TL:DR ganz unten
Moin zusammen, ich möchte hier meine ersten Erfahrungen mit unserem neuen M3 LR RWD teilen - ggf. ist ja etwas interessantes für Neugierige dabei oder jüngere Leute werden inspiriert, aus der Instagram-Blase á la “Guck mal der fahrende Toaster” herauszukommen.
Falls ich im Falschen Abteil poste, bitte verschieben ![]()
Seit Mitte November bin ich stolzer Besitzer eines M3 Long Range RWD in weiß. Wieso, weshalb und warum habe ich in meiner Benutzervorstellung vermerkt. Ich bin auch kein “normaler” Tesla-Fahrer, bzw. werde oft schief angesehen, wenn ich erwähne, welches Auto ich fahre - da ich “erst” 22 Jahre jung bin, haben die Leute wohl eher einen BMW, Golf GTI oder was auch immer im Kopf
. Ja, ich bin ein petrolhead und schraube auch immer noch gerne, aber ein EV ist überhaupt kein Vergleich zum Verbrenner in Sachen Komfort und Wartung (in meinen Augen).
Probefahrt, Bestellung und Abholung waren so einfach, wie sich eine Pizza beim Lieferdienst zur Abholung zu bestellen. Gewartet haben wir circa einen Monat und wurden regelmäßig mit Updates versorgt. Das Fahrzeug ist zu 0% finanziert über die Santander, was ebenfalls soweit reibungslos geklappt hat.
Die Vorfreude war riesig - wer kann schon von sich behaupten, ganz entspannt der Lieferung eines riesigen Tech-Spielzeugs für die Straße entgegen zu sehen, ich jedenfalls nicht
. Ich bin ziemlich schnell auf das TFF Forum aufmerksam geworden und habe schon während der Lieferzeit gepostet, gelesen und mich informiert - das kann ich jedem ans Herz legen, gerade, wenn man noch keinen Tesla besessen hat.
Bei der Abholung wurde ich mit Snacks und Kaffee / Getränken versorgt und hatte eine kurze Wartezeit von 10 Minuten - genug Zeit, sich umzusehen. Während der Übergabe wurde alles erklärt und eingerichtet. Dann sollte ich mir Zeit nehmen, alles zu prüfen und eine Runde über den Hof zu fahren - soweit so gut, alles Tip-Top (ich hatte schon von Checklisten und negativen Erfahrungen gelesen). Die Checkliste landete sofort im Kofferraum und war quasi nicht nötig.
Als ich eine (oder mehrere) Runden gedreht hatte, war sogar schon die Kamera kalibriert und der Tesla-Mitarbeiter fragte nach einem ersten Eindruck, da dies die ersten Wagen mit neuem Blinkerhebel waren. Nachdem der Papierkram (Protokoll) erledigt war, durfte ich dann noch den Versteckt stehenden Cybertruck bestaunen und bin im Anschluss direkt auf die BAB in Richtung Heimat gefahren.
Die erste Fahrt war schockierend. Noch leiser und komfortabler, als das ältere Model 3 das ich beim Kollegen getestet habe, EAP lief gut und auch die Frontkamera war eine große Unterstützung in der engen Tiefgarage.
Später dann die Partnerin abgeholt und am ersten Tag direkt den Akku von 99% bei Auslieferung auf 10% leergefahren - waren circa 450km.
Das erste Laden am SuC war auch eine Erfahrung. Anstecken und schon gehts los? Ich war bisher E-Autos aus dem VAG-Konzern gewohnt und staunte nicht schlecht über die massive Geschwindigkeit am Lader und das Plug-and go, wir konnten kaum eine Folge unserer Serie schauen, da waren schon 80% drin.
Die nächsten Tage sind wir dann immer mal wieder quer durch NRW zur Familie gefahren und haben jede noch so kleine Funktion getestet - mit grosser Begeisterung.
Später sind uns dann doch ein Paar Dinge aufgefallen, unter anderem die Spaltmaße am Heck, die sind nicht zu 100% perfekt, haben wir aber dies so gelassen, stört uns nicht und fällt auch nur auf, wenn man sehr penibel ist. An der Frontkamera hatten wir dann vermeintliche Lackabplatzer gefunden in der Stoßstange. Das SeC-Team hat das begutachtet und einen KVA vom Bodyshop erstellen lassen, dessen Reparatur dann zu Teslas Lasten geht. Auch hier haben wir im Endeffekt verzichtet und es bleiben lassen, denn wie sich herausstellte, ist der Lack nicht abgeplatzt, sondern Fehlte an den Rändern, wo die Frontkamera-Aussparrung geschnitten wurde. Da es sich um keinen von außen Sichtbaren “Schaden” handelt, ist uns auch das nun egal. Zwischendrin gabs Probleme mit dem Infotainment, nach kurzer Suche haben wir das ganze dann mittels Tipps aus dem Forum zurückgesetzt und die Probleme sind weg.
Ein wenig störend sind ab und zu auch Kommentare von Passanten oder Nachbarn nach dem Motto “Fahrende Mikrowelle” oder “Nazi” - das prallt aber nach ein Paar Mal von einem ab. Verwandte, die sich, wie Diesel-Dieter echauffieren und Sprüche klopften, sind nach einmal reinsetzen und Beschleunigung und Komfort miterleben sofort begeistert und halten sich geschlossen.
Updates OTA via Handy-Hotspot klappen super. Einmal gab es Probleme, da hat das M3 einige Male das selbe Update heruntergeladen und installiert - wieso? Ich weiß nicht, es hat sich nach einigen Zyklen wieder beruhigt.
Etwas nervig sind nachts die Meldungen, dass Kameras geblendet oder blockiert sind, sowie dass die Innenraumkamera Nachts praktisch nutzlos ist - alle 10 Sekunden bitte am Lenkrad drehen, na gut. Auch daran hat man sich mittlerweile gewöhnt, also nichts dramatisches.
Der größte Unterschied liegt für uns aber in der täglichen Handhabung zwecks Sicherheit und Tanken / Laden / Reichweite. Wir wohnen mitten in Düsseldorf und haben weder einen Stellplatz, noch freie Parkplätze vor dem Wohnhaus. Unsere Jahresfahrleistung geht auf die 45.000 zu, Tendenz steigend.
Natürlich haben wir uns im Vorfeld informiert und der Tesla ist auch nicht unser erstes Auto. Vorher hatten wir eine recht moderne Limousine (Diesel), einen Oldtimer Golf (Benziner) und eine alte C-Klasse (auch Diesel). Die Autos standen auch ständig irgendwo zwischen geparkt, hatten aber dementsprechend sehr schnell Beulen, Kratzer oder sogar Urinflecken angesammelt (wieso auch immer so etwas sein muss). Für mich war klar, dass ich das dem Neuwagen nicht antun möchte, daher musste ein Stellplatz her. Der Einzig halb vernünftige und bezahlbare unter 300€/Monat war bei einem großen Anbieter 2km weiter weg - egal, der sollte es dann sein. Dort steht das M3 nun auch immer, außer wir Parken nur für einige Minuten (z.B. zum Aus-/Einladen). Die Wächter-Galerie wird da recht schnell voll, sogar im Parkhaus. Es ist schon oft vorgekommen, dass Leute fotos von unserem Auto gemacht haben, davor getanzt haben oder sehr nahe kommen, um mal reinzuschauen - ist immer wieder amüsant, saugt aber natürlich die Batterie leer. Der Wächter ist leider dauerhaft an, auch in der gemieteten Tiefgarage, da dort regelmäßig Menschen ihr Geschäft verrichten. Trotz Videoüberwachung und Pförtner! Das aufblinken der Scheinwerfer hat den ein oder anderen schon weggeschreckt - falls jemand Tipps aus Düsseldorf zum Parken hat, immer gerne her damit!
Laden tun wir ausschließlich am SuC. Da wir Nachteulen sind und Gleitzeit haben, starte ich immer erst sehr spät und fahre Nachts zum Laden, wo ich dann schonmal die ein oder andere Mail bearbeiten kann. Für 0,28€/kWh ist das absolut vertretbar, sich auch mal um 22:00 Uhr an den SuC zu stellen, die 30 Minuten tun nicht weh. Die Ladepreise fürs AC-Laden finde ich teils unverschämt zu >0,55€ kWh bei 11kW Ladeleistung total unattraktiv (für mich jedenfalls). Geplant ist aber ein Umzug in eine Wohnung mit eigener Wallbox, das steht fest. Bisher kamen wir aber nicht an die Grenze, dass wir Reichweitenangst haben mussten trotz unserer ständigen Langstreckenexzesse.
Trotz aller auftretenden Mini-Probleme und dem gelegentlichen Nacht-Laden sind wir extrem zufrieden und verstehen die Kritik bezüglich Laden und Reichweite nicht. Wenns so weiter läuft, war das erst der Anfang mit Tesla, einen Zweitwagen brauchen wir auf Dauer nämlich auch noch ![]()
– TL:DR –-
Nach gut 4.000km im ersten Monat, kleinsten Problemen, die sich selbst erledigt haben, freundlicher Hilfe im Servicecenter Düsseldorf und viel Fahrspaß sind wir sehr zufrieden, sowohl mit der Qualität, als auch dem Fahrgefühl und Schnelladen am SuC!
Unser Durchschnittsverbrauch pendelt übrigens zwischen 13,5-15,5 kWh mit Winterreifen und Thomason TN16 in 19’’ (je, nachdem, ob wir mal >180km/h fahren.
Im Sommer folgt dann der extra-Langstreckentest bei knapp 3.000km Fahrtstrecke in die Heimat und Anschließend noch ein Trip nach Österreich.
