Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von Mathie » 16. Jun 2017, 06:13

sexus hat geschrieben:
Mathie hat geschrieben:
MichiRedv hat geschrieben:Ja, ab zum Anwalt. Den muss die HUK auch zahlen, weil Du nicht schuld bist.


Bist Du das sicher.


Ja, in dem von dir genannten Beispiel geht es um einen Kaskoschaden. Das ist etwas völlig anderes als ein Haftpflichtschaden. Bei einem Haftpflichtschaden gibt es absolut keinen Grund so wie der TE zu handeln.

Ich habe meinen ersten Beitrag überdacht und bleibe bei der Meinung das ist grob fahrlässig ist mit einer Haftpflicht ohne Anwalt zu kommunizieren.


Verstehe ich Dich richtig, Daas Du der Meinung bist, wenn man einen unverschuldeten Unfall mit geklärter Schuldfrage hat, sollte man sich sofort - vor der ersten Kommunikation mit der gegnerischen Versicherung - einen Anwalt nehmen und dieser muss dann in jedem Fall von der gegnerischen Versicherung bezahlt werden?

Falls das deine Meinung ist, bitte ich um einen Link! Falls Du etwas anderes meinst, bitte ich um Erklärung.

Gruß Mathie
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von Fjack » 16. Jun 2017, 07:10

Mathie hat geschrieben:wenn man einen unverschuldeten Unfall mit geklärter Schuldfrage hat, sollte man sich sofort - vor der ersten Kommunikation mit der gegnerischen Versicherung - einen Anwalt nehmen und dieser muss dann in jedem Fall von der gegnerischen Versicherung bezahlt werden?


Ich bin auch der Meinung, kann jedoch keinen Link dazu liefern.
In der Vergangenheit habe ich es so gemacht und bin damit gut gefahren.

Als unschuldiges Unfallopfer will ich mich nicht mit den Papierkram beschäftigen und beauftrage damit meinen Interessenvertreter.
Natürlich muss dies vom Unfallgegner bezahlt werden, denn nur wegen dem Unfall habe ich diesen Aufwand.
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von sexus » 16. Jun 2017, 09:42

Mathie hat geschrieben:
Verstehe ich Dich richtig, Daas Du der Meinung bist, wenn man einen unverschuldeten Unfall mit geklärter Schuldfrage hat, sollte man sich sofort - vor der ersten Kommunikation mit der gegnerischen Versicherung - einen Anwalt nehmen und dieser muss dann in jedem Fall von der gegnerischen Versicherung bezahlt werden?

Falls das deine Meinung ist, bitte ich um einen Link! Falls Du etwas anderes meinst, bitte ich um Erklärung.




https://www.anwalt.de/rechtstipps/olg-f ... 67182.html

Vorwurf des Gerichts: Abwicklung ohne Einbeziehung eines Anwalts nahezu fahrlässig


Es gibt zahlreich Urteile dazu die alle eindeutig sind. Ein Privatmann hat immer das Recht auf einen Anwalt den der Verursacher bezahlen muss.

Bei der Haftpflichtversicherung arbeiten Profis die den ganzen Tag nichts Anderes machen als Schadensregulierungen zu kürzen, die kennen jeden kleinen Kniff. Du als Normalmensch nicht. Da du als Unfallopfer aber Rechte hast darfst du bezüglich der Waffengleichheit mit der Versicherung immer einen Profi gegenübersetzen der überwacht das auch alles korrekt abläuft. Selbst wenn die Versicherung ohne zu meckern bezahlt kannst du nicht beurteilen ob du auch alles bekommen hast.

Wie hoch ist der Nutzungsausfall?
Wie hoch die Zinsen?
Aufwandspauschale?
Was darf der Gutachter kosten?
Wo muss repariert werden?
Welche Stundensätze bei fiktiver Abrechnung sind angemessen?
Welcher Weg in die Werkstatt ist zumutbar?
Wertminderung?
An und Abmeldekosten bei Totalschaden?


Das kann eine Leihe nie und nimmer überprüfen, ohne Anwalt wäre er daher der Willkür der Versicherung ausgeliefert. Wenn die 100€ zu wenig bezahlen würde der Betrogene das noch nicht einmal merken.

Deshalb:
Ohne Anwalt = Fahrlässig – wenn nicht sogar grob.
 
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von Andi-E » 16. Jun 2017, 09:55

Danke für Eure interessanten Antworten. Ihr habt mich überzeugt. RA ist eingeschaltet. Ich werde nach Abschluss der Geschichte hier nochmal kurz berichten.
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von Mathie » 16. Jun 2017, 10:12

sexus hat geschrieben:
Mathie hat geschrieben:
Verstehe ich Dich richtig, Daas Du der Meinung bist, wenn man einen unverschuldeten Unfall mit geklärter Schuldfrage hat, sollte man sich sofort - vor der ersten Kommunikation mit der gegnerischen Versicherung - einen Anwalt nehmen und dieser muss dann in jedem Fall von der gegnerischen Versicherung bezahlt werden?

Falls das deine Meinung ist, bitte ich um einen Link! Falls Du etwas anderes meinst, bitte ich um Erklärung.




https://www.anwalt.de/rechtstipps/olg-f ... 67182.html


Danke für den Link!

Das ich kannte noch die Rechtsauffassung der vom OLG aufgehobenen Vorinstanz, dass die Einschaltung eines Anwalts nur bei Verzug der gegnerischen Versicherung oder in einem nicht trivialen Fall gerechtfertigt ist. Dass grundsätzlich jeder Haftpflichtersicherungsfal obergerichtlich als nicht trivial angesehen wird, auch wenn die Versicherung dem Gutachten folgend alles zahlt war mir neu!

Würde mich interessieren, ob sich diese Auffassung durchsetzt!

Gruß Mathie
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von Elektroniker » 16. Jun 2017, 10:33

Ja, gut dass Du jetzt einen ANwalt genommen hast.
Nächstes Mal: sofort die ganze Sache zum Anwalt!
Die Versicherungen wollen es nicht anders.
Früher (vor 30 Jahren) bin ich nicht gleich zum Anwalt, da waren die Versicherungen auch noch fairer als heute. Heute sind aber alle Versicherungen (manche mehr, manche weniger) darauf aus, sich vor Zahlungen mit allen möglichen, auch unmoralischen und eigentlich schon illegalen Mitteln zu drücken oder diese zu verzögern. Das hat m.E. inzwischen teilweise schon kriminelle Züge angenommen (z.B. im Bereich der BU-Versicherungen, der Krankenversicherungen und dergleichen). Die Politik tut nichts und schaut zu, wie es immer schlimmer wird.

Im Gegensatz zu früher ist es heute sogar dringend anzuraten, sich eine Rechtsschutzversicherung zuzulegen. Jetzt weniger wegen solchen Fällen wie hier im Thread, sondern vor allem für die richtig schweren Streitigkeiten, wo es um große Summen und um die weitere Existenz geht (z.B. bleibende gesundheitliche Beeinträchtigungen). Wenn man da keinen Rechtsschutz hat, hat man die Arschkarte und kann sich gleich die Kugel geben.
Ich vermeide es auch, meine Rechtsschutz für Kleinigkeiten in Anspruch zu nehmen, um keine Kündigung zu riskieren. Ich habe sie mir eben wegen eines möglichen großen, existenzbedrohenen Streitfalls zugelegt.

Verkehrsrechtsschutz ist also m.E. gar nicht mal sooo wichtig, obwohl viele Leute glauben, dass man eine Rechtsschutz gerade dafür braucht:
Bin ich selbst Schuld am Unfall, dann zahlt ja meine Haftpflicht für die Geschädigten. Darum muss ich mich nicht kümmern und ich hab damit eigentlich nichts mehr zu tun.
Bin ich nicht Schuld am Unfall, sondern der Geschädigte, dann muss ja die gegnerische Haftpflichtversiocherung meinen Anwalt bezahlen, also brauch dafür keine Rechtsschutz.
Einzig bei strittiger Schuldfrage hat man also ein gewisses Rechtskostenrisiko. Aber meine eigenen Kfz-Haftpflicht wird in so einem Fall ja auch schon einen Anwalt beauftragen, um nicht/weniger leisten zu müssen. Inwieweit man dann das eigenen Rechtskostenrisiko hier minimieren kann wäre noch zu erörtern.

Viel wichtiger ist die Rechtschutzversicherung m.E. in den anderen o.g. Bereichen BU und Krankenversicherung und dergleichen, da ist man ohne Rechtsschutz den Versicherungen hilflos ausgeliefert, weil die das gnadenlos ausnutzen und einen am ausgestreckten Arm verhungern lassen, wenn man nicht sofort klagen kann. UNd selbst dann versuchen sie oft mit allen Mitteln, das Verfahren zu verschleppen, bis man entnervt aufgibt oder das Problem biologisch durch Tod gelöst ist. :twisted:

Mathie hat geschrieben:Würde mich interessieren, ob sich diese Auffassung durchsetzt!

Les doch bitte mal den Link ordentlich durch.
Da steht, dass es regelmäßge Rechtsprechung so sieht.
Das ist also nichts neues, sondern schon lange so und ist absolut gefestigte Rechtsprechung.
Das weiß eigentlich jeder, der sich ein bisschen auf dem Gebiet schon mal informiert hat.

Lieber Mathie, glaub es halt endlich! :roll:
 
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von snooper77 » 16. Jun 2017, 10:35

Hier in der Schweiz käme ich nie auf die Idee, wegen eines Verkehrsunfalls einen Anwalt einschalten zu müssen. Ein fremdverschuldeter Schaden an meinem Tesla wurde unbürokratisch und zu meiner vollsten Zufriedenheit von der gegnerischen Versicherung bezahlt.

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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von Mathie » 16. Jun 2017, 11:27

Elektroniker hat geschrieben:
Mathie hat geschrieben:Würde mich interessieren, ob sich diese Auffassung durchsetzt!

Les doch bitte mal den Link ordentlich durch.

Ich hab mir den Text des Verkehrsrechtsanwalts auf Anwalt.de und das Urteil des OLG durchgelesen.

Der Text des Anwalts ist in meinen Augen eine Unverschämtheit, weil er in Verdrehung der Aussage des Gerichts schreibt fett "Vorwurf des Gerichts: Abwicklung ohne Einbeziehung eines Anwalts nahezu fahrlässig".

Das klingt so, als hätte das Gericht einer Person vorgeworfen keinen Anwalt eingeschaltet zu haben und jemand hätte wegen der fahrlässigen Nichteinschaltung eines Anwalts vor Gericht eine Niederlage erlitten. Das ist aber völlig irreführend. Das Urteil ist im Text bezeichnenderweise nicht verlinkt und nicht zitiert, sondern nur mit AZ genannt. Drunter ist dafür ein bequemes vorausgefülltes Kontaktformular, wo man sich vertrauensvoll an den braven Anwalt zur Klärung weiterer Fragen wenden kann. Das ist in meinen Augen kein Rechtstipp, wie die Rubrik auf Anwalt.de suggeriert sondern Ambulante Chasing in Reinform!

Da steht, dass es regelmäßge Rechtsprechung so sieht.
Das ist also nichts neues, sondern schon lange so und ist absolut gefestigte Rechtsprechung.
Das weiß eigentlich jeder, der sich ein bisschen auf dem Gebiet schon mal informiert hat.

Das OLG-Urteil aus 2015 ist das einzige obergerichtliche Urteil, welches ich dazu gefunden habe. Wenn Du andere Urteile hast, bitte ich um Links.

Die Vorinstanz hat es noch anders gesehen als das OLG und höchstrichterlich ist meines Wissens noch kein vergleichbarer Fall entschieden. Das ist in meinen Augen alles andere als "absolut gefestigte Rechtsprechung".

Höchstrichterlich entschieden ist, dass man Anspruch auf Erstattung der Anwaltskosten hat, wenn der Fall nicht einfach ist. Dies dürfte bei Streit über die Schuldfrage oder über den gutachterlich festgestellten Schaden regelmäßig der Fall.

Lieber Mathie, glaub es halt endlich! :roll:


Ich habe es nicht so mit dem Glauben in Rechtsfragen ;-)

Andi-E ist ja jetzt wie angeraten beim Anwalt und der wird ihm für seinen konkreten Fall auch eine halbwegs verlässliche Einschätzung zum Kostenrisiko gegeben haben.

Pauschalaussagen zu Rechtsthemen, wenn es dazu keine explizite gesetzliche Regelung oder stehende Rechtsprechung gibt halte ich für wenig hilfreich. Das Gilt für Laien wie uns und erst recht für Organe der Rechtspflege. Man kann daran in meinen Augen auch als Laie ganz gut unterscheiden ob man es mit einem seriösen Anwalt zu tun hat oder einem Ambulance Chasers!

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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von ELVE » 16. Jun 2017, 12:24

snooper77 hat geschrieben:Hier in der Schweiz käme ich nie auf die Idee, wegen eines Verkehrsunfalls einen Anwalt einschalten zu müssen. Ein fremdverschuldeter Schaden an meinem Tesla wurde unbürokratisch und zu meiner vollsten Zufriedenheit von der gegnerischen Versicherung bezahlt.

Andere Länder, andere Sitten :-)


Auch nicht, wenn ein in der Slowakei, Rumänien oder Polen versicherter Wagen bei dir den Schaden verursacht hat?
Ob du zu deinem Geld kommst, hat nichts damit zu tun wo der Unfall passiert, sondern mit wem. ;)
 
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Re: Unverschuldeter Schaden, Haftpflicht in D

von snooper77 » 16. Jun 2017, 13:45

Doch, dann schon, aber nicht, wenn er Deutscher ist.
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