Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von George » 4. Jan 2018, 17:17

cer hat geschrieben:Oh, will man uns etwa unser goldenes Kalb wegnehmen?
...
Soweit ich sehe, hat Herr Knie nicht vorgeschlagen, das diktatorisch durchzusetzen, sondern ein theoretisches "sollten" ausgesprochen. Das kann auch geschehen, indem die Alternativen so attraktiv sind, dass der Privatbesitz an einem Auto eher als Last denn als Lust erlebt wird. Und wir reden hier von einem Zeithorizont von mehreren Dutzend Jahren. Also cool bleiben, Denkverbote vermeiden.

Ich hatte gelesen, er möchte den privaten Besitz von Autos verbieten, das klingt schon ein wenig diktatorisch in meinen Augen. Ein Auto ist für mich kein Goldenes Kalb, bitte nicht ablenken ;) Ich habe jedoch die Verbieten- und Hineinreden-Mentalität in Deutschland dicke. Und ja, Kollektivismus halte ich für ein grundsätzliches, in Deutschland mindestens seit Wilhelm zwo tief verankertes Übel, unter dem am Ende so gut wie alle leiden.

Nochmal: Ich habe (trotzdem ;) ) nichts gegen den Ausbau des ÖPV. Ich sage z.B. schon lange, dass der gesamte Bereich innerhalb des Altstadtrings in München autofrei gehört und zu einer erweiterten Fußgängerzone umgestaltet werden sollte. Nur Verzweifelte und Unbelehrbare fahren zwischen 5 Uhr morgens und Mitternacht mit dem Auto in die Innenstadt. Ich denke, all das oben Gesagte gilt für viele andere Städte in Deutschland genauso. Von dem Irrsinn der Autopest in mediterranen Altstädten mal ganz zu schweigen. Autos haben eigentlich noch nie in europäische Stadtzentren gehört, selbst wenn man das in den 1950er Jahren mancherorts glaubte. Moderne US-amerikanische Städte würde ich mir auch nicht gerade zum Vorbild nehmen wollen. Das ist alles nicht das Thema.

Ich frage mich allerdings, wenn wir es mit dem ÖPV in den letzten 50 Jahren nicht so recht geschafft haben, und man in den letzten Jahren zumindest in München und wohl auch Berlin(?) eine deutliche Verschlechterung feststellen kann, worin begründet sich dann der Optimismus, dass in den nächsten 20 Jahren alles viel besser wird, so dass man im Gegenzug den Privatbesitz von Autos verbieten kann? Womit ich nicht gesagt haben will, dass der ÖPV es nicht besser werden könnte, ich sehe nur überhaupt keine Indikatoren dafür, im Gegenteil. Selbst wenn der ÖPV perfekt würde (was er aus vielerlei Gründen nicht wird), wie kommt dann irgendjemand darauf, mir deswegen ein Auto zu (nochmal:) verbieten? Um meine Familie in den ÖPV zu zwingen oder aus der Stadt zu vertreiben?

Letzte Fragen zu
cer hat geschrieben:Es ist nicht unsozial, so wenig echte Flexibilität bei so viel Platzbedarf in die hochverdichteten Ballungsräume zu holen, es ist einfach dumm und irgendwann auch nicht mehr leistbar.

Wieso habe ich als Autobesitzer wenig echte Flexibilität, wenn ich in der Stadt wohne und ein Privatauto besitze? Bitte nicht darauf antworten, dass man damit zu den meisten Uhrzeiten nicht in der Innenstadt herumfahren und/oder parken kann, das hatten wir schon abgehakt. Man kann und will ein Auto auch für andere Zwecke nutzen. Wer holt zusätzlichen Individualverkehr in Innenstädte, und falls das nicht so ist, warum wäre ein unveränderten Zustand irgendwann nicht mehr leistbar? Was ändert sich? Innenstädte haben eher nicht die Tendez noch in irgendeiner Form zu wachsen.
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von SLAM » 4. Jan 2018, 17:29

Der Mann schreibt ganz klar:

Vor allem aber Autos in Privatbesitz sollten in Städten verboten werden.


Was ist daran optional ?

Da steht nix von "attraktive Alternativen machen es überflüssig".

Der will ein generelles Verbot. Unmissverständlicher kann man der Individualmobilität kaum den Kampf ansagen.

Und diese, meine Freiheit ein Automobil zu besitzen und es fahren zu dürfen, werde ich mit Zähnen und Klauen verteidigen.


Gruß SLAM
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von cer » 4. Jan 2018, 17:33

George hat geschrieben:Wieso habe ich als Autobesitzer wenig echte Flexibilität, wenn ich in der Stadt wohne und ein Privatauto besitze? Bitte nicht darauf antworten, dass man damit zu den meisten Uhrzeiten nicht in der Innenstadt herumfahren und/oder parken kann, das hatten wir schon abgehakt.

Das kann man nicht abhaken, das Problem ist einfach da. Ich kann mir aber eine Welt vorstellen, in der wohlhabende Leute wieder in der Innenstadt wohnen und ihr Privatfahrzeug außerhalb des Ballungszentrums bewacht und klimatisiert abstellen. Dorthin kommen sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die eher nicht den angegammelten ÖFFIs von heute entsprechen sondern dem, was wir als Shuttle aus Flughäfen kennen – oder mit ihrem LMV (Last Mile Vehicle), das wesentlich weniger Ressourcen in Anspruch nimmt, dafür aber viel flexibler ist und die Fahrt bis fast vor die Haustür erlaubt.

George hat geschrieben:Wer holt zusätzlichen Individualverkehr in Innenstädte, und falls das nicht so ist, warum wäre ein unveränderter Zustand irgendwann nicht mehr leistbar? Was ändert sich? Innenstädte haben eher nicht die Tendez noch in irgendeiner Form zu wachsen.

Nein, aber sie verdichten sich. Nicht in Deutschland, das verwandelt sich gerade in ein großes Seniorenheim, in dem die Insassen aus Langeweile auf die Putzfrauen und Pfleger schimpfen. Aber in allen Groß- und Megacities dieses Planeten.
Nimm Hongkong, das permanent vor dem Verkehrskollaps steht und ein wesentlich attraktiverer Ort wäre, würden dort nicht überall diese Minivans rumstehen (fahren tun sie ja seltenst). Der Escalator ist, soweit ich weiß, weltweit einmalig und auch der Topografie geschuldet, aber er weist schon in die Richtung, in die sich das alles einmal entwickeln wird. Im Grunde fahren die Leute dort nur deswegen Auto, weil sie Privatsphäre wollen, während sie die Stadt durchqueren, um sie zu verlassen. Aber das kann man auch anders lösen…
 
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von RustyFlash » 4. Jan 2018, 18:52

Brauch ich ein Auto, das nur exklusiv von "mir" benutzt werden kann? Nein!
Sollten die Dinger trotzdem im Besitz von Privatleuten bleiben? JA!!!!!

Autonomes Fahren nimmt sich der Problematik von selbst an. Wenn man sein Auto mittels App auch verleihen kann oder sich per App mit mehreren Leuten sogar ein Auto kaufen kann... usw. etc. blabla...
 
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von sexus » 5. Jan 2018, 01:01

RustyFlash hat geschrieben:Brauch ich ein Auto, das nur exklusiv von "mir" benutzt werden kann? Nein!
Sollten die Dinger trotzdem im Besitz von Privatleuten bleiben? JA!!!!!



Ich verleihe mein Auto sicher nicht, auch nicht autonom fahrend. Weist du wie Mietwagen nach nur wenigen Tagen aussehen können?
Weist du wie öffentliche Verkehrsmittel verschmutzt werden?

Auf den Ärger kann ich gerne verzichten.
Haus und Auto sind privater Raum in den ich niemand eindringen lassen möchte.
 
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von MichaMeier » 5. Jan 2018, 08:55

Mass transit is safer, cleaner and more efficient. It gives more people more access to work and amenities. A city with great mass transit works better for more people. Even those that don't use it. It's at least a useful public good as the streets are.

It's technically easy to put tolls all over a city, wastes no time, and it's economically efficient to make it incrementally free to hop on a bus and expensive to drive a car.

So why haven't we? Why, in fact, are we going the other direction?

Because left to our own devices, we go for the short-term cost savings at the expense of the long-term investment.

Because we like the status quo.

Because there's familiar profit in the car-industrial complex. The extraction industries, the manufacturers, the dealers, etc. It's an ongoing, widespread income stream. This generates cash to pay lobbyists and others to create a cultural dynamic in favor of the status quo.

Quelle: http://sethgodin.typepad.com/seths_blog ... ought.html
bestellt/bestätigt am 3.4.2014; abgeholt am 26.7.2014
 
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von JeanSho » 5. Jan 2018, 09:07

Prof. Knie und die Berliner Verkehrssenatorin Günther durfte ich letztes Jahr in Berlin live erleben. Die Vision einer praktisch autofreien Stadt ist verführerisch und zugleich ziemliche Spinnerei (meine Meinung). Sie projizieren Bilder auf die Leinwand, die absurd sind wie die derzeitige Automobilwerbung. Wenn ein Teil davon erreicht wird, ist es gut. Dennoch träumen die ohne die menschliche Komponente öffentlich und mit Steuergeldern finanziert laut vor sich hin. Auf dem Weg in diese Vision wird Frau Günther den privaten Pkws immer mehr Raum nehmen und den anderen Verkehrsteilnehmern geben. Vor allem Öffis und Fahrräder (!) sollen dominieren. Kein Geschäft zu sehen, kein Lieferverkehr. Stattdessen eine einzelnes E-Auto, was an einer Ladestelle steht und lädt (ein E-Smart). Dazu eine schöne junge Familie mit einem spielenden Kind. Ich sage mal so: Der Weg dahin dürfte noch seeeeeeehr lang sein.
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von jonn68 » 5. Jan 2018, 09:24

Genau das ist das Problem:

- Lieferverkehr, der wird dramatisch zu nehmen, Amazon dank
> wird es damit besser?

In echte Innenstädte gehören keine Autos, aber was ist eine Innenstadt? Wo zieht man die Grenze?

Und wo soll das Geld für den Bau neuer Straßenbahnen etc... kommen, vor allem dies zu planen , dauert Jahrzehnte, siehe Berliner Flughafen, denn die Umstellung ist kein kleines Projekt, sondern eine Mammutaufgabe, da muß die gesamte Gesellschaft mitziehen.
Alleine die gesamten Parkplätze außerhalb der Städte für die autonomen Autos zu planen, damit die Leute umsteigen können.

Das werden spannende Zeiten werden, aber welche PolitikerIn haben, die Courage das in Deutschland umzusetzen?
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von JeanSho » 5. Jan 2018, 09:42

mit "menschlicher Komponente", die von den Planern und Visionären ausgeblendet wird, meine ich z.B. folgendes:
- Lieferverkehr wie jonn68 schreibt. Der sucht sich seinen Weg. Tut er jetzt auch.
- Andere Autofahrer sehen Platz in dem visionären Bild der Innenstadt vor ihrer Haustüre. Warum da nicht selber hinfahren und be- und entladen?

Denn Höhe von Strafen in diesem nicht-lebensgefährden Strassenverkehrsbereichen ist in D lächerlich gering. Multipliziert mit der sehr geringen Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden ergibt das ein mikroskopisch kleines Strafgeld. Seit über 15 Jahren (!) parke ich verbotswidrig während meines Sports in Berlin in einer parkraum-bewirtschafteten Zone. Ein (in Worten: Ein) Verwarnungsgeld über 10 Euro. Gespart wohl so um 3.000 Euro (750 Wochen mal 2 / Woche mal 2 Euro). Das ist was ich mit 'Träumerei" bei den Planern meine.

Frau Günther spricht auch nicht von Strafen für verbotswidriges Fahren. Sie will es durch entlose Staus und Zeitverzögerungen als Einsicht der Fahrer auf den eigenen Pkw zu verzichten somit schlicht "einprügeln". Bis dahin gibt es endlose Auseinandersetzungen, da Busspuren von Pkws benutzt werden. Fahrradschutzstreifen von Pkws (kurz) zugestellt werden. Und vom Lieferverkehr, weil dessen Ladezonen auch zugeparkt sind. Die Planer müssen sich also deutlich was anderes einfallen lassen oder sie brauchen andere Menschen in der Stadt. Vielleicht kamen sie aber im Vortrag auch nicht dazu, hierzu etwas auszuführen (hmmm).
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Re: Andreas Knie: „Die wollen keinen Neustart“ (brand eins)

von MichaMeier » 5. Jan 2018, 10:04

JeanSho hat geschrieben:Seit über 15 Jahren (!) parke ich verbotswidrig während meines Sports in Berlin in einer parkraum-bewirtschafteten Zone.
:o
Und ich hatte mich schon gefragt, wie Du Bilder vom neuen SuC in Beelitz posten konntest, wo die Baustelle dort mit einen "Betreten verboten"-Schild und Kette abgesperrt war.
Böser Verbrecher! :lol:

JeanSho hat geschrieben:Fahrradschutzstreifen von Pkws (kurz) zugestellt werden. Und vom Lieferverkehr, weil dessen Ladezonen auch zugeparkt sind.

Ja ja, und hier gibt es endlose Diskussionen, wenn mal ein Verbrenner kurz eine Ladestation zuparkt.


Es gibt einfach zuviele Autos und die Gesetzgebung ist total autofreundlich. Wie schon in dem von mir weiter vorn zitierten Artikel geschrieben: warum nicht einfach eine Maut einführen und stattdessen den ÖPNV kostenlos machen? Würde das aktuelle System "kippen" und plötzlich alle nicht mehr Auto fahren? Es dürfte schon reichen, wenn dadurch die Anzahl der Autos auf den Straßen halbiert werden würde. Der Rückgang an Staus wäre gigantisch.

Aber alles (politisch) nicht gewollt, denn die Autolobby ist zu stark.
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