Elektromobilität: Die Ladeinfrastruktur muss schneller wachsen - t3n – digital pioneers
Dazu eine kleine Geschichte. Ich war gerade auf dem Lande westlich vom Ammersee und hatte etwas Wartezeit. Ich schaute auf die AirElectric-App und sah, dass gleich nebenan eine öffentliche Ladestation war. Also dachte ich, ich stöpsele da schnell mal an.
Es war eine kleine, weiße Wallbox von ShellRecharge/NewMotion an einer Scheune. Ich verband sie mit dem Auto und hielt eine Ladekarte an den Sensor. Das Lämpchen an der Ladestation blinkte rot—kein Laden. Ich probierte dann noch andere Ladekarten und -Apps, darunter auch Shell Recharge, aber die Ladesäule ließ sich durch nichts dazu bewegen, Strom zu liefern.
Neugierig spazierte ich auf das Grundstück und fand eine Autowerkstatt. Neben der Scheune waren drei Teslas geparkt und an Starkstrom-Steckdosen (CEE rot) angeschlossen. Ich ging in die Werkstatt und fand zwei junge Männer, die an einem Auto auf einer Hebebühne arbeiteten.
Ich fragte sie, ob sie wüssten, dass ihre Ladestation nicht funktioniert. Ja, sagten sie, wir scheitern an der deutschen Eichordnung. Die Vorschriften machen es so teuer, dass sich der Betrieb der Ladesäule nicht lohnt, aber ohne Erfüllung der deutschen Vorschriften dürfen sie sie nicht betreiben.
Der Mann fragte mich noch sehr freundlich, ob ich in einer Notsituation sei und dringend Strom bräuchte, was ich verneinte. Ich verabschiedete mich und fuhr ohne Stromladung ab. Später kennzeichnete ich die Ladestation in GoingElectric als außer Betrieb, so dass das nicht noch mehr Autofahrern passiert. Mehrere Apps, wie auch AirElectric, bauen auf der GoingElectric-Datenbank auf.
Ich halte diese Form der deutschen Bürokratie für sehr fragwürdig. Es würde völlig genügen, die Ladestation als nicht vorschriftsmäßig geeicht, Benutzung auf eigenes Risiko, zu kennzeichnen. Jeder Autofahrer, der dort lädt, kann mit einem Blick prüfen, ob die Strommmenge mit der in seinem Auto angezeigten übereinstimmt. Wenn nicht, könnte er das in GoingElectric für jeden sichtbar eintragen und im Extremfall den Betreiber wegen Betrugs anklagen. Die Eichordnung in ihrer derzeitigen Form ist hier offensichtlich schädlich und vermutlich eines der vielen Mittel der politischen Bremser und Verhinderer, die mit den verschiedensten Mitteln das Errichten und Betreiben von Ladestationen erschweren, z.B. auch mit der Forderung nach Kreditkartenzahlung, die jede Ladesäule unmäßig verteuert. Wir haben mächtige Interessen im Land die oft nicht in unserem eigentlichen Interesse handeln und dann gegen Elektromobilität und überhaupt gegen die Energiewende agieren.
Ich musste mir das mal von der Seele jammern. 
Gut möglich, dass diese Kräfte viel zu kurzfristig denken und sich ihr eigenes Wasser abgraben, denn welchem ausländischen Autobauer spielt das in die Hände, der gerade die Zahl seiner Schnell-Ladepunkte um 50% erhöht und überall in Europa und anderswo eine Lade-Infrastruktur aufbaut, die perfekt funktioniert? Z.B. hat Tesla gleich bei mir um die Ecke eine Ladestation mit 12 neuen Superchargern der neuesten Generation eröffnet, die mit 250 kW laden können (120 km Reichweite in 5 min). Im Durchschnitt findet man an den deutschen Autobahnen jetzt alle 90 km einen Supercharger-Standort. So wird vorgemacht, wie es funktionieren kann und wie es sein sollte.
Das kann doch den Bremsern und Verhinderern nicht verborgen bleiben. Verstehen die wirklich nicht, was hier passiert? Sie schädigen sich selber und uns alle.