Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

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Was würden Sie wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

CDU/CSU
13
8%
SPD
6
4%
AfD
37
22%
Grüne
61
37%
Linke
15
9%
FDP
23
14%
NPD
0
Keine Stimmen
Piraten
4
2%
Freie Wähler
2
1%
andere
5
3%
 
Abstimmungen insgesamt : 166

Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Rockatanski » 7. Jan 2017, 08:48

Adastramos hat geschrieben:Sorry, aber ich kann das Lob auf die AFD nicht mittragen. Jeder hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung und geheime Wahlen, ich mag an hier nun ebenso an beiden Grundrechten teilnehmen:

Ich will eigentlich nicht, aber das Gebot der Transparenz und der Offenheit zwingt mich dazu, den Link des Programms hier zu posten: https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/sites/7/2016/05/2016-06-27_afd-grundsatzprogramm_web-version.pdf

Stichwort Umwelt:
Auszug aus Seite 79 des aktuellen Bundes-Parteiprogramms der AFD:
"Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. Die Klimaschutzpolitik beruht auf hypothetischen Klima-Modellen basierend auf computergestützten Simulationen des IPCC („Weltklimarat“). Kohlendioxid (CO2) ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen Lebens.
Der IPCC versucht nachzuweisen, dass die von Menschen verursachten CO2-Emissionen zu einer globalen Erwärmung mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit führen. Hierzu beruft man sich auf Computermodelle, deren Aussagen durch Messungen oder Beobachtungen nicht bestätigt werden. Seit die Erde eine Atmosphäre hat, gibt es Kalt- und Warmzeiten. Wir leben heute in einer Warmzeit mit Temperaturen ähnlich der mittelalterlichen und der römischen Warmzeit. Die IPCC-Modelle können diese Klimaänderungen nicht erklären."

> Aha, CO2, der unverzichtbare Bestandteil des Lebens, über 400ppm wird jedoch für sehr viele sehr ungemütlich. Wissen wir? Wollen wir das? Zweifeln wir wirklich noch dran, wenn man Gletscher und arktische Gebiete beobachtet?

Stichwort Kernenergie:
Auszug Seite 83:
"Die überhasteten Ausstiegsbeschlüsse aus der Kernkraft von 2002 und 2011 waren sachlich nicht begründet und wirtschaftlich schädlich. Solange die Stromversorgung am Ort und zur Zeit der Nachfrage nicht gesichert ist, setzt sich die AfD dafür ein, eine Laufzeitverlängerung der noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke übergangsweise zu gestatten."

> Wer will mehr Kernkraft?

Stichwort Windenergie:
Auszug Seite 86;
"Den weiteren Ausbau der Windenergie in Deutschland lehnen wir ab. Er bringt mehr Schaden als Nutzen. Windenergieanlagen sind nur noch ausnahmsweise an Standorten zuzulassen, an denen keine Beeinträchtigungen für Menschen, Tiere oder das Landschaftsbild zu erwarten sind. Bei der Standortwahl sind die Menschen vor Ort durch Bürgerentscheide zu beteiligen."

> Ich bin nicht im Geringsten gegen Bürgerentscheide, aber was schadet mir mehr, ein Kontainer strahlendes Material, was ins Grundwasser sickert oder ein Windrad in der Landschaft, dass vielleicht mal umkippen kann?

Auf Gender-Mainstreaming, Familienpolitik und Frühsexualisierung will ich garnicht genauer drauf eingehen, nicht weil ich das nicht könnte oder mich die Themen "anekeln", im Gegenteil, das was hinter der Genderpolitik steckt (wenn man es jetzt nicht für neutrale Bezeichnungen verhunzt), ist das die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, ein Junge oder Mann oder ein Mädchen oder eine Frau definieren sich nicht nur über das Geschlecht oder die Sexualität, wer sagt denn, dass manche Männer nicht bessere "Mütter" sind, als ihre Frauen? Wer sagt denn, dass ein Junge unbedingt Vater und Mutter haben muss, warum nicht auch Mutter-Mutter oder Vater-Vater? Ich kenne ein solches Paar als Freunde meiner Mutter und die Kinder SIND GLÜCKLICH, gerade wegen ihrer zwei Müttern.
Das Leben ist nicht schwarz-weiß, die Natur ist nicht schwarz-weiß, eine Frau ist nicht immer die Haushälterin und ein Mann nicht immer der Verdiener, noch ist eine Frau immer die Pflegekraft, noch ein Mann immer der Handwerker. Nach der AFD und den "besorgten Eltern" jedoch schon. Ich muss daher ehrlich sagen, dass ich keinen Bock auf dieses braune Gedankengut hab, egal wer mir das verpacken will, ob CDU, CSU, AFD oder wer auch immer.
Was für Nachteile haben Kinder, wenn sie Bilder eines gleichgeschlechtlichen Paares in einem Lehrbuch sehen, was die Elternrolle einnimmt? Kindern ist das erstmal schnurtz-piep-egal, kein Kind kommt homophob auf die Welt, aber alle die es später sind, werden dazu gemacht.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß und Menschen sind das kostbarste Gut, dass wir uns gegenüber haben. Tiere sind in meinen Augen nicht minder wert, aber ich nehme sie gedanklich für diese Art der Diskussion heraus.

Dann kommen wir zur Sozialpolitik, als Schlagwort soll die Erbschafts- und Vermögenssteuer abgeschafft werden. ICh bin sogar der Meinung, dass wir den Spitzensteuersatz erhöhen sollten und Beitragsbemessungsgrenzen abschaffen, es gibt keine Grenze für Solidarität, entweder ist man es oder nicht. Am Mittagstisch bekommt auch jeder gleich zu essen, oder wird das von der Note, des Alters oder des Status abhängig gemacht?

Eigenlich müßig zu erwähnen, aber auch die Bundeswehr soll aufgestockt werden und die Wehrpflicht eingeführt. Unsinnigeres kann man mit Steuergeldern kaum machen! Die Bundeswehr heißt BUNDESwehr und nicht "Durchsetzungsmittel, um in UN-Sicherheitsrat, für einen ständigen Sitz zu 'Ar...kriechen' ". Eine Wehrpflicht ist dermaßen sinnlos, ein verpflichtendes Jahr im sozialen Sektor dagegen, für alle jungen Leute (egal ob männlich oder weiblich), im gesamten EU-Raum wäre dies nicht.



Ich bin Ende 20 und ich will in keiner Gesellschaft leben müssen, in der man sich entweder schämen muss, wer man ist, noch dass die wirklichen Herausforderungen der Welt niedergeredet werden. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der sich jeder frei entfalten kann, in der es gerecht zugeht, in der jeder sein Teil dazu beiträgt und auch jeder wertgeschätzt wird, egal woher man kommt, wer man ist, wieviel man hat, oder aus welcher Familie man stammt.

Alles Gute!


Es wird müßig, allerdings sehe ich mich heute morgen genötigt, ein paar Zeilen zu kommentieren.

1. Es war kein Lob. Aus meiner Sicht sind die Programme bzw die nach außen vertretenen Inhalte/Ziele der jetzigen etablierten Parteien nicht deckungsgleich mit den gewünschten Inhalten der hiesigen Bevölkerung. Meine persönliche Sichtweise. Anscheinend sehen das andere auch so, du keulst jetzt mal munter drauf los, anstatt losgelöst von eigenen moralischen Vorstellungen die heutige Regierung kritisch zu hinterfragen.
Vielleicht tust du das auch, allerdings ist das AfD-Wähler-Bashing evtl. Dann doch keine Lösung.

2. Klima - ehrlicherweise weiß man das erst ex-post. Ich sehe den Punkt allerdings auch kritisch

Kernenergie: mehr Kernkraft steht da nicht? Oder? Allerdings wird die 180' Wende gerügt. So lese ich das jedenfalls.

Windkraft: Kann man prüfen, wo es Sinn macht. Dann abwägen ob Ökologie vs Lebensqualität der Anwohner/Landschaftsschutz etc. Ideologische Sache?

Also ich unterschreib diesen Punkt voll.

Gender Familie Schwule
Kinder bekommen Frauen, nicht Männer.
Mich ekelt an, wie wenig Familie in Deutschland noch zählt. Stattdessen wird versucht es jeder Randgruppe recht zumachen. Als Alleinverdiener bringst du heute keine Familie mehr durch.
Das fände ich aber gut. Braun ist daran gar nix. Vielleicht empfinden das heute schon Leute? Wie kommt das?


Von Homophobie steht da im Programm auch nix von wegen Verbot o.ä.
Frau Weidel zB ist offen lesbisch und verheimlicht da gar nix. Trotzdem steht sie 100% für das klassische Familienbild.

Also ich kann deinen Worten leider nicht folgen, das klingt nach ideologischem Bäh gegen ein Familienbild, worauf Deutschland seinen Wohlstand, seine Kultur, seine Geschichte, seine Städte Indoeuropäer vieles worum uns die Wekt beneidet, aufbaute.
Warum das alles jetzt auf einmal so ist, das ich mich als Deutscher, Hetero, Vater von Kindern, Steuerzahler ohne Migrationshintergrund rechtfertigen sollte?

Übrigens möchte ich auch nicht das meine Kinder in der Kita oder Grundschule beigebracht bekommen, es wäre normal, schwul oder lesbisch oder sonstwie zu sein.
Das ist nämlich nicht die Regel. Ich wünsche mir aber, das sie Toleranz lernen.

Sozialpolitik: ich finde es gut, wenn man als Familie etwas erarbeitet hat und es seinen Kindern damit ermöglichen kann, es einmal besser haben zu können wir man selbst und die eigenen Eltern/Grosseltern.
Das spornt an, Substanz/Vermögen aufzubauen.

Muss man nicht, man kann auch finden, bei der Geburt sind alle gleichtuend niemand darf etwas vererbt oder geschenkt bekommen.
Für den Ausgleich und zur Verhinderung von Auswüchsen hat die Politik zu sorgen.

Wie sie das macht, dürfen wir als Wähler entscheiden. Ich finde die heutige Sozial- /Familienpolitik, inkl.Rentenpolitik, Pflege- und Behindertenpolitik überhaupt nicht gut.

Wehrpflicht fand ich gut, alternativ Zivildienst für die Kriegsdienstverweigerer auch. War ein gutes System.

Land ohne Armee, in Utopia evtl.
Aber nicht hier in der Realität. Ein Dienst für das Land, welches einem Schutz und Sicherheit bietet, ist meiner Meinung nach obligatorisch.

Deinen letzten Absatz unterschreibe ich auch, 100% und das alles in Deckungsgleichheit des AfD - Programms.

Komisch, nicht? Vielleicht sollten wir einfach einmal aufmerksam einander zuhören und nicht aus ideologischen Gründen andere Meinungen gleich in Grund und Boden verdammen?

Ich mag zB den heutigen Kretschmann, auch der Boris Palmer hat vernünftige Ansichten. Beide machen an ihren Stellen einen guten Job soweit ich das beurteilen kann. Haben auch gute Wahlergebnisse. Sind aber beide Ausnahmen, die ich nicht mit Grün gleichsetzen kann. Stichwort Künast Görung-Eckhardt Roth Beck ....

Aber es gibt da eben auch noch andere Stimmen, da fehlt mir dann die realitätsnähe Konsensfindung bei den Grünen. Auch solche Geschichten mit Drogen/Pädophilie/Unterstützung radikaler Gruppierungen aus der Vergangenheit machen mir Probleme. Damit scheidet Grün aus.

Vielleicht nachvollziehbar?
Warum hier immer braun und damit "nazi" angeführt wird, liegt ja nicht am Parteiprogramm, oder?

Einen guten Tag!
 
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Rockatanski » 7. Jan 2017, 08:49

AquaAndreas hat geschrieben:Vielleicht haben ja einige die Frage wörtlich genommen?

Nicht jeder der AfD wählt steht hinter deren Programm. Vielfach wird die AfD als großer, roter Notaus-Knopf wahrgenommen.


Auch sehr gut möglich, eine Art Notwehr!
 
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von ULTRASONE » 7. Jan 2017, 09:09

Die haben dann aber Demokratie oder die daraus erfolgende Konsequenz nicht verstanden.
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Volker.Berlin » 7. Jan 2017, 09:15

supercharged hat geschrieben:
Volker.Berlin hat geschrieben:Seht Euch den Kommentar von Jonathan Pie an, den Earlian gepostet hat. Und dann überlegt nochmal, ob das die richtige Reaktion ist.

Nee du, muss ich gar nicht, danke.

Das sei Dir zugestanden. Manchen Erwachsenen gelingt es hin und wieder, eine impulsive Reaktion zu unterdrücken, wenn sie erkennen, dass die Konsequenzen den eigenen Interessen schaden. Wenn Du die Sympathisanten der AFD abstempelst, diffamierst und Dich gleichermaßen angeekelt und verständnislos abwendest, dann stärkst Du damit den Zulauf für die AFD. Frau Petry dankt.
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Teslaftw » 7. Jan 2017, 09:30

Krass, wie viele Leute hier Grüne wählen würden, ich denke hier haben einige vergessen, dass es im Leben auch noch was anderes außer Energie- und Unweltpolitik gibt. :roll:
 
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von jonn68 » 7. Jan 2017, 09:31

Volker.Berlin hat geschrieben:
supercharged hat geschrieben:
Volker.Berlin hat geschrieben:Seht Euch den Kommentar von Jonathan Pie an, den Earlian gepostet hat. Und dann überlegt nochmal, ob das die richtige Reaktion ist.

Nee du, muss ich gar nicht, danke.

Das sei Dir zugestanden. Manchen Erwachsenen gelingt es hin und wieder, eine impulsive Reaktion zu unterdrücken, wenn sie erkennen, dass die Konsequenzen den eigenen Interessen schaden. Wenn Du die Sympathisanten der AFD abstempelst, diffamierst und Dich gleichermaßen angeekelt und verständnislos abwendest, dann stärkst Du damit den Zulauf für die AFD. Frau Petry dankt.


Sehr richtig, ich habe neulich eine gute Fernsehtalkrunde mit Herrn Klaus von Dohnany gesehen, ich finde er hat das Problem sehr gut erkannt, warum die Ränder der Politik so stark werden, weil es in der Politik nicht mehr gerne gesehen wird Kritik zu sagen, es müssen auch noch Problemfleder benannt werden, leider ist es sehr häufig so, daß diese dem Mainstram nicht entsprechen und aus Poltical Correctness Gründen werden die Mahner sofort niedergemacht..

Deshalb muß man dem Gegenüber immer zuhören und versuchen ihn zu verstehen, falls er Bullshit erzählt dann muß man das mit Argumenten und Fakten widerlegen, leider ist das was Politiker in vielen Fällen welchem Coleurs nicht mehr können.
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von FrankfurterBub » 7. Jan 2017, 09:32

Ich halte es nach wie vor für eine Mischung, warum der Zulauf bei den Populisten so groß ist: Einerseits gibt es ganz klare rechte Tendenzen, und wenn man sagt: "Ja, aber sind ja nicht alle so" dann frage ich mich, warum dieses Argument z.B. nicht bei Muslimen zählen darf. Klipp und klar: Die AfD, wenn auch nicht faschistisch per se, fischt ganz bewusst am rechten Rand und lässt sich von den Rechten immer wieder einvernehmen. Distanzierungen werden gleich wieder umgekehrt, warum sonst würde sonst ein Magazin wie "PI-News" mit ihren hetzerischen Artikeln immer wieder zur Wahl der AfD aufrufen?

Damit das klar ist: Natürlich sind nicht alle AfDler Nazis, das ist Unsinn, und wer so etwas verbreitet, schadet sich dabei nur selbst. Natürlich ist die AfD z. Zt. ein Sammelbecken für Unzufriedene, so wie es zwischenzeitlich auch mal die Grünen, die Piraten, die Linken, etc. waren (nur eine davon "gibt" es noch wirklich auf Bundesebene, haben sich aber auch ziemlich gewandelt). Aber ebenso muss man sehen, dass es den Leuten immer weniger um Inhalte geht (90 Seiten Parteiprogramm wird kaum einer gelesen haben), sondern vielmehr um eine - gefühlte - Unzufriedenheit, um die Angst vor Wandel, um die Angst vor sozialem Abstieg, um diffuse Ängste vor Fremden, um Wut und Angst.

Was mich einfach nur fassungslos macht: Statt mit guter Politik und festen Standpunkten den Populisten den Teppich unter den Füßen wegzuziehen, werden die etablierten Parteien immer schriller und verstehen die Welt nicht mehr, dass der Bürger sich nicht unbedingt der AfD zu-, aber den alten Parteien abwendet. Dass sich faschistische Tendenzen und offene Nazis in der Partei befinden, nehmen diese Bürger halt hin, weil sie sonst einfach keine andere Wahl sehen. Umso wütender macht es mich, wenn dann nur auf dieses Thema gezielt wird - das schafft gerade eine besondere Einigkeit bei den Protestlern!

Eine Partei, die es m.E. locker schaffen könnte, die AfD in der Bedeutungslosigkeit zurückzustoßen, wo sie angesichts vieler vieler vieler Unzulänglichkeiten (nicht nur die fehlende Distanzierung vom Faschismus) hingehört, wäre eine Partei, die eine offene Sprache spricht: Es muss beim Bürger ankommen, dass man ihn hört. Hat er Angst vor sozialem Abstieg, muss man ihm zeigen, dass der Staat ihn auffangen wird. Hat er Angst vor Fremden, muss man im zeigen, dass man das Recht auf Asyl ernst nimmt, gleichzeitig aber nicht den Retter der Welt spielen wird. Hat er Angst vor Wandel (Arbeitsplatz, alternde Gesellschaft, etc.), muss man ihn mitnehmen. Man wird es nicht allen rechtmachen können, das ist in einer Demokratie so veranlagt. Aber indem man die Ängste und die Wut, meist jedoch eher die Resignation der Leute einfach als "dumm, niveaulos, etc." abtut, spielt man den Populisten genau in die Arme. Und jetzt sind halt die rechten Populisten dran, es hätten genauso gut die linken Populisten sein können..

Ich schäme mich derzeit ebenfalls dafür, dass wir anscheinend an einem Punkt angelangt sind, wo eigentlich nur noch der Reset-Knopf wirklich helfen kann. Warum? Weil der Bürger das Gefühl hat, er kann ohnehin nichts tun, wird nicht ernstgenommen und wenn er den Mund aufmacht, wird er dafür auch noch in eine Ecke gestellt, in der er sich selbst nicht sieht und in der Leute stehen, die ihm eigentlich nicht gefallen (aber dann ist er in der Ecke und spürt, hey, die Leute hier nehmen mich gerne auf - auch wenn ich die eigentlich gar nicht so toll finde).

Knappes Beispiel aus dem Fernsehen, jeden morgen wieder zu beobachten. Politiker bekommt Frage, hier nur als Beispiel:
F: "Ist das Wasser blau, und wenn ja, wie wollen Sie darauf reagieren?" A: "Der Himmel ist jedenfalls blau!" F: "Das ist schön, aber das war nicht meine Frage?" A: "Nun, sie fragen mich ob das Wasser blau ist. Ich sagte Ihnen ja, dass der Himmel zumindest blau ist. Auch mein Auto ist blau. Ob das Wasser nun blau ist, ist eigentlich gar nicht die Frage. Sondern: Wollen wir, dass das Wasser blau ist? Wenn schon der Himmel blau ist und mein Auto, muss das Wasser blau sein?" F: "Die Bürger wollen aber wissen, ob das Wasser blau ist und wenn ja, wie sie damit umgehen wollen." A: "Wir müssen die Fragen der Bürger ernst nehmen, sonst landen die bei den Populisten, ganz klar. Aber manche Fragen stellen sich derzeit einfach nicht." F: "Aber der Bürger, ich, frage SIE jetzt ganz konkret: IST DAS WASSER BLAU?" A: "Tja, unsere politischen Gegner würden jetzt sagen: Wasser hat viele Farben, warum sollen wir uns festlegen. So sind wir nicht, wir haben klare Antworten, jederzeit. Und die Farbe des Wassers ist wichtig, das steht bei uns ganz oben!" F: "Und ist das Wasser nun blau?" A: "Wasser ist zunächst erst einmal Wasser, da haben wir viel Erfahrung mit. Das sagen wir dem Bürger auch, klipp und klar. Die Populisten machen es sich da zu einfach und geben zu einfache Antworten, die niemandem helfen, soviel sei an dieser Stelle gesagt!" F: Okay, unsere Zeit ist um.. Danke für das Gespräch.

Und dann kommt einer um die Ecke und brüllt: "UNSER WASSER IST BLAU UND GEHÖRT NUR DEN DEUTSCHEN!". Tja, der Bürger fragt, ist das Wasser blau, hier hat er die Antwort. Endlich. Das mit dem "und gehört nur den Deutschen" verwirrt ihn zwar etwas, aber er denkt sich: Endlich sagt mir einer, wie es ist.


Sorry für den langen Text, aber ich denke, wir stehen in der Tat an einem Wendepunkt. Von hier aus kann es ganz schnell in eine Richtung gehen, deren Ergebnis uns wirklich schrecken sollte.
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Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Earlian » 7. Jan 2017, 09:55

Jonn68 hat es erkannt.

1. Linke politische Flügel (Grüne, Teile CDU/SPD) tragen eine Mitschuld an der Stärke der Afd! Wann hat es je genutzt mit dem Finger auf Menschen zu zeigen, sie in die rechte Ecke zu stellen, oder zu beschimpfen, wenn man sie von seinen Ansichten überzeugen will!? Genau hier liegt aber das Problem (nicht nur in Deutschland): Wir haben eine Sprachkultur geschaffen, in der es moralisch nicht mehr erlaubt war, sich kritisch zu heiklen Themen zu äußern. Man wurde sofort in rechte Lager gestellt. Damit jedoch treibt die Linke die Menschen der Afd (oder Trump-Kopien) in die Arme.
2. An der Wahlurne gibt es aber keine moralische Kontrolle! Die Menschen wählen, was ihnen passt. Und beleidigen ruft auch mal eine Trotzreaktion vor.
3. Die Menschen haben Angst! Geht nicht von euch selber aus. Sie haben Angst vor Globalisierung, um ihre Jobs, vor Einbrüchen, vor sexuellen Übergriffen (wie in Köln), vor neu erstarkten Terror, vor den Flüchtlingen (weil sie sie nicht kennen!). Geht auf die Straße und fragt die Frauen, ob sie sich und ihre Rechte ausreichend von unserem System beschützt sehen? Die Antwort lautet Nein. Mir wäre auch lieber, wir könnten heute alle Menschen auf der Welt in den Arm nehmen und wohlig bei uns auf nehmen. Das schaffen wir auch. Die Geschwindigkeit dabei hat uns jedoch überrumpelt und Probleme geschaffen, die nicht schnell gelöst werden konnten. Die Afd verspricht einfache Lösungen für die Ängste der Menschen.
4. Denkt dabei an die Grundbedürfnisse (Bedürfnispyramide) des Menschen: Zur Zeit befinden sich die meisten wieder auf der Sicherheitsstufe! Und wir wollen über Umwelt und Nächstenliebe mit Ihnen reden? Das können sie nicht, solange ihre Grundbedürfnisse nicht gesichert sind!

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Maslows ... hierarchie

5. Diese Ängste und Sorgen (Grundbedürfnisse) müssen die großen Parteien bis zur Wahl glaubhaft adressieren.
6. Wir haben in D dieses Mal ja noch Glück, dass die Afd nach außen bisher relativ uneinig auftritt und keine Galleons Figur wie Trump hat. Man stelle sich vor, sie würden Minister aD zu Gutenberg fragen, ihr Kanzlerkandidat zu werden, dann wären schon im Herbst die Lichter aus!
7. Beleidigt zu sein reicht nicht mehr!
8. Wenn wir von uns behaupten, offen zu sein und jeden Menschen aufnehmen zu wollen, na dann sollten wir bei den Menschen in unserem eigenen Land mal anfangen! Wir müssen jetzt auf Andersdenkende zugehen und eine ehrliche Diskussion beginnen, über die Probleme und Sorgen der Menschen, die die Etablierten nicht wählen wollen. Es hilft nicht, wenn wir uns selber spalten.


Von daher bin ich begeistert, dass hier eine Diskussion noch möglich ist und hoffe wir bleiben in unserem Forum alle auf einer sachlichen Ebene. Ansonsten erreicht man damit überhaupt nichts.

Ich rate jedem, sich nochmal das 6 min kurze Video (aus meinem oberen Post) zur Analyse von Jonathan Pie anzusehen. Das geht alle Lager etwas an. Hier kann man aus den Erfahrungen, die England und die USA zuletzt gemacht haben, schon etwas für unsere bevorstehende Wahl lernen. Es ist leider auf englisch. Ich habe aber keine Lust, dass im Herbst alle überrascht sind und wir das erst dann auf deutsch sehen (dann von einem deutschen Moderator).
Zuletzt geändert von Earlian am 7. Jan 2017, 10:35, insgesamt 22-mal geändert.
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Leto » 7. Jan 2017, 10:00

elrond hat geschrieben:
Leto hat geschrieben:Daher hätte ich gern Politiker welche die Wahrheit über die komplexen Lösungen sagen und deren Konsequenzen. Die muss ich in der Demokratie durch wählen stützen, zumindest die dem am nächsten kommen. Mehr fällt mir dazu nicht ein.


Das ist immer so einfach dahin gesagt.

Aber die Realität ist doch, dass die meisten Wähler die komplexen Lösungen gar nicht hören wollen. Und daher greifen fast alle Politiker zu den einfachen Lösungen - weil sie damit ihre Chancen steigern, gewählt zu werden.

Wie heißt es so schön: Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient. Ebenso bekommt man auch die Politiker, die man verdient. Es bringt überhaupt nichts, auf Politiker zu schimpfen - denn wenn man andere haben wollen würde, könnte man das leicht bekommen.

Ciao,
Gerhard


Wenn ich das aber wirklich in letzter Konsequenz nicht will muss ich die Demokratie ablösen. dann eben auch wieder mit den entsprechenden Konsequenzen. Es gibt auch dafür aktuelle Beispiele, in der Türkei will das Volk eine Diktatur mehrheitlich, auch wenn das viele Politiker in der EU nicht wahr haben wollen.
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Re: Was würdet ihr wählen wenn morgen Bundestagswahl wäre?

von Franko30 » 7. Jan 2017, 10:11

Teslaftw hat geschrieben:Krass, wie viele Leute hier Grüne wählen würden, ich denke hier haben einige vergessen, dass es im Leben auch noch was anderes außer Energie- und Unweltpolitik gibt. :roll:

Nein, die Grünen sind die Partei mit dem besseren, zukunftsfähigen Wirtschaftsprogramm.

Cheers Frank
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