Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroautos

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Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroautos

von andreas-fd » 28. Dez 2013, 19:09

Gibt es hier Forennutzer, die ein E-Auto als Dienstwagen nutzen? Wie macht ihr das mit der Steuer? Fahrtenbuchmethode oder 1%-Regelung?

Bei der Fahrtenbuchmethode wird ja normalerweise neben den üblichen Angaben auch jeder Tankvorgang eingetragen mit getankten Litern eingetragen. Bei einem Eleketroauto entfällt das ja, wenn man zu Hause oder in der Firma lädt. Von Ladehalten unterwegs mal abgesehen. Genügt dem Finanzamt da die Jahresabrechnung vom Versorger oder kommen die Herren Beamten auf die Idee auch noch nach dem Stromzählerstand bei Abfahrt und Ankunft zu fragen? Ich kann es mir zwar eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß...

Wie läuft das bei der 1%-Regelung mit der Batterie? Haben Model-S- oder Roadster-Käufer von Tesla den Bruttolistenpreis mit separater Batterie-Position ausgewiesen bekommen? Meines Wissens fällt die Batterie ja nicht unter die 1%-Regelung.
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von Yellow » 28. Dez 2013, 21:17

Ich mache die 1%-Regelung.

Falls es sich um Deutschland handelt: vom Bruttolistenpreis darfst Du für die Versteuerung 500,- Euro pro kWh Akkukapazität abziehen aber nur max 10.000,- Euro. Ab 2014 sind es dann 450,- Euro und max. 9.500,- Euro
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von MichaRZ » 28. Dez 2013, 23:22

Ähnliches Thema hatten wir hier schon: viewtopic.php?f=9&t=1753

Eine Voraussetzung für die 1%-Regelung: die betriebliche Nutzung inkl. Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte muss mindestens 50% betragen.

Die 1%-Regelung dürfte aufgrund der geringen laufenden Kosten in vielen Fällen steuerlich sinnlos sein. Rechenbeispiel:
Mein S60 wird bei 30.000 km pro Jahr knapp 15.000 EUR absetzbare Kosten verursachen. Bei mehr als 22km zur Arbeit wird der Privatanteil gemäß 1%-Regelung schon höher als die tatsächlichen Kosten liegen. D.h. Du kommst in die Deckelung und musst die Gesamtkosten als Privatanteil versteuern (und übrigens darauf auch Umsatzsteuer zahlen). Defacto macht es dann keinen Sinn, das Auto überhaupt als betriebliches Fahrzeug anzuschaffen.

Alternative: Fahrtenbuch führen oder Anschaffung im Privatvermögen - dann kannst Du alle betrieblichen Fahrten der Firma durch einfache Auflistung mit 30 Cent pro Kilometer in Rechnung stellen.

floca hat geschrieben:Bei der Fahrtenbuchmethode wird ja normalerweise neben den üblichen Angaben auch jeder Tankvorgang eingetragen mit getankten Litern eingetragen.

Das Tanken muss imho in einem Fahrtenbuch nicht eingetragen werden. Das Fahrtenbuch führst Du nur, um die Anteile von Privat- und betrieblichen Fahrten exakt nachweisen zu können. Die Fahrzeugkosten haben im Fahrtenbuch nix zu suchen.
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von Johann Koeber Nbg » 28. Dez 2013, 23:24

Ich habe einen Roadster privat gekauft. Die 1% Regel ist mir zu teuer und das Fahrtenbuch zu aufwändig.

Falls ich geschäftlich damit fahre, stelle ich die tatsächlichen Kosten in Rechnung.

Diese bestehen aus:

Versicherung (5 ct/km)
Wartung (3,5 ct/km)
Strom (3,5 ct/km)
Reifen (8 ct/km)

Hauptsächlich aber der Abschreibung, 80 ct/km

Alle Werte sind geschätzt; Belege sammle ich fleißig für die Nachkalkulation.

Deine Kosten können anders sein, ich fahre ca. 20'000 km im Jahr und das sind meine Kosten. Geschäftlich sind es vielleicht 8.000 km im Jahr.

Also berechne ich 1 Euro pro gefahrenem km.

USt. kann ich nicht berechnen, da das Auto nicht meinem umsatzsteuerlichen Unternehmensbereich zugeordnet ist.

Mit dieser Lösung fahre ich gut (pun intended).
Roadster Sport EU 968 geliefert 31.07.2012,
Model SP VIN 5YJSA2H15EFP29134 bestellt 28.10.2013, geliefert 21.03.2014
Model X 100 D, gelierfert Okt 2017
Model 3 bestellt am 31.3.16
neuer Roadster bestellt
2 Powerwall seit Okt 2017
 
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von MichaRZ » 29. Dez 2013, 00:06

Johann Koeber Nbg hat geschrieben:Ich habe einen Roadster privat gekauft. Die 1% Regel ist mir zu teuer und das Fahrtenbuch zu aufwändig.

Falls ich geschäftlich damit fahre, stelle ich die tatsächlichen Kosten in Rechnung.

Guter Tip mit den tatsächlichen Kosten statt der 30 Cent!
Die Schlussfolgerung wird eben häufig lauten: Ein Fahrzeug im Betriebsvermögen ist zu aufwendig und/oder zu teuer. Ich habe aber den Eindruck, dass beim Autokauf die Begriffe Firmenwagen und Betriebsvermögen häufig zu einem Automatismus führen. Nachgerechnet wird das scheinbar selten.

Es gibt natürlich auch Konstellationen, wo das anders aussieht. Eines spricht in jedem Fall für das Betriebsvermögen: der Liquiditätsvorteil beim Kauf mit Vorsteuerabzug.
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von RibbertD » 29. Dez 2013, 00:27

Warum sind Steuern so kompliziert: damit ich davon leben kann ;)

Ich will jetzt keinen steuerlichen Vortrag halten, aber P 6 Abs. 1 Ziff. 4 EStG ist ziemlich eindeutig.
Die private Nutzung eines Kraftfahrzeugs, das zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird, ist für jeden Kalendermonat mit 1 Prozent des inländischen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen; bei der privaten Nutzung von Fahrzeugen mit Antrieb ausschließlich durch Elektromotoren, die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden (Elektrofahrzeuge), oder von extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen, ist der Listenpreis dieser Kraftfahrzeuge um die darin enthaltenen Kosten des Batteriesystems im Zeitpunkt der Erstzulassung des Kraftfahrzeugs wie folgt zu mindern: für bis zum 31. Dezember 2013 angeschaffte Kraftfahrzeuge um 500 Euro pro Kilowattstunde der Batteriekapazität, dieser Betrag mindert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kraftfahrzeuge um jährlich 50 Euro pro Kilowattstunde der Batteriekapazität; die Minderung pro Kraftfahrzeug beträgt höchstens 10 000 Euro; dieser Höchstbetrag mindert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kraftfahrzeuge um jährlich 500 Euro. Die private Nutzung kann abweichend von Satz 2 mit den auf die Privatfahrten entfallenden Aufwendungen angesetzt werden, wenn die für das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden; bei der privaten Nutzung von Fahrzeugen mit Antrieb ausschließlich durch Elektromotoren, die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden (Elektrofahrzeuge), oder von extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen, sind die der Berechnung der Entnahme zugrunde zu legenden insgesamt entstandenen Aufwendungen um die nach Satz 2 in pauschaler Höhe festgelegten Aufwendungen, die auf das Batteriesystem entfallen, zu mindern.

Übrigens ist die 50% Nutzung bei Einzelunternehmern (gilt zB nicht für GmbH Geschäftsführer) nicht durch Fahrtenbuch zu belegen, es langt zur Ermittlung zB eine repräsentative Listung (idR 3 Monate) betrieblicher Fahrten (inkl. Fahrten Whg Arbeitsstätte), möglichst jährlich. Wegen der Versteuerung der Fahrten Whg Arbeitstätte mit 0,03% pro Entfernungskilometer (Vom Listenpreis und tatsächlicher Fahrten) wird es in der Tat oft zu einer Kostendeckelung (Abschreibung, Versicherung, Stromkosten etc.) kommen, wenn diese mehr als 20km betragen. leider muss alles im Einzelfall durchgerechnet werden, aber in der Regel frustriert Fahrtenbuch und ist nur interessant für absolute Vielfahrer mit berufl. Anlass.
Alle Auskünfte ohne Obligo.
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von MichaRZ » 29. Dez 2013, 01:13

RibbertD hat geschrieben:Warum sind Steuern so kompliziert: damit ich davon leben kann

Wenn ich das aus dieser Sicht betrachte, wird´s auch irgendwie erträglich :roll:

RibbertD hat geschrieben:bei der privaten Nutzung von Fahrzeugen mit Antrieb ausschließlich durch Elektromotoren, ... sind die der Berechnung der Entnahme zugrunde zu legenden insgesamt entstandenen Aufwendungen um die nach Satz 2 in pauschaler Höhe festgelegten Aufwendungen, die auf das Batteriesystem entfallen, zu mindern.

Das bedeutet doch:
1. Privatanteil gem. Fahrtenbuch erfassen
2. Für die Berechnung des Entnahmewertes werden die Gesamtaufwendungen um den AfA-Anteil, der auf die Batterie entfällt, gekürzt. Also bei Kauf in 2013 um 10TEUR/6 Jahre = 1666,-
3. Der Entnahmewert reduziert sich dadurch um: Privatanteil x 1666,-

Liege ich damit richtig?
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von RibbertD » 29. Dez 2013, 01:44

MichaRZ hat geschrieben:Das bedeutet doch:
1. Privatanteil gem. Fahrtenbuch erfassen
2. Für die Berechnung des Entnahmewertes werden die Gesamtaufwendungen um den AfA-Anteil, der auf die Batterie entfällt, gekürzt. Also bei Kauf in 2013 um 10TEUR/6 Jahre = 1666,-
3. Der Entnahmewert reduziert sich dadurch um: Privatanteil x 1666,-

Liege ich damit richtig?


Ja, gut verstanden :D
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von MichaRZ » 29. Dez 2013, 01:47

Danke!
Ich kann aus dem EStG aber nicht erkennen, ob die 10TEUR-Minderung der AfA dann netto anzusetzen wäre - also nur 8403,-/6Jahre.
Was meinst Du?
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Re: Dienstwagen: Fahrtenbuch und 1%-Regelung bei Elektroauto

von Yellow » 29. Dez 2013, 10:54

Die Minderung hat nichts mit Abschreibung zu tun. Es geht nur um den zu versteuernden Privatanteil, der um diesen Betrag gemindert wird. Bei der 1% Regelung!
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