Die Mär vom sauberen E-Mobil...

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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von fränki1 » 29. Sep 2017, 10:09

OS Electric Drive hat geschrieben:Der Tesla braucht aber natürlich auch noch Strom aus dem Energiemix...

Wenn man die W2W Betrachtung macht kommt man ganz gut voran.

Getriebe und Abgasreinigung fallen ja auch nicht vom Himmel um beim Tesla weg...


Sagen wir der Tesla braucht 15.000kg mehr an CO2 bei der Herstellung sind bei 250.000km
=> 60g wegen dem Akku
Und sagen wir mal der Tesla braucht 30kWh ab Verteilnetz mit derzeit kleiner 500g/kWh
=> 150g
Summe 210g/km

Was braucht ein Porsche Panamera? 14,2l Benzin. Ein Liter Benzin hat rund 3,2kg CO2 W2W also 450g CO2 /km und somit give or take das Doppelte.

Daher auch wieder meine Überzeugung, dass man Kleine Autos heute noch nicht umrüsten sollte weil es dort fast keinen CO2 Nutzen gibt.

Dann vergleiche doch mal mit dem Lexus LS 500 H , der in den nächsten Wochen auf den Markt kommt. Er ist mit knapp 7 Litern angegeben.
Da bleibt bei der Umweltbilanz zum Deutsche Strommix als vorteil nur noch die lokale Emissionsfreiheit in der Stadt.
Allerdings sind weder Tesla S noch LS 500 H sinnvolle Stadtfahrzeuge.
 
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von KaJu74 » 29. Sep 2017, 10:12

Wieso gehen eigentlich weiterhin viele davon aus, dass der Verbrenner bei der Herstellung 0g CO2 erzeugt?

Alleine für die ganzen Legierungen, hochpräziesen Teile der Einspritzdüsen & Co., Katalysatoren, Filter usw..
Gruß Karsten

Im Genuss meines Tesla S85 vom 08.02.2014 bis 20.09.2016
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von einstern » 29. Sep 2017, 10:31

Ich gehe von meinem Gefühl aus. Das sagt mir, dass ein Hybrid der Oberklasse nicht besser da steht. Mindestens so schwer , viele Komponenten mehr.
2014 : PV 50 kWp -- 2015 : S85D -- 2016 : WB 22kW Typ2 -- 2016 : Bankirai PV
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von tornado7 » 29. Sep 2017, 12:17

redvienna hat geschrieben:Angemerkt muss trotzdem werden, dass es schon unzählige Studien gibt wonach die Produktion von einem Akku deutlich weniger Co2 verursacht.(Mercedes Daimler, Deutsches und österreichisches Bundesumweltamt etc.)


... und man muss auch einen klaren Trend erkennen hin zu immer weniger Emissionen pro kWh (u.a. auch ganz simpel weil die Energiedichte pro kg Batterie steigt). Die 17.5 Tonnen mögen konservativ betrachtet vielleicht durchaus mal korrekt gewesen sein im Jahr 2000. Doch für ein Fahrzeug, dass 2017 produziert wird sind sie sowas von ab vom Schuss!

Snooper77 hat das ja hier auch schon mal gut ausgedrückt:

snooper77 hat geschrieben:Wenn wir aber ein Auge zudrücken und uns die Ergebnisse (Figure 3, Seite 18) anschauen, dann merkt man schnell, dass eine Korrelation zwischen Studienalter und CO2e-Emissionen besteht: Je neuer die Studie desto weniger CO2e/kWh findet sie, zumindest für NMC und LFP. Logisch, denn die Energiedichte für eine gegebene Menge an Material steigt stetig. Daher wäre es sinnvoller, diese Korrelation zu erkennen, statt, wie es die Studie getan hat, die Werte einfach zu mitteln. Die fünf aktuellsten Studien zwischen 2015 und 2016 kommen bei NMC (was am nächsten bei Teslas NCA liegt) auf 40 - 80 kg CO2e/kWh, also weit weniger als die simple Mittelung *aller* Studien, was zu den 150 - 200 kg CO2e/kWh führt.

Ein 100 kWh-Tesla kommt also je nach Betrachtungsweise auf:

Studien-Szenario (~175 kg CO2e/kWh): 17.5 Tonnen CO2e.
Meine Schlussfolgerung (40 - 80 kg CO2e/kWh; nehmen wir mal den pessimistischen 80-Fall): 8 Tonnen CO2e.


Wenn Leute 17.5 Tonnen unqualifiziert rausposaunen, dann kann ich mit der exakt gleichen Qualität der Aussage auch von 4 Tonnen CO2e sprechen.
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von OS Electric Drive » 29. Sep 2017, 13:47

Man darf schon davon ausgehen, dass Energie ein Kostenfaktor ist. Bei der Preisoptimierung spielt daher sehr häufig auch eine Energieoptmierung eine große Rolle. Zumindest in den wesentlichen Kosten. Bei PV hatten wir eine ähnliche Entwicklung. Zu beginn wurden Wafer aus der Halbleiter Technik genommen, hochreines Zeugs.. Aber es hat funktioniert. Daraus hat man dann für Militär und Raumfahrt Module gebaut. Als man damit begann diese Module auch zur normalen PV Installation zu nehmen hat es nicht lange gedauert bis einer hinter der Mauer vorsprang und erzählte wie schlecht doch die Energiebilanz von PV Modulen sei.
Wenn ein Solarmodul heute für um die 150€ geliefert wird kann man schon einen Rückschluss auf den Energiegehalt alleine wegen dem Preis ziehen.
Das bedeutet, dass der Energiegehalt und somit die Umweltbilanz bei PV Modulen von 20 Jahren in Deutschland auf 3 Jahre gesunken ist.
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von Leto » 29. Sep 2017, 15:53

Ich halte das für eine Scheindiskussion.

Sobald in entsprechend großen Stückzahlen gefertigt wird und das EV ganz normalen Marktgesetzen folgt werden die Hersteller den Einsatz an Material und Energie bei der Produktion entsprechend heutiger Verbrenner Fertigung optimieren. Am Ende wird man die CO2 Belastung in etwa mit dem Fahrzeuggewicht skalieren können. EVs haben also bei der aktuellen Energiedichte/Masse einen kleinen Nachteil in der Fertigung denn die Batterie ist schwerer als der Benzintank und das gleichen Getriebe, Motor(en) und Antriebswelle nicht ganz aus. Diesen Effekt gibt es sicher, er ist aber wie gesagt mit dem Fahrzeuggewicht zu skalieren und damit wohl im Bereich <20%.

Batterieelektrische Fahrzeuge können im Betrieb CO2 frei sein. Dazu brauche es nur regenerativ erzeugten Fahrstrom. Sie sind ohnehin, egal wie der Fahrstrom erzeugt wurde, am Einsatzort CO2 frei aber das spielt für die gesamte Bilanz keine Rolle (ist aber auch wichtig). Fossile Verbrenner können das nicht, heute nicht, morgen nicht. Damit ist das Thema für mich durch. Die Zukunft gehört einem System welches im Prinzip CO2 frei fahren kann. Dazu gehören auch Brenstoffzellen. Diese haben aber den großen Nachteil des Ressourceneinsatzes bei der Herstellung und Verteilung des Wasserstoffs der ganz erheblich über dem bei Strom liegt. Selbst wenn die Energie für die H Erzeugung und Kompression auch CO2 frei erzeugt wird muss dieser Kraftstoff immer noch entweder transportiert werden oder lokal hergestellt mit entsprechend vielen kleinen Produktionsanlagen welche gebaut werden müssen. Also hat das BEV hier klar die Nase schon prinzipbedingt vorn.

Eine Technologie muss meiner Ansicht nach auf Basis ihres prinzipiellen Potentials, nicht der aktuellen Rahmenbedingungen, als Zukunftstechnologie bewertet werden. Der kleine Vorteil in der Produktionsbilanz (der übrigens auch CO2 frei sein könnte bzgl. der Energie) ist seriös nicht aufzurechnen mit dem prinzipiellen Potential des BEV vollständig CO2 frei bewegt zu werden.
Zuletzt geändert von Leto am 29. Sep 2017, 16:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von trimaransegler » 29. Sep 2017, 15:57

Sehr gut analysiert, hätte ich nicht so schön beschreiben können :D
Viele Grüße aus dem Westerwald

Friedhelm

Wer einen Tesla über meine Empfehlung bestellen möchte, hier der link: http://ts.la/drfriedhelm6242
 
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von pollux » 29. Sep 2017, 16:02

100% Zustimmung.
Ich sage kritischen Fragern immer, dass alle Rohstoffe meiner Batterie auch bei deren Lebesende noch vorhanden sind. Wohingegen jeder Liter verbrannten Benzins unwiederbringlich verloren ist.
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von volker » 6. Okt 2017, 13:58

Klimaretter.info verlinkt ein gutes Video von Prof. Volker Quaschning:
Wie Öko ist ein Elektroauto wirklich?

Kurz ist ein weißes Model S mit Aerofelgen ohne Technikpaket zu sehen - dachte schon dass wäre "drivetesla 1.0" :mrgreen:
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Re: Die Mär vom sauberen E-Mobil...

von tornado7 » 6. Okt 2017, 14:27

Im Ansatz gut, aber Dinge wie 15 kWh Verbrauch, glatte 0 g CO2 pro kWh bei Ökostrom oder "komplett CO2-neutrale Akkuproduktion mit erneuerbarer Energie in der Fabrik" sind unprofessionell und machen das Video nur unnötig angreifbar, ohne etwas am Fazit zu ändern.

Die Aufforderung zu zuvilem Ungehorsam mit dem Haarföhn zum Schluss muss ich mir merken! ;-)
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