These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Boden)

Allgemeine Informationen zur mobilen Zukunft...

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von OS Electric Drive » 20. Okt 2019, 08:09

Ich denke in diesem Faden muss man ja nicht wieder das Konzept der öffentlichen Ladestruktur durchkauen, dazu gibt es ja eigentlich keine unterschiedlichen Auffassungen was am besten wäre, die Frage die sich stellt ist eher was am ehesten umgesetzt wird.

Dass die aktuellen Lader mit 350kW noch etwas teurer sind ist doch logisch daher kann man aber nicht von diesem Preis auf die zukünftige Entwicklung schließen. Leistungselektronik kann man in dieser Größenordnung für rund 50-60€/kW ansetzen (als Ziel sicher nicht heute) und das bedeutet dass ein 350kW Lader ca. 20.000€ kostet im EK. Mit Trafo und Netzanschluss und 6 Stalls sollte das für 230.000€ machbar sein und deckt sich mit den Kosten der Angaben von Tesla die als ev. als Hersteller dieser Teile noch günstigere Konditionen aufrufen können.

Mit der Auslastung ist das so eine Sache, denn auch hier kann man nicht mit den alten Autos rechnen sondern muss mit den zukünftigen rechnen die eine Ladeleustung im Schnitt von 150-200kW haben werden. Man könnte ja mal rückwärts rechnen und sich überleben bei welchem DB welche Auslastung benötigt wird nur um die Baukosten einzuspielen. Strom EK nach der Station sind rund 18ct/kWh Netto durch die Umwandlung zu DC verliert man ca. 3% also 18,5Ct/kWh nach DC Lader Richtung Auto. würden wir 40Ct Brutto ansetzen als fairen Preis so lägen rund 15Ct/kWh Netto im Topf. Bei 8 Jahren und 1,5% Zinsen komme ich auf rund 85€ je Tag bei 15Ct/kWh müsste der Lader also 566kWh absetzen. Klar sind jetzt keine AGK berücksichtigt und keine projektspezifischen Kosten wie Wartung, Miete, Hotline, Internet, was aber bei solchen Ladern eher irrelevant ist.

Wenn man über die Auslastung ran geht

10% * 175kW * 24h * 6 = wären 2.520kWh/d => 3,37Ct/kWh Abschreibung
20% * 175kW * 24h * 6 = wären 5.040kWh/d => 1,68Ct/kWh Abschreibung
30% * 175kW * 24h * 6 = wären 7.560kWh/d => 1,12Ct/kWh Abschreibung

Ich denke also dass man hier recht gut sieht dass es ein Modell sein kann, selbst wenn man den Haushaltsstrompreis zugrunde legt. Der liegt bei rund 27Ct/kWh Brutto * 1,03 / 1,19 = 23,3 - 18Ct kWh = 5,3Ct /kWh. Somit wäre die Station sicherlich auch mit dem Haushaltsstormpreis und 10% Auslastung kostendeckend zu betreiben.
Mobil unterwegs: 2011 Roadster 2.5 - 2013 Tesla Model S85, nun X100D, BMW i3 und Renault ZOE (2013) gegen Tesla M3 getauscht - Seit Feb. / Mrz 3x Model 3
Benutzeravatar
 
Beiträge: 14345
Registriert: 7. Dez 2011, 13:18

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von SebastianR » 20. Okt 2019, 08:26

Helmut1 hat geschrieben:
SebastianR hat geschrieben:Fuer jede dieser Kategorien gibt es nun spannende Fragen: z.B. Wird Shell (e) schneller wie McD (d) oder wird McD schneller wie Shell? I.e. sitzen wir demnaechst beim Shell-350kW Lader und essen Hot Dogs oder sitzen wir bei McD und laden, waehrend wir einen Big Mac essen? Auf lange Sicht braucht es nur eine dieser Ketten.

Die Schnelllader werden meines Erachtens mit Sicherheit nicht vermehrt bei bestimmten bereits bekannten Unternehmen enstehen sondern praktisch überall da wo Mittelspannung am nächsten ist. Das kann bei einem Ort ein McD sein am anderen Ort eine Tankstelle. An einem noch anderen Ort ist es eine Brachfläche wo aber einer MC D oder eine Tankstelle nebenan ist. (Da wo Mittelspannung und Zivilisation schon bereits ist)

Meiner Theorie nach wird es gerade bei großen Ultraschnellladestationen einen sehr harten Wettbewerb geben weil das Geschäft im Prinzip höchst attraktiv ist (Kein Personal, kein Stress und Ärger um es mal zu simplifizieren). Aber wegen hartem Wettbewerb hat schon der von Anfang an verloren, der bei der Investition hohe Zusatzkosten hat wenn keine Mittelspannung in der Nähe.


Für mich ist das keine Frage der Mittelspannung, sondern eine Frage des Geschäftsmodells: ohne ICE machen Tankstellen keinen Sinn mehr. Gleichzeitig müssen Restaurants eine Zielgruppengerechte Ladeinfrastruktur anbieten.

Ich finde, dass man das in Norwegen gut sehen kann wie Tankstellen mehr Restaurantfeatures bauen und gleichzeitig McD davon redet, dass sie die idealen Ladestoppexperience bieten.

Zum Vergleich: HBO und Blockbuster hatten im TV-Zeitalter keine Konkurrenz. Heute kämpfen Netflix und HBO um die Vorherrschaft im Streaming. Und beide tun Dinge, die sie klassisch nicht getan haben (Netflix investiert in Inhalte, HBO in die technische Distributionsplattform).
Model 3, LR, RWD, AHK, AP, FSD
Referral code: https://ts.la/sebastian50121
 
Beiträge: 592
Registriert: 31. Mai 2014, 12:31

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von OS Electric Drive » 20. Okt 2019, 09:22

Wenn BEVs Masse über Luft transportieren können dann würde der Vergleich sinn machen mit Streamingdiensten und Video Verleih. Das Problem ist aber dass nur von VHS auf DVD gewechselt wird und somit die krasse Disruption weg fällt.

In erster Linie geht es um ein Geschäftsmodell das sich trägt wenn ich den TS verstanden habe
Mobil unterwegs: 2011 Roadster 2.5 - 2013 Tesla Model S85, nun X100D, BMW i3 und Renault ZOE (2013) gegen Tesla M3 getauscht - Seit Feb. / Mrz 3x Model 3
Benutzeravatar
 
Beiträge: 14345
Registriert: 7. Dez 2011, 13:18

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von tesla-andi » 20. Okt 2019, 11:44

Ich weis jetzt nicht ob der Staat alles Ladesäulen, also auch die Lader mit 350 kW, mit 40% Steuergelder im Bau subvensioniert. Zumindest die geplanten 50 kW Lader bei uns im Ort erhalten diese Unterstützung.

Wäre es da nicht viel sinnvoller, die Nebenkosten des Stroms zu verringern bzw. zu streichen? Dadurch würde dann wirklich ein Geschäftsmodell draus, da sich dann der Betrieb der Ladeinfrastuktur schnell rechnen würde. Auch würde die Auswahl der Standorte sorgfältiger gewählt und auf Profit getrimmt. Das würde aber im Gegenzug bedeuten, dass dann die Ladesäulen dort stehen, wo sie auch wirklich bebraucht werden.

Wenn man z.B. die Netzentgelte, Steuern und Abgaben erlassen würde, dann wäre der Strompreis um mehr als die Hälfte billiger. Wenn dann der Strom aus EEs noch günstiger wird als konventioneller Strom, dann würde das den EEs noch einen weiteren Schub leisten.

https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/FAQs/DE/Sachgebiete/Energie/Verbraucher/PreiseUndRechnungen/WieSetztSichDerStrompreisZusammen.html
Model S - P85+ - 6/2014 - weiß - 21" - Doppellader
Smart Electric Drive 5/2013 - Smart forfour EQ mit 22 kW Bordlader 12/2018 - eGolf 10/2019
PV Anlagen insg. 140 kWp - Powerwall 2 seit 08/2018
Benutzeravatar
 
Beiträge: 2098
Registriert: 17. Mär 2017, 11:02
Land: Deutschland
Fahrzeug: Tesla Model S

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von Hendrik » 20. Okt 2019, 12:12

Das Problem an kostenlosem Schnellladen ist, dass es für die Cafés/Restaurants/Imbisse zu viel kosten dürfte. Wenn ein Ladevorgang dem Anbieter über 20 EUR kostet, kann man das mit Kaffee oder Snacks nicht wieder reinholen.
Es ist anders als WiFi, was man für wenige Cent pro Kunde anbieten kann.

Ich würde davon ausgehen, dass DC-Schnellladen z.B. an Autobahnen langfristig teurer sein wird als anderswo, genauso wie jetzt Autobahntankstellen teurer sind.
Und, dass die Automobilhersteller einen relevanten Teil vom DC-Schnelllader Markt halten werden, da sie jetzt schon große Anteile haben und durch die Beziehung zum Endkunden noch weitere Vorteile haben werden.
Model S P85 (2013), Renault Zoe 22 kWh
Benutzeravatar
 
Beiträge: 1958
Registriert: 8. Apr 2012, 20:08
Land: Deutschland

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von KevinW » 20. Okt 2019, 12:50

Zu bedenken gilt auch, wenn ICE nachlassen wird der Strom extra besteuert werden (nicht jetzt sofort, das wird aber kommen).
Von einigen Betreibern weiß ich das ihr leider zu optimistisch rechnet. Damit DC Gewinn abwirft liegt man bei 60-80Cent/kWh (laut deren Auskunft). Der USA Vergleich hinkt, der overhead in Deutschland ist bedeutend höher.

Mit der Auslastung ist auch so eine Sache. Ionity Eichenzell ist bei mir um die Ecke. Abends/Nachts ist da quasi 0,nix los. Zu Stoßzeiten am Wochenende laden dann mal 4x und andere warten bereits (natürlich nur Momentaufnahmen).
Die 100kW als Mittel erachte ich auch zu hoch.
Denkt an die Kona’s/i3s/eGolf/ioniq usw...
openWB - die modulare Wallbox
 
Beiträge: 324
Registriert: 24. Jul 2019, 15:40
Wohnort: Fulda
Land: Deutschland
Fahrzeug: Tesla Model X

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von prodatron » 20. Okt 2019, 14:37

KevinW hat geschrieben:Zu bedenken gilt auch, wenn ICE nachlassen wird der Strom extra besteuert werden

Ich denke eher, daß er für BEVs in Zukunft sogar günstiger wird, wenn die Smartgrid-mäßig an AC laden bzw. das Netz stabilisieren und einen kleinen Teil der Akkukapazität für Einspeisung nach Bedarf zur Verfügung stellen.
Alle sagen, das geht nicht. Dann kam einer, der wußte das nicht und hat's gemacht
Tesla Model S 100D seit 04/18 (AP2.5, MCU1, FSD)
Tesla Model 3 LR AWD seit 03/20 (AP3, MCU2)
9,8kWp PV Anlage mit Akku seit 03/13; Opel Ampera 07/13 - 05/18
 
Beiträge: 2688
Registriert: 3. Nov 2013, 22:08
Wohnort: Moers
Land: Deutschland
Fahrzeug: Tesla Model S

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von KevinW » 20. Okt 2019, 15:45

Du meinst nicht der Start wird die Verluste aus Benzin/Diesel ausgleichen wollen?
Ich wünsche mir das du recht hast.
openWB - die modulare Wallbox
 
Beiträge: 324
Registriert: 24. Jul 2019, 15:40
Wohnort: Fulda
Land: Deutschland
Fahrzeug: Tesla Model X

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von Helmut1 » 20. Okt 2019, 15:46

Kosten Rückeinspeisung ins Netz aus einem E-Auto:
Annahmen:
Autopreis 40.000 Euro
Akkukapazität 70kWh
Auslegung Lebensdauer 1000 Ladezyklen

Rechnung:
40.000:(70*1000)= 57 Cent pro kwh

Fazit: Wenn das E-Auto nicht um den Faktor 10 billiger ist, braucht man gar nicht erst darüber nachdenken ob es Sinn macht Strom vom Auto ins Netz einzuspeisen.

Und jetzt behaupte mir bitte keiner es gibt ja Akkuzellen die viel mehr Zyklen aushalten und die könnte man ja bei den Autos verwenden. Ja, die gibt es aber die sind schwerer und teurer. Und es macht absolut keinen Sinn dass Autos schwerer als nötig zu machen damit der Akku länger hält, da da dadurch das Auto teurer und lahmer wird und über seinen Lebenszyklus wesentlich mehr Strom verbraucht.
M3 reserviert 31.3.16 (In Hamburg vor Ladenöffnung in der Schlange gestanden. Bestellung/Konfiguration 9.9.19 M3 AWD weiß ohne Extras; Rechnung 13.9.19; Übergabe ohne Mängel am 19.9.19
Mein Referallink (Weiterempfehlungslink): https://ts.la/helmut82876
Benutzeravatar
 
Beiträge: 4164
Registriert: 4. Mär 2015, 03:24
Land: Deutschland

Re: These: Massen an DC-Schnelllader (wie Pilze aus dem Bode

von Helmut1 » 20. Okt 2019, 16:01

KevinW hat geschrieben:Du meinst nicht der Start wird die Verluste aus Benzin/Diesel ausgleichen wollen?
Ich wünsche mir das du recht hast.

Der Staat wird sicherlich auch zukünftig beim Auto ordentlich hinlangen wollen. Aber es wird dem Staat schwer fallen beim Strompreis zuzulangen da der eh schon gewaltig mit Staatsabgaben belastet ist und er schwierig differenzieren kann bei den Opfern.
Denn Strom verbraucht ja nicht nur der arbeitende Bürger sondern auch die Gruppen die der Staat gerne verhätschelt.
Alles spricht meines Erachtens für eine Maut womit der Staat nachhaltig den Würgegriff anlegen wird. Denn eine Maut in Verbindung mit moderner Technik ermöglicht ein Dorado an gut gemeinter Steuerung manche Fahrprofile, Gruppen, Zeiten, Orte höher oder niedriger zu besteuern.
M3 reserviert 31.3.16 (In Hamburg vor Ladenöffnung in der Schlange gestanden. Bestellung/Konfiguration 9.9.19 M3 AWD weiß ohne Extras; Rechnung 13.9.19; Übergabe ohne Mängel am 19.9.19
Mein Referallink (Weiterempfehlungslink): https://ts.la/helmut82876
Benutzeravatar
 
Beiträge: 4164
Registriert: 4. Mär 2015, 03:24
Land: Deutschland

VorherigeNächste

Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Schoessow und 1 Gast