Wenn der Tesla seinen Fahrer verpfeift

Es geht um diesen Artikel vom ZDF:

Ein Teslafahrer rast mit über 160 km/h durch Berlin, rammt eine Ampel und versucht, Fahrerflucht zu begehen - ein Video und Fahrdaten aus dem Auto belegen das. Tesla gibt die Filmaufnahmen und die Daten an die Ermittlungsbehörden weiter.

Wie bei den Berliner Ermittlern: Die hatten nach dem konkreten Fahrzeug gefragt und die aus dem Fahrzeug heruntergeladenen Daten vom Firmenserver bekommen: Videos, sekundengenaue Details zu Geschwindigkeit, Gaspedalstellung, Längs- und Querbeschleunigung, Bremsbetätigung, Unfallereignis und Türöffnungen.

Doch Tesla gab auch Daten weiter ohne Unfall: Ein Tesla fährt auf der Stadtautobahn A100 mit 203 km/h in eine Blitzfalle der Polizei - höchstens 80 km/h sind erlaubt. Ein illegales Rennen?

Die Ermittler fragen bei Tesla nach, der Tesla-Server liefert ihnen die Geschwindigkeitsdaten: 208 km/h, noch mehr als ursprünglich gemessen. Tesla liefert auf Nachfrage auch Daten zu Gaspedalstellung und Beschleunigung. Ergebnis: Strafverfahren. Der Fahrer wird verurteilt, geht in Berufung.

Sind das Fake News oder würde Tesla tatsächlich ohne meine Einwilligung meine Daten herausgeben? Das wäre ein absolutes Unding und geht überhaupt nicht. Dann möchte ich nämlich, dass diese Daten, vor allem was Geschwindigkeiten betrifft, gar nicht erst an Tesla übermittelt werden.

Wenn du in deinen Einstellungen die Einwilligung übergibst das du die Fahrdaten incl. Videos an Tesla zur Verfügung stellst kann Tesla das natürlich nach deiner Genehmigung einfach so weitergeben. Die Videos werden im WLAN so oder so dann zu Tesla geschickt, also haben die die dann eh.

Ohne dem erhält Tesla die Videos garnicht, um genau zu sein kommen sie da auch einfach garnicht ran. Wenn kein Stick drinsteckt nimmt das Auto kein Video auf, wenn ein Stick drinsteckt bleibt der auf dem Stick. Tesla sieht dann nur die Telemetriedaten die du auch über die API abfragen kannst. Andere Fahrzeuge haben dafür ne Blackbox.

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siehe https://tff-forum.de/t/datenkrake-tesla/132823
und https://tff-forum.de/t/tesla-im-tv-reportagen-filme-serien-etc/3523/802

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Fun fact: Die „Black Box“ (EDR) ist EU-weit vorgeschrieben, und meist im Airbag-Controller implementiert, so auch bei Tesla. Klar sind Telemetriedaten einfacher für Behörden anzufordern (und auch reichhaltiger), aber wenn ein Richter das abnickt, kannst du nichts dagegen unternehmen.

bei anderen Fahrzeugen ist halt den Fahrzeug auch ggf mehrere Tage/Wochen beschlagnahmt, anstatt dass der Hersteller das direkt an die Staatsanwaltschaft (auf richterlichen Beschluß) übermitteln kann…

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Also ich finde, wir deutschen hängen uns zu sehr an diesen ganzen Datenschutzthematiken auf. Meistens nur, um unsere eigenen „illegalen“ Taten verschleiern zu wollen.

Für mich ist es keine Frage des Datenschutzes, sondern von Gerechtigkeit und Ethik. Wer sein Fahrzeug so (gegen das Gesetzt) führt, dass er mutwillig Menschenleben gefährdet, dem sollte auch das Handwerk gelegt werden. Ich stehe dem ganzen positiv gegenüber, denn wenn ich zum Opfer eines solchen Verkehrsidioten werden würde, dann wäre ich heilfroh über eine schnelle und korrekte Aufklärung.

Und zuletzt, ja, auch ich fahre mal schneller, aber nur da, wo es erlaubt ist.

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Das entscheidet ein Richter. Ohne einen Beschluß werden sicherlich keine Daten heraus gegeben.
Aber wenn jemand 208km/h in einer 80er Zone fährt…

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Wer so fährt gehört bestraft.

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Möchtest du auch mit 160 kmh durch Berlin rasen? Dann kauf dir Mercedes amg bruuda!
Der Tesla ist dann nichts für dich und wird deine Daten bei einen Unfall an die Ermittler rausgeben.

Ach moment- das Airbag Steuergerät vom Mercedes hat diese Daten auch lokal gespeichert und kann ausgelesen werden… evtl Steuergerät ausbauen?

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Hui, der persönliche Datenschutz bei Straftaten ist natürlich absolut essenziell - könnte ja sein, dass man dann tatsächlich von der Allgemeinheit abgestraft wird und nicht damit davonkommt. Wow… am besten auch nicht mehr mit Kreditkarte zahlen, lässt sich auch alles nachverfolgen und bei Straftaten von der StA einsehen - nur noch Bargeld!! Was ist eigentlich Bargeld, kenne ich schon gar nicht mehr… Und Urlaub mit dem Flugzeug - nieeeeee mehr!! :slight_smile:

Tesla liefert die Daten ja erst bei Straftaten und nicht permanent an die Polizei.

Was ist nur aus unserer Gesellschaft geworden…

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Mal ganz realistisch, keine Behörde dieses Landes hätte die Zeit und/oder das Personal jede kleine Geschwindigkeitsüberschreitung per notwendiger Einzelanfrage an Tesla (oder sonst einem Hersteller) einzuholen. Dafür wird es auch keine Anordnungen geben.

Für Themen, die sich im Straftatenbereich abspielen, kann das anders laufen, wäre mir auch recht.Manche Typen gehören einfach nicht hinters Steuer.

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Einfache Verwaltungsübertretungen sind nicht ausreichend, dass eine Behörde diese Daten einsehen darf (egal wo die liegen). Da muß schon ein Staatsanwalt ermitteln, und ein Untersuchungsrichter einen Beschluß zur Sicherung der Daten unterscheiben…

Finde es aber gut, wenn diejenigen die einem Vorsatz haben, mit dramatisch überhöhter Geschwindigkeit in urbanem Gebiet herumzufahren, vorher die Airbag- und ABS Controller lahm legen. Und sich noch nicht vermehrt haben!

Dann besteht die Chance auf eine Darwin Award! :+1: /s

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Nö. Der GF der Tesla Germany GmbH wird einfach als Zeuge vorgeladen und vernommen. So komplett mit Wahrheitspflicht und ohne Aussageverweigerungsrecht. Wenn der dann einfach in die Telemetriedaten guckt und sagt „ja, dieses Auto hatte zu Zeitpunkt X an Position Y die Geschwindigkeit Z“, dann hat die Staatsanwaltschaft ihre Zeugenaussage.
Ob der GF von Tesla das hätte rausgeben dürfen ist dann eine zivilrechtliche Sache zwischen Tesla und dem Fahrzeugbesitzer. Mit dem Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahrenhat das aber nichts mehr zu tun.

Naja, wie du schon sagt:

dann hat die Staatsanwaltschaft ihre Zeugenaussage.

Damit bist du nicht mehr im Rahmen einer normalen Ordnungswidrigkeit, sondern eines kompletten Strafverfahrens…

Und der GF Tesla Germany hat übrigens keinen Zugriff, da diese Daten in einer anderen Legal Entity liegen - er kann also Wahrheitsgemäß zu Protokoll geben, dass er keine Ahnung hat, wann welches Fahrzeug was gemacht hat.

(SuC werden übrigens auch von einer getrennten Legal Entity betrieben, genauso wie GF4).

Aber niemand verbietet dir, das Datensharing zu deaktivieren, oder wenn du den Vorsatz hast, gegen Vorschriften zu verstossen, den Airbagcontroller still zu legen oder zu manipulieren dass keine Daten aufgezeichnet werden in der Hardware (und den MCU auf „read-only filesystem“ zu mounten).

Bei einer Owi wird eine solche Datenabfrage mit Sicherheit nicht von einer Richterin freigegeben. Aber bei den geschilderten Fällen sind wir im Bereich des StGB und da sieht die Lage anders aus. Die Auswertung der im Fahrzeug verbauten Hardware (die ebenfalls protokolliert) ist zeitaufwändiger als die Nachfrage beim Hersteller.

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Auch das Ordnungsamt hat das Recht zur Owi-Verfolgung Zeugen anzuhören.
Beispielsweise wenn Du im Auto Deiner Freundin geblitzt wirst…
Dann bekommt Deine Freundin keinen Anhörungsbogen zur Beschuldigtenvernehmung sondern einen Zeugenfragebogen.
Die Praxis (wie sie manche Ordnungsämter fahren) dass in so einem Fall eine Kobination aus Beschuldigtenanhörung und Zeugenbefragung rausgeht ist zwar nicht unzulässig, sie verpflichtet den Empfänger aber nicht zur Zeugenaussage, weil er in der Angelegenheit gleichzeitig auch noch Beschuldigter ist und damit ein Aussageverweigerungsrecht hat.

Und das passiert bei einer Geschwindigkeitsübertretung von 3 km/h, oder beim Falschparken? :thinking:

Dann steht es ja schlimmer um DE, als ich immer dachte…

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Dass Tesla - wie übrigens jedes andere Unternehmen auch - die gespeicherten Fahrdaten auf einen Gerichtsbeschluss herausgibt, finde ich vollkommen in Ordnung.

Wenn schwere Verkehrsvergehen dadurch zweifelsfrei geklärt werden können, bin ich absolut dafür.

Wer durch vorsätzliches Handeln das Recht anderer missachtet, hat die eigenen Rechte verwirkt. Ist zumindest meine Meinung.

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Ja, natürlich. Das ist der Sinn eines Rechtsstaates. Wer eines Vergehens beschuldigt wird hat immer das Recht auf Anhörung. Jeder der schon mal geblitzt wurde, weiß das.

Selbst bei einem Bußgeldbescheid über €30 ist immer auch ein Anhörungsbogen dabei.

So lange eine solche Herausgabe von Daten IMMER auch den regulären Weg nimmt und das durch ein Gericht veranlasst wird, sehe ich das ebenfalls als absolut richtig an.

In Österreich gibts de facto eine sofort Amnestie für geringe Geschwindigkeitsübertretungen und auch für Parkvergehen habe ich noch nie gehört dass fahrdaten des EDR ausgelesen werden… Zumindest nicht von seite der behörde…