Wer lügt, kommt in die Hölle

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Re: Wer lügt, kommt in die Hölle

von einstern » 17. Jul 2015, 11:21

Bei mir hat sich der unseriöse Umgang mit Produktdaten bereits zu einer Verweigerungshaltung entwickelt. Hybrid ist die Potenzierung der Unseriosität.

Wenn ich im Verkaufsraum stehe und da die Angaben auf dem Preisschild sehe, (Preis, Hubraum .Leistung, Verbrauch, Beschleunigung, Ausstattung) dann schließe ich von der Qualität einer Einzelaussage auf die Qualität der Gesamtaussage. Wenn ein Dickschiff mit kaum 3 L Verbrauch ausgezeichnet wird, dann ist mir klar, die Aussage ist unseriös. Dann folge ich daraus, mit der gleichen Skepsis schaue ich dann auf alle anderen Daten. Die stimmen aus meinem Blickwinkel dann alle nicht:
- Preis ist weit überzogen, um Faktor 3
- Leistung kann ich nie abrufen
- Beschleunigung stimmt nicht, viel schlechter
- von der Ausstattung und Assistenzsystem funktioniert nur jedes dritte.

Ob Prospekt oder Autohaus: Mich überkommt bei einer Annäherung an den Kern der Irreführung irgendwann der Brechreiz. Die einzige Heilung ist, dass ich mir dann ganz schnell sage: Sollen die doch ihren Lügenschrott behalten und schnell einen Abstand zwischen denen und mir erstelle.
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Re: Wer lügt, kommt in die Hölle

von 46&2 » 17. Jul 2015, 12:48

raffiniert hat geschrieben:
46&2 hat geschrieben:Es geht darum, wie mit der (dämlichen) Berechnungsformel für Hybride und der (am dümmsten Ort wirksamen) lächerlichen Angabe über die Verbräuche absichtlich Schindluder getrieben wurde


Ganz genau.
Es sind doch nicht alle Menschen Autonerds und lesen erstmal die Formel, bevor sie ein Fahrzeug kauften - bisher wussten sie halt: Nunja, Prospektangabe plus 0-30%, wird schon passen.
Wer aber einen Hybriden mit 2.x l/100km-Angabe kauft, wird den eben auf Langstrecke nicht mal in die Nähe dieses Werts bringen...

Richtig. Und genau darum plädiere ich für deinen Vorschlag von weiter oben, zwei Angaben zu machen:
a) Reichweite im reinen Elektrobetrieb
b) Normverbrauch im reinen Verbrennerbetrieb

So leuchtet es eben auch ein: ich fahre 40km elektrisch - oder 30km, wenn ich den Normverbrauchs-Fahrstil nicht halten will, und auf der restlichen Strecke säuft er dann 5 Liter - oder eben 7! - pro 100km.
Das kann jeder "gewohnte" Autokäufer nachvollziehen. Kann ich vorher einstecken und fahre 20km (ohne Unterstützung), dann braucht es kein Benzin, fahre ich 1000km ohne nachladen durch, dann braucht es 70 Liter, und mache ich das als Deutscher, dann säuft er 90 Liter oder 100. Auf keinen Fall aber 1.x L / 100 km x 1000 km = 1x Liter

Naheris hat geschrieben:Natürlich ist die Angabe schlecht. Aber wie soll man es besser machen?

Eben genau so. E-Reichweite, Verbrenner-Verbrauch, und basta. Das wäre Kunden/Käufern dienlicher, die aus Gewohnheit vergleichen. Natürlich kann man auch e-Verbrauch und Batteriekapazität, Verbrenner-Tankinhalt ... angeben, alles kann man umrechnen. Aber es ist ungewohnt und unbequem.

raffiniert hat geschrieben:
Naheris hat geschrieben:Generell sehe ich die Diskussion hier also als Sturm im Wasserglas.


Generell sehe ich die NEFZ bei Hybridfahrzeugen als bewusste Irreführung des Konsumenten.

Nicht nur, und genau das stört. Diese unsägliche Formel wurde bewusst so installiert, dass so Verbräuche wie 1.xl/100km resultieren, weil darauf dann Strafen für CO2-Verbräuche der Flotten gerechnet werden - also schönrechnen der Flotte. Das ist Absicht, finanziell wichtig und - eine Frechheit. Dass der Verbraucher/Käufer mitgetäuscht wird, ist sowas von egal, wenn es so richtig ans Eingemachte der Hersteller geht - da lohnt es sich enorm, zu lobbyieren, oder den ein oder anderen zu schmieren...

Naheris hat geschrieben:Warum aber haben wir den derzeitigen relativ dummen Modus? Das kommt daher, dass die Politik Elektromobilität fördern will. Da Menschenmassen grundsätzlich so intelligent sind wie das dümmste Mitglied muss man es offensichtlich machen, dass hier ein "besserer" PHEV gemessen wird.

Nein, den dummen Modus haben wir, damit die Autoindustrie die künftigen CO2-Ziele irgendwie noch erreichen kann, und Strafabgaben vermeidet. Das hat nichts mit Förderung der (reinen) e-Mobilität zu tun, das ist Schadensbegrenzung der Verbrenner-Mobilität. Das ist bei weitem nicht das gleiche! Ob dann ein dummer Kunde eine tiefere Zahl auf einem Werbeprospekt sieht, ist egal - wenn's kostet, dann kostet's.

Naheris hat geschrieben:@Volkker:
NEFZ wird demnächst reformiert, aber nur ein kleines bisschen. Dann muss man typische Verbraucher mit einschalten. Zudem wird der Zyklus etwas verschärft. Dadurch werden sich leicht höhere Verbrauchswerte ergeben, aber nur im einstelligen Prozentbereich. Details hierzu finden sich in der derzeitigen Ausgabe des ADAC Clubmagazins (reiner Zufall, dass ich das gesehen habe - sonst lese ich die nie).

MIt Händen und Füssen gegen Reformen wegen der Flottenverbräuche, nicht?!
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Re: Wer lügt, kommt in die Hölle

von Spürmeise » 17. Jul 2015, 13:14

46&2 hat geschrieben:Diese unsägliche Formel wurde bewusst so installiert, dass so Verbräuche wie 1.xl/100km resultieren, weil darauf dann Strafen für CO2-Verbräuche der Flotten gerechnet werden - also schönrechnen der Flotte.

Ich finde, gerade für die Berechnung beim Flottenverbrauch ist die Plug-In Formel ganz gut geeignet.
Wie sollte sonst die - auch nur auf Grund der Gesetzgebung - irreal mit 0g/km bewertete CO2-Emission bei elektrischem Betrieb Eingang finden, wie sie es beim Elektroauto ja auch zu 100% angewendet wird?

Und nochmal, nicht alle Menschen sind Langstreckenfahrer wie es im Oberklassensegment üblich sein mag; der Durschnittsfahrer in D fährt 14.230 km/a, also 40 km am Tag

Für den Autokäufer allerdings, wäre die Angabe der
+ elektrischen Reichweite
+ Stromverbrauch/100 km
+ Verbrauch im reinen Verbrennerbetrieb/100 km
schon transparenter.
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Re: Wer lügt, kommt in die Hölle

von Naheris » 17. Jul 2015, 21:40

@46&2: Die reformierte NEFZ-Formel wird ziemlich sicher nicht zur Flottenverbrauchsrechnung für das 2020er CO2-Ziel genutzt. Hier gilt wohl Bestandsschutz mit der alten Formel.

@Spürmeise: Die ersten zwei Werte kann man bei jedem PHEV nachschlagen. Beim Dritten gibt es eben das Problem, dass es drei verschiedene Verbrenner-Verbräuche gibt: (1) Hybrid mit viel Restkapazität, (2) Hybrid mit kaum Restkapazität, (3) Verbrauch im Nachlademodus. Das Problem bei (1) ist, dass man dann die Elektroreichweite nicht erreichen kann. Das Problem bei (2) ist, dass es nicht stimmt, wenn man nicht elektrisch sondern auf Distanz fahren will. (3) ist eher irrelevant.
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