Fahrzeug: Model Y, ausgeliefert am 12.03.2025
Servicecenter: Tesla Kiel-Gettorf
Termin: 24.08.2026, 14:15 Uhr
Ich möchte hier meine Erfahrung mit einem kürzlich abgeschlossenen (bzw. eher: nicht abgeschlossenen) Servicevorgang schildern, weil ich denke, dass sie für andere Model-Y-Fahrer mit ähnlichen Symptomen interessant sein könnte – und weil mich der Umgang vor Ort ehrlich gesagt sehr enttäuscht hat.
Das Problem
Seit einiger Zeit habe ich eine deutliche, aber unregelmäßige Unwucht bzw. Vibration im Fahrwerk. Sie tritt nicht konstant auf, sondern wandert je nach Fahrsituation – mal schon ab 60 km/h spürbar, mal erst deutlich ab 170 km/h. Mein erster Verdacht war ein gelöster Schaumstoff-Soundabsorber im Inneren eines der originalen Hankook-Sommerreifen (Laufleistung der Sommerräder zu dem Zeitpunkt: ca. 12.000 km) – ein Materialfehler, der bei bestimmten Reifensätzen älterer Model-Y-Baujahre bekannt ist.
Mit dieser Beanstandung – inklusive Bitte um Sichtprüfung und ggf. Weiterleitung an Hankook im Rahmen der Gewährleistung – habe ich den Servicetermin über die App angefragt.
Terminvereinbarung und Vorbereitung
Der erste Kostenvoranschlag lag bei ca. 1.400 €, den ich angenommen habe. Im weiteren Chatverlauf wurde mir mitgeteilt, dass der bekannte Materialfehler mit dem gelösten Schaumstoff-Absorber bei meinem Fahrzeug eigentlich nicht zutreffen sollte, da mein Model Y und die verbauten Reifensätze zu neu für diese Problematik seien. Der Auftrag wurde dennoch vorbereitet, mit dem Hinweis, dass sich erst vor Ort klären lasse, ob es sich um einen Garantiefall handelt.
Ich habe daraufhin ausdrücklich gebeten, mich vor einer kostenpflichtigen Reifenmontage zu informieren, falls die Reparatur nicht über die Garantie abgerechnet werden kann – in dem Fall hätte ich die Reifen lieber unrepariert wieder mitgenommen. Das wurde zugesagt.
Am 20.08. habe ich zusätzlich noch eine Einschätzung nachgereicht: Ich war zuvor bei einem befreundeten Kfz-Meister und habe mit ihm eine Probefahrt gemacht. Seine Beobachtung: Die Unwucht ist tatsächlich erst bei höheren Geschwindigkeiten wirklich deutlich spürbar, tritt in abgeschwächter Form aber auch schon unter 100 km/h auf. Seiner fachlichen Einschätzung nach ist das „Schlagen" für eine klassische Reifenunwucht eigentlich zu hart – er vermutete eher ein Problem an Antriebswelle oder Motor, zumal die typische Unwucht-Charakteristik bei 60, 80 und 120 km/h so nicht vorlag.
Auf diese Rückmeldung hin wurde mir mitgeteilt, dass laut Garantierichtlinien Probefahrten grundsätzlich nur bis maximal 130 km/h durchgeführt werden und die vor Ort in Gettorf zulässige Höchstgeschwindigkeit ohnehin bei ca. 120 km/h liege. Sollte bis zu dieser Geschwindigkeit keine Beanstandung feststellbar sein, könnten keine Reparaturen vorgenommen werden. Der Kostenvoranschlag wurde in der Folge auf ca. 1.700 € aktualisiert, den ich ebenfalls angenommen habe.
Eigene Messungen auf der Anfahrt
Am Tag des Termins habe ich auf der Fahrt zum Servicecenter noch eigene Messungen mit einer Vibrations-Analyse-App gemacht, um möglichst objektive Daten mitzubringen. Die Auswertung zeigte bei mehreren Geschwindigkeiten eine potenzielle Vibrationsquelle im Bereich der Gelenkwelle (Antriebswelle), mit deutlich zunehmender Amplitude bei höherem Tempo:
- 80 km/h: kaum Ausschlag, Werte im niedrigen einstelligen Bereich
- 125 km/h: erster spürbarer Peak bei der Gelenkwelle (140,31 Hz)
- 150 km/h: deutlicher Ausschlag (168,37 Hz), Wert ca. 50
- 182 km/h: starker Ausschlag (204,29 Hz), Wert über 100
- 201 km/h: massiver Ausschlag (225,62 Hz), Wert nahe 384 – weit über der eingezeichneten Referenzlinie
Der Fehler war messtechnisch also gerade oberhalb der von Tesla intern zugelassenen Test-Geschwindigkeit (130 km/h) am stärksten ausgeprägt.
Der Termin vor Ort
Das Fahrzeug habe ich gegen 14:00 Uhr im Servicecenter abgestellt und über die App übergeben.
Um 15:10 Uhr rief mich ein Mitarbeiter an und fragte, ob ich noch in der Nähe sei und mit ihm eine Probefahrt machen könne – allerdings nur unterhalb der in Gettorf zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, da sich der Fehler darunter nicht feststellen lasse. Ich wies noch einmal darauf hin, dass der Fehler, wie bereits schriftlich mitgeteilt, erst richtig spürbar ab etwa 160 km/h auftritt. Das könne man aber nicht prüfen, und damit sei das Fahrzeug für Tesla „fehlerfrei". Ich bot daraufhin an, dass ich mich nicht an die 120-km/h-Grenze halten müsse und die Probefahrt gerne auch mit höherer Geschwindigkeit selbst fahren würde. Die Antwort war sinngemäß: Das könne man mir dann zwar glauben, aber reparieren könne man es trotzdem nicht. Auf meine Nachfrage, wozu die Probefahrt dann überhaupt noch dienen solle, kam nur, dass es Tesla überlassen bleibe, wie sie vorgehen. Damit war das Gespräch beendet.
Ich bin daraufhin noch einmal zurück ins Servicecenter und habe das Gespräch gesucht, eigentlich nur um zu verstehen, wie eine Lösung aussehen könnte. Auf meine Frage, warum ein Fahrzeug, das bis 201 km/h zugelassen ist, bei Mängeln oberhalb von 130 km/h bzw. in Gettorf oberhalb von 120 km/h grundsätzlich von der Garantie ausgeschlossen sein soll, bekam ich mehrfach nur die Antwort: „Lesen Sie doch unsere Garantiebedingungen." Keine Erklärung, keine konkrete Klausel, kein ernsthafter Versuch, auf mein eigentliches Anliegen einzugehen – nur dieser eine Satz, gebetsmühlenartig wiederholt, in einem Ton, der bei mir nur als „ist mir doch komplett egal, sehen Sie zu, wie Sie klarkommen" ankam. So eine Mischung aus Überheblichkeit und offen zur Schau gestelltem Desinteresse an einem berechtigten Kundenanliegen habe ich bei einem Mitarbeiter mit Kundenkontakt noch nie erlebt. Meine Tochter und mein Schwiegersohn waren dabei anwesend und waren genauso fassungslos über diese Art, mit einem Kunden umzugehen.
Und dann kam noch das hier
Kurz danach erhielt ich über die App die automatische Nachricht, ich sei zu meinem Termin am 24.08. um 14:15 Uhr nicht erschienen und solle mitteilen, ob ich unterwegs sei oder einen neuen Termin bräuchte – andernfalls werde der Chat geschlossen. Das Fahrzeug stand zu diesem Zeitpunkt allerdings längst auf dem Gelände und war bereits übergeben und (erfolglos) begutachtet worden.
Ich habe darauf im Chat geantwortet, dass ich sehr wohl da war, und zusätzlich noch einmal konkret nachgefragt: Ich bat um die genaue Klausel bzw. Fundstelle in den für mein am 12.03.2025 ausgeliefertes Fahrzeug geltenden Garantiebedingungen, aus der hervorgeht, dass Mängel, die oberhalb von 130 km/h auftreten oder sich dort deutlich stärker zeigen, von der Garantie ausgeschlossen sind – oder ob es sich bei den 130 km/h lediglich um eine interne Begrenzung für Diagnosefahrten der Mitarbeiter handelt.
Beide Nachrichten sind bis heute unbeantwortet geblieben.
Fazit
Der Termin ist damit faktisch ergebnislos verlaufen: Das Fahrzeug fährt weiterhin mit der Unwucht, die Ursache wurde nicht geklärt, und meine konkrete Nachfrage zur Garantiegrundlage wurde nicht beantwortet. Besonders unschön fand ich, dass eigene Messdaten und die Einschätzung eines Kfz-Fachmanns keine Rolle gespielt haben, sobald die Symptomatik oberhalb der intern gesetzten 130-km/h-Grenze lag – obwohl das Fahrzeug offiziell für 201 km/h zugelassen ist. In Kombination mit dem Ton des Gesprächs vor Ort war das für mich der unangenehmste Servicebesuch, den ich bisher bei Tesla hatte.
Mich würde interessieren, ob andere hier ähnliche Erfahrungen mit vermeintlichen „Geschwindigkeitsgrenzen“ bei der Fehlerdiagnose gemacht haben, und wie in solchen Fällen letztlich eine Lösung erreicht wurde.
EDIT:
Zusatz in dem Gleichen noch offenen Chat eingefügt:
Ich möchte diesen bereits bestehenden Vorgang bitte an einen zuständigen Service Manager bzw. die nächsthöhere Servicestelle eskalieren lassen.
Mein Fahrzeug wurde am 24.08.2026 tatsächlich im Service Center Kiel-Gettorf vorgeführt und untersucht. Die Beanstandung konnte dort lediglich aufgrund der vor Ort möglichen Probefahrtgeschwindigkeit nicht reproduziert werden. Der Fehler besteht weiterhin.
Meine beiden anschließenden konkreten Fragen in diesem Chat – insbesondere nach der genauen Garantie-Klausel bzw. Fundstelle, aus der sich ein Ausschluss der Garantie für einen Fehler ergeben soll, der oberhalb von 130 km/h auftritt bzw. sich dort deutlich verstärkt – wurden bisher nicht beantwortet.
Ich möchte daher zunächst keine neue Terminvereinbarung, sondern eine fachliche Klärung dieses bereits bestehenden Vorgangs und eine Stellungnahme durch einen zuständigen Verantwortlichen.
Bitte bestätigen Sie mir, an wen dieser Vorgang zur weiteren Bearbeitung weitergegeben wird.





