen gemeinsam was zu tun ist. Die Tour anpassen und zum Service Center nach Reykjavik fahren? Gibt es Ranger auf Island? Der Servicemitarbeiter ist extrem bemüht und kümmert sich um einen Rückruf vom Service Center Island.

Bis der kommt, haben wir weiter probiert und einen Workaround gefunden: Wenn der Motor in der Tür läuft, im abgeschlossenen Zustand den Griff aus der Tür holen mit einem geeigneten Werkzeug und einmal ziehen. Dann glaubt auch der wohl ebenfalls defekte Microschalter, dass der Motor aus gehen darf. Danach sollte man den Türgriff allerdings nicht mehr nutzen, sonst geht es wieder los. Also immer von innen öffnen.

Als der Rückgriff vom Service-Center Island dann kommt, ist wieder ein netter Isländer dran, der offen zugibt, dass er nicht helfen kann. Sie sind noch im Aufbau und haben im Osten der Insel keinen Ranger, und hätten für unseren „Oldie“ auch kein Ersatzteil. Also bleiben wir bei dem vom deutschen Service-Mitarbeiter eingerichteten Werkstatt-Termin nach der Rückkehr in Hamburg und arbeiten mit unserem Workaround. Insgesamt sehr gut gemacht, Tesla!

Abends fahren wir zurück nach Höfn und essen im Pakkhus (http://pakkhus.is/). Isländische Langustinen und Kabeljau. So lecker!

Wasserfall (Skutafoss)

Niedlicher Supercharger Höfn

Beim Viking Cafe am Lavastrand

Leckeres Essen im Pakkhus:

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DAS nenn ich mal einen coolen Ausflug !! danke fürs teilen

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Gerne, morgen geht es weiter.

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Wahnsinn! Wir haben gerade spontan beschlossen das im Sommer ebenfalls wagen zu wollen :wave:

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Schöne Tour. So früh gibt es wahrscheinlich keinen Mehrtage Aufenthalt auf den Färöer. Dort hat es uns damals sehr gut gefallen. Freue mich schon auf die weiteren Berichte.

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Ich lese auch begeistert mit. Danke dir fürs teilen!

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Danke fürs Teilen und diesen bisher bereits wunderbaren Bericht. Nach sehr vielen Norwegen-Trips steht bei uns Island auch auf der Liste, auf jeden Fall ebenfalls mit der Fähre und unserem Tesla. Vsl. 2024, da 2023 schon weitgehend verplant ist.

Freue mich auf Fortsetzungen!

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boa…ich weiss nicht mal was nächste Woche am Plan steht, und du hast schon 2023 verplant :relaxed:

Island reizt aber gewaltig, nicht unbedingt oder ausschließlich mit Tesla :smiley:

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Vielen Dank für den schönen Bericht! Ich kenne Islands Westen von einem Drei-Wochen-Urlaub (einschließlich eine Woche auf dem Pferderücken über das Hochland): Eine faszinierende Natur!

Ich freue mich auf die Fortsetzungen.

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Toller Reisebericht, freu mich schon auf die nächsten Bericht-„Häpchen“. Wenn du noch so eine ca. Wert für die Reisegesamtkosten angeben könntest, würde mir bei der eigenen Reiseplanung sehr helfen, wenn nicht öffentlich dann vielleicht per PN.

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Danke für den tollen Bericht. War mal als junger Kerl für 6 Wochen auf Island und mir schwebt das Revival eigentlich mit einem M3 und einem Mink Teardrop Caravan oder einem MY und Übernachtung im Wagen vor. Hätte dafür aber gerne mindestens 4 Wochen und weiß noch nicht ob ich mir mal 4 Wochen Urlaub genehmigen kann.

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Vielen Dank für den tollen Bericht! Wir waren letztes Jahr zwei Wochen in Island - ein absoluter Traum! Ich freue mich schon auf die weiteren Kapitel…

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Hey, danke für die Schnipsel,
da kommen wehmütige Erinnerungen, war Ende der 80er sechs Wochen mit der Enduro da.
Bekomme richtig Lust, es mal mit dem M3 zu wiederholen.

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Sehr schöner Bericht.
Danke dafür.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen.

P.S.: Du hast uns da auf so eine Idee gebracht :wink:

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Hallo Zusammen, erstmal vielen Dank für die positiven Rückmeldungen, da schreibe ich gerne weiter. Ich die Fragen nach weiteren Infos habe ich mitgenommen, dazu sage ich ganz am Ende im Fazit der Reise was. Jetzt geht es erst mal chronologisch weiter:

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