Ich bin ziemlich sicher, dass die ganze Aufregung über „Phantombremsungen“ eng mit dem Verhalten des typischen deutschen Autofahrers zusammenhängen. Es unterscheidet sich ja bekanntlich deutlich vom Verhalten in den anderen Ländern. Es wird gerne mal gedrängelt, gefährlich überholt, und mit zur Situation unpassender Geschwindigkeit gefahren. Typisch ist auch „pädagogisches“ Verhalten: Fahrfehler anderer werden gerne mit heftiger Huperei quittiert, obwohl die Gefahrensituation längst vorbei ist (StVO-Verstoß!), oder man zahlt es dem anderen heim durch Schneiden, knappem Überholen oder auch mal durch Ausbremsen.
Das Verhalten des AP unterscheidet sich davon deutlich und das ist gut so. Er quetscht sich nicht überall durch, sondern ist auf Sicherheit ausgelegt. Wenn in einer Baustelle zum Fahrer mit dem Fahrrad-Träger auf der rechten Spur nur noch 20 cm Platz bleiben, bremst der AP eben, weil er evtl. auf 30 cm Abstand ausgelegt ist. Das ist gewolltes Verhalten und zählt für mich nicht als Phantombremsung. Trotzdem hat der Gutachter genau diese Situation gesucht, um die „Phantombremsung“ zu provozieren. Man müsste auch mal überprüfen, ob der Gutachter mit dem 2,10 m breitem Tesla überhaupt legal auf der linken Spur fahren durfte.
Ähnlich ist es auf der AB, wenn sich von rechts jemand einfädeln will. Ich erlebe immer wieder, dass links stoisch weitergefahren wird und man nicht reingelassen wird. Der Tesla AP verzögert dagegen sehr dosiert so weit, dass eine Lücke zum Einfädeln entsteht. Das ist ebenfalls keine Phantombremsung, sondern gewolltes Verhalten; das Auto auf der Einfädelspur wird dunkel markiert.
In einem weiteren Fall verzögert der AP, wenn starker Regen die Sichtweite plötzlich einschränkt, auch das für mich keine Phantombremsung. Das erzeugt natürlich bei Fahrern, die sich selbst nicht so verhalten, für Unmut: Was ? Da fährt jemand versetzt in der Spur ? Da überhole ich trotzdem, damit der sich mal ordentlich erschreckt ! Da passe ich doch locker durch ! Warum soll ich bremsen ? Der andere soll mich vorlassen … und so weiter. Das AP verhält sich nicht so und man schimpft unsachlich, „hat den Anker geworfen“ u.s.w.
Die Assistenten deutscher Hersteller scheinen eher dem „deutsche“ Fahrverhalten zu entsprechen, weil BMW, MB u.s.w. offenbar wissen, dass defensives Verhalten auf deutschen Straßen nicht gerade eine Tugend ist. Auch bin ich sicher, dass die Assistenten der Althersteller aufgrund ihres technischen Rückstands gar nicht so gut erkennen, dass die Spur rechts nur zum Einfädeln da ist und man den anderen besser rein lassen sollte. Diese Assistenten dann aufgrund ihres „deutschen“ Verhaltens als besser zu bezeichnen, halte ich für unzulässig vereinfacht. .