Wir hatten ja in letzter Zeit etliche Diskussionen zum Thema „welche Akkugrösse benötigen wir, welche Ladegeschwindigkeit ist ausreichend, brauchen wir ein Zeitlimit an den SuCs, wie sieht es im Urlaub mit dem E Auto aus, sind die Berichte vom ADAC und Co alle nur bezahlt“ und genau aus diesem Grund möchte ich mal meine persönliche Erfahrung einer Urlaubsreise nach DK mit einem der mordernsten und dem meisteverkauften BEVs als MY beschreiben. Wie sieht das ganze in der Praxis aus und welche Mythen und Märchen sind nun wirklich noch real?
Szenario
Hauptreisezeit, schulpflichtes Kind, Hunde, Ferienhaus erst ab 16:00 Uhr am Sa. verfügbar und buchbar.
Die Strecke:
Kassel DE => Nähe Vinderup DK
ca. 780 km
Primär A7
Zeitfenster:
Hauptferienzeit Dk, NOR, DE (Hessen,NRW…)
Abfahrt: 8:00
Ankunft geplant: 16:00
Das Fahrzeug:
MY LR 2023 LG Akku , 518 km TR
Start mit 100% um Staus und Umfahrungen realisieren zu können
Ziel:
100% => 10% leerfahren und von 10 => 80% in 35 min + 10min An- und 10min Abfahrt => 55min effektive Ladezeit
Grundreichweite:
100% => 10% SoC 320-340 km, ca. 180 wh/km, 80% => 10% 240-260km 180 wh/km
Ladestops (geplant):
- Bispringen 30min (25=>80%)
- Kliplev 35mim (10=>82%)
- Ankunft 20%
Zwischenladen:
- als Option angedacht bei z.B. Umleitungen und Stau
Die Ausgangssituation:
- Zuhause WB, PV und Fahrzeug auf 100% vorgeladen
- Ferienhaus mit WB und Ladeoption
Das Ferienhaus haben wir bewusst mit WB ausgesucht da die Ladeinfrastruktur direkt im Ort nicht vorhanden ist (nächster AC Lader 6km und HPC 12km entfernt) und andere Häuser bewusst das Laden am Haus ausschliesen. Das Ferienhaus war dann auch eines der oberen Preisklasse mit 3.600 Euro/Woche (Alternative für uns ohne WB ca. 2.600 Euro/Woche, jedoch auch eine Klasse niedriger).
Der Start:
Sa. morgends 8:00 Uhr Abfahrt, Ziel gegen 12:00 durch durch Elbtunnel.
Das dieses Zeil etwas sportlich ist war bewusst, aber so ist es nunmal. Früher kamen wir nicht weg. Die ersten 150km liefen nach Plan, dann aber bauet sich auf der A7 der Stau massiv auf und wir haben auf Empfehlung des Tesla Navis auch die richtige Entscheidung auf die A1 gewählt. Damit war Bispringen raus und Sittensen ein neuer V4er kam ins Bild.
SuC Sittensen:
Abfahrt BAB: 11:18
Auffahrt BAB: 12:25
Reine Ladezeit: 38min (!)
SOC: ? => 86% (52kwh)
Wartezeit auf freien SuC: ca. 15min, 2 Fahrzeuge vor mir, 3 Fahrzeuge hinter mir, 12 in der Anfahrt (!)
Schaut man Auf Tesla Logger: 2 freie Plätze, Tesla Navi sagt das Gleiche, aber wie kann das sein? Die Dänen und Norweger sind auch unterwegs und die haben wie wir ja wissen häufig ein BEV und laden gerne auch mit Fremdmarken an SuCs. D.h. Der SuC war voll belegt (kein Stall blockiert) und nur ein MS war die komplette Zeit die ich am SuC gewartet habe am Laden. Dennoch war nicht das MS das Problem sondern die SW von Tesla und dem Tesla logger, da diese keine Fremdlader anzeigt. Warum das zum Problem wird bei Hauptzeiten im Urlaub dazu kommen wir später.
Also aus dem ersten kurzen SuC Stop von geplanten 35min sind effektiv 1h7min geworden und wir sind noch weit weg vom Elbtunnel (den wir -nachdem wir schön in den grossen Stau reingefahren sind- gegen 14:00 Uhr passieren durften) und DK.
Da wir zu früh geladen haben mussten wir noch einen Ladestop einplanen.
SuC Bunsdorf:
Abfahrt BAB: 15:40
Auffahrt BAB: 16:20
Reine Ladezeit: 26min (30kwh)
SOC: habe ich nicht notiert (Aufgeladen haben wir so, dass wir mit 20% ankommen wenn doch noch was sein sollte) da ich schon sauer war aber zumindest keine Wartezeit!
Ankunft DK 19:03 am Ferienhaus. Erster Schock keine WB sichtbar, erstmal normal mit Ladeziegel anladen aber dann im Schuppen, die mobile WB gefunden. Alles gut.
Reisezeit:
11h inkl. Umfahrung und Stau + Elbtunnel
ABRP: 7h1min (ohne Stau)
Ladezeit ABRP: 54mim 2 Ladungen
Realität: 1h 47min 2 Ladungen
Erstes Fazit:
Der grosse Vorteil war mit 100% loszufahren und ein Ferienhaus mit WB zu buchen. damit konnten wir noch schlimmeren Staus und weietren Verzögerungen aus den Weg gehen. Die Ladesituation an den SuCs ist nicht wie hier im Forum häufig beschrieben kein Thema, sondern zur Hauptreisezeit bilden sich an den wichtigen SuCs Warteschlagen und längere Ladezeiten sind nötig (dazu aber später mehr). Das Kernproblem sind die Fremdlader die nicht erfasst werden. Die Zufahrwege sind auch in der Hauptreisezeit stark fequentiert was weitere Verzögerungen als Folge hat.
Bei einer Entfernung von 800km sollte man von mind. 2h Ladezeit (inkl. Anfahrt/Abfahrt und Warten) ausgehen. Dabei spielt es keine Rolle ob man ein neuen super Akku hat der 4C könnte oder ein altes MS 85er. Dazu aber später mehr.
Am Ferienort:
Unser Haus war landschaftlich top gelegen mit „first row ocean view“ und privaten Stand und dank mobiler WB hatten wir kein Problem mit „wir müssen laden fahren“. Durch Ausflüge in die umliegenden Städte und zu den Sehenswürdigkeiten haben wir insgesamt 160 kwh verbraucht und wir wollten den Wagen vor der Abfahrt auf 100% stehen haben. Hätten wir an HPCs laden müssen, wären das ca. 3xmind. 60min (inkl. An- und Abfahrt) gewesen. An fast jeden Supermarkt in DK steht zwar ne Tanke aber kein HPC. Wer hier wie wir viel unterwegs ist sollte dringen nur ein Ferienhaus mit Ladeoption buchen!
Die Rückfahrt:
Start Sa. 7:00
Ankunft geplant: 16:30
Strategie unverändert nur etwas wachsamer was die Zahl der freien Plätze am SuC angeht…
SuC Neumünster:
Keine freien Plätze, 20 Fahrzeuge unterwegs zum SuC
Gefahrene km: 336km SoC bei Ankunft 12% 186 wh/km
Abfahrt BAB: 10:23
Auffahrt BAB: 11:12
Reine Ladezeit: 44min (!)
SOC: 12=> 81% (56kwh)
Wartezeit auf freien SuC: 0 min da ich den letzten Platz im Eck gefunden habe, 3 Fahrzeuge hinter mir, 20 in der Anfahrt (!), Ladestrom am V3 begrenz auf 70-80kw(!!)
Ja auch die V3er machen wenn es sehr heiss ist und alle Plätze ständig beleget sind zu. Da hilft dir kein niedriger SoC oder ein super Akku, die Infrastruktur schafft es einfach nicht dir eine top Ladekurve zu geben. D.h. die Ladeleistung ist wie bei den alten MS und auch siehe oben die Ladezeiten. Selbst ein Fahrzeug mit theoretischen 15-18min 10-80% hätte eben seinen 45min benötigt.
Weiter gehts…war zwar etwas länger, aber das Eis hat geschmeckt.
Nun wollte wir gerne den massivem Stau auf der A7 umfahren. Der Tesla wollte das auch und hat sich in unlösbaren Szenarien gefunden. Die schnellste Route mit >30min Zeiteinsparung wollte er wählen aber der SuC wäre nur mit -5% erreichen zu gewesen. Die Hauptroute hatte den stark ausgelasteten SuC Rhüden, Northeim war nach der Prognose zu weit weg. Es gab keine Lösung vom Navi und wir musste Rhüden manuell setzen.
SuC Rhüden
Keine freien Plätze, 20 Fahrzeuge unterwegs zum SuC
Gefahrene km: 270km SoC bei Ankunft 12% 188 wh/km
Abfahrt BAB: 15:04
Auffahrt BAB: 15:10
Reine Ladezeit: -
SOC: -
Wartezeit auf freien SuC: ca. 45-60min, 4 Fahrzeuge in der Warteschlage, 20 in der Anfahrt (!), Ladestrom am V3 begrenz auf 70-80kw(!!)
Das machen wir besser nicht und spielen SoC Poker…bis zum nächsten SuC in Northeim könnte man es nich mit 3% SoC schaffen. Also los. Das ist natürlich nichts für schwache Nerven. Im Sommer bei 32 Grad mit Familie und Hunden im Auto SoC Poker und schauen ob das noch geht. Mit dem MY traue ich mir das zu da er normalerweise auch bei 0% noch etwas läuft aber es ist spannend. Wir reichen dann den SuC dank Schleichfahrt mit 90km/h hinter den LKWs mit 4%.
SuC Northeim
6 freien Plätze, 3 Fahrzeuge unterwegs zum SuC
Gefahrene km: 306 SoC bei Ankunft 4% 179 wh/km bis Rhüden dann 159 wh/km (hinterm LKW mit 90km/h)
Abfahrt BAB: 15:27
Auffahrt BAB: 15:52
Reine Ladezeit: 24min (52 kwh)
SOC: 4%=> ?
Wartezeit auf freien SuC: 0 min hatte wieder Glück und den letzten Platz ergattert. 2 Fahrzeuge in der Warteschlage,3 in der Anfahrt (!), Ladestrom am V3 nicht limitiert da 50% der Plätze durch Fremdlader beleget waren die auch teilweise eben 2 Plätze geblockt haben. Glück für mich, Pech für alle nachfolgenden die erstmal laden mussten. Das tragische an der Sache…6EnBW Plätze waren frei die aber keiner der Fremdlader nutzen wollte. Also man hätte laden können aber Geiz ist eben geil (auch in DK und NOR). Das ist eben auch ein Problem mit den Fremdladern.
Ankunft Zuhause:
16:32
Ladezeit auf der Rückfahrt all in ca. 1h20mim was ohne der Ladelimitierung und den Umweg Rhüden eigentlich recht nahe am ABRP schon dran ist.
Resümee:
Es gibt zahlreiche Vorstellungen und Aussagen rund um das Thema problemlose Urlaubsreisen mit dem BEV. Oftmals resultieren diese aus optimalen, theoretischen Szenarien und frei wählbaren Zeiten oder aus reine Analysen von Datenbanken. Das Problem wird hier bei meinem Bericht recht klar. Es gibt eben die Fremdlader, es gibt es Spitzenzeiten, Staus müssen umfahren werden und man sollte flexibel bleiben.
Bei modernen BEVs mit Reichweiten von 260-340km wie beim MY muss man sich deutlich die Frage stellen ob das so sinnvoll ist und ob man wirklich diesen doch enormen Zeitverlust vs. konventionelle Fahrzeuge in Kauf nehmen möchte. Jedes normale Fahrzeug hätte diese Strecke mit maximal einem kleinen kurzen Stop von 10-15min geschafft. Auch gerne zwei kleine Stops mit 10-15min sind sinnvoll und auch willkommen nur sollte man klar sagen, dass man kaum ylust hat, wenn eh schon Stau auf der BAB ist, sich nochmal 2h an den SuCs zu klemmen, immer unter Druck ob nich ein Platz frei ist oder genervt vom Warten. Zudem muss man ganz klar formulieren, dass sich nicht jeder ein Ferienhaus der 4 TEuro Klasse mal für eine Woxhe mieten kann, nur weil es ne WB hat. Zudem wird der Mythos vom billige Reisen schnell ad absurdum geführt, wenn man auf die teueren EnBW und Co Lader als Tesla Fahrer ausweichen muss (wenn man nicht warten
Wie sieht es bei der Ladeinfrastrukur aus?
Hier ist maximaler Nachholbedarf gefordert, denn in der Realität sind nicht „alle SuCs imm frei“ sondern während der Hauptreisezeit eben überbelegt was folgende Konsequenzen hat:
- Man sollte mindesten 60min für das Laden einplanen egal ob man ein modernes BEV fährt oder ein älteres. Die Laderate sind nicht maximal und damit kommt es eben zu längerne Laden aller was die Rotation am SuC reduziert. Auch sollte man davon ausgehen, dass viele dann doch so voll wie möglich machen was wiederum die Wartezeiten erhöht und die Verfügbarkeit reduziert
- Fremdlader werden nicht in der App berücksichtigt und man sollte von 30% während der Hauptreisezeit ausgehen. Ab einer Anzahl von 3-4 freien Plätzen sollte man von eher keinem freien Platz ausgehen
- Stauumfahrungen sollten bei der Routenplanung vorab brücksichtigt werden. Am besten im Navi/ABRP die Alternativen der Ladeoptionen prüfen (andere Ladekarten einplanen)
- Egal ob V3 oder V2 Bei hoher Auslastung geht die Leistung in die Knie und man kann keine moderne Schnellladung am Tesla SuC erwarten. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Ionity. Hier ist es egal ob alle Stalls voll sind. Beim modernen V4er hatte ich auch nur 107 kw im Peak, jedoch lag der SoC >35% zum Start. Damit kann ich das nicht 100% verifizieren.
- Eine Ladeplanung vor der Abfahrt ist dringend anzuraten. Einfach darauf losfahren bedeute ggf. deutlich längere Wartezeiten.
Braucht man am Ferienhaus eine Ladeoption?
Wenn ein AC Lader zu Fuss gut erreichbar ist nein, ansonsten ist es dringen anzuraten. Man sollte mit 100% also maximaler Reichweite wegfahren um Staus umfahren zu können oder stark ausgelastete SuC zu springen. Wer viel am Ort des Urlaubs unterwegs ist wird diese Option lieben.
Wäre es mit einem Verbrenner einfacher gewesen?
Ich denke die Frage erübrigt sich und zeigt einfach auf was passieren muss, damit sich das Thema E Mobilität weiter auch bei Familien Erstfahrzeugen durchsetzt.
Die Akkus brauchen eine höhere Kapazität und es muss massiv an der Ladestruktur gearbeitet werden damit auch Spitzenzeiten abgefedert werden können. Auch die Ladegeschwindigkeit muss steigen wobei das alles nichts bringt wenn die HPS runtergeregelt werden.
Warum gibt es dennoch soviel positive Reiseberichte mit BEVs?
Man muss die Grundlagen und Bedingungen dieser Bericht klar sehen. In einer Zeit mit wenig Reiseverkehr gibt es die oben genannten Probleme nicht. Es gibt keine massiven Staus oder man ist so flexibel diese zu meiden. Man kann sich auf die freien SuCs freuen da ja kaum Urlauber anderer E Nationen laden und die Fremdmarken ja wie generell BEVs in DE eher selten sind. Das sind aber isolierte Themen und Situationen die man nicht verallgemeiner sollten und genau hier sehe ich häufig gerade im Forum das Problem.
Die Realität ist eine eher komplexe, geprägt von Wartezeiten, fehlender Stauumfahrungen (da man den nächsten SuC nicht erreicht), fehlerhafter Daten der Auslastung die einfach eine komplexe Planung und Erfahrung erfordert.
Ist es stressfrei (wie häufig beschrieben)?
In keinster Weise, es stresst einfach generell, man hat Puls wenn ma SuC ankommt, das Windhundspiel am SuC, etc…
Sind die Berichte vom ADAC gekauft oder falsch bzgl. BEV und Urlaub?
Nach der letzten Woch kann ich sagen: In keinster Weise und Tesla + die SuCs machen hier nichts „besser“, sondern nur günstiger. Das kein Tesla in den Top 10 ist absolut gerechtfertigt!
Sind die Test vom ADAC der mind. 500 km echten Reichweite für den Urlauber fordert so absurd?
Nach meiner Erfahrung absolut nicht, es sollten sogar 600-700km sein.
Nur als Hinweis aktuell liegen wir beim MY bei 240-340 km (!) echter Reichweite bei TR von 520km. Dieser Wert ist nur im daily bei mir erreichbar mit 130-150wh/km auf der Autobahn sind diese Werte nicht realistisch.
War es den das so häufig beschriebene schöne und entspannt Reisen mit dem BEV?
In keinster Weise. Es war (wieder einmal) deutlich stressiger als mit einem Verbrenner.
War es den günstiger?
Ja, dank der Preise am SuC. Bei EnBW und Ionity ohne Abo nein.
Gab es auch Vorteile?
Ja der Platz im MY ist enorm und natürlich macht es mehr Sinn sich ökologisch im Urlaub zu bewegen, was aber der Spa bei uns der faktisch den identischen Strom wie der Tesla benötigt hat eh erledigt hat.
Für wem kann man das Verreisen mit dem BEV -während der Hauptreisezeit- dennoch gut empfehlen?
- Jeder der sehr flexibel ist bzgl. Urlaubszeit und Abfahrtzeit
- Wer sehr viel Zeit hat und den Weg zum Ferienort als Ziel sieht
- Der auf keine der Hauptstrecken benötigt
- Der am Abfahrtort und Zielort eine WB oder fussnähe eine WB hat
- Jeder der auch heute schon ein BEV mit 500-600km echter Reichweite hat
P.S.Bisher hatte ich mir nur gedacht, dass es komplex und schwierig werden wird nach meinen letzten Erfahrungen der letzten Jahren an Ionity. Heute kann ich es belegen, dass die die aktuelle Realität ist. Beruflich bin ich Vielfahrer und hatte diese Probleme so noch nie unter der Woche.







