Eine etwas ausführlichere Geschichte zu meiner jüngsten Erfahrung beim Kauf eines Tesla – direkt bei Tesla – bei dem ich eigentlich dachte, diesmal beim Gebrauchtwagenkauf alles richtig gemacht zu haben.
Aber wie fing alles an?
Vor einigen Monaten kam mir nach rund vier Jahren mit meinem 1A gepflegten Model 3 Performance – den ich damals als Neuwagen bestellt, seitdem gefahren und liebevoll modifiziert hatte – die Idee, auf ein Model Y Performance umzusteigen. Die weißen Sitze hatten es mir angetan und für den anstehenden Urlaubs-Roadtrip dachte ich, etwas mehr Platz könne ja nicht schaden.
Heute weiß ich: Ich brauche nicht mehr Platz ![]()
Also hab ich meinen geliebten Model 3 mit KW V3 Fahrwerk und weiterem Zubehör verkauft - sehr sehr schweren Herzens.
Statt das Model Y diesmal von privat zu kaufen, dachte ich mir: Tesla Certified Pre-Owned direkt vom Hersteller – das sollte eigentlich eine ziemlich sichere Wahl sein. Im Inserat bei Mobile sah auch erstmal alles sauber aus, unter anderem mit dem Hinweis, dass keine strukturellen Schäden vorliegen. Bei Tesla selbst stand allerdings etwas schwammig „zuvor repariert“.
Also habe ich nachgefragt. Schriftlich, telefonisch und später auch persönlich.
„Zuvor repariert“ bedeutete laut Auskunft: Heckspoiler, Innenraumkamera, Querlenker, Wischblätter, Filter und Bremsflüssigkeit. Größere Vorschäden? Angeblich keine. Eher kosmetische Kleinigkeiten, wie sie eben mal vorkommen.
Sehr gut, dass ich vorher so gewissenhaft nachgefragt hatte. Also kaufte ich das Auto.
Leicht angetrunken (und vermutlich nicht mehr vollständig geschäftsfähig), während ich mich im Griechenland-Hotelurlaub nebenbei von der Animation habe bespaßen lassen ![]()
Nach vollständiger Zahlung durfte ich das Auto wenige Wochen später abholen. Und offenbar genau so, wie man einem Käufer direkt das beste Gefühl vermittelt.
Eine verschmutzte Schutzfolie am Radlauf sollte „noch schnell“ getauscht werden. Aus „kurz“ wurden ungefähr zwei Stunden.
Scheckheft? Nein.
Unterlagen zu früheren Reparaturen? Ebenfalls nicht vorhanden.
Alles sehr pragmatisch. Wir kennen das hier wohl alle.
Die 12% Akkustand und die anschließende kleine Überlebensfahrt zur nächsten Ladesäule sollten sich rückblickend allerdings als eines der kleineren Probleme herausstellen.
Auf der Heimfahrt nach der unfreiwilligen Zwangspause bemerkte ich dann deutliche Vibrationen bei höherem Tempo. Mein erster Gedanke: Räder, Reifen, Unwucht. Wohl irgendwas in diese Richtung.
Ein paar Tage später lösten sich bei der extremen Hitze dann auch noch die Tesla-Logos vorne und hinten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass selbst das rückblickend eher zu den kleineren Problemen gehören würde.
Nach der Zulassung kannte ich die Vorhalterin. Eine super nette Aktiengesellschaft. Über die Initialen am damaligen Kennzeichen konnte ich sogar nachvollziehen, wer das Fahrzeug vermutlich gefahren hatte.
Also schrieb ich dorthin und fragte nach der Historie und weiteren Informationen zum Auto. Mein Gedanke war eigentlich ganz simpel: Wenn ich das Fahrzeug irgendwann wieder verkaufe, möchte ich dem nächsten Käufer so viel wie möglich dazu sagen können. So, wie es sich meiner Meinung nach für einen guten Verkäufer gehört.
Die Antwort des Vorhalters war zunächst entspannt: Alles soweit okay mit dem Auto, Wartung nach Meldung. Nur eine Kleinigkeit: Das Fahrzeug hatte wohl mal einen „recht umfangreichen Hagelschaden“, der repariert worden war.
Junge - hab ich beim Kauf vom Model Y das kleingedruckte überlesen, oder was geht plötzlich ab?
Auf Rückfrage war der Vorhalter sehr hilfsbereit und stellte mir sogar das damalige Gutachten zur Verfügung. Und genau da bekam „zuvor repariert“ plötzlich ne ganz ganz andere Bedeutung.
Über 220 dokumentierte Dellen. Betroffen waren unter anderem alle vier Türen, beide Kotflügel, Seitenteile, Hauben und Dachrahmen. Dazu lackierte und ausgetauschte Bauteile, ein komplett ersetztes Panorama-Glasdach sowie eine neue Ladeklappe samt Stellmotor. Reparaturkosten über 6k.
Mit dem Gutachten im Hinterkopf sah ich mir das Auto dann nochmal deutlich genauer an und mir fielen Dinge auf, die ich als Laie vorher einfach nicht gesehen habe: bearbeitete Schrauben mit beschädigtem Lack, Lackiernebel, Spuren an Kotflügelschrauben, deutliche Farbunterschiede, auffällige Spaltmaße und eine Lackierkante im Kofferraum.
Spätestens da war für mich klar: Das Model Y und ich werden keine langfristige Beziehung führen.
Also erklärte ich gegenüber Tesla den Rücktritt und hilfsweise den Widerruf (aus „Gründen“) und bot das Fahrzeug zur zeitnahen Rückgabe beziehungsweise Abholung an.
Und dann begann der etwas weniger unterhaltsame Teil der Geschichte.
Fristen. Mails. Telefonate. Angekündigte Rückrufe, die nicht kamen. Neue Mails. Neue Fristen. Austausch mit Anwälten.
So wie diese Barbie saß ich am Schreibtisch, und hab mich mental schon auf nen langen Kampf eingestellt, den ich aus Prinzip durchziehen werde.
Ich habe eigenständig sehr konkrete Schreiben mit Fristen und angekündigten Konsequenzen an Tesla geschickt und mich auf keinerlei Verzögerungsspielchen eingelassen. Vieles davon deckte sich ziemlich genau mit dem, was man bei entsprechender Recherche findet und auch mit dem ersten Feedback eines auf Tesla-Fälle spezialisierten Anwalts…
Kann natürlich alles Zufall sein - deshalb ging das Auto nach erster Rückmeldung von Tesla zum nächsten zertifizierten Tesla Body Shop im näheren Umfeld, um das Auto erstmal von ihrer Fraktion begutachten zu lassen.
Dort wurde wohl wirklich Objektiv geprüft. Denn das Ergebnis war, dass die Reparatur scheinbar doch nicht so fachgerecht gewesen ist: Noch einmal über 7k Nachbesserungsbedarf und ein Katalog, der die erste Reparatursumme überstiegen hat.
Sehr interessant.
Irgendwann wurde es für mich vor allem auch praktisch nervig, weil ich dringend wieder ein Auto brauchte, mit dem ich sehr bald in den Urlaub wollte. Und auch da merkte ich: Das Model Y ist erstmal raus, weshalb mein Wunschfahrzeug wieder das Model 3 Performance war - gerne ein einer, mit KW V3 Fahrwerk und optischen Modifikationen. Aber finde mal einen, der so sehr spezifisch ist … und auch in dieser kurzen Zeit.
Unmöglich.
Aus purer Verzweiflung (ohne wirklich zu Glauben, dass es möglich ist) habe ich hier im Forum ein Beitrag mit einer konkreten Wunschsuche verfasst. Alles in allem, nicht wirklich etwas für eine realistische kurzfristige Suche und geschrieben. Fast wie ein Märchen.
Denn: Seriously. Als hätte ich jetzt noch die Möglichkeit, in der kurzen Zeit Ansprüche zu stellen ![]()
Tatsächlich aber meldete sich zeitnah jemand, der einen recht ähnlichen Wagen (wie ich ihn mir zuvor aufgebaut habe) angeboten hat.
Der Verkäufer hat dann genau das gemacht, was ich mir beim ersten Kauf von Tesla gewünscht hätte und auch selber so lebe: Offen kommuniziert, Fragen beantwortet, nichts schön geredet und mir einfach ein gutes Gefühl gegeben.
Die Ironie der Geschichte ist: Beim privaten Verkäufer hatte ich mehr Vertrauen in die Fahrzeughistorie als beim Kauf direkt vom Hersteller.
Obwohl das Auto über meinem geplanten Budget war, hab ich es letztlich trotzdem gekauft. Nicht nur wegen des Autos, sondern wegen dem Gefühl.
Ende vom Lied: Tesla hat das Model Y einvernehmlich zurückgenommen. Zu den konkreten Bedingungen darf ich nichts sagen. Das Fahrzeug wurde bei mir vor Ort abgeholt und die Sache war damit erledigt.
Dank der unkomplizierten Zusammenarbeit mit dem Verkäufer meines neuen Model 3 und ein paar glücklichen Fügungen bei den Terminen im Straßenverkehrsamt hat am Ende sogar eine echte Punktlandung funktioniert: Pünktlich zum geplanten Roadtrip stand mein neues Model 3 Performance mit KW V3 und diversen Modifikationen bereit.
An der Stelle deshalb auch ganz klar ein Danke ans TFF Forum. Ohne die Community wäre so eine spezielle Suche in so kurzer Zeit vermutlich kaum aufgegangen.
Ich will aus diesem Beitrag auch kein Tesla-Bashing machen. Offensichtlich mag ich die Technik und die Autos immer noch – sonst hätte ich mir nicht direkt wieder einen gekauft (obwohl ich schon bei Polestar, BMW & alternativen Herstellern nachgesehen habe).
Mein Learning ist ziemlich simpel (und das möchte ich gerne weitergeben):
Wenn irgendwo „zuvor repariert“ steht: Fragt nach
Und wenn ihr schon gefragt habt: Fragt nochmal.
Und möglichst schriftlich.
Denn zwischen „kosmetische Kleinigkeiten“ und über 220 Hageldellen samt neuem Panoramadach, kann offenbar doch noch ein bisschen Interpretationsspielraum liegen.
Mich hat es viel Zeit, Nerven und wieder paar weitere graue Haare gekostet.
Aber immerhin weiß ich jetzt endgültig: Ich brauche aktuell kein Model Y ![]()



