Ich habe lange überlegt, ob es noch einen Erfahrungebericht braucht, denn über was kann ein Tesla-Neuling berichten, dass nicht ehr schon alle wissen? Eigentlich nichts.
Aber ich muss leider gestehen, dass ich mit keinem Auto so viel Freude hatte, wie bis jetzt mit dem Tesla und irgendwie muss die Freude, die Euphorie raus, aber auch die Ecken und Kanten, zu denen ich später komme.
Erstmal sei gesagt, dass mein M3 auch mein erstes E-Auto ist, und wie unzählige vor mir, musste ich feststellen, dass die Reichweitenproblematik gar kein Problem ist. Im Gegenteil. Gut, ich bin erst 900km gefahren, also 300km pro Monat, was echt nicht viel ist, aber man merkt im Alltag sehr deutlich, dass selbst der Akku meinem M3 SR mehr als ausreichend ist.
Das Laden und die Community:
Wobei zum Thema Laden: ich war viermal hier in Essen am Supercharger, dreimal standen neben mir sehr, sehr nette Leute mit denen ich direkt ins Gespräch gekommen bin. Ich denke, dass ist das, was man als Ladeerlebnis „verkaufen“ kann. Beim letzten Mal musste ich das Gespräch sogar beenden, weil ich unbeabsichtigt auf 100% geladen hatte und die Blockiergebühr drohte. Aber wie schön ist es bitte, an der Ladesäule einfach nette Menschen zu treffen, mit denen auch mal einen netten Plausch halten kann. Natürlich steht nicht jeder auf Smalltalk, viele wollen ihren Frieden haben, aber wenn dann jemand kommt, mit dem man ein bisschen quatschen kann, ist das doch eine nette Sache und ich glaube, gerade innerhalb der Tesla-Community ist das gar nicht so selten.
EAP und Co:
Ich habe mir mit meiner Finanzierung direkt EAP gegönnt, ich liebe Spielerein im Auto und automatisches Parken gehört definitiv dazu. Leider ist aber das EAP Paket eine Enttäuschung. Bei meiner Probefahrt konnte ich nicht testen und bin doch enttäuscht. Die Proble mit der Schildererkennung und der automatischen Anpassung der Geschwindkeit kennt jeder, muss man nicht drüber reden. Auch das Autoparken können andere doch deutlich besser und ich bin ein wenig enttäuscht, dass Tesla hier nicht gleiche Software einsetzt, wie beim FSD (nur halt dann mit ein paar Beschränkungen). Am meisten nervt mich aber der Mittelspurfetisch meines Autos. Auf Biegen und Brechen will EAP immer in die mittlere oder linke Spur. Hier muss dringend nachgebessert werden.
Dies und Das:
Themen wir Blinkerhebel und Co muss jetzt nicht zum Erbrechen wiederholen, kennen alle, wissen alle
Mein Alltag, die Arbeit, der Freundeskreis, Bashing:
Hier wirds spannender. Ein Tesla war schon lange mein Traumauto, auch wenn es eigentlich ein Model Y hätte sein sollen wegen dem höheren Einstieg, man wird ja nicht jünger. Aber aus finanziellen Gründen war ein Model Y nicht drin und selbst das M3 steht bei meiner unsicheren Jobsituation auf der Kippe. Dennoch wollte ich mir diesen Wunsch unbedingt erfüllen.
Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, der harte Widerstand im Bekanntenkreis.
Auf der Arbeit gab es mehrere Anfeidungen, was doch belastend sein kann. Natürlich ist das Hauptargument Elon Musk. Ausagen wie: „man darf so jemanden nicht unterstützen“, „wer so ein Auto fährt ist ein Nazi“ sind leider an der Tagesordnung.
Lediglich mein direkter Arbeitskollege, der selbst aber nie Tesla fahren würde, freut sich zumindest für mich, ganz ohne Vorurteile oder Vorwürfe.
Aber auch im Freundeskreis überwiegen leider die negativen Kommentare, natürlich werden hier mit Vorliebe die alten Tesla Vorurteile ausgepackt: Spaltmaße, billige Verarbeitung, Plastikbomber. Man redet das Auto schlecht wo es nur geht und der eine oder andere wartet nur darauf, dass ich sagen muss: „ich muss zur Werkstatt“.
Aber da hört es leider nicht auf. Auf unserer letzten Eigentümerversammlung kam, auf meinen Wunsch, das Thema Wallbox auf. Ich würde gerne hier an unserem Haus laden, einen eigenen Parkplatz habe ich am Haus, also eigentlich kein Problem. Das ich alleine mit der Anfrage die Büchse der Pandora öffne, hätte ich nicht gedacht. Der Gegenwind der anderen Eigentümer und auch von der Verwalterin war massiv. Dabei hat man sich üblichen Vorwürfen bedient: Tesla ist böse wegen Elon, Elektroautos sind Elektroschrott, fahren keine 100km im Winter, sowas fährt man nicht, das ist Technikmüll, wegen dir wird unser Stromnetz kolabieren. Eine halbe Stunde lang ging das Elektroauto.Bashing, bis die Verwalterin, die selbst gegen Elektroautos ist, das Thema um ein Jahr vertragt hat. ![]()
Frustrierend.
Ich war überrascht, wie viele Menschen plötzlich eine Meinung zu meinem Auto haben. Am Supercharger habe mit Leuten darüber gesprochen und es scheint, Gott sei Dank, die Ausnahme zu sein. Ich hab da wohl einfach Pech und ich lasse mir die Freude an dem Auto nicht vermiesen, dennoch nervt es manchmal. Und selbst jetzt, nach drei Monaten gibt es immer noch Spitzen gegen die Marke, den CEO und Elektroautos im Allgemeinen, als ob die Leute keine anderen Sorgen hätten.
Nichts desto Trotz bleibe ich dabei: es ist ein tolles Auto und so Gott will, wird mein nächstes Auto in 5 Jahren nach der Finanzierung auch wieder ein Tesla, dann vielleicht auch endlich ein Model Y
Ich hoffe es zumindest sehr.
Meine Sorgen:
Trotz aller Euphorie habe ich als E-Auto Neuling natürlich Sorgen. Mein M3 hat einen LFP Akku und es bleibt, die hoffentlich unbegründete Angst, dass Akku als Laternenparker lange durchhält und nur wenig an Kapazität verliert. Eine Wallbox habe ich noch nicht, auf der Arbeit das ich als Leiharbeiter nicht laden und fußläufig gibt es keine AC Ladesäulen in der Nähe, weshalb ich auf den Supercharger und das schnelle Laden angewiesen bin.
Ob Schnelladen oder nicht, da streiten sich ja die Geister und vermutlich wird es nur die Zeit zeigen, wie schädlich, oder nicht, das Ladeverhalten für den Akku ist. Ich denke aber, mit meiner Strategie, das Auto immer brav zwischen 30 und 80% zu halten ist schon nicht verkehrt. Wobei ich meine Ladevorgänge immer so plane, dass bei Standzeiten der Akku bei ungefähr 40-60% liegt.
Das letzte Vorurteil, die schlechte Abholung:
Immer wieder wurde mir gesagt, dass die Abholung eines Tesla in etwa so abläuft, dass man die Keykarte an den Kopf geworfen bekommt und dann schnell verschwinden soll.
Da habe ich eine ganz andere Erfahrung gemacht. Meine Abholstation war in Dortmund und die Mitarbeiter waren sehr freundlich, hilfsbereit und motiviert. Mir wurde als Neuling das Auto in alle Details erklärt, man hat das Auto und die App mit mir zusammen eingerichtet und war sehr bemüht. Über eine Stunde dauerte die Einweisung, inkl Gratisgetränke. Was will man mehr? Da habe ich mit meinem Yaris bei Toyota deutlich schlechtere Erfahrungen gemacht
Mein Fazit:
Das Auto ist nicht perfekt, aber welches Auto ist das schon. Und natürlich hat ein Tesla seine Ecken und Kanten, diverse Probleme und Dinge, die besser sein könnten. Aber im Vergleich zu meinem Toyota Yaris Hybrid ein deutlicher Sprung nach vorne. Ich mag mein Auto, es macht Spaß damit zu fahren, es macht Spaß sich mit den unnötigen Spielerein zu beschäftigen und es ist ein phantastisches Fahrgefühl. Und man muss es sagen wie es ist: vom Fahrgefühl kommt kein Verbrenner an ein Elektroauto herran. Und ich finde, aber das ist natürlich nur mein persönlicher Geschmack: Tesla schafft es mit dem M3 und MY sportliche Autos anzubieten, die aber nicht protzig wirken
Was ich Stand heute bereue:
eigentlich bereue ich an dem Kauf nur eine Sache: ich hätte mehr Mut zur Farbe haben sollen
Mein M3 ist grau mit weißen Sitzen, im Nachhinein wäre aber blau mit weißen Sitzen doch ein bisschen geiler gewesen ![]()