In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

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In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von Schutzschi » 31. Okt 2017, 20:21

Hallo zusammen,

mein erst 4 Tage altes Baby hat heute Blut gespuckt, woraufhin ich über 112 den Notruf angerufen habe.
Auf meinen Verweis "ich brauche nur 5 Minuten in unser Krankenhaus" hat er mir empfohlen, dort selbst hinzufahren.

In der Notaufbahme im Krankenhaus angekommen, war kein Arzt da. Eine Hebamme hat nur gesagt "Oh, das ist aber viel Blut... ich sollte so schnell wie möglich in die Kinderklinik fahren". Auf meine Frage, wie bedrohlich es ist, und ich mit "200 über die Landstraße fahren solle", meinte sie: "Fahren Sie so schnell Sie können!"

Ich bin dann unter "diversen StVO-Übertretungen" in die Notaufnahme der Kinderklinik gefahren und war in unter 15 Minuten da.
Zum Glück scheint mit unserer kleinen Tochter alles in Ordnung zu sein... wir müssen aber noch letzte Untersuchungen abwarten.
Im Parkverbot vor der Klinik habe ich dann auch noch ein Ticket für falsches Parken von Park & Control bekommen.

Mich interessiert nun, ob ich unter diesen Umständen wirklich so hätte fahren dürfen. Ich glaube nicht, dass ich geblitzt wurde, aber selbst wenn der Führerschein jetzt 3 Monate weg sein sollte, würde ich dies nicht bereuen. Die Ärztin meinte nur, falls ich "Post" bekomme, soll ich ihr dies mitteilen, damit sie bestätigt, dass hier ein "Notfall" vorgelegen hat.

Danke schon mal für eure Meinungen.
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von Leto » 31. Okt 2017, 20:28

Du kannst keine Sonderrechte in Anspruch nehmen, jeder Verstoß wird geahndet. Ich verstehe die emotionale Notlage, aber das war verantwortungslos und hätte Dich, Dein Kind und Unbeteiligte töten können. Im dem Zustand hättest Du gar nicht fahren sollen.

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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von Haraldt1 » 31. Okt 2017, 20:34

Ganz so ist das nicht....
Locker bleiben.

https://www.google.at/amp/s/amp.focus.d ... 46747.html

Hoffe dem Baby gehts gut.
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von Wim » 31. Okt 2017, 20:43

@schutzschi

alles richtig gemacht!
gute besserung!
wer an jeder teslasäule noch andere stecker sehen möchte, der setzt sich sicherlich auch dafür ein, dass phev beim tanken auch strom ziehen können und rewe ihre eigenmarke nur anbieten darf, wenn sie auch die eigenmarken von edeka&co ins regal stellen
 
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von em.zwei » 31. Okt 2017, 20:47

Leto hat geschrieben:Du kannst keine Sonderrechte in Anspruch nehmen, jeder Verstoß wird geahndet. Ich verstehe die emotionale Notlage, aber das war verantwortungslos und hätte Dich, Dein Kind und Unbeteiligte töten können. Im dem Zustand hättest Du gar nicht fahren sollen.

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Nein Leto, hier irrst Du Dich!

Es gibt durchaus einschlägige Rechtsprechung zu §16 OWiG, in denen eine Geschwindigkeitsüberschreitung nicht geahndet wird. Bei Interesse einfach mal dejure oder openjur bemühen.

@schutzschi: Hoffe es geht inzwischen allen wieder gut. Ich denke alle Eltern können mit Dir mitfühlen.
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von founder » 31. Okt 2017, 20:59

Leto hat geschrieben:Du kannst keine Sonderrechte in Anspruch nehmen, jeder Verstoß wird geahndet. Ich verstehe die emotionale Notlage, aber das war verantwortungslos und hätte Dich, Dein Kind und Unbeteiligte töten können. Im dem Zustand hättest Du gar nicht fahren sollen.

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Falsch! Ethik muss beachtet werden.

Ethik ist das bestmögliche Überleben von einem selbst, der Familie, der Gruppe, der Menschheit.

Natürlich besteht bei sehr schneller Fahrweise ein erhöhtes Unfallrisiko,
aber diese Risiko muss gegen die Überlebenschance des Kindes bei schneller und normaler Fahrweise abgewogen werden.

Stell Dir vor er wäre nach Vorschrift gefahren, die Mutter des Kindes daneben "Fahr schneller"
ER: Hier sind nur 80 erlaubt.
Der Arzt bei der Ankunft "Leider ist das Kind vor 2 Minuten verstorben".
Die Mutter des Kindes darauf "DU MÖRDER".

Solange das Risiko des Rasens deutlich geringer ist, als das Risiko durch Fahren nach Vorschrift den Tod des Kindes herbei zu führen,
ist es ethisch völlig richtig.
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von past_petrol » 31. Okt 2017, 21:02

Nee Nee - Leto hat hier leider Recht. Vor Gericht würden das lediglich mildernde Umstände sein. Wäre es zu einem Unfall mit Sachschaden oder auch Personenschaden gekommen, müsstest Du die entspr. Konsequenzen tragen. Regelmässig wird in DE mit der sehr hohen Rettungsdichte argumentiert. Feuerwehren haben i.d.R. innerhalb von 8 min am Einsatzort zu sein. Auch die Empfehlung des Notrufs in das KH zu fahren, kannst Du nicht ziehen. Der oder die Mitarbeiterin konnte nicht wissen, ob Du neben dem KH wohnst oder für 5 min mit 200 km/h über die Landstrasse fahren musst. Ein Richter würde das bewerten und berücksichtigen - straffrei würdest Du nicht ausgehen. Gegen Dich wäre auch anzuführen, dass Du Dein Kind in dieser Situation nicht fachgerecht transportieren kannst - was, wenn es unterwegs kollabiert ? Weiterhin lässt sich nicht daraus ableiten, dass Du damit das Recht erwirbst, Verkehrsregeln zu brechen. Du hättest auch ggf. 110 anrufen können und um Hilfe bitten können. Selber darfst Du keine Sonderrechte für Dich geltend machen. Das hört sich irgendwie kalt und falsch an - ist aber die Rechtslage. Man wird argumentieren, dass von RTW über Notarzt bis RH Dir in DE alles zur Verfügung steht. Du hättest Dich auf Deiner Fahrt zusammen mit Deinem Kind auch töten können - oder eben andere. Die körperliche Unversehrtheit der überwiegend anderen Verkehrsteilnehmer wird sicherlich als das höhere Rechtsgut gewertet werden.
Schnitt !
Es ist wahrscheinlich nichts passiert. Ich wünsche Deinem Kind nur das Beste. Wahrscheinlich hätte ich selber in dieser Situation auch so gehandelt - alles wissen wir ja nicht. Bitte warte beim nächsten mal auf einen RTW/NA.
Du hast gefragt - wir antworten hier. Was vor Gericht passiert, ist dann aber immer individuell.
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von Maddin0r » 31. Okt 2017, 21:05

Ich hätte genau so gehandelt und wünsche mir (meine Zwillinge sind vier Monate alt) nie in eine solche Situation zu kommen.

Alles Gute für Euch und lass dich nicht beirren ...
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von ereboos » 31. Okt 2017, 21:11

past_petrol hat geschrieben:Nee Nee - Leto hat hier leider Recht. Vor Gericht würden das lediglich mildernde Umstände sein. Wäre es zu einem Unfall mit Sachschaden oder auch Personenschaden gekommen, müsstest Du die entspr. Konsequenzen tragen. Regelmässig wird in DE mit der sehr hohen Rettungsdichte argumentiert. Feuerwehren haben i.d.R. innerhalb von 8 min am Einsatzort zu sein. Auch die Empfehlung des Notrufs in das KH zu fahren, kannst Du nicht ziehen. Der oder die Mitarbeiterin konnte nicht wissen, ob Du neben dem KH wohnst oder für 5 min mit 200 km/h über die Landstrasse fahren musst. Ein Richter würde das bewerten und berücksichtigen - straffrei würdest Du nicht ausgehen. Gegen Dich wäre auch anzuführen, dass Du Dein Kind in dieser Situation nicht fachgerecht transportieren kannst - was, wenn es unterwegs kollabiert ? Weiterhin lässt sich nicht daraus ableiten, dass Du damit das Recht erwirbst, Verkehrsregeln zu brechen. Du hättest auch ggf. 110 anrufen können und um Hilfe bitten können. Selber darfst Du keine Sonderrechte für Dich geltend machen. Das hört sich irgendwie kalt und falsch an - ist aber die Rechtslage. Man wird argumentieren, dass von RTW über Notarzt bis RH Dir in DE alles zur Verfügung steht. Du hättest Dich auf Deiner Fahrt zusammen mit Deinem Kind auch töten können - oder eben andere. Die körperliche Unversehrtheit der überwiegend anderen Verkehrsteilnehmer wird sicherlich als das höhere Rechtsgut gewertet werden.
Schnitt !
Es ist wahrscheinlich nichts passiert. Ich wünsche Deinem Kind nur das Beste. Wahrscheinlich hätte ich selber in dieser Situation auch so gehandelt - alles wissen wir ja nicht. Bitte warte beim nächsten mal auf einen RTW/NA.
Du hast gefragt - wir antworten hier. Was vor Gericht passiert, ist dann aber immer individuell.



hast du denn den oben verlinkten Artikel auch gelesen? Die Situation ist für mich ganz klar ein rechtfertigender Notstand.
Natürlich ist das - wie auch im Artikel steht - kein Freibrief, dh 200 auf der Landstrasse sind vermtulich nicht mehr okay.

Du tust ja auch gerade so als würde ein Überschreitung sofort das Unfallrisiko massiv erhöhen. Wenn man jetxt aber auf einer bekannten, übersichtlichen und leeren Landstrasse statt der erlaubten 100 zb 140 fährt ist das erhöhte Unfallrisiko sicher gering genug um für die Situation akzeptabel zu sein..
 
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Re: In Notaufnahme gerast / Rechtfertigender Notstand?

von founder » 31. Okt 2017, 21:14

past_petrol hat geschrieben:Nee Nee - Leto hat hier leider Recht.


Auch wenn die möglichen Konsequenzen dafür zu Gefängnis verurteilt zu werden sind,
die weitaus größere Chance jedoch Tod oder bleibende Schäden beim Kind zu verursachen sind,
dann ist man ethisch dazu verpflichtet das Risiko einzugehen.

Optimales Überleben ist in vielen Fällen eben nicht "Dienst nach Vorschrift".
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