Reise von Bern ans Nordkap

Erfahrungen und Fotos zu elektrischen Langstreckenfahrten...

Reise von Bern ans Nordkap

von ruffieuxh » 3. Nov 2019, 22:19

Wir haben kürzlich unsere Abenteuerreise von Bern ans Nordkap und zurück abgeschlossen. Was für eine Reise! Der entsprechende Bericht kann hier gefunden werden. Diese Reise kann, und soll, in Teilen oder als Ganzes kopiert werden! Dies ist der Grund für all die Zeit, welche wir in die Dokumentation gesteckt haben! :-)

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Nachdem wir schon einige längere Reisen mit unserem Elektroauto gemacht haben (wir fliegen seit 6 Jahren (fast) nicht mehr), wollen wir in diesem Jahr mit unserem Auto, einem Tesla Model S aus dem Jahre 2013 mit über 200'000km auf dem Tacho, eine Reise der speziellen Art machen: Wir verbinden eine lange schwierige Reise zusammen mit der Entdeckung des Nordkaps und den nordischen Lichtern!
  • Wie schon andere vor uns,  beweisen wir mit dieser Reise, dass eine solch lange Reise mit jedem modernen Elektroauto mit einer gewissen Reichweite und Schnellladefunktion (min. 50kW) möglich ist.
  • Neben den Hotelaufenthalten für die Hinfahrt, gibt es lediglich für die Strecke nördlich des bottmischen Meerbusens etwas Planungsarbeit für die Ladehalte. Für alle anderen Ladehalte vertrauen wir auf das extensive Ladenetz von Tesla, welches in das Navisystem des Autos integriert ist. Ich gebe nur mein Ziel ein und das Auto rechnet selbst, wann, wo und wieviel geladen werden muss.
  • Grundsätzlich hat fast alles wie geplant funktioniert. Das Auto selbst war zu keiner Zeit das Problem - abgesehen von einem temporären Problem mit der Scheibenwaschanlage. Einzig haben wir den Energiebedarf auf schneebedeckten Strassen stark unterschätzt. Obwohl wir mit längeren Ladepausen ab Nordschweden gerechnet haben, haben wir die Zeiten, insbesondere wegen dem vielen Schnee und Eis auf den Strassen,  immer noch unterschätzt und waren mehrmals mehr als 11 Stunden unterwegs. Mit Familie ist das zu viel. 
  • Auch ein fossil betriebenes Auto braucht im Schnee mehr Benzin (Energie), aber bei einem Elektroauto fällt dies mehr auf und resultiert in längeren Ladehalten. Unser Auto verbraucht im Schnitt ca. 200Wh/km. Auf den verschneiten Strassen oberhalb des bottnischen Meerbusens hatten wir Durchschnittsverbräuche von 250-280Wh/km und dies bei max 80km/h!
  • 2 Wochen sind eher zu kurz für diese Reise mit Familie. Man sollte sich für die Fahrt mehr Zeit nehmen und zwischendurch mal eine Pause einlegen.
  • Für diese Reise ist es prüfenswert, den Autozug ab Lörrach über Nacht zu nehmen. Ist nicht teurer als ein Hotel, aber sicherer und entspannter. In meinem Fall hat es im Oktober einfach mit den Abfahrdaten nicht gepasst (reduzierte Fahrten im Herbst) sonst hätte ich ihn genommen. Teslas S und X gehen knapp noch drauf (ACHTUNG: Felgen).
  • Als mobiler Ladeadapter bewährt sich der Juice Booster in den nordischen Ländern (wegen unsicherer Erdung) und bei wenig technischen Kenntnissen. Insbesondere auf der von uns gewählten Strecke. Man kann mit dem Gerät nichts falsch machen!
  • Normalerweise sollte der Schnee im Oktober bis ans Nordkap noch nicht liegen bleiben. Wie unsere Reise bewiesen hat, ist aber auch im Oktober bereits mit Schnee zu rechnen. Beste (neue) Winterreifen, Schneeketten und für den Notfall, warme Kleidung und ein Abschleppseil (sollte man mal ein bisschen vom Weg abkommen) sind unabdingbar. Insbesondere auch, weil nördlich vom bottmischen Meerbusen die Strassen nicht gesalzen werden.
  • Der Handyempfang, sowohl beim Auto wie auch bei den Handy's auf auf der ganzen Strecke mit ganz kleinen Ausnahmen problemlos funktioniert. Selbst das Internetradio funktioniert meistens tadellos.
  • In der Vorbereitungsphase haben wir uns bei Fortum ein Ladekarte besorgt. Diese ist in den nordischen Ländern am besten geeignet sobald man auf öffentliche Ladesäulen ausweichen muss.
  • Kaffeeliebhaber müssen sich bei einer Reise in die nordischen Länder auf karge Zeiten vorbereiten. Im Norden wird mehrheitlich Filterkaffe getrunken! Zitat unserer Tochter: "Das Züg chasch nid suufe!" :-)
  • Für die Hotelbuchungen haben wir fast ausnahmslos auf der Plattform hotels.com basiert. Mit einer Ausnahme sind wir damit sehr gut gefahren. Wir haben zu Dritt in keinem der Hotels mehr als Fr. 200 pro Tag bezahlt. Unsere Favoriten waren die folgenden:
    1. Hotel Kokenhof bei Hannover
    2. Elite Hotel Mimer in Umea
    3. Scandic Hotel in Alta
    4. Hotel Skaidi
Die Nordlichter haben wir trotz den zurückgelegten 7'600km und den vielen Abenden in der Region leider nie zu Gesicht bekommen, dafür aber viele anderen schöne Erfahrungen gemacht!
 
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Re: Reise von Bern ans Nordkap

von RomanPoe » 4. Nov 2019, 05:37

Danke für diesen schönen Reisebricht!
Wer beim aufladen warten muss hat e-Mobilität nicht verstanden

Statt Gratis Kilometer geschenkt zu bekommen bitte hier die Natur unterstützen!
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Re: Reise von Bern ans Nordkap

von endurance » 4. Nov 2019, 22:00

Vielen Dank - in meine LInkliste für die 2020 Planung aufgenommen :)
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Re: Reise von Bern ans Nordkap

von e-BAER » 15. Dez 2019, 15:17

Hallo "ruffieuxh",
danke für Deinen schönen Bericht. Wir waren etwas vor Euch (Ende September - Anfang Oktober) insgesamt 15 Tg unterwegs. Allerdings nur bis zu den Lofoten um Nordlicht zu schauen. Haben es mehrmals gesehen - einmal länger als 5 Std. Es ist uns ähnlich wie Euch ergangen - allerdings würden wir in der kurzen Zeit (15 Tg) die Reise nicht mehr machen. Anreise 5 Tg über Norwegen (E6), dann 5 Tg auf den Lofoten und wieder 5 Tg zurück (über Schweden - die Ostseeküste). Laden war komplett problemlos, wir haben auch Karten von Fortum + Grönn, die hätten wir jedoch nicht gebraucht - haben sie nur auf den Lofoten probiert. Nur einmal hatte ich etwas Bauchweh, als wir von Narvik über Kiruna zum SC in Puoltikasvaara unterwegs waren. Hier war starker Schneefall, bereits kurz nach Narvik lagen die ersten PKW's im Straßengraben und die Strecke war über 200km nicht geräumt. Wir brauchten für die ca 250km 7 Std und das mit Heizung etc. Da ist der Verbrauch auf 280 Wh/km gestiegen. Auf den Kaffee in der dortigen nostalgischen Bäckerei mußten wir leider verzichten, da schon geschlossen war.
Gebucht haben wir ebenfalls über eine Internetplattform, jeweils am Nachmittag, wenn wir ungefähr abschätzen konnten, wie weit wir diesen Tag kommen würden. Und insgesamt sind wir auch über 7k km gefahren.
lg e-baer
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