Anlauf der Serienproduktion Model3

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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von Naheris » 18. Apr 2018, 11:29

@Cer:
Die einfache Antwort auf deine Frage, wo da der Zusammenhang ist: die Contractors, also externen Dienstleister. Tesla kann ihre Wartung in Stuttgart scheinbar nicht ohne diese leisten. Da ist dann naheliegend, dass sie genauso auf die jetzt so

Tesla scheint ein sehr dynamisches Arbeitsumfeld zu sein, wo sich die Ziele regelmäßig ändern. Wenn das der Fall ist, dann sind Festpreisprojekte eigentlich unbezahlbar. Wechselt nämlich das Ziel dann benötigt man einen Change Request, sonst muss man die ursprünglich beauftragte Leistung abnehmen, ob man will oder nicht. Und der will auch erst einmal verhandelt werden. Somit hat man mehr management als bei Time & Material, nicht weniger. Nur sehr gut und v.A. starr organisierte Firmen können Festpreisprojekte im großen Stil sinnvoll nutzen. Die sind dann aber aus gutem Grund nicht gerade flexibel. Ob Tesla das wirklich will?
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Mathie hat geschrieben:Wenn die Zertifikate für die Lackieranlage von Toyota ausgelegt waren, wäre interessant ob die neue Lackieranlage die Tesla von Eisenmann erworben hat geringere Emissionen hat und dadurch mit der gleichen Menge an Verschmutzungszertifikaten nochmals mehr Fahrzeuge gebaut werden können.

Momentan spielen die Zertifikate beim Ramp-Up ja noch keine Rolle, aber bei 10k M3 und 2k MX/S pro Woche wäre das relevant, wenn die Emissionen nicht ggü. den Toyotazeiten, worauf die Abschätzungen ja offenbar beruhen deutlich gesenkt wurden.

Die Informationen stammen von einem (angeblichen) Lackierspezialisten auf einer Fachseite zur Autoproduktion, und wurde vor etwa einem Jahr veröffentlicht. Da wurde sogar mit verschiedenen Farbherstellern und Reinigungstechniken usw. argumentiert, und Emissionsverhalten aus den Farbmengen ermittelt. Dazu kam ein Überblick über die Emissionsrechte in der USA für Lackierereien, und warum Tesla in Fremont keine neuen Zertifikate mehr erhalten wird. Sie müssten die beste technisch machbare Lösung einbauen, während die meisten anderen Fabriken in der USA nur die beste technisch kaufbare Lösung nutzen müssen. Das heißt, sie müssten erst die Anlage dazu entwickeln lassen, welche dem theoretisch best machbaren Möglichkeiten entspricht. Das wäre unbezahlbar.

Das Fazit war, dass es da min. einen Stoff gibt, welche sich nicht merklich verbessert haben vom Emissionsverhalten, welche im Silicon Valley beschränkt werden und sonst nirgends. Daher ist die Filtertechnik dort auch nicht wirklich weiter voran geschritten. Somit ist die neue Anlage zwar insgesamt sehr viel sauberer, aber erlaubt trotzdem nur etwa +20% Produktion (ist ja oben eingerechnet).

600k war in dem Artikel die Obergrenze (von 450k). Er hat aber eben nichts vom Glasdach geschrieben, also habe ich das noch einmal erhöht. Die Zahlen können natürlich noch einmal leicht schwanken. Aber selbst wenn wir jetzt noch einmal 20% drauf schlagen wird Tesla in Fremont keine 1 Mio Fahrzeuge bauen können. Und das war der Kern meiner Aussage.

Für diese Mengen an Fahrzeugen braucht Tesla schlicht eine weitere Fabrik.

Der Artikel steckt(e) leider hinter einer harten Paywall und ich habe es nur bei einem Freund lesen können, der das beruflich braucht/will. Eine abgespeckte Version hatte es auf Seeking Alpha geschafft und die habe ich hier einmal verlinkt, ist dort aber inzwischen auch hinter einer Paywall.

Eine identische Lackierstraße steht übrigens im VW-Werk in Chattanooga (oder wie man das schreibt). Darauf basierte der Autor viele Berechnungen, da sie scheinbar gute Zahlen veröffentlichen (Teslas neue Anlage war damals noch nicht in Betrieb).
Zuletzt geändert von Naheris am 18. Apr 2018, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von Mathie » 18. Apr 2018, 11:35

@Naheris Danke für die ausführlichen Informationen!

Gruß Mathie
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von cer » 18. Apr 2018, 11:39

Respekt vor der ganzen Herleitung. Aber war nicht klar, dass Fremont nicht mehr als 500.000, maximal 600.000 Fahrzeuge schafft?

Neben der Lackiererei-Problematik gibt es ja auch noch einen logistischen Aspekt. Bahn hin, Highway her, jeden Tag Material für rund 5.000 Autos rein und 5.000 Autos wieder raus – gibt das die Location her?

Ich habe immer verstanden, dass die Million Autos pro Jahr mit mindestens einem weiteren Werk erzielt werden soll. Und habe mir gedacht, dass das sinnvollerweise in Osteuropa oder China stehen wird…
 
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von Snuups » 18. Apr 2018, 11:43

In Nevada ist Reichlich Platz für grosse Fabriken. Energie ist dort auch kaum ein Problem.
Liebe Grüsse
Snuups

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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von Elektroniker » 18. Apr 2018, 12:02

Mathie hat geschrieben:
Elektroniker hat geschrieben:Au Backe!
Bei Tesla und vor allem bei Musk scheint jetzt Panik auszubrechen.
Es sieht aus wie der Versuch, den Wirtschaftsprüfer davon zu überzeugen ...

Unsinn, die Kommunikation mit Wirtschaftsprüfern erfolgt nicht über Mails mit der Bezeichnung öffentlich, die an alle Mitarbeiter versendet werden mit der Garantie, dass diese Leaken werden.

Ich hab gar nicht gesagt, dass diese Mail an die Wirtschaftsprüfer gerichtet ist.
Selbstverständlich spricht Musk direkt mit denselben während der Prüfung des Quartalsberichts, um sie von der "Produktionsoffensive" zu überzeugen.

Netter Versuch, mich bewusst falsch zu verstehen, um mich widerlegen zu wollen.

Welches Szenario siehst Du, dass schon in diesem Jahr zu einer Chapter 11 Insolvenz führen könnte?
Wenn die Produktion des M3 einen positiven CashFlow erzeugt, sehe ich kein kurzfristiges Insolvenzrisiko.

Das kann man ja nun wohl ausschließen. Die gesamte Kalkulation für das M3 ist längst zusammengebrochen.
Außerdem reicht ein kleiner positiver Cashflow aus dem operativen Ergebnis bei den rieseigen Schulden gar nicht aus, um die Insolvenz abzuwenden.
Eine Kapitalerhöhung oder neue Kreditlinien dürfte Tesla nach diesen Hiobsbotschaften auch nicht mehr auf dem Markt bekommen.

Solche Brandbriefe wie der jetzige von Elon Musk kommen immer dann, wenn die Karre schon an die Wand gefahren wurde. Das lässt wenig Hoffnung übrig ... sehr wenig.

Wenn kein positiver Deckungsbeitrag aus der Produktion des M3 zu erwarten ist, weil diese zu teuer wird, wie Du behauptest, wie soll dann Chapter 11 funktionieren? Dann würden die Anlagen und die Patente verkauft, das wäre dann kein Chapter 11.

Quatsch, was Du meinst ist Chapter 7, die Liquidation.
Warum sollte Tesla gleich die Liquidation beantragen, wenn durchaus Interesse seitens anderer Autohersteller besteht, Tesla unter Teilerlass der Schulden zu übernehmen?
Wenn das scheitert, ist Liquidation immer noch möglich.

Ich frage mich, ob Du keine Ahnung vom US-Insolvenzrecht hast oder hier bewusst unfundierte Behauptungen aufstellst?

Sieht Du, ich frage mich nicht, ob Du keine Ahnung vom US-Insolvenzrecht hast. Du hast soeben bewiesen, dass das so ist. ;)
 
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von Naheris » 18. Apr 2018, 12:08

Ich bin da voll bei Dir, Cer. Die Emissionsrechte selber sind halt nur eine rechtliche (und auch fachlich super interessante) Hürde, welche andere Fabriken nicht haben. Aber dramatisch ist sie aus meiner Sicht in keiner Weise. Tesla scheint den Rolls Royce unter den Lackierwerken gekauft zu haben und hat mit dem Glasdach eine geschickte Optimierung angewandt um das Problem noch weiter zu lösen.

Das Ergebnis: sie können damit nun unter die Top 10 der Autowerke kommen. In der USA ist das größte aktive Werk derzeit in der Region von 500k/a Jobs. Das können sie wohl ohne Probleme toppen. Und weltweit gibt es nur wenige Werke die über 650k oder 700k kommen.

Ein Problem sehe ich nicht. Aber 1 Mio. Fahrzeuge aus Fremont (wie Du) eben auch nicht. ;)

Ein neues Werk muss und wird wohl kommen. Nevada halte ich dagegen für weniger sinnvoll. Tesla hätte mehr von einem Werk auf einem anderen Kontinent - kürzere Wege und besseres Wechselkursverhalten. China mit den gelockerten JV-Regelungen bietet sich inzwischen an, oder vielleicht auch Europa.
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Und zur Klarstellung: ich denke, die Contractors in den Fabriken zu reduzieren, welche reguläre Aufgaben erfüllen, ist eine sehr gute Idee. Ich denke nur nicht, dass eine Umstellung auf Festpreisprojekte für Tesla gut wäre.

Flache Hierarchien sind klasse - die vermisse ich in meinem derzeitigen Projekt schmerzlich. Auch muss man dort die lange Ketter der Hierarchie entlang kommunizieren.
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von cer » 18. Apr 2018, 12:19

Danke. Jetzt hab ich zwei offene Punkte verstanden.
Ob Fremont 1 Mio. schaffen würde, weiß ich nicht. Woher auch? Es war nur eine Frage, deine Einschätzung verstehe ich jetzt.

@Elektroniker: Was du hier machst hat schon den Charakter von trolling. Fundierte Daten für die von dir gemalten Katastrophenbilder bleibst du schuldig, du legst nur einfach immer noch einen nach. Du zeigst dabei, dass du Tesla nicht verstehst (verstehen willst) – weder technisch, noch strategisch noch politisch. Ich sage nicht, dass es nicht am Ende noch schief gehen kann. Aber deine Art, hier ausschließlich anwesend zu sein um mit Dreck zu schmeißen, stört massiv. Man sollte nicht mehr auf dich reagieren, und das werde ich ab jetzt auch tun.
 
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von nevadabeige » 18. Apr 2018, 12:30

Hier ging es um Produktionszahlen des Werkes in Fremont und über die Verwendung von Tunneln zwischen Werksteilen:

https://www.forbes.com/sites/joannmuller/2018/02/16/tesla-thinks-it-will-school-toyota-on-lean-manufacturing-fixing-model-3-launch-would-be-a-start/#4acb71364c74

But that's just the beginning. Musk said he is considering a subterranean conveyance system that would carry seats and other sub-assemblies from nearby facilities to the assembly plant via new tunnels dug by The Boring Company, Musk's newest company.

"These things get increasingly difficult, but they're all doable," he said. "But I can see a path where we get to, say, 600,000 Model 3 production and 100,000 S and X, so maybe 700,000, which should be like almost 50% more than GM or Toyota got out of the plant. I mean that seems achievable."
Model 3, reserviert am 31.03.2016 in Düsseldorf
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von cer » 18. Apr 2018, 12:45

…„that seems achievable“ heißt aber bitte nicht, dass Musk das irgendwie „versprochen“ hat.
Nur, dass da keine Fragen kommen, wann‘s denn nun endlich soweit sei.
 
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Re: Anlauf der Serienproduktion Model3

von Mathie » 18. Apr 2018, 13:03

Elektroniker hat geschrieben:
Mathie hat geschrieben:
Elektroniker hat geschrieben:Au Backe!
Bei Tesla und vor allem bei Musk scheint jetzt Panik auszubrechen.
Es sieht aus wie der Versuch, den Wirtschaftsprüfer davon zu überzeugen ...

Unsinn, die Kommunikation mit Wirtschaftsprüfern erfolgt nicht über Mails mit der Bezeichnung öffentlich, die an alle Mitarbeiter versendet werden mit der Garantie, dass diese Leaken werden.

Ich hab gar nicht gesagt, dass diese Mail an die Wirtschaftsprüfer gerichtet ist.

Du hast die Mail als Versuch bezeichnet die Wirtschaftsprüfer zu überzeugen, da kannst Du jetzt noch so lange drumherum reden! Ich habe die Aussage für Dich nochmal gefettet!

Welches Szenario siehst Du, dass schon in diesem Jahr zu einer Chapter 11 Insolvenz führen könnte?
Wenn die Produktion des M3 einen positiven CashFlow erzeugt, sehe ich kein kurzfristiges Insolvenzrisiko.

Das kann man ja nun wohl ausschließen. Die gesamte Kalkulation für das M3 ist längst zusammengebrochen.

Du schließt also aus, dass die Produktion des M3 einen positiven Deckungsbeitrag leistet, verstehe ich das richtig?

Warum sollte Tesla gleich die Liquidation beantragen, wenn durchaus Interesse seitens anderer Autohersteller besteht, Tesla unter Teilerlass der Schulden zu übernehmen?

Bei Chapter 11 übernehmen vereinfacht gesprochen normalerweise die Gläubiger Firmenanteile gegen Schuldenerlass und die Firma wird fortgeführt.

Wenn das Model 3 kein wirtschaftlicher Erfolg wird, was du ja auszuschließen scheinst, dann halte ich Tesla für nicht überlebensfähig, da hilft dann auch kein Chapter 11, das würde ja nur sinnvoll funktionieren, wenn eine Firma aktuell wirtschaftlich erfolgreich arbeitet, aber überschuldet ist oder Betriebsrenten loswerden will oder irgendwas.

So desaströs, wie Du die Situation bei Tesla beschreibst, wäre Chapter 11 kein Ausweg zur Rettung von Tesla.

Ich frage mich, ob Du keine Ahnung vom US-Insolvenzrecht hast oder hier bewusst unfundierte Behauptungen aufstellst?

Sieht Du, ich frage mich nicht, ob Du keine Ahnung vom US-Insolvenzrecht hast. Du hast soeben bewiesen, dass das so ist. ;)

Du scheinst zu schneller zu urteilen als zu denken.

Ich weiss, was Chapter 11 bedeutet. Deshalb weiss ich auch, dass wenn Deine Vorhersagen eintreffen sollten, dann Chapter 11 Tesla nicht retten würde.

Man kann nicht so wie Du alles schwarz malen und dann behaupten, die Firma wird über Chapter 11 gerettet. Das zeugt von Ahnungslosigkeit oder bösem Willen.

Gruß Mathie
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