Ich habe mein Model 3 LR 2020 (60.000 km) an einen ungarischen Importeur verkauft, mir war nicht wohl dabei und ich habe beim Prozess viele Fehler gemacht. Um zu verhindern, dass andere Leute die gleichen Fehler machen, schreibe ich diesen Erfahrungsbericht. Wir Tesla-Fahrer müssen zusammenhalten. Aber zunächst mal von vorn.
Nach einigen Wochen Zögern (AfD-Werbung Elon etc.) habe ich mich im März doch durchgerungen, das neue Model Y zu bestellen (sehr erwachsenes Auto, bin begeistert von der Ruhe beim Fahren) und wollte mein altes M3 bei Tesla in Zahlung geben. Schon der Verkäufer bei Tesla meinte, das Angebot von Tesla werde sehr niedrig ausfallen, ich solle doch das Auto privat verkaufen, da lasse sich mehr erzielen. Die Autos gingen dann ins Ausland, z.B. nach Dänemark.
Ich habe mir dann doch ein Angebot von Tesla machen lassen, das lag dann bei brutto 20.380 € brutto. Ein Vergleich mit den aufgerufenen Preisen bei mobile.de ließ noch viel Luft nach oben, ich habe das Angebot ausgeschlagen.
Also bei mobile.de inseriert zu einem höheren Preis, aber nicht übertrieben. Innerhalb der Konkurrenz war es ein guter Preis. Leider haben sich immer die gleichen Leute gemeldet: „Was ist letzter Preis“ etc. Eine seriöse Anfrage war leider nicht dabei in der ersten Woche. Da der Urlaub kurz vor der Tür stand, wollte ich die Sache schnell hinter mich bringen (erster Fehler). Ein Interessent aus Ungarn war besonders hartnäckig, und letztlich habe ich ihm den Tesla zum Tesla-Inzahlungspreis (netto) angeboten. Er sprang darauf an und wollte gleich am nächsten Tag vorbeikommen. Was er dann auch tat.
Als ich zum Auto runterkam, hatte ich zwei Männer erwartet, einen Hinfahrer und einen Käufer. Ich war dann überrascht einen Mann und ein ungefähr zehn Jahre altes Kind (mutmaßlich sein Sohn) vorzutreffen. Der Mann im grünen Lacoste-Trainingsanzug, Lacoste T-Shirt, Lacoste Sneaker, der Sohn breitbeinig mit verschränkten Armen vor der Brust. Ich habe ihn gefragt, wo sein Fahrer ist, und er meinte, der sei schon weitergefahren. Hmm… der scheint sich seiner Sache schon sehr sicher zu sein. Er hatte das Fahrzeug schon rauchend in Augenschein genommen und mir eine Stelle an der vorderen Stoßstange gezeigt, die Kratzer aufwies, eine andere Stelle im nicht sichtbaren Bereich unterhalb der Front mit weiteren Kratzern. Dafür wollte er gleich mal 200 € abgezogen haben. Nach ein paar Diskussionen willigte ich ein. Nur schnell raus aus der Nummer, in ein paar Tagen fahre ich mit meinem neuen Model Y nach Italien, so musste ich wohl instinktiv gedacht haben.
Wir sind dann zu mir ins Büro, um den Kauf klarzumachen. Wieder wollte er mir unbedingt einen Teil auf Rechnung und einen Teil schwarz anbieten. Ich weiß nicht, warum er das unbedingt wollte, ich blieb an der Stelle hart, ich brauche das Geld auf dem Firmenkonto. Dann zog er zwei dicke Stapel Bargeld aus seiner Trainingshose, die jeweils mit einem Gummi zusammengeschnürt waren.
Dann die nächste Volte: „In Ungarn gibt es ein Gesetzt, wir müssen 10 % unserer Autokäufe per Überweisung tätigen, ich zahle jetzt einen Großteil in bar und den Rest per Überweisung“. Ich entgegnete, dass er gerne eine Sofort-Überweisung durchführen kann. Daraufhin: Das gehe nicht, die Überweisung aus Ungarn braucht etwa 5 Tage. Letztlich ging es um eine Summe von 800 € (eher 5%). Ich solle doch auf die Rechnung schreiben, dass das Fahrzeug bis zurvollständigen Bezahlung mein Eigentum bleibt. Ich schlug vor, er könne den Betrag ja unter meinen Augen mit seinem Smartphone überweisen. Das geht nicht, so der Importeur. Dann peinliches Schweigen, Stillstand.
„Warum vertraust Du mir nicht?“, so ging es dann weiter. Gehen wollte er auch nicht, ich habe ihn auch nicht explizit dazu aufgefordert (nächster Fehler). Die Situation wurde immer unangenehmer, ich gab mir einen Ruck es jetzt zu Ende zu bringen, das Geld war mir dannn auch nicht mehr so wichtig. Meinen vorbereiten Vertrag haben wir auch nicht unterzeichnet, da die Summe nicht mehr stimmte und so gingen wir zur Sparkasse, um seine Scheine (lauter 200er) per Automat auf unser Firmenkonto zu laden. Das hat einwandfrei funktioniert, das war perfekt abgezählt von ihm, da zeigt sich der Barzahlungsprofi. Auf dem Rückweg von der Bank zum Auto hat er sich noch nach der Zulassungsstelle erkundigt, er müsse da jetzt schnell hin, um das Auto abzumelden und die Importpapiere ausstellen zu lassen. Auf meine Anmerkung, man bräuchte eine Online-Terminvereinbarung, erwiderte er, dass es für Profi-Autohändler einen Spezialschalter gäbe.
Am Auto angekommen haben wir noch die Übertragung mit der Tesla-App geregelt, er hat das für mich gemacht und sich aber geärgert, dass er eine andere E-Mail-Adresse verwenden wollte (könnte gespielt gewesen sein). Dann ist er mit meinem angemeldeten Auto und meinen Papieren davongefahren. Gott sei Dank, das war’s. Tschüss altes Model 3.
Von wegen das war’s!
Per WhatsApp habe ich ihn am nächsten Tag gefragt, ob die Abmeldung geklappt hat, ein knappes Ja war die Antwort. So weit so gut.
Dann, ein paar Tage später, eine Überraschung auf unserem Firmenkonto: Zwei Abbuchungen von Tesla für das Laden am Supercharger. Beim Käufer angerufen, der meinte, er musste zweimal auf der Heimfahrt laden, er überweist es mir. Ich habe verneint und die Lastschrift widerrufen. Am nächsten Tag sieben weitere Abbuchungen von Ladeaktivitäten, also siebenmal die Lastschriften widerrufen. Hat der unsere Kontonummer in seinem Profil angegeben? Keine Ahnung.
Wieder einen Tag später: Vielleicht sollte ich mal bei der Zulassungsstelle nachfragen, ob der Wagen tatsächlich abgemeldet ist. Dort ohne Umschweife die Auskunft: Nein, das Fahrzeug ist immer noch auf die (meine) Firma xxx angemeldet. Langsam machte sich Verzweiflung bei mir breit und ich bin zur Polizei. Just als ich dort war, rief er mich sogar zurück und behauptete, das Auto in Passau abgemeldet zu haben, es hat ihm doch nicht mehr gereicht am Abend des Kaufs. Und das dauert sicher ein paar Tage, bis die das von Passau zu meiner Kfz-Zulassungsstelle melden (was für ein Blödsinn). In Passau angerufen, die wissen natürlich von nichts.
Ich bin dann in Urlaub gefahren. In der dritten Urlaubswoche wurde mir von den Kollegen daheim mitgeteilt, dass ein Strafzettel aus Frankfurt gekommen ist. Parken in der Fußgängerzone, 55 €. Wir mussten dann den Verkauf an die ausstellende Behörde melden, das ging dann auch durch, aber ist natürlich auch ärgerlicher behördlicher Aufwand.
Immer wieder auf dem Firmenkonto nachgeschaut, ob er die fehlenden 800 € überwiesen hat. Jedes Mal vergeblich.
Mittlerweile hat sich der Käufer auch totgestellt. Kurz nach dem Verkauf hat er noch WhatsApp beantwortet und ist ans Telefon, doch jetzt gar nichts mehr.
Dann, einen Monat nach dem Verkauf, habe ich erneut bei der Kfz-Zulassungsstelle nachgefagt. Das Fahrzeug war immer noch auf unsere Firma angemeldet. Ein Antrag auf Zwangsabmeldung wurde am Telefon auch abgelehnt.
Hätte, hätte, Damentoilette…
Hätte ich nur das Angebot von Tesla zur Inzahlungsnahme angenommen. Ich wäre mit dem alten Auto zum Auslieferungszentrum gefahren und mit dem neuen wieder nach Hause. So verkehrt war der Preis doch nicht.
Hätte ich bloß noch einen Tag oder mehr gewartet mit dem Treffen. Am Abend des Verkaufs kam tatsächlich noch eine Anfrage rein, die seriös war, da war mein Inserat noch nicht gelöscht, aber es war zu leider spät.
Hier noch weitere Hinweise nach dieser Erfahrung:
Im Vorfeld des Treffens schriftlich mitteilen, dass der Käufer einen gültigen Ausweis mit Meldeadresse mitbringen soll. Ebenfalls im Vorfeld mitteilen, dass nur Sofortüberweisungen akzeptiert werden. Bareinzahlungen direkt aufs Konto sind wohl auch okay, aber man hat keinen Beweis, von wem das Geld kam. Meine Bank wollte die Rechnung sehen, das hat denen gereicht (Meldungspflicht).
Fahrzeug nur im abgemeldeten Zustand überlassen. Dann soll der Käufer halt erstmal mit den Papieren das Fahrzeug ummelden und zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen. Das war mit Abstand mein größter Fehler und hat mich schlaflose Nächte gekostet. Mittlerweile ist die Zwangsabmeldung durchgegangen, aber das war ein Hickhack ohne Ende.
Kaufvertrag und Veräußerungsmeldung vor Ort unterschreiben lassen, auch wenn es Zeit kostet, z.B. weil der Preis geändert werden muss.
Umsatz-SteuerID des Käufers zum Zeitpunkt des Verkaufs beim Bundesamt für Steuern nachschlagen lassen und einen Screenshot der Seite machen.
Ein wichtiger Hinweis: Nichts glauben, was der Käufer alles verspricht oder vorbringt, eher von einer Lüge ausgehen. Und wenn die Situation unangenehm wird, die Verhandlungen abbrechen. Er hat dann ein größeres Problem.
Wegen der Übertragung des Fahrzeugs auf der Tesla-App: Auch hier schlau machen, was der beste Weg ist. Das habe ich leider auch nicht gemacht. Von Tesla gibt es da Empfehlungen.
Vielleicht habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und wollt auch zu diesem Thema etwas beitragen. So kann dann die Community davon profitieren.