Handelsblatt: Bundesregierung standardisiert Ladesäulen

Oh fuck. Wenn sich da Tesla als marktgläubiges Unternehmen und first mover (durch den Aufbau von Marktmacht ebenjenen zu dominieren) da mal keine blutige Nase an der deutschen Bürokratie holt…

Hässlich, das. Dagegen müssen wir Front machen!

Im Dokument:
„(26) Ein öffentlich zugänglicher Ladepunkt oder eine öffentlich zugängliche Tankstelle können z. B. ein Ladepunkt, eine Tankstelle oder eine Vorrichtung sein, die sich im Privateigentum befinden und über Ladekarten oder Entgeltzahlung öffentlich zugänglich sind, oder ein Ladepunkt oder eine Tankstelle einer Car-Sharing-Organisation, bei der Dritten der Zugang durch Mitgliedschaft ermöglicht wird, oder ein Ladepunkt oder eine Tankstelle auf einem öffentlichen Parkplatz. Ein Ladepunkt oder eine Tankstelle, zu der private Nutzer aufgrund einer Genehmigung oder Mitgliedschaft physischen Zugang haben können, sollte als ein öffentlich zugänglicher Ladepunkt oder eine öffentlich zugängliche Tankstelle gelten.“

Interessant ist auch folgender Teil:
„(33) Die Schnittstelle zum Aufladen von Elektrofahrzeugen könnte mehrere Steckdosen oder Fahrzeugkupplungen umfassen, sofern eine davon den technischen Spezifikationen dieser Richtlinie entspricht, damit ein Aufladen nach mehreren Standards möglich ist. Die in dieser Richtlinie getroffene Festlegung auf die unionsweit gemeinsamen Kupplungen („Typ 2“ und „Combo 2“) für Elektrofahrzeuge sollte sich jedoch für Mitgliedstaaten, die bereits Investitionen in eine andere Standardtechnik für Ladepunkte getätigt haben, nicht nachteilig auswirken und sollte die bestehenden Ladepunkte, die vor Inkrafttreten dieser Richtlinie eingerichtet wurden, unberührt lassen. Es sollte möglich sein, Elektrofahrzeuge, die bereits vor Inkrafttreten dieser Richtlinie in Verkehr waren, aufzuladen, auch wenn sie für Ladepunkte konzipiert wurden, die nicht den technischen Spezifikationen dieser Richtlinie entsprechen. Bei der Auswahl der Ausrüstung für Normal- und Schnellladepunkte sollten spezifische Sicherheitsanforderungen, die auf nationaler Ebene gelten, eingehalten werden.“

"(4) […] Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass Schnellladepunkte für Elektrofahrzeuge (mit Ausnahme von kabellos oder induktiv betriebenen Ladepunkten), die ab dem 18. November 2017 errichtet oder erneuert werden, mindestens den in Anhang II Nummer 1.2 aufgeführten technischen Spezifikationen entsprechen. "
Bis dahin ist das Supercharger Netzwerk ja quasi fertig. Tesla hätte also bis Ende 2017 Zeit, die Supercharger aufzurüsten, danach sind technische Modifikationen am Bestand schwierig.

„(9) Alle öffentlich zugänglichen Ladepunkte müssen den Nutzern von Elektrofahrzeugen auch das punktuelle Aufladen ermöglichen, ohne dass ein Vertrag mit dem betreffenden Elektrizitätsversorgungsunternehmen oder Betreiber geschlossen werden muss.“ An sich ein wie ich finde richtiger Vorschlag, wenn man an den Vorbereitungsaufwand mit passenden Ladekarten für Destination-Charging denkt.

Dagegen Front machen? Würde ja wohl nur gehen, wenn bis zum Inkrafttreten des Gesetzes ausreichend Supercharger in Deutschland stehen würden. Also wenn, dann lasst uns Standorte akquirieren ohne Ende.

Wirklich nur 1 CCS für 8 Supercharger?

Zitat:
„Gleichstrom-Schnellladepunkte für Elektrofahrzeuge sind aus Gründen der Interoperabilität mindestens mit Kupplungen des „combined charging system Combo 2“ nach der Norm EN62196-3 auszurüsten.“

Definition Schnellladepunkt:
„5. „Schnellladepunkt“ ist ein Ladepunkt, an dem Strom mit einer Ladeleistung von mehr als 22 kW an ein Elektrofahrzeug übertragen werden kann.“

Definition Ladepunkt:
„3. „Ladepunkt“ ist eine Schnittstelle, mit der zur selben Zeit entweder nur ein Elektrofahrzeug aufgeladen oder nur eine Batterie eines Elektrofahrzeugs ausgetauscht werden kann.“

Wenn ich mich nicht irre hieße das, dass Tesla pro Ladestall 1 CCS Buchse anbieten muss (natürlich nur bei Neubau).

Interessanter Gedanke. Vielleicht ist das mit ein Grund warum Tesla in den letzten Monaten so Gas (sorry!) gegeben hat beim Supercharger-Ausbau in Deutschland?

Ja nur eine!

Hatten wir doch schon in diesem Thread!? Sogar von SRAM verlinkt :wink:

Absatz 33:

„Die Schnittstelle zum Aufladen von Elektrofahrzeugen könnte mehrere Steckdosen oder Fahrzeugkupplungen umfassen, sofern eine davon den technischen Spezifikationen dieser Richtlinie entspricht, damit ein Aufladen nach mehreren Standards möglich ist.“

Na dann versuch mal Dein „Grundrecht“ auf eine Drehstromsteckdose a la Measureman durchzusetzen :wink:

…du wirst dich wundern…

Im Übrigen stützen sich sehr viele Gesetze auf Normen: das erste dürfte die Dampfkesselverordnung aus dem Jahre 1871 gewesen sein.

Gruß SRAM

Kann man aber doch genauso interpretieren dass man pro Ladesäule einen Anschluss braucht?

Jede Ladesäule versorgt ja 2 Tesla Rüssel = mehre (2) Anschlüsse, d.h. ich brauche pro Ladesäule/Ladepunkt mind. 1 CSS

Das muss halt noch genau ausgeführt werden.

Da hier so viele von einem Gesetzesentwurf schreiben, möchte ich explizit darauf hinweisen dass das Handelsblatt von einer Verordnung schreibt. Die wird einfach so von der Exekutive erlassen, dazu braucht es keine Legislative.

Na ja: da wäre ich etwas vorsichtiger.

Da nicht näher spezifiziert könnte die nocht nicht formulierte entsprechende Ausführungsbestimmung durchaus eine Säule als „Schnittstelle“ definieren. Da wird jetzt tatsächlich das Karussell der Lobbyisten zu laufen beginnen :wink:

Gruß SRAM

Hab den Beitrag von SRAM leider immernoch nicht gefunden. Aber danke für die Stelle, hab ich doch im Eifer des Gefechts überlesen :blush:

Wobei ich ähnlich wie fgordon finde, dass man ebenso mit meiner Textstelle oben es so verstehen kann, dass pro Stall 1 CCS verlangt wird. Etwas verwirrend.

Nein kann man nicht!

Die „Ladestation“ ist in den Holzhäuschen, das andere sind nur „Kabelhalter“.
Darf ich etwa auf meinem Büroparkplatz neben meine Typ2-Ladestation keine 7 Drehstromsteckdosen anbieten?
Die Richtlinie verlangt nur, dass es mind. eine(!) Lademöglichkeit nach dem definierten Standard gibt.
Wechselstrom → Typ2
Gleichstrom → CCS

Habe ich etwas überlesen? Oder könnte der verpflichtende CCS Ladepunkt auch kleiner 50 kW ausgeführt werden? Da könnte man ihn ja so runter reglementieren, dass er weitgehend uninteressant bliebe. Obwohl: dann blieben die Schnarchlader ja noch länger dort stehen.

Die ganze Aufregung hier ist völlig unbegründet!

Es geht nur um die Umsetzung dieser EU-Richtlinie: eur-lex.europa.eu/legal-content/ … 0101-E0003

Dort interessant: Absatz 33 und Anhang 2

Ich habe diese Richtlinie hier im Forum schon vor Monaten verlinkt und niemand hat sich darüber aufgeregt, weil sie im Grunde ja auch positiv ist!

Die Aufregung kommt jetzt nur daher, dass das Handelsblatt Tesla in ihren Artikel eingebaut hat.
Keine andere Newsseite hat das getan! Googlet mal nach „Ladesäulenverordnung“ …

Davon wären dann auch grassroot-Geschichten wie das Drehstromnetz betroffen, oder?

Exakt, so ist es. Also ganz gelassen bleiben. Flexible Handlungsoptionen existieren und sind mit vergleichsweise geringem Aufwand auch in DE aufrüstbar. Den Rest regelt dann die Preisliste.

Korrekt! Damit dürften dann auch keine neuen(!) Drehstrom-Ladepunkte eingerichtet werden :frowning:

Der Referentenentwurf zur „Ladesäulenverordnung“ enthält noch weitere Sauereien, die das „Aus“ von Park&Charge, Drehstromkiste und anderen Ladeeinrichtung bedeuten können.

Aber was die Supercharger betrifft, muss im Umkehrschluss auch das CSS die Ladeleistung vom Supcercharger übertragen können. Nun geht CCS zur Zeit nur bis 50kW, aber wie sollen da 135kW abgegeben werden? Technisch unmöglich.

Wie sieht es aus für zukünftige Standard? Da wollen in absehbarer zeit auch LKWs und Busse geladen werden, dann aber auch mit 250-500kW? Darf dann ein eUP schnarchladend den Ladeplatz blockieren?

Mir erscheint der Entwurf so ungereimt als wäre Sie direkt der Feder der deutschen Autolobby entsprungen zur Verhinderung des weiteren Ausbaus des Ladenetzsystemes, oder aber zum Rückbau bestehender Ladeinfrastruktur.

Anstatt sich um von Verbrenner blockierte Ladeplätze zu kümmern, wird deren Existenz direkt angegriffen.

Vorgaben zum Ausbau der Ladeinfrastruktur bei Neuschaffung von Parkplätzen, Parkhäusern und Tiefgaragen, seien sie öffentlich oder privat, werden überhaupt nicht erwähnt. Kein Wort zum Baurecht etc.

Und da ist der eigentliche Knackpunkt: Der Entwurf, wie im Handelsblatt dargestellt, will Lademöglichkriten verhindern und nicht fördern.

Nach dem Motto: Niemand muss an einem öffentliche Parkplatz Lademöglichkriten schaffen, aber wenn er es doch tut, dann muss es bitteschön richtig kompliziert und teuer werden :wink: