Dienstagmorgen kurz vor 4:00 Uhr in Deutschland. Wir sind ohne Übernachtung auf dem Rückweg von einem Konzert. Adieu, Berlin. Stuttgart ist noch weit weg. Die Trip-Anzeige steht bei 1.090 km und es sind noch 2 h bis nach Hause
Nächster Stopp: SuC Feucht, voraussichtliche Ankunft in 2 Minuten mit 8 % SoC. Laut Navi müssen wir eine kleine Schleife fahren und sollen bis nach der Raststätte Nürnberg-Feucht auf der A9 bleiben. Zick Zack. Dann machen wir das.
Wir fahren durch eine Baustelle. Rechts neben uns die Raststätte. Von dort möchte ein sehr langsamer LKW vor uns auf die Autobahn auffahren. Am Steuer ein alter Mann. Also kurz rüber auf die mittlere Spur und am LKW vorbei. Ich will wieder rechts rüber und sehe dort beim Schulterblick ein blaues, pfeilförmiges Schild mit der Aufschrift „Ausfahrt“.
Mist. Dabei haben wir wenig Zeit.
Das Navi trifft keine Schuld. Der Ton war wie immer aus, weil die häufigen Ansagen stören und ich fahre schließlich nicht erst seit gestern Auto, kann lesen und bin ein aufmerksamer Fahrer. Der Meister. Nicht. Also Haken dran, Blick nach vorne und weiter geht’s. Nur wohin? Führe mich! Das Navi sagt, wir sollen an der nächsten Ausfahrt in 11 km umdrehen. Der Ton ist natürlich immer noch aus. 23 km und 15 Minuten Umweg sind nicht schön, aber auch kein Drama.
Der prognostizierte SoC bei Ankunft am SuC Feucht ist auf 2 % gesunken. Zum Glück hatten wir genug Puffer. Nochmal gut gegangen. Nicht auszudenken, wenn wir knapper geplant hätten (wie so oft) und die ursprüngliche Prognose bei 2 % gelegen hätte 
Ich setze den Autopilot runter auf 120 km/h und schaue auf den nächsten Routenhinweis. Alle 20 Sekunden am Lenkrad zupfen. Fühle mich wie eine Puppe. Noch 7,5 km bis zur nächsten Ausfahrt. Noch 6 km. Noch 5 km. Noch 3,7 km. gähn Nichts mit schnell rein raus. Das zieht sich ganz schön. Ich spiele ein bisschen am Navi rum und zeige meiner Beifahrerin, wie klein die Schleife bis Feucht eigentlich gewesen wäre und wie groß unser Umweg jetzt ist. Beim Blick nach vorne sehe rechts am Rand schon wieder das bekannte blaue, pfeilförmige Schild mit weißer Schrift
Echt jetzt? Ist das gerade wirklich passiert?! Kann es selbst nicht fassen. 
Meine Beifahrerin ist kurz davor, mich zu steinigen
„Du hast schon wieder nicht aufgepasst!“ Ich denk mir: Hilf mir oder bestrafe mich. Das Navi sagt, wir sollen an der nächsten Ausfahrt in 10 km wenden. Die SoC-Prognose hat sich auf -3 % verschlechtert und der rot umrahmte Schriftzug „Laden erforderlich um Ziel zu erreichen“ erscheint. Langsam bekomme ich Angst. Ich drossle das Tempo auf 90 km/h, gebe mich gelassen und verweise auf den großzügigen Puffer unter Null. Gleichzeitig male ich mir in Gedanken schon aus, wie wir gleich liegenbleiben werden und mit Warnweste und geöffneter Frunk-Haube auf dem Standstreifen stehen. Jeder lacht. Diesel-Dieter und Benzin-Berta düsen vorbei und fühlen sich durch unseren Anblick darin bestätigt, dass das mit der Elektromobilität nicht funktioniert. Alles Lügen.
Außerdem denke ich darüber nach, ob der ADAC die Abschleppkosten übernimmt, ob der Akku einen bleibenden Schaden zurückbehält und ob es nicht schlau wäre, den Abschlepper jetzt schon zu bestellen, damit wir nachher nicht so lange warten müssen. Oder gleich einen Autoverwerter anrufen und aus dem Bestand ein neues M3 zu bestellen, bevor auch das Display vom Smartphone schwarz wird, wie das von meiner Mutter.
Nach kurzer Schockstarre lösche ich die destruktiven Gedanken und suche nach einer Lösung. Ich bekomme Sehnsucht nach einem AC-Schnarchlader. Irgendwas muss es hiier doch geben, schließlich sind wir nicht in Amerika. Schnell im Navi nachschauen und den Blitz antippen: Hier gibt es sogar Allego!
Der Tag ist gerettet. Doch halt, was ist das Rote da neben Allego? Halleluja! Der Supercharger Hilpoltstein!
Mein Tesla-Moment 2023 
Meine Beifahrerin sagt: "Bitte bleib steh’n, bleib steh’n! Sonst fahr ich nächstes Mal ohne dich.“ Also mit 3 % die Abfahrt runter und geradeaus über den Kreisverkehr. Noch einmal rechts abbiegen. Halt. Ich sehe was helles. Ein Engel? Nicht ganz. 10 V2-Stalls leuchten im Mondlicht und versorgen zwei MYs mit frischen Ionen, ein Einheimischer und ein Ausländer. Daneben Das Model S. Vor 10 Minuten hätte ich noch ein Königreich für 11 kW gegeben. Inzwischen sind die Ansprüche wieder gestiegen und ich mache mich auf die Suche nach den vom Navi versprochenen V3-Stalls. Hat Elon gut versteckt hinter dem Trafo.
Zeit für ein Powernap
35 Minuten später steht der SoC wieder bei 80 %.Vom teuren DC-Strom mehr geladen als für die restlichen 240 km nötig – welch Herzeleid für einen Schwaben
Egal. Hauptsache ausgeschlafen und fit zum Weiterfahren. Also los und Feuer frei! Zuerst zurück zum AD Nürnberg/Feucht und dann auf die A6 Richtung Heilbronn.
Die Sonne geht auf. Das Navi nervt. Das Radio wird gefühlt an jedem zweiten Leitpfosten durch eine Ansage unterbrochen. Das alte Leid. Also Ton wieder aus. Ich weiß schließlich, wo wir hinmüssen, fahre nicht erst seit gestern Auto, kann lesen und bin ein aufmerksamer Fahrer…
…to be continued? 
P. S. Vor 15 Jahren hatte ich irgendwo zwischen Passau und Regensburg ein ähnliches Erlebnis mit einem Diesel
Liegt also eindeutig nicht an der Antriebsart sondern am Fahrer! 