Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

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Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Ombre2k6 » 12. Sep 2012, 17:01

Den Hype um das Elektroauto hält Österreichs Energieregulator Walter Boltz aus ökologischer Sicht für bedenklich

STANDARD: 2020 sollen laut Regierung und Industrie bis zu 250.000 Elektroautos auf Österreichs Straßen unterwegs sein. Realistisch?

Boltz: Völlig überzogen. Ende Mai waren laut Statistik Austria gerade einmal 1200 Elektroautos angemeldet. Die heutigen Autos sind so teuer und unattraktiv, dass die Verkaufszahlen so sind, wie sie sind. Das E-Mobil ist zumindest die nächsten 20 Jahre nicht die Lösung des Verkehrsproblems - im Gegenteil. Elektroautos verstellen den Blick auf das Wesentliche.

STANDARD: Inwiefern?

Boltz: Durch die Fokussierung auf das Elektroauto werden alle anderen, realistischeren und möglicherweise auch billigeren Alternativen erst gar nicht in Betracht gezogen.

STANDARD: Als da wären?

Boltz: Ein Bündel von Maßnahmen. Ausbau und Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs etwa. Man könnte sich überlegen, bestimmte Gruppen zu bestimmten Zeiten kostenlos fahren zu lassen. Jede Person mehr in der Straßenbahn oder im Zug ist eine Person weniger auf der Straße. Auch das reduziert Kosten. In Wien hat die Verbilligung der Jahreskarten zu einer deutlichen Frequenzsteigerung bei den Öffis geführt.
STANDARD: Was sollte noch gemacht werden, um die Emissionen im Straßenverkehr zu senken?

Boltz: Auf Erdgasautos setzen. Das ist eine ausgereifte Technologie, die Autos kosten nicht wesentlich mehr als Diesel-Pkws, es gibt ein flächendeckendes Tankstellennetz, und die Emissionen sind um bis zu 25 Prozent geringer als bei Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb.

STANDARD: Der Anteil der Erdgasautos ist verschwindend gering, obwohl es sie schon sehr lange gibt?
Boltz: Man muss die auch bewerben. Derzeit sind knapp 2000 Erdgasautos in Österreich unterwegs, in Italien sind es 780.000. Was man nicht kennt, greift man lieber nicht an. Man könnte auch die Effizienz herkömmlicher Benzin- und Diesel-Pkws erhöhen. Es gibt 4,5 Millionen davon in Österreich. Wenn da etwas weitergeht, ist das ein großer Hebel.

STANDARD: Sind Sie nicht ungerecht zum Elektroauto? Mit größeren Stückzahlen wird es sicher billiger.

Boltz: Die Grundproblematik sind die Reichweite und die Batterie. Eine nachhaltige Verbesserung ist hier die nächsten zehn bis 15 Jahre nicht in Sicht. Das Auto wird vielleicht ein bisschen billiger werden und auch etwas leistungsfähiger. Aber die Energiedichte ist auf Sicht so gering, dass man mit einem reinen Elektroauto auf Jahre hinaus nicht weiter als 150 Kilometer wird fahren können.

STANDARD: Was weit mehr ist, als ein durchschnittlicher Autofahrer pro Tag zurücklegt.

Boltz: Das sind Betrachtungen unter günstigsten Witterungsverhältnissen und Temperaturbedingungen - ohne dass es kalt ist und bergauf geht. Bei minus zehn Grad ist nach 60 bis 70 Kilometern schon Schluss. Wenn Benzin knapp wird, fährt man zur nächsten Tankstelle und ist nach ein paar Minuten wieder auf der Straße. Beim Elektroauto sprechen wir von mindestens einer Stunde.

STANDARD: Dass die Elektrizitätsunternehmen Strom verkaufen wollen und das Projekt pushen, liegt auf der Hand. Welche Motivation hat die Autoindustrie, auf E-Cars zu setzen?

Boltz: Die Pkw-Hersteller müssen ihren Flottenverbrauch senken, sind folglich interessiert, ein paar Modelle zu produzieren, die eine nominell CO2-arme Kategorisierung haben oder gar CO2-frei sind. Der springende Punkt ist: Die Flotte ist nicht so definiert, dass das die verkauften Autos sind, sondern die angebotenen. Die Autoindustrie hat die EU-Kommission in dem Punkt ganz schön über den Tisch gezogen. Auch mit Ökologie hat das Elektroauto wenig am Hut. Wenn man sich den Stromix in Europa ansieht, ist es ein Kohleauto - weil der Strom vorwiegend in Kohlekraftwerken erzeugt wird.

STANDARD: Eine verbesserte Batterientechnologie ...

Boltz: ... die mittels chemischer Prozesse viel Energie speichert, sehe ich noch in keinem Labor. Wenn man weiß, dass zwischen einer Anwendung im Labor und einer im Massenverkehr in der Regel zehn bis 15 Jahre verstreichen, ist auch von dieser Seite in nächster Zeit nichts zu erwarten. (Günther Strobl, DER STANDARD, 12.9.2012)

Walter Boltz (59) ist seit März 2001 Geschäftsführer der Energie-Control GmbH, die mit der Regulierung des österreichischen Strom- und Gasmarktes betraut ist. Er studierte Technische Physik an der TU Wien.

Quelle:http://derstandard.at/1345166833154/Elektroautos-sind-nicht-die-Loesung-Interview-Boltz-Energieregulator-Verkehr



Hallo zusammen,

wie seht ihr das? Was haltet ihr von der Denkensweise des Walter Boltz?

Viele Grüße

Ombré
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von faheus » 12. Sep 2012, 17:19

sorry, aber das scheint wieder so ein typischer Manager zu sein der mit Scheuklappen durch die Welt rennt.
Aber wenn ich schon lese: "Aber die Energiedichte ist auf Sicht so gering, dass man mit einem reinen Elektroauto auf Jahre hinaus nicht weiter als 150 Kilometer wird fahren können."
dann denke ich das er einfach nur die Europäischen Autobauer kennt(die ja bekannterweise nichts halbes und nichts ganzes im Angebot haben).
 
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von ManuaX » 14. Sep 2012, 07:48

warten wir es einfach ab wenn tesla 50% der für 2020 geplanten 1 mio eAutos auf deutschen straßen stellt währe ich mehr als zufrieden ^,^
:lol:

Mfg ManuaX
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Eberhard » 14. Sep 2012, 07:53

Dann wären aber alle deutschen Autobauer pleite.

lg

Eberhard
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von ManuaX » 14. Sep 2012, 08:10

hätte ich auch keine probleme mit ^,^ verdient hätten Sies ja :lol:
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Thorsten » 17. Sep 2012, 21:34

Die beiden wesentlichen Argumente sind meines Erachtens so absurd, dass man am Sachverstand von Herrn Boltz zweifeln muss:

  • Reichweite: Tesla Roadster und Model S kann man aufgrund des Preises sicher noch nicht als Massenmodelle bezeichnen. Sie zeigen aber, dass die Aussage, "dass man mit einem reinen Elektroauto auf Jahre hinaus nicht weiter als 150 Kilometer wird fahren können" absoluter Nonsens ist. Und jeder Roadster-Fahrer weiß, dass eine Reduzierung auf "60 bis 70 Kilometern" (d.h. 40%) bei "minus zehn Grad" totaler Schwachsinn ist.
  • Strommix: Ich kenne keinen E-Mobilisten, der seinen Strom nicht per Ökostromtarif bezieht. Die meisten haben eigene PV-Anlagen. Damit fördern sie aktiv den Umstieg auf alternative Energien. Von einem "Kohleauto" kann dann wohl keine Rede sein.

Ich hoffe nur, dass Herr Boltz keinen wesentlichen Einfluss auf das Thema E-Mobilität in Österreich hat. Sonst sehe ich für die zukünftige Entwicklung schwarz.

Grüße
Thorsten
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Ombre2k6 » 18. Sep 2012, 20:55

Thorsten hat geschrieben:Die beiden wesentlichen Argumente sind meines Erachtens so absurd, dass man am Sachverstand von Herrn Boltz zweifeln muss:

  • Reichweite: Tesla Roadster und Model S kann man aufgrund des Preises sicher noch nicht als Massenmodelle bezeichnen. Sie zeigen aber, dass die Aussage, "dass man mit einem reinen Elektroauto auf Jahre hinaus nicht weiter als 150 Kilometer wird fahren können" absoluter Nonsens ist. Und jeder Roadster-Fahrer weiß, dass eine Reduzierung auf "60 bis 70 Kilometern" (d.h. 40%) bei "minus zehn Grad" totaler Schwachsinn ist.
  • Strommix: Ich kenne keinen E-Mobilisten, der seinen Strom nicht per Ökostromtarif bezieht. Die meisten haben eigene PV-Anlagen. Damit fördern sie aktiv den Umstieg auf alternative Energien. Von einem "Kohleauto" kann dann wohl keine Rede sein.

Ich hoffe nur, dass Herr Boltz keinen wesentlichen Einfluss auf das Thema E-Mobilität in Österreich hat. Sonst sehe ich für die zukünftige Entwicklung schwarz.

Grüße
Thorsten


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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Geert » 19. Sep 2012, 09:33

ich war am Wochenende in Mailand mit meinem Tesla .... so knappe 700km mit zwei Tankstops .... mehr gibt es nicht zu sagen .... :ugeek:
 
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Eberhard » 19. Sep 2012, 22:51

Komme gerade aus Berlin, 600km mit laden in Berlin 7h an 32A haben gereicht.
Morgen Erfurt Ötztal 625km mit Laden am HPC in Bopfingen.
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Re: Interview auf Standard.at gegen Elektroautos

von Redlin » 23. Sep 2012, 20:02

In "Revenge of the Electric Car" sagt Elon in einer Diskussionsgruppe, dass das Raffinieren von 1L Öl zu Benzin mehr Energie kostet als ein Elektroauto verbraucht um eine äquivalente Strecke zu fahren.

Diese Aussage wollte ich immer mal überprüfen und nachrechnen, aber generell gilt: Das Benzin fällt ja auch nicht vom Himmel und muss mit enormem Energiebedarf hergestellt werden. Diese Energie kommt ebenfalls aus Kraftwerken.

Grundsätzlich würde ich aber der Aussage klar zustimmen, dass eine andere Form von Auto, in diesem Fall elektrisch, nicht die primäre Lösung sein kann. Öffentlicher Nahverkehr, Carsharing, Ausbau der Fahrradstraßen usw. ist ganz klar für die Innenstädte wesentlich wichtiger. Immer wenn ich mit meinem Tesla in München unterwegs bin, frage ich mich, warum ich nicht auf dem Fahrrad sitze.

Interessant ist das Auto bei den Strecken die zu kurz sind um sinnvoll den Fernverkehr zu benutzen aber zu lang und zu dünn bevölkert um einen sinnvollen öffentlichen Nahverkehr zu betreiben.

Ansonsten bleibt noch der Spaß- und Freizeitfaktor - das ist bei mir die Hauptausrede den Roadster zu fahren.

Redlin
 
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