Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

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Re: Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

von Wassermann » 29. Mär 2016, 12:22

Meiner Meinung nach wird sich das mit den "Oldtimern" von selbst erledigen. Hierzu ein Beispiel aus der "Schlepper- und Trecker-Szene" (hat nichts mit Flüchtlingen zu tun ;) ), wo ein guter Freund von mir national und international ziemlich aktiv ist. Er geht jetzt auf die 70 Lenze zu und sein Sohn interessiert sich nur bedingt für den Erhalt und die Übernahme seiner rund 30 Stück umfassenden Sammlung.

Viele seiner Freunde aus der Szene haben eine ähnliche Situation, wollen (müssen) sich kleiner setzen - wohin mit der Sammlung, dem "Lebenswerk"? Für jüngere Leute mag ein Lanz Bulldog urig sein, hinstellen will sich den niemand. Es gibt keine nachwachsende Käuferschicht. Dieser Situation ist zu verdanken, dass jede Menge Fahrzeuge auf den Markt kommen, die mittlerweile für absurd kleines Geld abgegeben werden, nur damit der Hof leer wird.

Bis auf wenige Ausnahmen (Exoten wie Ferrari usw.) wird es auch bei den "Brot-und-Butter-Autos" so kommen. Es gibt immer weniger Spezialisten, die vernünftig einen Vergaser einstellen können, bestimmte Reifengrößen gibt es nur noch in eingeschränkter Auswahl, die Preise für Verschleißteile ziehen an, was die Attraktivität dieses Hobbys einschränkt. Die junge Generation hat für einen DKW 3=6 Null Verständnis, ein Käfer oder Bulli T1 bis T3 dürften weiterhin akzeptiert werden, wobei auch hier das Ende der Fahnenstange absehbar ist, denn die junge Szene dieser Fahrer lebt von extremen Umbauten, "Rat-Look" und anderen optischen Grausamkeiten. Diese Fahrzeuge werden mit viel Geld regelrecht "hingerichtet" und dem Sammlermarkt entzogen:

Bild

Was die Szene momentan noch nicht geblickt hat: Zukünftige "Oldies" ab Baujahr 1990 aufwärts kennen keine Klemmenbezeichnung mehr, es grüßt der Can-Bus. Viele etablierte (und gute) Werkstätten werden nicht über die Kenntnisse eines Mechatronikers verfügen und hinzu kommt, dass einige ASICS der Bordsteuerung nicht mehr aufzutreiben sind. Selbst bei einem Golf III wird es teilweise schon eng, wenn es um die Steuergeräte geht. Mit jedem aktuellerem Baujahr steigert sich die Digitalisierung im Auto und ich bezweifle ernsthaft, dass man in 29 Jahren noch einen Schummeldiesel von VW ordentlich ans Laufen kriegt – mehr als das Notlaufprogramm wird es wohl nicht werden. Alles viel zu komplex und von der Steuerelektronik von Fahrzeug zu Fahrzeug extrem unterschiedlich, was einer "Organspenderpolitik" nicht unbedingt entgegen kommt.

Ganz übel ist natürlich das Risiko der Politiker, die diese Youngster-Regelung jederzeit ausser Kraft setzen kann und dann ist der Markt schlagartig tot.
Grüße vom Chris

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Re: Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

von Genussfahrer » 8. Apr 2016, 17:48

Grundsätzlich finde ich es schon ok, wenn Oldtimer gesammelt, erhalten und insbesondere auch ausgestellt! (Museum) werden. Schließlich sind sie ja Zeitzeugen der historischen technischen Entwicklung und damit auch Kulturgut (wertfrei gemeint).

Leider beobachte ich aber schon seit Jahren einen Trend, dass in den Sommermonaten zunehmend ganze Rudel von Oldtimern zweckfrei durch die Lande fahren und mit ihrem Krach und ihren Abgasen die Umweltschutzbemühungen moderner (Elektro-)Autos konterkarieren.

Irgendwie schon verrückt. Ich gebe einen anständigen Batzen Geld aus, um mit meinem Model S Umwelt und Ressourcen zu schonen (ich weiß, auch darüber kann man streiten) und mein Nachbar startet am Sonntag Nachmittag seinen VW-Käfer und stinkt mir den Garten voll und lärmt mir mit seinem ständigen Hin- und Herranchieren die Ohren voll.

Ich finde, die jährlichen Fahrleistungen der Oldtimer sollten begrenzt werden, wobei 3000 km pro Jahr noch viel zu hoch ist.
Meine Meinung: Das Schönste an den Oldtimern ist, dass sie der Vergangenheit angehören. Und da bleiben sie am besten auch.
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Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

von Earlian » 8. Apr 2016, 18:04

Ich habe wieder Hoffnung für die Oldtimer:

http://mallorcamagazin.com/nachrichten/ ... ieren.html

Wenn sie sauber und leise sind, könnte es doch noch genügend Liebhaber geben, nach dem Technologie-Wandel.
Zuletzt geändert von Earlian am 9. Apr 2016, 13:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

von Retoe » 9. Apr 2016, 12:23

Bei uns in der Schweiz kann Alteisen aktuell noch kostenlos entsorgt werden. Die nehmen sicher auch die Oldtimer mit.
 
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Re: Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

von einstern » 9. Apr 2016, 15:52

Bevor so ein Klappertimer mit unendlicher Mühe aufgeforstet wird, sollte man einen Teil der Kosten spendieren und den Antrieb entkernen. Ein dezenter Umbau auf E-Antrieb könnte noch ein schönes. stilvolles Leben werden. Es gibt bestimmt Autos, wo sich das lohnt.
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Re: Klassische Fahrzeuge und der Wandel der Zeit

von reniswiss » 9. Apr 2016, 19:29

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