Um mir vor einem möglichen Kauf über einen längeren Zeitraum ein Bild von der Alltagstauglichkeit eines Tesla machen zu können, habe ich das Sixt Auto-Abo für Tesla abgeschlossen. Es gab in der Presse damals auffallend viele positive Berichte über das Auto-Abo. Leider hat sich das für mich nicht bestätigt. Ich möchte hier meine Erfahrungen mit Euch teilen.
Zunächst sei darauf hingewiesen, dass Sixt auf der eigenen Internet-Seite das Auto-Abo für Tesla wie folgt bewirbt:
Sie erhalten Ihr Wunschfahrzeug kurzfristig ohne lange Wartezeiten - und das deutschlandweit! … Da es keine Mindestlaufzeit gibt, ein Fahrzeugwechsel problemlos möglich ist. … Alle unsere SIXT+ Fahrzeuge sind neu bis neuwertig und maximal 12 Monate alt. Jedes Fahrzeug wird zudem vor der Übergabe professionell gereinigt.
Quelle: https://www.sixt.de/plus/
Fahrzeugzustand
Das Fahrzeug, das ich tatsächlich erhalten habe, war weder mein Wunschfahrzeug (ich hatte ausdrücklich um die Performance-Version gebeten), noch neu oder neuwertig oder professionell gereinigt. Ich habe ein 10 Monate altes Fahrzeug erhalten, das bei Übergabe über 23.000 Kilometer und 20 eingetragene Vorschäden hatte. Das Fahrzeug war schmutzig (Saucenflecken, Tierhaare, Fettpatscher), verraucht und wirkte teilweise mutwillig beschädigt (alle vier Felgen zerkratzt, schwarze Abdrücke auf den Sonnenblenden, zerschlissene Sitzpolster). Die Software war weder auf dem aktuellen Stand, noch war eine Verbindung mit App oder WLAN möglich. Die Daten der Vornutzer waren im System noch sichtbar, inklusive Routen und Handy-Namen, und Letztere in einer solchen Anzahl, dass ich davon ausgehen muss, dass das Fahrzeug nicht nur in Langzeit-Miete genutzt worden ist.
Fahrzeugtausch
Die Mitnahme eines anderen Fahrzeugs vor Ort war nicht möglich, weil es keine gab. Stattdessen wurde mir empfohlen, ein Support-Ticket per App aufzumachen für einen (siehe oben: „problemlosen“) Fahrzeugtausch. Trotz etlicher weiterer Telefonate, Terminvereinbarungen etc. hat es Sixt allerdings einen Monat lang nicht hinbekommen, das Fahrzeug zu tauschen und am Ende sogar einen zunächst zugesagten Tausch-Termin am Morgen kurzfristig platzen lassen. Das Problem scheint darin zu bestehen, dass gar keine freien Fahrzeuge für einen Tausch verfügbar sind.
Verfügbarkeit von Tesla im Bestand
In etlichen Telefonaten mit dem Support habe ich eine Menge dazugelernt; das gebe ich jetzt mal ungeprüft als Hörensagen weiter:
- Sixt soll nur einmal 30.000 Fahrzeuge von Tesla bestellt haben, davon je 15.000 Model 3 und Model Y.
- Diese Fahrzeuge seien alle etwa gleich lange im Umlauf gewesen seien und hätten dementsprechend „mietwagentypische“ Gebrauchsspuren; die Chance, tatsächlich einen Neu- oder „neuwertigen“ Wagen zu erhalten, dürfte also gering sein.
- Sixt kaufe angeblich keine neuen Teslas mehr ein, sondern zukünftig andere Fabrikate wie BYD oder Nio. Kunden, die heute noch Tesla-Abos buchen, würden zukünftig also entweder ein älteres Fahrzeug erhalten oder auf eine Fremdmarke „downgegradet“, obwohl sie ausdrücklich ein Tesla-Abo gebucht haben.
- Performance-Modelle seien sehr schwierig zu bekommen, vor allem an Flughafen-Niederlassungen zu finden, und die dürften keine Fahrzeuge an Auto-Abo-Kunden herausgeben.
Kundendienst
Die Leistungen des Kundendiensts kann ich leider nur als „unterirdisch“ zusammenfassen.
Sixt hat eine ganze Reihe von Telefonnummern, aber im Grunde landet man immer erstmal in einem Tastenwahl-System und dann bei einem uninformierten Mitarbeiter, der sich den Fall erstmal wieder anschauen muss. Mir wurde regelmäßig große Betroffenheit zum Ausdruck gebracht, aber passiert ist in den meisten Fällen rein gar nichts.
In meinem Fall wurden mehrere Tickets geöffnet, eins davon mit „höchster Priorität“, was angeblich eine Bearbeitung innerhalb von maximal einer Stunde verlange; mehrere Tage später hatte ich immer noch keinen Rückruf erhalten und auf eigene Rückfrage dann auch wieder nichts Neues.
Als Kunde befindet man sich in einer Dauerschleife: der zentrale Kundendienst verweist an die Filiale, die Filiale an Sixt Plus, und Sixt Plus dann wieder an die Filiale. Eine koordinierende Stelle, die die Zuständigkeiten verbindet, scheint es nicht zu geben. Und so läuft bzw. telefoniert man eben als Kunde hin und her.
Das Ende vom Lied
Das Experiment hat mich viel Zeit und viele Nerven gekostet.
Nach fast 4 Wochen Korrespondenz wurden mir schließlich 200 Euro zzgl. MWSt. als Nachlass wegen des schlechten Fahrzeugzustands gewährt.
Das eigentlich auf 12 Monate angelegte Abo habe ich fristlos gekündigt, als der in Aussicht gestellte Tauschtermin geplatzt ist. Sixt hat das „auf Kulanzbasis“ akzeptiert.
Bei der Rückgabe tankte an der Station ein Performance-Modell mit Sixt-Kennzeichen. Auf Rückfrage erfuhr ich, dass dieses Fahrzeug nicht an Kunden herausgegeben würde, sondern vom Filialleiter verwendet würde.
Fazit
Die Fahrzeuge von Tesla sind in den letzten Monaten insgesamt deutlich günstiger geworden, die Auto-Abos dafür teilweise deutlich teurer. Sixt hat nun mit Abstand eines der günstigsten Angebote, aber nach meiner Erfahrung zulasten der Leistung, die in wesentlichen Punkten bei mir so gar nicht der Produktbeschreibung entsprach.
Wer starke Nerven hat oder sich nicht daran stört, anstelle eines Neuwagens ein verwohntes Gebrauchtfahrzeug zu bekommen, hat hier die Chance, für „kleines“ Geld zu testen. Allerdings läppert sich das Ganze ja über 12 Monate. Vielleicht macht es dann mehr Sinn, die 8.000 Euro in ein aktuelles, unbenutztes, selbst versichertes Auto zu investieren und dieses bei Nichtgefallen eben nach 1 Jahr wieder abzustoßen.
Für mich heißt es erstmal: „Finger weg“.