Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von Elektroniker » 13. Mär 2018, 18:22

Südstromer MS85 hat geschrieben:Hör mir doch mit dem Kinderkram auf, das Wissenschaft einen allgemeingültigen Standard hat, der über den Dingen liegt. Rauchen fördert die Gesundheit, Stand der Wissenschaft in den 50iger Jahren! Frag mal Helmut Schmidt...

Selbstverständlich hat die Wissenschaft das wissenschaftliche Prinzip der Überprüfbarkeit und Wiederholbarkeit, sowie der Falsifizierung etc als allgemeingültige Standards.

Dass sich nicht alle "Wissenschaftler" immer an diese Standards halten, aus irgendwelchen Interessen heraus dagegen verstoßen oder eben auch mal irren, diskreditiert ja nicht das wissenschaftliche Grundprinzip.
Im Gegenteil werden solche Irrungen eben gerade durch die wiss. Prinzipien später aufgedeckt und nachprüfbar widerlegt.

Wer den wiss. Standard leugnet und als Kinderkram abtut, hat selbst sicher noch nie wiss. gearbeitet und das wiss. Prinzip nicht im geringsten verstanden.
Da schimmert wohl der "Praktiker" durch, der alle "G'studierten" als theoretisierende Labertaschen geringschätzt - auch einer Form von Arroganz ... ;)

MichaMeier hat geschrieben:Es kann nun sein, dass die total abgehobenen Theorien tatsächlich praxisrelevant sind. Es könnte aber auch einfach nur ein Kartenhaus sein, das auf bestehenden Theorien aufgebaut wurde, das aber in der Praxis in sich zusammenfällt, da bestimmte Grundannahmen/Grundpfeiler nicht stabil/allgemeingültig genug sind.

Aber genau das kann man doch nur mit den wiss. Standards herausfinden.
Oder soll man wieder dazu übergehen, Orakel zu befragen, obe eine Theorie oder Annahme stimmt?

Ich kann solche Kritik am wiss. Prinzip nicht verstehen.
Sie beruht offenbar auf einer völligen Unkenntnis, was das wiss. Prinzip überhaupt bedeutet.
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von AxelM » 13. Mär 2018, 18:31

MichaMeier hat geschrieben:
Elektroniker hat geschrieben:Wissenschaft hat eben nichts mit Glauben zu tun, sondern ist das genaue Gegenteil davon.
Die Wissenschaft hat es doch erst ermöglicht, sich über den bloßen Glauben zu erheben.

Im Prinzip hast Du Recht, Wissenschaft hat nichts mit Glauben zu tun, sondern mit Abstraktion.

Es wird versucht, alles mit Formeln und Gesetzmäßigkeiten abzubilden. Dabei entstehen dann immer komplexere Gebilde, durch die nur wenige durch blicken.

Das geht dann solange gut, wie es noch Leute gibt, die es verstehen und auch verstehen, woher was kommt. Neueinsteiger lernen meist nur noch die Formeln und Gesetzmäßigkeiten und wissen nicht, was das mit der real existierenden Welt zu tun hat. Ungeachtet dieses Abstands zwischen Theorie und Praxis werden dann neue Theorien entwickelt. Das geht dann auch noch eine Weile gut, solange man die Theorien dann noch an der Praxis überprüfen kann.

Leider gibt es allerdings immer wieder Theorien, die sich nicht einfach an der Praxis ausprobieren lassen. Sei es, dass die Überprüfung Jahrzehnte/Jahrhunderte dauern würde (Klimawandel) oder dass die Überprüfung unglaublich aufwendig und teuer ist (Kernfusion).

Es kann nun sein, dass die total abgehobenen Theorien tatsächlich praxisrelevant sind. Es könnte aber auch einfach nur ein Kartenhaus sein, das auf bestehenden Theorien aufgebaut wurde, das aber in der Praxis in sich zusammenfällt, da bestimmte Grundannahmen/Grundpfeiler nicht stabil/allgemeingültig genug sind.


Diesen Pessimismus teile ich nicht. Wissenschaft ist eine Methode, die wunderbar funktioniert. Man postuliert ("was könnte sein"), beobachtet und misst ("was sehe/messe ich") und leitet nach den Gesetzen der Logik davon Aussagen ab (z.B. die Naturgesetze und -Konstanten). Daraus kann man wieder weitere Theorien und Experimente entwickeln usw.. Im Detail natürlich sehr komplex, die grundlegenden Zusammenhänge sind aber recht einfach und seit Aristoteles unverändert.

Zur Methode gehört auch, an den erarbeiteten Aussagen ständig zu zweifeln und diese wieder und wieder zu überprüfen. So gelten sie auch nur solange, bis sie durch bessere/genauere ersetzt werden können. Man versucht, die Grenzen dessen, was man weiß, also was man durch Beobachtungen/Messungen als "wahr" im Sinne von messbar, plausibel und widerspruchsfrei beschreiben kann, immer weiter zu verschieben.

Alle seriösen Wissenschaftler akzeptieren und räumen ein, dass es unendlich viel gibt, das wir noch nicht wissen, und dass sich die Wissenschaft auch irren kann. Im Grunde ist das sogar notwendige Voraussetzung, damit die Methode funktioniert. Denn wenn man irgendwann aufhört zu zweifeln, muss man auch nicht weiter forschen.

Glaube hingegen möchte den Menschen den Zweifel abnehmen. Das kann zwar tröstlich sein, führt aber nicht zu mehr Erkenntnis. Leider wird Glaube auch oft missbraucht von Menschen, die meist eher eigennützige Ziele erreichen wollen.

In der Klimadiskussion geht es auch nicht um zwei Gegenpositionen, die man halt glaubt oder nicht, sondern um den wissenschaftlich belegbaren Stand der Erkenntnis gegenüber wissenschaftlich nicht belegbaren Annahmen, die viele einfach glauben oder unreflektiert übernehmen, wahrscheinlich um ihr eigenes Fehlverhalten oder ihre eigene Ignoranz zu rechtfertigen.

Dem Klima ist es im Übrigen egal, ob manche glauben, der Mensch hätte keinen Einfluss. Es ist ihm sogar egal, ob auf der Erde Menschen noch (über-)leben können. Es geht darum, mit Hilfe der Methode "Wissenschaft" sicherzustellen, dass es möglichst vielen Menschen/Lebewesen möglichst gut geht. Sicher gibt es auch Menschen, die sehen gerade letzteres anders. Das ist aber eine ganz andere Diskussion dann ...
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von Elektroniker » 13. Mär 2018, 18:41

@AxelM:
DU hast es umfassender und viel schöner dargelegt als ich. Und vor allem auf den Punkt gebracht. :ugeek:
Bravo!
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von douglasflyer » 13. Mär 2018, 18:48

AxelM hat geschrieben:Wissenschaft ist eine Methode, die wunderbar funktioniert...


Vielen Dank Axel für Deinen Beitrag!
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von Bones » 13. Mär 2018, 19:41

Danke Axel. Sehr treffend formuliert.
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von plock » 13. Mär 2018, 20:17

Auch von mir: +1
 
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von OS Electric Drive » 13. Mär 2018, 23:14

Super Beitrag... ! Ich wenn ein Blitz ein Haus in Brand steckt löscht die Feuerwehr auch nicht mit Benzin und sagt, hey der Mensch hat das Feuer nicht gemacht.

Wenn man weiß dass CO2 den Treibhauseffekt beschleunigt, warum feuert man dann noch zusätzliches rein? Wenn man weiß dass man mit PV und Wind der Sache entgegen wirken kann und vielleicht sogar CO2 aus der Luft zu filtern, warum machen wir das nicht? Und was denken wir eigentlich wer wir sind? Unser CO2 Konto ist aufgebraucht... Es kann nicht sein, dass ca.1% der Menschen die seit Jahrhunderten CO2 in die Atmosphäre pusten noch immer für mehr als 2% des CO2s verantwortlich sind. Und da wir energieintensive Prozesse ins Ausland verlagert haben ist das nur eine geschönte Betrachtung.
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von AxelM » 14. Mär 2018, 01:24

Danke für Euer Feedback! Ich versuche, einen objektiv-optimistischen Blickwinkel einzunehmen und einen Gegenpunkt zu inhaltlich oft "verdichteten", manchmal aber auch verzerrenden Meinungen zu bilden. Wenn ich mal übers Ziel hinausschießen sollte - freue mich auch über Kritik und kann damit umgehen.
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von Hein Mück » 14. Mär 2018, 10:30

@AxelM: Sehr schön!

Bye Thomas
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Re: Die Hälfte hält den Klimawandel für eine Lüge

von JeanSho » 14. Mär 2018, 16:21

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