Expresstrip nach Lappland

Erfahrungen und Fotos zu elektrischen Langstreckenfahrten...

Re: Expresstrip nach Lappland

von Keris » 26. Jul 2018, 21:53

Gegen 14 Uhr sind wir an unserem Ziel im zentralen Seenfinnland eingetroffen: 1484 Kilometer zeigt der Tripmaster als Fahrtstrecke mit dem Tesla an. 32 Stunden Reisezeit, von denen rund 10 Stunden auf insgesamt 3 Schiffen verbracht wurden, sodass 22 Stunden effektive Fahrtzeit übrig bleiben, die mit Fahren, Laden und Pausieren einen Stundenschnitt von 67 Km/h ergeben: Nicht viel Differenz zu dem Stundenschnitt von 64 Km/h den ich allein vier Wochen zuvor erreicht hatte.

Heute morgen galt es nach der Ankunft zunächst den Supercharger Paimiera anzulaufen. Die 35 Kilometer bis dorthin sortierte sich das Navigationssystem des Tesla sehr mühsam, sodass wir die ersten 20 Km nach der Erinnerung ohne navigatorische Unterstützung zurück legen mussten. Unser Tesla wähnte sich immer noch in Schweden und bekam die finnischen GPS Satelliten nicht auf die Reihe. Eine ordentliche Ladung Strom für den Tesla und eine Mütze voll Schlaf für die Reisenden und es ging auf der Autobahn zunächst Richtung Helsinki, dann Richtung Lahti bis zum Supercharger Vierumäki. Dort ordentlich voll geladen und den Bauch voll geschlagen um gut gestärkt am Ziel anzukommen.

In Finnland wird recht konservativ Auto gefahren - Geschwindigkeitsvorschriften werden meist recht genau eingehalten. Bei der Zahl der Starenkästen vielleicht nicht verwunderlich, orientiert sich die Höhe eines in Finnland erhobenen Bussgeldes doch am Einkommen des Betroffenen. Zur Ermittlung der Höhe hat jeder Streifenwagen in Finnland eine Onlineschaltung zum Finanzamt und kann das jeweilige Einkommen dort sofort abfragen. Als die Sheriffs der Stadt Nokia zu Zeiten, als es den Konzern Nokia noch gab und es ihm wirtschaftlich gut ging, dessen Geschäftsführers wegen eines Geschwindigkeitsverstosses habhaft wurden musste dieser die Kleinigkeit von 136.000 Euro als Bussgeld zahlen. Die Haushaltskasse des Städtchens Nokia war saniert..... Falls es den geneigten Leser in Finnland einmal entsprechend erwischen sollte mag er die finnischen Polizisten womöglich damit überraschen, dass gerade in seinem Beruf in Deutschland nur wahre Hungerlöhne gezahlt werden.... - denn der finnische Draht reicht nicht bis zum deutschen Finanzamt und es bleibt den Polizisten nur den Betroffenen selbst zu fragen welche Einkünfte er erzielt.

Jeder Starenkasten wird in Finnland freundlicherweise durch ein Schild angekündigt: Dies erleichtert es doch erheblich annehmbare Fahrtzeiten auf den durchweg bestens ausgebauten und freien Strassen zu erzielen. Oder man überlässt dem Tesla das Fahren und geniesst die finnische Ruhe und die beruhigende Landschaft: Fahrturlaub im Urlaub.
du kannst alles - zumindest versuchen
 
Beiträge: 41
Registriert: 11. Okt 2017, 16:43
Wohnort: Hoya

Re: Expresstrip nach Lappland

von Keris » 27. Jul 2018, 10:44

Der finnische Sommer ist gewaltig: In diesem Jahr besonders. Helsinki ist ohnehin nicht selten die europäische Hauptstadt mit den höchsten Mittagstemperaturen - entsprechend spielt sich das Leben dort im Sommer auf der Strasse ab. Die Felsen und Wasserflächen sorgen mit ihrer Wärmespeicherfunktion in Finnland dafür dass es nachts nur wenig abkühlt - wobei die Nächte im Sommer ohnehin nur sehr kurz währen. Um 11 Uhr vormittags sind jetzt schon wieder 29°: Der See bietet eine oft in Anspruch genommene Abkühlung.

Der Tesla lädt derweil beim freundlichen Bauern Strom: Die 16 A Steckdose an der Scheune liefert diesen zum üblichen finnischen Tarif von 4 €-ct pro kWh - hinzu kommt allerdings noch die Netzgebühr sodass der Endpreis um die 10 ct liegt. In Finnland ein echtes Argument auf Elektromobilität umzusteigen - nur ist der Strom atomaren Ursprungs. Zwei Atomkraftwerke sind in Betrieb, ein Drittes wird seit 10 Jahren nicht fertig. Die Finnen vertrauen dabei auf russische Technik: Bei dem vorherrschendem Westwind wären die Russen die ersten die von einer atomaren Havarie Finnlands getroffen werden würden und haben deshalb ein vitales Eigeninteresse dass die finnischen Anlagen sicher funktionieren.
Dateianhänge
IMG_20180727_1005379.jpg
Beim freundlichen Bauern gibt es 16 A Strom für den Tesla: 10 ct/Kwh!
du kannst alles - zumindest versuchen
 
Beiträge: 41
Registriert: 11. Okt 2017, 16:43
Wohnort: Hoya

Re: Expresstrip nach Lappland

von Keris » 29. Jul 2018, 17:54

Der Tripmaster dieser Tour zeigt 1940 Gesamtkilometer Tesla-Fahrtstrecke: Die ersten 500 Km der Rückfahrt sind absolviert und wir geniessen noch einmal finnischen Kaffee in der ABC-Station Paimio, während der Tesla lädt. ABC ist eine finnische Raststättenkette die jeweils einen Supermarkt, Tankstelle, Café (Finnisch: Baari) und Restaurant bietet. Alles zu akzeptablen Preisen, nicht auf deutschen Autobahnraststättennieveau. Dazu gibt es immer freies Internet mit hohen Geschwindigkeiten, wie übrigens auch das mobile Telefon- und Datennetz in Finnland deutlich besser als in Deutschland ausgebaut ist. In diesem Bereich war Finnland schon immer weit vorn: Kein Zufall dass der vormalige Nokia Konzern seinen Sitz und Ursprung dort hat.

Es ist Sonntag Abend, es herrschen draußen 30° und wir befinden uns 40-50 Km vor dem Ziel, dem Hafen von Naantali, wo unsere Fähre nach Schweden um 22 Uhr 30 ablegen soll. Eine Staubschicht hat sich stellenweise auf den Tesla gelegt - geeignet um die Strömungsverhältnisse entlang der Karosserie sichtbar zu machen. Es ist Staub der Strasse, der finnischen Landstrasse. In der Tat, es gibt sie hier noch: Gut gepflegte Sandstrassen. Der Belag besteht aus einem festen Sand/Schottergemisch, das mit einem Verfestiger versehen ist. Regelmässig werden solche Strassen gehobelt, um entstandene Schlaglöcher, Spurrillen oder vor allem "Wellblech" zu beseitigen. Das "Wellblech" ist ein Phänomen, dass sich nicht selten bei solchem Belag zeigt: Entsprechend den vom Dachdecker bekannten Wellblechplatten bilden sich Riffel in gleichmäßigem Abstand auf den Strassen, die das langsame Fahren sehr unschön gestalten. Oft kann man mit 80 oder 90 Stundenkilometern die Auswirkungen eines solchen Strassenzustandes erheblich reduzieren. Ohnehin kann man auf solcherart gepflegten finnischen Strassen entsprechende Geschwindigkeiten fahren: Auch schneller, wer es mag. Zu beachten sind dabei die auf der Strasse liegenden Steinchen, die dem Namen "Rollsplitt" seine Berechtigung verleihen und in Kurven oder einfachen Lenkbewegungen entsprechende Auswirkungen wie Glätte zeitigen. In einer zu schnell angegangenen Kurve fordert die Physik ihren Tribut, solches auch beim schweren Tesla, und trägt das Fahrzeug aus der Kurve hinaus. Wer sich an Walter Röhrl ein Beispiel nimmt und das Driften beherrscht wird auf solchen Strassen viel Freude haben: Auch mit dem Tesla.

Wie überhaupt das Model S das beste Winterfahrzeug ist, dass ein Finne, den wir an einem Supercharger trafen und der beruflich viel mit dem Pkw unterwegs ist, seiner Einschätzung nach je besaß. Obwohl in Finnland Spikes erlaubt sind und die Strassen im Winter nicht mit Salz gestreut werden und oft eine glatte, fest gefahrene Schneedecke aufweisen. Sein Urteil deckt sich mit unserer eigenen Einschätzung, die wir beim vergangenen Wintereinbruch tätigten. Wir waren oft das erste Fahrzeug das die dritte (Überhol-)Spur auf der Autobahn befuhr und waren dabei wohl doppelt so schnell wie die anderen Fahrzeuge unterwegs, hatten aber dennoch den kürzeren Bremsweg. Waren es die Winterreifen die wir gerade vorher hatten aufziehen lassen, waren es die typischen Fahreigenschaften des Model S? Das Gesamtpaket zumindest erscheint uns schwer schlagbar: Wir würden mit diesem Tesla und diesen Reifen, ohne Spikes, angstfrei durch den skandinavischen Winter fahren.

Nun aber ist Hochsommer, wir schalten via Tesla-APP nun besser die Klimaanlage an um die Weiterfahrt nicht in einer "Sauna" beginnen zu müssen und bereiten uns auf den Abschied von Finnland vor. Die Abschiedssauna, die wir im Fahrzeug vermeiden möchten, gab es gestern im großen Rahmen an einem finnischen See in Form der Rauchsauna, zu diesem Thema später noch einige weitere Gedanken und Beobachtungen.
Dateianhänge
IMG_20180729_1517205.jpg
Spuren finnischer Sandstrassen
du kannst alles - zumindest versuchen
 
Beiträge: 41
Registriert: 11. Okt 2017, 16:43
Wohnort: Hoya

Re: Expresstrip nach Lappland

von Healey » 29. Jul 2018, 20:39

Keris , Danke für Deinen schönen Reisebericht, ich habe immer brav mitgelesen wollte aber nicht stören. ;)
LGH
Model S85D seit 20.Mai 2015 und 122.000 km, ALLES original, 203 Wh/km über alles, PV Anlage mit 9 MWh/a, Model III ist reserviert
Benutzeravatar
Moderator
 
Beiträge: 7162
Registriert: 9. Nov 2014, 12:15
Wohnort: Ragnitz

Re: Expresstrip nach Lappland

von Keris » 30. Jul 2018, 11:03

Unsere Fähre, die Finnfellow, traf gleich nach unserer Ankunft im Hafen Naantali ein und wurde entladen, während wir eingedenk der erwarteten Qualität des im Schiff gereichten Abendmahls aus dem Kofferraum des Tesla einen Snack bezogen. In diesem Fall womöglich nicht ganz begründet, denn beim Frühstück entpuppte sich das Restaurant der Finnfellow als adretter und besser gepflegter als das des Schwesterschiffes mit dem wir die Hinfahrt absolvierten, auch die Speisen erschienen verlockender.

Nun - uns schmeckte der Inhalt unserer Kühlbox, als eine junge Dame mit Rollkoffer auf unseren Tesla und uns auf der Kofferraumkante sitzend zusteuerte. So kamen wir zu einer zeitweiligen Mitfahrerin, Miisa aus Helsinki, einer jungen Architektin. Sie war auf dem Weg nach Stockholm um ihre Schwester anlässlich einer Familienfeier zu besuchen und hatte diese Reise mit dem Fahrrad geplant und auch die Fährpassage auf der Finnfellow entsprechend gebucht. Nun war ihr Fahrrad aber am Vormittag zusammen gebrochen, sodass sie es nicht mehr nutzen konnte. So gelang es ihr noch rechtzeitig einen Rollkoffer auszuleihen um den Inhalt der Fahrradtaschen umzuladen und sich mit ihm zur Fähre zu begeben. Da diese Finnlines Fähre aber eine reine Fahrzeugfähre ist wurde sie nicht aufs Schiff gelassen. Ein Fahrrad hätte genügt, unser spassig gemeinter Vorschlag sich auf den Rollkoffer als Fahrzeug zu setzen fand keine Akzeptanz. Mit vielen Augenaufschlägen gelang es ihr die Abfertigung zu erweichen sie an Bord eines anderen Motorfahrzeuges aufs Schiff zu lassen. So stieg sie denn bei uns ein und half uns die Wartezeit angenehm plaudernd verbringen zu können. Heute Morgen, nach einem durchaus essbarem Frühstück, stieg sie wieder bei uns ein, gelang auf diese Art wieder rollend von Bord und wurde von uns in einen der nächsten Orte abseits unserer Route gebracht, wo ihr Schwager sie in Empfang nahm.

Die Finnfellow entspricht der Finnswan unserer Hinfahrt, erscheint allerdings älter und verbrauchter, hat dafür das bessere Restaurant.

Dieser Bericht entsteht nun wieder am Supercharger Ödeshög: Wir haben auf unserer Rückfahrt durch Schweden bereits wieder den Vätternsee erreicht, der Tripmaster weist 2335 Km nach. Die Fahrt verläuft zügig bei gutem Wetter, 27° und wenig Verkehr auf der Strasse. Lediglich das Navigationssystem des Tesla benötigte wieder über eine Stunde bis es sich nach der Fährüberfahrt in Schweden zurecht fand. Doch in Stockholm herrscht ein gutes Autobahnsystem mit guter Beschilderung vor, sodass wir auch so problemlos den Weg gen Süden fanden.
Dateianhänge
IMG_20180729_1941340.jpg
Fähranleger Naantali / Finnland: Die Fahrzeugfähre Finnfellow läuft aus Schweden kommend ein.
du kannst alles - zumindest versuchen
 
Beiträge: 41
Registriert: 11. Okt 2017, 16:43
Wohnort: Hoya

Re: Expresstrip nach Lappland

von Keris » 2. Aug 2018, 15:12

Ich bin den geneigten Lesern noch eine Ergänzung zur Ladestation Tystberga, südlich von Stockholm, schuldig. Auf der Hinfahrt haben wir sie, dem Navigationssystem folgend, abseits der Autobahn vergeblich in einem nahe gelegenem Ort gesucht. Warum uns das Navi bei der Eingabe des Ziels "Supercharger Tystberga" dorthin führte hat sich uns bis heute nicht erschlossen. Siggy (memberlist.php?mode=viewprofile&u=510) hatte vorstehend in diesem Reisebericht schon Hinweise zur "Einseitigkeit" dieser Autobahnladestation gegeben.

Von Stockholm nach Süden fahrend findet sich der Supercharger planmässig neben der Autobahn, neben einer Diners Station. So weit so gut - doch ist diese Ladestation eben nicht direkt aus der entgegengesetzten Fahrtrichtung zu erreichen. Richtung Stockholm unterwegs müsste man also die Autobahn an der nächsten Ausfahrt verlassen, in Gegenrichtung zurück und auf den Rasthof fahren. Nun mag der Strom dort den Umweg wert sein, vor allem wenn der Eigene zur Neige geht. Die Diners Station rechtfertigt für uns einen Umweg nicht: Wir ersparen uns und anderen ausführlichere Kommentare.

Dem Tesla ging es gut: Er konnte die Fahrt frisch geladen fortsetzen und brachte uns zum Supercharger Lagan, wo wir im bereits vorgestelltem Gutshaus-Hotel eine nettes Mittagessen in angenehmer Atmosphäre genossen. Das Lokal war gut besucht: Trotz seiner einsamen aber idyllischen Lage. Es scheint ein beliebtes Speiselokal auch für die Einheimischen zu sein und damit den kleinen Abstecher von der Autobahn wert.
Dateianhänge
IMG_20180730_0916388.jpg
Supercharger Tystberga - Schweden, Autobahn Stockholm - Vätternsee nur Fahrtrichtung Süden
du kannst alles - zumindest versuchen
 
Beiträge: 41
Registriert: 11. Okt 2017, 16:43
Wohnort: Hoya

Re: Expresstrip nach Lappland

von Keris » 6. Aug 2018, 16:19

IMGP5886.jpg
Die Rauchsauna wird geheizt - sie brennt nicht ab. Wegen des Fehlens eines Schornsteins zieht der Rauch durch Fenster und Tür ab
3000 Kilometer hat dieser Kurztrip nach Finnland dem Bordsystem des Tesla hinzugefügt (siehe Foto): Von Hamburg bis Hamburg gerechnet. Der letzte Teil der Rückfahrt verlief unproblematisch: Bei beiden Fähren der Vogelfluglinie gab es annehmbar kurze Wartezeiten und wir konnten die Überfahrt im Wind im T-Shirt an Deck geniessen: Kaiserwetter eben. Wieder an Land war es dann ein Genuss den Tesla wieder mit "etwas" höheren Geschwindigkeiten zu bewegen: Wenig Verkehr, eine weitgehend freie linke Spur und ein Ferrari der selbige "freiräumte", dem wir uns in sicherem Abstand anschließen konnten, brachten uns schnell nach Hause.

Ich bin noch die Niederlegung einiger Beobachtungen zum Sauna-Nachmittag in Finnland schuldig. Wie angedeutet gab es ein großes Treffen zur Rauchsauna: Eine historische finnische Form der Sauna die bereits vor längerer Zeit in diesem Reisebericht näher erläutert wurde. An diesem Sonnabend-Nachmittag trafen sich nun eine Menge Familien und Angehörige aller Alterskassen zum Saunieren, Klönen, Schwimmen, Baden, Grillen, Essen, Trinken: Zum Leben-Geniessen. Manche kannten sich gut, andere begegneten sich einmal im Jahr, andere eigentlich nie: Dem unbeteiligtem Beobachter wäre es am Abend kaum möglich gewesen aus seinen Beobachtungen zu schlussfolgern, welches Kind zu wem gehört. Alle Kinder - die sich vorher nicht unbedingt kannten - spielten herrlich, abenteuerlich, vor allem natürlich am Sandstrand und im Wasser, mit viel Gejohle und Gerufe, doch ohne ein bißchen Streit. Irgendein Erwachsener sass immer auf dem Steg und beobachtete das Geschehen, wenn ihm kalt wurde und er/sie in die Sauna wollte wurde der/die Nächstbeste gebeten zu bleiben und acht zu geben, gelegentlich ging die Saunatür auf, ein Ruf erscholl: "Passt jemand auf die beiden Dreijährigen auf die jetzt ins Wasser gehen" und die Tür wurde hinter den beiden wieder geschlossen. Genau so wurden sich bereits bläulich verfärbende Jungen in die Sauna geschoben und in die Dunkelheit des Schwitzgelasses gerufen: "Passt bitte jemand auf dass die beiden erst wieder rausgehen wenn sie warm sind" während drinnen mit spitzen Schreien den beiden "Eisblöcken" auf den Bänken Platz gemacht wurde.

Die Sauna wird in Finnland geschlechtsgetrennt genutzt: Nur Familie und sehr enge Bekannte saunieren gemeinsam mit beiden Geschlechtern. Auch dieses verlief an diesem Nachmittag wie üblich sehr liberal - steht die Sauna mit dem Schwimmsteg doch 10 Meter neben dem Grillplatz. Wer mochte hüllte sich in ein Handtuch, wer nichts "Sehen" wollte setzte sich halt mit dem Rücken zur Sauna - die Kinder achteten ohnehin nicht drauf welches Geschlecht bzw. welche Familie in der Sauna gerade "dran" war: Sie wollten nur schnell "rein" weil sie froren oder schnell wieder "raus" weil "die anderen" doch im Wasser auf sie warteten.

Die Erwachsenen die die Sauna vor- oder hinter sich hatten sassen um den Grill oder das Lagerfeuer herum tauschten das Essen aus - nein, stellten die mitgebrachten Leckereien auf den großen Büffettisch von dem sich jeder das ihm Genehme aussuchte. Ebenso geschah es mit den Getränken. Dunkel wurde es nicht, doch ruhiger: Irgendwann schliefen die ersten Kinder in den Autos, einige der Gäste machten ihr Boot klar und fuhren damit gen Heimat, andere gingen zu Fuss nach Hause oder wurden gefahren: Den Steinen der Sauna war nur noch spärlich Dampf zu entlocken: Nachgeheizt werden kann eine Rauchsauna nicht - auch die letzten Jungen trockneten sich nach geschätzt 12 Saunagängen nunmehr bibbernd ab: Die Ballschlachten im Wasser und das Wettschwimmen waren unentschieden ausgegangen: Das Gewinnen war nie wichtig - der Spass war es.

Ein unbeschwerter Nachmittag mit Gästen der unterschiedlichsten Schichten, komplett ohne Streit, ohne ermahnende Mütter und rufende Väter, ohne schlichtende Grosseltern oder weinende Enkel, ohne Drohungen und Kämpfe: Ach wenn doch alle Gäste auf diesem Planeten so stressfrei miteinander Umgang haben - miteinander leben könnten und würden.
Dateianhänge
IMG_20180731_0851047.jpg
Der zweite Finnland-Trip: 3000 Km
du kannst alles - zumindest versuchen
 
Beiträge: 41
Registriert: 11. Okt 2017, 16:43
Wohnort: Hoya

Vorherige

Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast