Beruflich beschäftige ich mich mit Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV).
Jedes elektronische Gerät produziert elektromagnetische Störungen und kann durch solche beeinflusst werden. Die Aussendung von Produkten wird limitiert, um Störungen der Telekommunikation zu vermeiden. Im umgekehrten Fall muss ein Gerät je nach Einsatzzweck eine definierte Störfestigkeit gegenüber elektromagnetischen Feldern aufweisen. Bei einigen Geräten und Fahrzeugen werden dabei auch Sicherheitsfunktionen überprüft mit noch höheren Feldstärken.
Hat ein Fahrzeug keine europäische Typengenehmigung, muss es in den meisten Fällen nachgemessen werden, um zugelassen werden zu können. In Europa und vielen anderen Ländern erfolgt dies nach der Norm UN/ECE R10. In unserem Labor messen wir daher auch sporadisch Fahrzeuge, auch solche aus USA. Dabei kommt es leider häufig vor, dass diese nicht erfüllen. Als die Roadster in der Schweiz zugelassen wurden, war die EMV noch nicht in allen Fällen zwingend. Insofern war es natürlich spannend, wie sich der Roadster verhält. Bei den offen gelegten Designdokumenten ist hinsichtlich EMV nichts vorhanden. Das Auto ist andererseits aber gespickt mit Ferriten (die schwarzen Knubbel auf den Kabeln) und die europäische Ausführung hat auch mehr Ferrite als die USA-Modelle.
Gestern war nun abends zufällig die Absorberhalle frei und ich hatte meinen Roadster dabei, weil schönes Wetter war. Bei einer Typenprüfung werden diverse Tests durchlaufen mit unterschiedlichen Betriebszuständen. Für eine kurze Übersicht ist die Emissionsmessung in Zustand «Ignition on» geeignet, weil dazu nicht viel vorbereitet werden muss, die Limiten aber doch schon manchmal überschritten sind. Ursachen sind dabei in der Regel der DC/DC-Wandler oder auch die Motorelektronik mit ungünstig verlegten oder ungeschirmten Kabeln. Das Fahrzeug muss dabei eingeschaltet sein, so dass es bei Betätigen des Pedals fahren würde. Die meisten Hilfssysteme werden aktiviert (Licht, Blinker, Radio, Lüfter, usw..)
Gemessen wird von 2 Seiten, Antenne horizontal und vertikal, also 4 Messungen. Hier die schlechteste Messung:
Die orange Kurve (Spitzenwert) ist informativ, lässt aber gewisse Rückschlüsse auf die Quelle der Störungen zu. Die rote Kurve muss unterhalb der Limite sein, in diesem Fall ist das erfüllt mit ausreichender Reserve.
Interessant sind dann natürlich noch die Zustände «Fahren» und «Laden». Mal sehen, ob sich in den nächsten Wochen eine Möglichkeit ergibt, diese Messungen zu machen. Dazu fehlen mir aber auch noch die Lift-Point-Adapter.
Rein juristisch ist es so, dass bei einer «tiefgreifenden Änderung» oder einer «Änderung, welche das EMV-Verhalten beeinflusst», die EMV ganz oder teilweise nachgemessen werden muss. Wenn das Fahrzeug aber schon im Originalzustand die Limiten nicht einhält, wird es natürlich schwierig, aufwendig und teuer.
Herzliche Grüsse aus den Tiefen des Labors
Christoph

