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Essentials - Langstreckenfahrten im Model 3

Nachdem ich hier schon viele wichtige Informationen gefunden und von dem reichhaltigen Erfahrungsschatz in diesem Forum profitiert habe, möchte ich nun einmal von meiner Seite einige Erfahrungen beitragen, in der Hoffnung, den Leuten etwas zu helfen, die noch neu im Bereich E-Mobilität sind und sich fragen, wie man am besten vorgehen sollte, um lange Strecken stressfrei und entspannt, und dabei doch so schnell wie möglich fahren zu können.

Als „lang“ gilt für mich eine Strecke, die das Nachladen unterwegs erfordert, und die dabei möglichst an einem Stück gefahren werden soll. Nehmen wir jetzt einfach mal eine Untergrenze von 1000 km an, und nehmen wir an, dass dabei auch Staatsgrenzen überschritten werden, und dass die Fahrt am Heimatort ihren Ursprung nimmt, der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz liegt.

Warum überhaupt so viele Worte?

Zunächst eines vorneweg: Mit Tesla ist man hier wirklich verwöhnt. Eigentlich könnte ich mir die ganzen Ausführungen sparen und auf das Navigationssystem verweisen, denn das erledigt die Planung mit dem eingebauten „Trip Planner“ grundsätzlich ganz ordentlich. Es reicht also theoretisch, sich ins Auto zu setzen, irgendein Ziel in West/Mitteleuropa einzugeben, dann auf „Trip Starten“ zu tippen, und sich dann an die Anweisungen des Navi zu halten. Autos anderer Hersteller sind da bei weitem noch nicht so weit, für Fahrer*innen solcher Fahrzeuge könnten also meine Hinweise hier vielleicht auch nützlich sein.

Leider hat das Tesla-Navi aber auch einige Nachteile, und es gibt auch noch Potenzial für manuelle Optimierungen, so dass man eventuell insgesamt so eine Strecke auch schneller hinter sich bringen kann, als das Navi anzeigt, oder die geplanten Ladestopps können zeitlich und in ihren Abständen mit den menschlichen Bedürfnissen der Fahrzeuginsassen „synchronisiert“ werden, wenn man die Route manuell anpasst.

Was das Navi (noch) nicht kann

  • Seit einigen Firmware-Versionen sind zwar Ladestationen von Drittanbietern im Navi sichtbar und auffindbar, sie werden aber nicht für die Trip-Planung einbezogen. Das ist momentan aber auch besser so, denn für diese Ladestationen liegen oft nur schlecht gepflegte oder unvollständige Daten über deren aktuelle Verfügbarkeit und die zu erwarteten Ladeleistungen vor.
  • Zwischenstopps sind im Navi („Trip Plannner“) nicht manuell eintragbar. Ihr werdet jetzt sagen, das macht ja nichts, man kann ja einfach das nächste Etappenziel beziehungsweise die dort zum Ladestopp angepeilte Ladestation als Endziel ins Navi eingeben. Das stimmt auch, aber es ist doch nicht ganz das selbe. Man stelle sich z.B. eine Strecke von München nach Kiel vor, die man in den Trip Planner eingegeben hat. Das Navi wird automatisch die nötigen Ladestopps entlang der momentan schnellsten Strecke einplanen. So weit so gut. Da es aber mehrere mehr oder weniger parallele Möglichkeiten gibt, von München nach Kiel zu fahren, kann es aufgrund der Verkehrssituation sein, dass sich die zeitlich optimale Route noch ändert, während man schon unterwegs ist. Das Navi ist intelligent genug, in so einem Fall die Route komplett neu zu berechnen und evtl. auch ganz andere Ladestopps zu wählen, als zu Anfang. Habe ich aber einfach nur manuell meinen nächsten Ladestopp als Endziel eingestellt, hat das Navi natürlich diese Möglichkeit nicht. So würde ich vielleicht auf eine staureiche Strecke geleitet, nur weil das Navi der Meinung ist, ich möchte unbedingt zu dieser einen Ladestation, obwohl es mir selbst eigentlich völlig egal ist, wo ich lade, Hauptsache ich komme möglichst schnell voran. Hier wären manuelle Zwischenziele mit einer zusätzlichen Option „nur Ladestopp“ sinnvoll, die bei einer Neuberechnung der Gesamtroute herausgeworfen werden könnten.
  • Der Trip Planner ist manchmal etwas zu vorsichtig und plant Ladestationen an Stellen ein, an denen der Akku noch gar nicht leer genug ist, um mit hoher Geschwindigkeit nachzuladen. Weiter unten erkläre ich, warum es im Hinblick auf die gesamte Reisegeschwindigkeit vorteilhaft ist, die Stopps bewusst so zu wählen, dass innerhalb eines bestimmten Bereichs des Batteriestandes (SoC - State of Charge) geladen und wieder leergefahren wird, und eben nicht von 0 auf 100%.
  • Andererseits habe ich es aber auch schon erlebt, dass vor allem bei schnell sinkender Außentemperatur oder plötzlich einsetzendem schlechtem Wetter der für die Ankunft vorhergesagte Ladestand während der Fahrt rapide abnimmt. Dann wird man im Display bald die Anweisung sehen, eine bestimmte Geschwindigkeit bitte nicht zu überschreiten, um den Ladestopp oder das Ziel zu erreichen. Es kommt sogar vor, dass diese Angabe mehrmals nach unten korrigiert wird, obwohl man die vorgeschlagene Geschwindigkeit einhält. Am Ende steht dann der Hinweis, dass zum Erreichen des Ziels ein weiterer Ladestopp notwendig ist, der dann alsbald auch berechnet wird. Das wirft dann natürlich die Reiseplanung eventuell etwas durcheinander.
  • Manchmal möchte man bewusst an bestimmten Stellen Zwischenstopps einlegen, und da wäre es schön, wenn man diese Zeit auch nebenher zum Laden nutzen könnte. Dies erfordert aber einigermaßen zuverlässige Angaben über das Netz an nicht-Tesla-Ladestationen, und die Unterstützung hierfür ist im Tesla-Navi wie gesagt noch rudimentär.
  • Bestimmte nicht-Tesla-Ladestationen erlauben (vor allem beim Model 3) höhere Ladeleistungen, als die weit verbreiteten Tesla-Supercharger der Version 2. Solange nicht die neuen V3-Supercharger flächendeckend verfügbar sind, kann eine bewusste Nutzung solcher Ladestationen anstatt evtl. in der Nähe liegender Tesla-Stationen die Reisezeit insgesamt verkürzen. Dies gilt besonders für das IONITY-Netzwerk, das auch noch den Vorteil hat, dass die Ladestationen oft direkt auf Autobahnraststätten (nicht auf Autohöfen oder in Gewerbegebieten nahe der Ausfahrt, wie bei Tesla in D meist üblich) liegen, und somit zusätzlich Umwege gespart werden können. Dazu muss man aber wissen, wo es diese Möglichkeiten gibt.

Lösungsmöglichkeit: Drittanbieter-Apps und Webdienste

Die Betreiber von Ladenetzwerken wie die oben genannten bieten meist eigene Apps an, die es erlauben, den Status ihrer Säulen abzufragen, diese auf einer Kartenansicht zu lokalisieren und dorthin zu navigieren.

A Better Route Planner (ABRP)

Das umfangreichste, genaueste und zuverlässigste Werkzeug, um mit einem Tesla Routen unter Einbeziehung von nicht-Tesla-Ladestationen zu planen, ist aber die hersteller- und betreiberunabhängige Website https://abetterrouteplanner.com. Die Website ist bewusst so gestaltet, dass sie sich auch auf dem im Auto eingebauten Webbrowser bedienen lässt.
Für einige Smartphone-Betriebssysteme gibt es seit einiger Zeit auch eine ABRP-App, die mir allerdings von der Bedienung her noch nicht ganz ausgereift erscheint.
Zusätzlich kann bei einem Tesla diese Website sogar während der Fahrt Echtzeitdaten wie Position und Ladestand des eigenen Fahrzeugs verarbeiten, so dass sich eine Ansicht fast wie beim eingebauten Navi ergibt, nur mit dem Unterschied, dass die Routenplanung auch über Ladestationen anderer Anbieter als Tesla funktioniert. Zudem unterstützt ABRP Zwischenziele und hat die Möglichkeit, einen Ladestopp als gewünscht „besonders lange“ einzuplanen, z.B. weil man dort sowieso eine Pause machen möchte. Voraussetzung für eine zuverlässige Funktion von ABRP ist, dass der Typ des eigenen Autos korrekt eingestellt wird. Man kann auch noch viele andere Rahmenparameter wie z.B. Höchstgeschwindigkeit, Zuladung usw. konfigurieren, woraus der Verbrauch des Autos errechnet wird, und dadurch bekommt man auch zuverlässige Hinweise, wo und wie lange man unterwegs laden muss.

ABRP eignet sich auch sehr gut als „Simulator“, um zu sehen, wie eine Route aussehen würde, wenn sie mit einem bestimmten E-Auto gefahren wird. Wer sich für ein E-Auto interessiert, aber nicht sicher ist, ob bestimmte Langstreckenfahrten damit in akzeptabler Zeit möglich sind, kann über ABRP nachprüfen, wie das aussehen würde.

Eine sehr wichtige Funktion in ABRP ist allerdings auch die, die Ladestationen bestimmter Anbieter bewusst bei der Planung auszublenden, denn leider gibt es eine ganze Menge notorisch unzuverlässiger Ladenetzwerke, und ich möchte natürlich z.B. auf einer Urlaubsfahrt mit der ganzen Familie nicht das Risiko eingehen, vor einer funktionsunfähigen Ladesäule mit leerem Akku zu stehen.

Meiner Erfahrung nach sind die Netze, auf die man sich in der Regel verlassen kann:

  • Tesla Supercharger (natürlich!)
  • IONITY
  • Fastned
  • Allego (mit Einschränkungen, sofern mehr als ein Ladepunkt an einem Standort ist)
  • EnBW (die neueren Alpitronic Hypercharger mit 150 kW+)

Nicht so zuverlässig, und daher zu meiden, sind meiner Erfahrung nach:

  • E.On
  • Innogy (sind oft nicht per Karte freizuschalten, und per App geht auch oft nicht)
  • Diverse Stadtwerke etc.
  • EnBW (ältere Dreifachlader mit 50 kW)
  • Überhaupt die klassischen 50 kW Dreifachlader

Wie fahre ich eine lange Strecke?

Navigation

So schön ABRP auch ist, es ist leider optisch und vom Bedienkonzept her natürlich nicht so gut in die Benutzeroberfläche des Autos integriert, wie das eingebaute Navi. Teilweise stockt die Aktualisierung der Echtzeitdaten, oder beim kurzzeitigen Verlassen der Web-Browser-Ansicht im Auto fliegt die Website raus oder bleibt hängen.

Daher hat sich momentan für mich ein gemischtes Vorgehen bewährt, bei dem ich die Routenplanung hauptsächlich im Vorhinein mit ABRP mache, und während der Fahrt dann das Tesla-Navi nutze. Dort gebe ich als Ziel jeweils den nächsten von ABRP vorgeschlagenen Ladestopp ein, wodurch auch die Akkuvorheizung vor dem Ladestopp aktiviert wird, sollte das notwendig sein.

Besteht die Möglichkeit, dass sich die optimale Gesamtroute aufgrund von Verkehrsverhältnissen ändert, breche ich von Zeit zu Zeit dann die Navigation ab und gebe mein tatsächliches Endziel ein, das ja dann schon in den Favoriten steht. Unterscheidet sich die dann berechnete Route von der von mir vorgeplanten auf eine Weise, dass die Ladestopps nicht mehr gehalten werden können, lasse ich mit ABRP dann die Alternativroute berechnen (die Routen stimmen meist zwischen ABRP und Tesla überein) und gebe den dann neuen, von ABRP angegebenen nächsten Ladestopp ins Tesla-Navi ein. Damit kann ich ziemlich sicher sein, dass ich die optimale Route fahre.

Ladestrategie

Noch ein weiterer Punkt ist wichtig, wenn man eine Strecke in möglichst kurzer Zeit zurück legen möchte, und man sieht das auch an den Vorgaben, die das Navigationssystem bzw. ABRP zu den Ladestopps machen. Es fällt auf, dass in beiden Fällen oft mehr Ladestopps eingeplant werden, als von der maximalen Reichweite des Autos her zu erwarten wäre, so hat etwa eine 800-km-Strecke nicht einen Ladestopp, sondern zwei. Unbedarfte Nutzer könnten vielleicht denken: Wieso das denn, ich fahre vollgeladen los, schaffe damit 400 km, komme mit 3% an, lade dann wieder voll und schaffe die restlichen 400 km?

Das Problem ist hier, dass das Laden eines Akkus nicht direkt mit dem Füllen eines Tanks vergleichbar ist. Nur bis zu einem bestimmten Ladestand wird die maximale Ladeleistung gehalten, dann wird, um den Akku vor zu starker Erhitzung zu schützen, die Ladeleistung kontinuierlich verringert. Somit würde das komplette Aufladen auf 100% unverhältnismäßig lange dauern.

Da sind dann zwei Stopps, bei denen je nur z.B. bis 60% geladen wird, insgesamt schneller. Möchte man also manuell die Reisezeit optimieren, ist es sinnvoll, die „Ladekurve“, also den Verlauf der Ladeleistung in Abhängigkeit vom Ladezustand zu kennen. Das Tesla-Navigationssystem und ABRP berücksichtigen diese Daten und schlagen deshalb so gut wie nie vor, über mehr als 90% aufzuladen, wobei erfahrungsgemäß ABRP hier wesentlich intelligenter vorgeht.

Auch hier im Forum sind Ladekurven für viele Fahrzeuge und Situationen veröffentlicht, die man mit der Stichwortsuche nach „Ladekurve“ leicht findet.

Reichweitenangst?

Auf langen Autobahnfahrten ist Reichweitenangst größtenteils unbegründet. Einerseits gibt es inzwischen auf sehr vielen Raststätten in ganz Europa zumindest 50-kW-Ladestationen, deren Lage sich mit ABRP oder anderen Apps leicht herausfinden lässt. So kann man auch außerplanmäßig und spontan Energie nachladen, falls etwas sehr schief gegangen sein sollte (Schneesturm etc.). Voraussetzung ist natürlich, dass man weiß, wie man sie freischalten kann, und die nötigen Mittel dabei hat (RFID-Karte, App usw.).

Andererseits kommt uns bei Autobahnfahrten aber auch zugute, dass der Luftwiderstand eines Autos quadratisch mit der Geschwindigkeit zunimmt. Warum soll das gut sein? Für uns bedeutet das, dass wir unseren Stromverbrauch während der Fahrt deutlich senken können, indem wir etwas langsamer fahren, als geplant.

Das bedeutet aber auch, dass wir nicht von vornherein mit einer zu niedrigen Dauergeschwindigkeit planen sollten, denn das verringert unseren Spielraum, den wir dann noch nach unten haben.
Habe ich z.B. mit einer Dauergeschwindigkeit von 150 km/h geplant und merke, dass es aus irgendwelchen Gründen doch nicht mehr bis zum nächsten geplanten Stopp reicht, kann ich auf 120 km/h runter gehen und dadurch meine Restreichweite deutlich verlängern.

Hilfreich ist hier einerseits die Anzeige im Navi, die angibt, mit wieviel Prozent Restladung ich am nächsten Stopp ankomme. Nimmt diese Zahl immer weiter ab, ist Vorsicht geboten und ich sollte langsamer fahren, bevor ein kritischer Wert (was auch immer ich darunter verstehe) unterschritten wird. Nimmt die Zahl zu, kann ich vielleicht sogar schneller fahren, als ursprünglich geplant.
Noch besser für diese Einschätzung geeignet ist natürlich die Energieanzeige im App-Menü des Autos. Dort kann ich sehr genau den Verlauf des Energieverbrauchs und dessen Projektion in die Zukunft sehen.

Die angezeigte Restreichweite, die rechts oben neben der Geschwindigkeit im Display steht, ist übrigens für eine Abschätzung der real verbleibenden Reichweite nicht sehr gut geeignet. Dort wird einfach der Akkustand mit einem mehr oder weniger festen Faktor in eine Kilometerzahl umgerechnet, der tatsächliche Verbrauch spielt dort keine Rolle. Daher empfehle ich allen, im Menü „Display“ die Anzeige der Restreichweite auf „Energie“ umzustellen. Dann wird anstelle der eher weniger nützlichen Kilometerangabe der Prozentsatz des Akkustandes angezeigt. Manche haben dort dennoch lieber Kilometer stehen, weil die Unterteilungen kleiner sind.

Fazit

Obwohl das eingebaute Navigationssystem grundsätzlich ausreicht, um beliebig lange Strecken mit einem Tesla zu fahren, können zusätzliche Apps und eine Vorausplanung dazu helfen, entweder schneller voranzukommen, oder die Planung nach eigenen Vorlieben und Bedürfnissen anzupassen.

Reichweitenangst ist bei langen Autobahnfahrten in jedem Fall unbegründet. Mittlerweile ist in ganz Europa das Ladesäulennetz dicht genug, und die größte Energiereserve liegt im Langsamfahren.

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