Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

Elektroautos anderer Marken und Konzeptfahrzeuge...

Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von cer » 15. Mai 2018, 09:40

Worauf ich hinaus will: Der e-tron ist nach meiner Theorie kein originäres Elektroauto, sondern ein umgemodeltes Verbrenner-Massenmodell.
Und damit bliebe der Vorwurf im Raum, dass es ein Compliance Car ist (schwer, groß und unökonomisch – auch hinsichtlich der Platzverhältnisse).
Deswegen interessiert mich jede Querverbindung zu Verbrenner-Modellen und ich möchte gern ein klares Bild der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu solchen gewinnen. Wenn ich nicht Recht habe, freu ich mich.
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von Mathie » 15. Mai 2018, 10:35

@cer Der (nicht immer verlässliche) Focus behauptet der Etron basiere auf der gleichen Platform wie der Q5:

Beide Modelle basieren nicht auf der neuen Elektroplattform (MEB) des Volkswagen-Konzerns; vielmehr wird der Audi e-tron ein Solitär mit einer angepassten MLB-Plattform (modularer Längsbaukasten) des aktuellem Verbrennermodells Q5.

https://www.focus.de/auto/elektroauto/a ... 31836.html

Ob das stimmt weiß ich nicht.

Habe auch anderswo in einem großen englischsprachigen Motormedium gelesen, dass der etron auf der gleichen Plattform wie Porsches Mission E basiere, was ich aber für so unwahrscheinlich halte, dass ich es hier nicht zitieren will.

Gruß Mathie
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von Naheris » 15. Mai 2018, 12:34

Der e-Tron Quattro und Coupé basieren auf einer speziellen Anpassung des MLB. Das ist ein Baukasten, wodurch das Ergebnis nicht mehr wirklich eine reine Verbrenner-Plattform ist. Laut einem bekannten ist der gesamte Bereich zwischen den Achsen komplett neu konstruiert worden. Auch die Achsen seien wegen den Elektromotoren neu. Der Rest ist dann aber wieder Plattform, also vermutlich so Dinge wie Lenkung, Bordelektronik, Dämpfer, Crashzelle, usw.

Das einzige, was noch an die Ursprünge als Verbrenner-Plattform hinweisen sei der Radstand. Der hätte bei einem BEV bei gleicher Fahrzeuglänge größer ausfallen können, was auch der Batterie zugute kommt. Aber: auch Tesla hat den eher typischen Verbrenner-Radstand mit langen Überhängen vorne und hinten. Insofern sei das Ergebnis des e-Tron mit einem Tesla grundsätzlich zu vergleichen. Tesla hat die Plattform halt sehr Verbrenner-Like als BEV neu entwickelt, Audi hat eine bereits existierende und getestete Plattform grundsätzlich umgebaut. Das Ergebnis ist damit extrem ähnlich. Nur kann Audi halt so ohne viel weiteren Aufwand auf alle für den Baukasten bereits entwickelten Komponenten zurück greifen. Tesla hat wohl ein paar andere konstruktionstechnische Vorzüge, vor allem im Vorbau (Motorraum bzw. Frunk).

Eine richtige BEV-Plattform habe derzeit der Jaguar I-Pace, der i3 und der MiEV (der Leaf sei dem Radstand nach wohl auch nur ein Hybrid). Nur bei diesen ist der Radstand im Verhältnis zum Fahrzeug sehr lang. MEB wird/ist ebenfalls eine solche Plattform. Der Mission-E und spätere große Fahrzeuge der VAG werden dann auf der gerade entwickelten Elektro-Premium-Plattform basieren, welche dann zuerst im Mission-E ihren Dienst tun soll. Da ist dann vermutlich auch der Radstand größer (mehr Platz für Akkus) und kein Platz mehr für einen (theoretischen) Verbrennungs-Motor (vielleicht aber ein REX? Spekulation).

Wie es mit Wasserstoff steht habe ich nicht gefragt.

BMW geht übrigens einen ähnlichen Weg für alle seine zukünftigen Fahrzeuge wie Audi mit ihren einmaligen zwei (?) e-Tron Modellen. Sie entwickeln einen Baukasten, wo man einfach den Teil zwischen den Achsen je nach Motorisierung austauschen kann: Verbrenner, PHEV und BEV kriegen einfach andere Teile. Auch hier ist der Nachteil, dass der Radstand enger ausfällt, damit der Motor vorne Platz hat. Bilder dazu wurden ja hier im Forum auch schon verlinkt.

Hinweis: einiges davon wurde hier schon in diversen Fäden gepostet. Einiges ist einfach Information von jemandem, der sich ein wenig mit der Materie bei VAG auskennt. Das kann ich nicht belegen. Ich gebe es nur weiter. Es klang für mich aber stimmig.
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von cer » 15. Mai 2018, 12:50

Danke, Naheris. Stimmig klingt es.

Beim Thema Radstand widerspreche ich allerdings der von dir wiedergebenden Einschätzung:
Das Model 3 (und ähnlich auch schon das X) hat ein Package mit extrem kurzen Überhängen, vor allem vorn. Wenn man einen Baukasten hat, in dem auch ein (vielleicht sogar noch längs eingebauter) Motor und ein Frontantrieb funktionieren muss, dann kommt man auf völlig andere Proportionen. Das kann zum Nachteil werden, und zum ernsten Problem bei kleineren Autos. Der Frunk ist jetzt nicht unbedingt ein Argument. Aber das günstige Verhältnis von Außenlänge zu Innenraum, das mit einem BEV möglich ist, werden die Hersteller damit nicht erreichen. Und die elefantöse Trägheit und Behäbigkeit, mit der sich der e-tron auf den bisher veröffentlichten Fahraufnahmen bewegt, muss ja auch irgendwo eine Ursache haben…

Für mich hat das Ganze auch eine politische Dimension: Man nimmt Nachteile beim BEV in Kauf, um sich ein (großes) Hintertürchen Richtung Verbrenner offen zu lassen. Da fehlt mir das klare, kompromisslose Bekenntnis (das BMW beim i3 vielleicht etwas zu plakativ abgelegt hat) – und vielleicht auch ein Verständnis dafür, welche Chancen der Elektroantrieb heute schon bietet.

Ich vermute: Wenn das Model Y präsentiert wird, gibt es eh eine neue Benchmark für das Verhältnis Verkehrsraum / Nutzraum. Dann wird mancher überrascht feststellen werden, was möglich ist. (Ähnliches gilt bereits für den Lucid Air, um den es gerade verdächtig still ist.)
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von Alexandra » 15. Mai 2018, 14:56

cer hat geschrieben:Worauf ich hinaus will: Der e-tron ist nach meiner Theorie kein originäres Elektroauto, sondern ein umgemodeltes Verbrenner-Massenmodell.


So sehe ich es auch , ist bei Jaguar auch nicht anders und das macht beide für mich uninteressant. Es fehlt der Mut. Bei Audi kommt noch dazu, dass ich niemals mehr ein Auto dieses Konzerns kaufen würde.
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von Naheris » 15. Mai 2018, 15:42

Du hast recht, Cer. Das Model 3 ist von den Überhängen und Radstand wohl auch klar als BEV einzustufen und fehlt in meiner Liste oben demnach. Das Gespräch stammte noch von vor dem Model 3, daher habe ich daran nicht gedacht.

Audi hat den e-Tron übrigens daher auf MLB basiert, weil sie keine andere Plattform bzw. Baukasten hatten. Da die PPE scheinbar schon in Planung war, aber eben noch lange nicht fertig (Baukästen brauchen länger als Plattformen), haben sie halt MLB genutzt. Die Alternative wäre eine längere Entwicklungszeit gewesen, wonach man die neue Plattform dann wegen PPE gleich wieder weg wirft.

Ich denke, da war weniger "Hintertürchen" als Gedanke drin denn "wir haben nichts anderes". Der e-Tron sollte ja niemals ein PHEV werden. Für PHEV ist MLB ja bereits nativ vorbereitet und wird auch beim Q7 und A6L (in China) bereits dafür genutzt.

Wenn überhaupt, dann wollte Stadler ein so günstig wie mögliches BEV, dass dann beweisen kann, dass BEVs nicht funktionieren. Nur wurde er wohl von Dieselgate und Porsche überrannt, und Audi verlor die Vorherrschaft der Premium-BEV-Entwicklung an Porsche (und PHEV an VW). Heute haben sie ja nur noch den Wasserstoff-Hut auf, welchen sie nach dem e-Tron vermutlich auch gleich begraben können (zu hoffen wäre es).
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von teslacharger » 15. Mai 2018, 20:00

cer hat geschrieben:Audi fängt gerade an, den Q8 anzukündigen. Kann bitte jemand qualifiziert widerlegen oder bestätigen, dass es sich hier um eine Variante des e-tron SUV handelt (bzw. umgekehrt)?

Der Q8 wird die "Coupé-Variante" des Q7, sprich etwas unpraktischer, dafür noch einen Tick luxeriöser, ähnlich BMW X6 und Mercedes GLE Coupé - nur ohne deren (imho) hässlichen, plattgedrückten Kofferraum. Der hat mit dem E-tron Quattro also nichts zu tun...außer PlugIn-Hybriden wird's da nichts Neues geben.

cer hat geschrieben:Man nimmt Nachteile beim BEV in Kauf, um sich ein (großes) Hintertürchen Richtung Verbrenner offen zu lassen. Da fehlt mir das klare, kompromisslose Bekenntnis (das BMW beim i3 vielleicht etwas zu plakativ abgelegt hat) – und vielleicht auch ein Verständnis dafür, welche Chancen der Elektroantrieb heute schon bietet.

Nein, da gibt's technisch kein Hintertürchen mehr. Die Plattform wurde (wie oben in den Kommentaren erwähnt) so modifiziert, dass da nicht einfach auf Verbrenner/PlugIn-Hybrid "rückgerüstet" werden kann ohne nicht eine komplett neue Bodengruppe zwischen den Achsen einzubauen - das wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Außerdem wird/wurde das komplette Audi-Werk Brüssel auf die beiden neuen E-Modelle (E-tron Quattro und E-Tron Quattro Sportback) umgebaut.

Elektrisch (abseits des Antriebs) und bzgl. Infotainment etc. basiert der E-tron Quattro wohl auf dem neuen A6, von dem auch sonst einige Teile übernommen wurden.

Und dass der Dieselskandal gerade richtig kam um dem Auto Richtung "Ernsthaftigkeit" und "alltagstauglicher Technik" nochmal einen guten Push zu geben, ist wohl eine glückliche Fügung gewesen. Wie es scheint hat man sich angestrengt etwas zu Tesla Konkurrenzfähiges auf den Markt zu bringen (95kWh Akku, 150kW-Ladung, mindestens 11kW-AC-Lader) - ich bin jedenfalls sehr auf die Premiere in ein paar Monaten gespannt.
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von Sucseeker » 15. Mai 2018, 21:33

Ist schon interessant zu lesen was einige hier doch angeblich einen Wissensvorsprung vor z.B. Fachjournalisten einiger Zeitungen wie der ATZ/MTZ haben.
Was Audi aktuell genau entwickelt oder woran Sie gerade arbeiten im Bezug zum BEV kann man also hier im Thread erfahren. Aha, sehr interessant.

Grüße SuCseeker
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von Dani » 15. Mai 2018, 22:01

Hier plaudert der Designer ein bischen, startet ab 13:00.
Keine grossen Details, man sieht das Auto aber aus der Nähe.

https://youtu.be/AjX4_k_DPjc
 
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Re: Audi e-tron quattro (BEV) (früher: Q6)

von cer » 15. Mai 2018, 22:09

@Sucseeker: Es gibt hier ein paar Leute, die in der Zulieferindustrie bzw. evtl auch direkt bei dem einen oder anderen Hersteller arbeiten. Andere machen sich, im Gegensatz zu den meisten „Motorjournalisten“, die Mühe, verfügbare Informationen selbst zu suchen und zu sammeln.

Deswegen nehme ich gewisse Aussagen hier im Thread deutlich ernster als die fehlerhaft abgeschriebenen oder falsch verstandenen PR-Meldungen, die uns in der „Fachpresse“ meistens serviert werden.
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