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Geschäftsmodell "Laterne-Laden"

Manchmal ist die Zeit einfach reif für einen neuen Thread… :wink: Da ist zum einen die doch sehr angeregte aktuelle Diskussion über das :arrow_right: Geschäftsmodell von Fastned. Davon eigentlich unabhängig ergab sich heute eine zunächst private Email-Debatte über den Preis an der einen Pilot-Laterne (es gibt zurzeit zwei) von Ebee.

Ebee steht für das Prinzip „Laterne-Laden“: Wer sein Auto über Nacht oder während des Arbeitstages am Straßenrand parkt (sog. „Laternenparker“), soll dort eine Lademöglichkeit vorfinden. Damit das Sinn macht, muss es möglichst viele solcher Ladepunkte am Straßenrand geben, und damit es möglichst viele geben kann, müssen sie möglichst preiswert sein. Andererseits sind keine hohen Ströme erforderlich: 16 A einphasig (3,7 kW) ist vollkommen ausreichend, denn das Auto steht ja sowieso acht Stunden oder länger auf seinem Parkplatz. So eine kompakte, standardkonforme Typ 2-Ladesäule von Ebee kostet dann etwa 1000 Euro (nur die Hardware, ohne Installation und Anschluss) und somit über den Daumen ein Zehntel dessen, was so eine 2x22 kW-Säule von Mennekes kostet.

Einschub: Vor diesem Hintergrund hat sich ein anderes Berliner Startup, das Unternehmen Ubitricity, eine etwas ungewöhnliche Lösung ausgedacht, bei der ein großer Teil der Ladesäulen-Elektronik ins Fahrzeug verlagert wird. Auf diese Weise sind die Anschlüsse am Straßenrand noch preiswerter zu realisieren und die Kosten werden anders verteilt. Die Anschlüsse sind dann aber eben auch nur mit der speziellen Ubitricity-Hardware nutzbar. Um dieses Konzept geht es in diesem Thread ausdrücklich nicht.

Die Ebee-Ladesäulen lassen sich u.a. mit PlugSurfing oder TheNewMotion freischalten. Ebee verlangt 10 ct/Stunde + 36 ct/kWh. Auch wenn Ebee in der Pilot-Installation die Betreiber-Rolle übernimmt, sieht sich Ebee selbst lieber als Hardware-Lieferant und hofft, größere Betreiber für eine flächendeckende Installation ihrer Mini-Ladesäulen begeistern zu können. Hier die PlugSurfing-Preise:
:arrow_right: plugsurfing.com/de/order/key-hanger/

Vor diesem Hintergrund entspann sich folgende Debatte (alle Beteiligten haben ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben):

Und jetzt seid Ihr dran! Wie ist Eure Meinung zu dem Preismodell? Habt Ihr kreative Vorschläge, wie man die Ziele und Notwendigkeiten besser erreichen könnte?

(Full disclosure: Ich kenne die Leute von Ebee persönlich und stehe ihnen gern zur Verfügung, um die Hardware mit meinem Tesla zu testen oder Fragen wie diese zu diskutieren, bin aber ansonsten nicht beteiligt oder investiert.)

Mir ist der Punkt mit den 10 cent pro Stunde nicht klar. Es soll ein Parken ohne Laden verhindern. Aber wer kontrolliert, dass vor der Laterne nicht etwa ein Verbrenner parkt, der gar nicht laden kann? Gibt es dann Knöllchen?

Meine schöne eMail hast du nicht gepostet:… :slight_smile:

Ich sehe aber einen Unterschied zwischen Fastned und eBee. Bei Fastned gibt es noch keine Alternative. Bei eBee in Berlin gibt es die. Anders sähe die Sache schon wieder aus, wenn sie in Gegenden gehen, wo es noch keine Ladeinfrastruktur gibt. Und wenn Fastned neben Clever baut und Clever 20 Cent weniger pro kWh kostet, dafür aber kein Solardach hat, dann werden die Fastned-Säulen sehr, sehr einsam werden.

Ich hatte ja selbst einmal ausgerechnet, dass bei ~2.500 Euro für eine Wallbox und einer Lebensdauer von 10 Jahren bei einem Verbrauch von 2.500kWh pro Jahr (Kleinwagen) allein die Abschreibung für die Wallbox den Strompreis um bis zu 10 Cent erhöht. Im Forum schreiben manche, dass sie für den Anschluss ihrer Tiefgarage sogar 5.000 Euro zahlen. Macht dann 20 Cent Aufpreis auf den Strompreis. Wer also die Wahl hat, 2.000 bis 5.000 Euro für eine eigene Wallbox auszugeben oder die Laterne vor der Tür zu nutzen, der fährt mit eBee nicht einmal zwingend teurer.

Insofern ist der Preis bei eBee sogar nachvollziehbar kalkuliert. Gehe ich mal von einem Haushaltsstrompreis von 26 Cent pro kWh aus, dann zahle ich bei eBee ca. 13 Cent pro kWh Aufpreis für Bereitstellung und Wartung der Wallbox und die Abrechnungsdienstleistungen von PlugSurfing.

Wenn es aber neben der Laterne noch eine Ladesäule gibt, an der der Strom für 28 Cent abgegeben wird, dann hat eBee das Nachsehen. Da RWE und Co. eine viel größere Marktmacht haben als eBee, haben sie es auch leicht, einen Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Einfach den Preis nicht kostendeckend kalkulieren.

Ja, so ist es gedacht. In Berlin steht neben fast allen Ladesäulen ein Absolutes Halteverbot mit Ausnahme „Elektrofahrzeuge im Ladevorgang“. Die Politessen übersetzen das normalerweise in „Kfz mit eingestecktem Kabel“. Die beiden Standpunkte von Ebee haben zwar noch keine Parkflächenmarkierung und keine Halteverbots-Schilder, aber die sind in Planung. Die Mühlen der Behörden mahlen halt langsam.

Da spielt sicher auch noch die Nachfrage und die Parkplatz-Situation eine Rolle. Wenn die naturgemäß eher wenigen 22 kW-Säulen bereits belegt sind, bin ich doch froh, wenn ich mich mit 3,7 kW daneben stellen kann und nicht Abends nochmal raus muss, um das Auto an die 22 kW-Säule anzuschließen (falls sie denn irgendwann mal frei wird).

Eben - bei RWE hängen die Multicity Fahrzeuge dran, an manchen Vattenfall Flinkster - habe ich noch was vergessen?

D.h. RWE und Konsorten haben jetzt schon teure Infrastruktur die aus Prinzip und immer und auch wenn das Laden schon lange beendet ist von Langsamladern blockiert wird…

Ich frage mich wie lange die das durchhalten werden. Die Ladestationen von RWE sitzen ja nicht beim Mutterkonzern, sondern in der RWE Effizienz Firma.

Für all die elektrischen Carsharing Fahrzeuge ist ebee doch wie dafür gemacht.

Cheers

Frank

Also für mich wäre das eine tolle Lösung, weil ich privat keine Lademöglichkeit habe. 10Cent pro Stunde ist ok, aber warum muss ich für den Strom mehr zahlen als üblich?
Ich würde davon ausgehen, dass der Anbieter den Strom vor allem nachts deutlich günstiger einkauft und auch von der Ökuumlage befreit ist (keine Ahnung, ob das stimmt). Da sollte also auch nochmal Marge drin sein.
Oder zumindestens fände ich einen Vielnutzer-Rabatt sinnvoll. Für jemanden, der das nur ab und zu nutzt ist der Preis nur zweitrangig. Als Vielnutzer ist die Preissensibilität größer.

Wenn ich von 10Cent Marge pro kW ausgehe, dann wären dass über Nacht (12h) immerhin 2,4€. D.h. Nach 120 Tagen habe ich die jährliche Abschreibung drin (3000€ über 10 Jahre).

Ist sehr vereinfacht gerechnet, aber doch nicht so schlecht.

Laterne-Laden bei Ebee ist preislich schon im problematischen Bereich:

3,7 kW pro Stunde ergibt eine kWh Preis von € 0,39.

Das entspricht für das Model S bei 190 W/km verglichen mit Benzin oder Diesel ca. einem Verbrauch von 5-7 l/100 km (bin in Österreich und habe die deutschen Benzinpreise geschätzt). Bei einem i3 dann etwa 3,4 l bis 4,6 l/100 km

Der Anreiz, „deutlich günstiger sein E-Auto zu fahren als Verbrenner“ ist damit kaum mehr gegeben.

Der kalkulatorische Einbeziehung der evtl teuer bezahlten Wallboxen mag zwar richtig sein, überzeugt aber vermutlich keinen Kunden. Der, der schon eine hat, will sie nicht noch einmal kaufen, und der, der keine gekauft hat, will keine haben. :slight_smile:

Für 3,7 kW reicht ein blauer Campingstecker evtl Schuko. Warum eine teure Typ 2 Säule bauen?

Wieso denkst du das? Die stehen mit ihren Ladesäulen doch weder im internationalen Wettbewerb noch haben sie einen sonderlich hohen Verbrauch. Und dass eBee einen Zweitarifzähler einsetzt, bezweifle ich auch. Von 10 Cent pro genutzter Stunde amortisiert sich so eine Wallbox jedenfalls nie.

Es sollte zwei Tarife an der Laterne geben: Tarif 1 mit 35ct pro kWh für „Fremde“ Nutzer
und Tarif 2 mit 25ct pro kWh für „Mitglieder“ plus xxx Euro Jahresgebühr.

Damit könnte eine Brücke gebaut werden für die Anwohner die täglich laden wollen. Sie brauchen dann nur 25ct bezahlen und beteiligen sich mit einer Jahresgebühr an der Finanzierung der Ladeinfrastruktur.

Ortsfremde Gelegenheitsparker zahlen eben ein bisschen mehr dafür keine weiteren Kosten.

Naja, ich bin zum Beispiel für meine Wohnung Stromkunde bei Ubitricity. Die verkaufen mir den Strom zum normalen Preis und haben sicher eine Marge. Mindestens diese haben sie auch wenn ich mein Auto bei denen laden würde. Und wenn ich viele Laternenlader im Einsatz habe, dann ändert sich doch als Firma mein Strombezugsprofil. In den Laternenladern ist nach meinem Verständnis ein GSM-Modul drinnen, d.h. ich weiss immer genau wann und wieviel Storm bezogen wird. Da muss man den Strom doch günstig direkt von Windparks etc. einkaufen können? Es ist mir natürlich schon klar, dass man dazu erstmal ein paar Laternen unter Strom haben muss, damit das geht, aber das ist Teil der Investitionskosten, oder?

@April: Ja, das Modell hatte ich mir auch schon einmal überlegt. Das größte Problem bei der Ladeinfrastruktur sind die abnormen Fixkosten, nicht die variablen Kosten bei Nutzung. Ein Abomodell animiert die Nutzer zur intensiven Nutzung der Infrastruktur und sichert gleichzeitig stetige Einnahmen, die die Abschreibung auf die Infrastruktur decken können. Darum halte ich auch nichts vom vorgesehenen Zeittarif für die Schnelllader in Berlin. Der führt nur zum Verstauben der teuren Lader.

Mit Abo hat man aber wieder das leidige Abrechnungsthema selbst am Hals. Du must nicht nur die Abos mit den Nutzern abrechnen, sondern auch noch deren IDs in der Datenbank pflegen.

@nikwest: Wir hatten hier doch jemanden von der Versorgerseite im Forum. Naturstrom hat sich nach meiner Erinnerung gegenüber dem IGEMBB letztens dahingehend geäußert, dass Ladesäulen auch unter das Standardlastprofil für Haushaltsanschlüsse fallen. Ob der Anbieter sekundengenau weiß, wieviel Energie er braucht oder nicht, spielt also bei seinen Einkaufskonditionen keine Rolle.

Na, ja, vielleicht noch nicht heute, aber das muss sich doch mal ändern? Zumindestens sowas wie Nachtstrom gibt es ja bereits. Und wenn ein Ladenetzbetreiber den Strom zum Endkundenpreis einkauft, dann macht er doch was verkehrt, oder? Und wenn dem so wäre, dann kann er einfach auch nicht davon ausgehen, dass er seine Investitionen über den Strompreis wieder reinholen kann.

Einmal im Jahr die Abogebühren einziehen und einmalig eine ID in einer Datenbank zu pflegen halte ich in Anbetracht der getätigten Investition für vertretbar.

Das macht man dann doch gerne :wink:

Gut, in der Zukunft könnte eBee sicher bessere Einkaufskonditionen bekommen, wenn sie tausende Wallboxen haben. Aber sie wollen ja gar nicht Betreiber Tausender sein. Derzeit haben sie nur 3. :slight_smile:

Wenn ich noch mal eine ehrliche Gegenrechnung aufmachen darf:
10Ct pro Std bedeutet für 1€ pro Nacht einen „Privatparkplatz“ in vermutlich bester Lager inkl. stromanschluss. Das finde ich sehr fair.

10Ct mehr pro kWh ist dagegen ein bisschen happig, hier sollten 5 Ct reichen um zusammen mit der Parkgebühr die Struktur zu finanzieren. Außerdem führt das sondt zu nur „Einsteck“ Parkern, die mit vollen Batterien nur 1/2 Stunde laden und eigentlivh nur parken wollen.