Guten Abend wünsche ich und ich dachte, ich schreib mal einen Erfahrungsbericht nach 4 Tagen mit dem neuen Model Y Performance.
Im Juni 2020 habe ich meinen ersten Tesla gekauft, ein Model 3 Long Range, dem ich nach wenigen Wochen diesen Acceleration Boost gegönnt habe.
Das Fahrzeug faszinierte mich von Beginn an. Zu Anfang bemerkt man gar nicht, wie entspannend diese für mich inzwischen extrem unverzichtbaren Features sind, die sonst kein, oder kaum ein Fahrzeug hat.
Ich brauche keinen Schlüssel, keine Handbremse, keinen Startknopf und kann am Ende der Fahrt einfach aussteigen und gehen. Nutze ich meinen Bulli, bleiben am Ende immer der Schlüssel stecken und Türen offen.
Dreieinhalb Jahre lang störte mich allein die bockige Federung und Dämpfung, als ehemaliger Citroen C6-Fahrer auch kein Wunder. Leider polterte die Federung auch akustisch unangenehm, zählen Dortmunds Straßen ja auch zu den Vernachlässigsten in unserem einst modernen Land.
Geliebt habe ich hingegen die Leichtigkeit der Mischung aus Carrera-Bahn, Autoscooter und Kart, die das Model 3 bei Kurvenfahrten an den Tag legt. Auf schönen, neuen Straßen gibt es kaum Agileres und nichts Angenehmeres.
Am letzten Mittwoch kam also dann mein neues Model Y Performance.
Kurz mal was zur Auslieferung in Dortmund. Dass diese an Schmucklosigkeit kaum zu überbieten ist, brauche ich hier ja niemandem mehr zu erzählen.
Die Mitarbeiter waren alle sehr freundlich und gefühlt kaum volljährig. Der junge Mann, der meine Übergabe betreute, erst seit 4 Tagen dabei. Entsprechend konnte ich mir die wenigen Fragen, die ich obschon einiger weniger Neuerungen seit 2020 auch sparen. Ich hab ja Euch, auch wenn man hier gern auf Threads mit 10.645 Beiträgen verweist, wenn ich Fragen habe, die schon öfter mal gestellt wurden. Meist macht dieser Hinweis mehr Mühe, als kurz die Frage zu beantworten, dafür vermittelt es einem aber das schöne Gefühl, endlich mal wieder streng erzogen worden zu sein.
Der junge Herr mit dem dreckigen, gelben Lappen, von ihm wollte ich ja kurz erzählen.
Er war sehr lieb und sicher auch schon stubenrein, die Konversation erfrischend jung und durchaus angenehm. Auch war er eher von der nervösen Sorte, fuchtelte er mit seinem staubigen Lumpen doch durchgehend hektisch von Dreckfleck zu Dreckfleck, um diesen mit möglichst viel Druck schnellstens wegzuschmirgeln.
Als ich auf die Felge mit dem fetten Bordsteinabrieb zeigte, setzte er auch dort seinen Feudel an, da war man dann endgültig überzeugt, dass er zuvor nicht beim Aufbereiter tätig war.
Die wenigen, echten Mängel (die zerstörte Felge, eine zerkratzte Zierleiste und ein Spoiler mit weißen Farbeinschlüssen, das wars zuerst) wurden auch nicht notiert.
Ich möge mich innerhalb von 24 Stunden per App beschweren. Das find ich etwas unprofessionell, aber wenns am Ende gut geht, soll es mir egal sein. Diesen Felgenkratzer nicht aufzunehmen, find ich eher spannend. Den kann ich mir schließlich auch auf den 15 Minuten Fahrt nach Hause geholt haben, wo ich die Schäden dann per App meldete.
Einzig ein ganz leicht flackerndes Display bei diffusen Lichtverhältnissen ist noch ein Punkt, den ich nachträglich hinzugefügt habe, sonst scheint das Auto in Ordnung zu sein.
Im Titel hab ich etwas gelogen. Ich habe kein 2024er-Modell abgeholt, mein Auto wurde im September 2023 gebaut. Direkt danach haben sie ihn neben einem Kohlekraftwerk abgestellt, wo er bis letzten Dienstag wohl auch stand.
Dann muss einer eben schnell bei einer freien Tanke durch die Waschanlage gefahren sein, das gute Sparprogramm für 6.99 geordert haben, um das Gefährt dann auch Platz 13, Reihe B zu stellen.
Entsprechend fand ich die Rückstände der letzten 5 Monate Industriegebiet zwar nicht auf den glatten Flächen, jedoch aber ist sämtlichen Fugen und vor Allem hinter den schönen, schwarzen Türgriffen. Ein leicht grün-gräulicher, dezent schmieriger Belag aus Staub und Moos. Allerdings nur hinten, vorne muss der Jungspund wohl schnell geschmirgelt haben.
So, das war jetzt die Realität und ich nehme solche Merkwürdigkeiten mit genau dem Humor hin, in dem ich sie hier auch beschrieben habe. Es ist mir egal, weil ich mein Auto ohnehin selbst in kürzester Zeit ähnlich zurichten werde.
Der Typ war niedlich, ich sorge mich nicht, dass die netten Menschen bei Tesla mir keine neue Felge geben werden und das Aufo funktioniert wunderbar.
Nun mal zum Unterschied zum alten Model 3.
Die Federung und Dämpfung ist erwachsen geworden, ich höre keinerlei Poltern mehr und die Dämpfung hat sich sehr verbessert. Dass er steinhart ist und hoppelt - nun gut, was soll ich von einem P-Modell schon Anderes erwarten. Dennoch ist das Model Y jetzt um Längen besser „gefedert“.
Ich hätte nicht das P-Modell genommen, wenn ich nicht befürchtet hätte, dass mir das LR nach dem Model 3 zu lahm ist. Ich habe Recht behalten.
Entgegen den schieren Messwerten kommt mir das M Y-P sogar lahmer vor, als das M 3-LR mit Boost, aber nur ein bisschen
Und das Carrera-Bahn-Gefühl ist so gut wie weg, das ist wirklich etwas schade. Man merkt halt, dass die Kiste höher und schwerer ist.
Und er ist richtig leise. Viel weniger Innengeräusche, 60km/h kommen einem nicht mehr wie 75 vor, sondern eben wie 60. Übrigens: In ejner aktuellen Mercedes C-Klasse kommen einem 60km/h wie 40 vor, nur um aus meiner Sicht mal die Komfortunterschiede zu einer deutschen Premiummarke aufzuzeigen.
Etwas verblüfft bin ich von dem Mehrverbrauch, den ich bislang im Schnitt zu ertragen habe. Stand bei meinem Model 3 nach den letzten 80.000km ein Schnitt von 175Wh auf dem Display, sind es jetzt 210, trotz gedämpfter Fahrweise (weil ich einen neuen Hund habe) Ich hatte 190 erwartet, aber vielleicht gibt sich das ja noch, ist ja noch etwas kühl draußen.
Fazit: Ich bin sehr zufrieden, Tesla bleibt eine merkwürdige Firma und Gott sei Dank habe ich mir keinen BMW I4 gekauft, der auch mein Interesse geweckt hatte. Das Model 3 bleibt in der Familie, damit hab ich meinen Sohn sehr beglückt, denn er ahnte nix davon.
Und dann hätte ich noch ein, zwei Fragen zu den komischen Geräuschen, die mein Alter ja noch nicht machen konnte.
Ich kann ihn hupen und pupsen lassen, in diesem Kameramodus von der App aus, aber die Sache mit dem Mikrofon funktioniert nicht. Ich hab mal irgendwo gesehen, dass man etwas in die App sprechen kann und das Auto gibt es auf gruselige Weise an Passanten wieder.
Bekloppt und lustig, aber mein Auto kann das nicht. Ich drücke auf den Mikro-Button, ohne Ergebnis. Mach ich was falsch? Das Mikro ist freigeschalten.
Und: Kann man das Enterprise-Geräusch beim Rückwärtsfahren leiser machen, ändern, oder ausschalten?
Danke für die Geduld, wer bis hierher durchgehalten hat und einen schönen Abend noch.
