Wasserstoff tanken - warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Ich war neulich in Bad Rappenau am Supercharger und hatte mir die Wasserstofftankstelle genauer angesehen.

Die notwendige Technik zum Betrieb einer (1 !) Säule sieht so aus. Fläche = 8 m × 10 m.

Gelegentlich war ein Kompressor? oder Generator? in Betrieb, ohne Tankvorgang.

Auf dem Dach ist ein Novafrigo TS060 Kühler mit einer thermischen Abgabeleistung von 70kW installiert. Allein die 4" (10 cm) Anschlussleitungen sehen nach großem Energiedurst aus.

Die Kompressorstation benötigt lt. Linde eine Anschlussleistung von 45 kW on Top. Die Gewichtsangabe liegt für die 450 Bar Variante bei 38 t.

Auf der anderen Seite stehen dann 3 weitere Dinger rum, die für den Tankvorgang notwendig sind.

  1. Terminal, bei dem man sich autorisieren kann, wenn man schon eine H2 Ladekarte hat. Eine EC-Karten- oder Kreditkartenzahlung ist nicht möglich.

Der Hammer an der H2 Karte ist, dass man diese erst ausgehändigt bekommt, nachdem man eine Schulung beim Betreiber per Videokonferenz oder vor Ort absolviert hat.

Nun zur 2. Säule, dort ist ein weiteres Telespiel vorhanden. Das Ziel ist es, Level 3 - also den Tankvorgang zu starten. Hier muss man dann eine PIN eingeben, den Druck 350 - 700 bar bestätigen und schon kann man am Fahrzeug den Tankdeckel öffnen. Dann noch kurz die Abdeckung entfernen, jetzt kann die Zapfsäule reingesteckt werden.

Freut Euch nicht zu früh, der Pistolengriff startet nicht den Tankvorgang, der verriegelt diesen nur.
Erst nachdem der verriegelt ist, geht man zurück ans Telespiel und startet dann den Tankvorgang.

Eine Videoanleitung mit dem Titel „einfach Wasserstoff tanken“ gibt es hier:

Die Anleitung zum Studieren…

Mindestens vier Punkte machen mich fassungslos.

  1. Der Energieaufwand von mindestens 70 kW (Wirkungsgrad = geschenkt) + 45 kW für den Tankvorgang oder deren Speicherung bei bereits vorhandenem Wasserstoff.

  2. Der Platzbedarf für 1 Säule.

  3. Das einfache Handling.

  4. Dieser Bullshit wird gefördert???

A.K

Vielleicht steht mir mein technisches Unverständnis im Weg, kann auch sein…

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Naja ganz so eng sehe ich das jetzt nicht.

  1. Nur weil da 70kw draufsteht bedeutet das nicht, dass dauerhaft 70kw gebraucht werden.
  2. Da steht einfach nur eine Säule, mehr Säulen würden den Platzbedarf nur unerheblich vergrössern. Eine klassische Tankstelle braucht mit 3 verschiedenen Tanks nicht weniger Platz - nur wird das halt meistens unterirdisch gebaut, in diesem Fall sieht man alles.
  3. So kompliziert ist das Handling nun auch wieder nicht. Eine PIN zur Tankkarte ist gewiss nichts neues und finde ich auch nicht verwerflich. Bei vielen Ladesäulen muss der Ladevorgang auch an der Säule gestartet und beendet werden, also hat man hier nur das manuelle Verriegeln zusätzlich. Und im Vergleich zu einer Tankstelle ist dies hier viel sicherer.
  4. Es gibt auch für Wasserstoff berechtigte Anwendungsfälle.

Wirklich daneben finde ich hier nur, dass man nicht mit EC- oder Kreditkarte bezahlen kann. Nur leider ist das bei ganz vielen Ladesäulen auch so…

Edit: Dass man eine Einweisung per Videotelefon braucht ist natürlich lächerlich. Ein solches System muss idiotensicher sein.

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Man kann noch ergänzen, dass wir mit den Superchargern natürlich extrem verwöhnt sind. So einfach war Tanken egal mit welchem Treibstoff noch nie.

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Ist wie bei Superchargern auch. Nur weil da 250 kW drauf stehen bedeutet das nicht, dass da dauerhaft 250 kW gebraucht werden.

Bei H2-Tankstellen ist es allerdings so, dass die Kühlung auch dann laufen muss, wenn kein Auto tankt.

Und der Verdichter läuft oft auch dann, wenn das letzte tankende Auto, schließt Busse und LKW mit ein, schon weg sind, sonst hat der nächste nicht genug Druck.

Und wo stellst du dann den Zwischenspeicher mit 900 Bar hin?

Und wie viel mal öfter am Tag muss dann der H2-Tanklaster kommen?

Ein seltsamer Vergleich. Eine konventionelle Tankstelle mit wegen mir vier Zapfsäulen, also acht Zapfstellen, hat einen maximalen Durchsatz von etwa 80 PKW/h oder auch ca. 48.000 km/h, oder bei 24 h Öffnungszeit einen von über einer Million km/d.

Eine aktuelle Wasserstofftankstelle schafft etwa 35 bis 70 PKW/d, oder auch maximal 42.000 km/d.

Und dabei kostet diese konventionelle Tankstelle etwa 500.000 €, und die Wasserstofftankstelle etwa 1.400.000 €.

Das stimmt. Bis auf ab und an mal eingefrorene Tankstutzen muss man gegenüber konventionellen Tankstellen nur wenig beachten.

Aber wenn vor einem ein Bus oder LKW getankt hat, hat man ja auch genug Zeit, sich das Prozedere nochmal ganz in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen, denn so eine Tankstelle schafft immerhin fünf bis zehn LKW oder Busse pro Tag.

Diese Teile haben dann einen Schiffspropeller, wegen mir auch an einem U-Boot. Oder man produziert Stahl.

In Europa darf sich das auf vier oder mehr Rädern, also auch Zügen, antun wer will. Ist nicht mehr mein Problem, sobald unsere Politiker endlich damit aufhören diesen Unsinn zu subventionieren. An dieser Wasserstofftankstelle selbst ist der Steuerzahler immerhin zu 50% mit dabei, also gut 700.000 €. Und der Wasserstoff an der Tankstelle ist auch noch steuerfrei.

Ich bezahle am SuC doch mit Kreditkarte?!

So ein Kartenleser macht das Klump nur teuer, anfällig, und wenn ein Bondrucker Pflicht wird schlichtweg unbrauchbar.

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Ich halt es für illusorisch, Hinz und Kunz regelmäßig mit irgendwas rumfummeln zu lassen, auf dem mehrere hundert bar hochexplosiver und -entflammbarer Druck sind.

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Die lassen ja auch seit Jahrzehnten Hinz und Kunz mit etwas rumfummeln, das gesundheitsschädlich und krebserregend ist, ebenfalls leicht entzündlich ist, den Boden kubikmeterweise verseuchen kann, und im Betrieb Menschen gesundheitlich schwer schädigen kann.

Die Sicherheit ist IMHO nicht das größte Problem beim Wasserstoff.

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Wasserstoff, ohne das ganze Kompressor-Kühl-Aufwands-Tamtam:

Ist jedenfalls interressant.

Man bekommt den Wasserstoff bestimmt ohne zusätzliche Energie in und aus der Paste wieder raus, nicht.

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Wenn du diese Paste aus Feenstaub und Einhornpipi machst, ist das gar kein Problem.

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ja, klingt erstmal interessant - aber wenn man etwas darüber nachdenkt, dann…
also der Wirkungsgrad würde dann ja durch die zusätzlichen Schritte (Wasserstoff in Paste Umwandeln und wieder zurück) noch schlechter, als sowieso schon.
Das Argument der Lieferkette erschließt sich mir auch nicht.
Es müsste per Logistik dann Kiloweise in die Tankstellenregale verfrachtet werden, und ich hole mir dann einfach eine Tube aus dem Regal?
Ok, zugegeben, das wäre viel einfacher und günstiger als Wasserstofftankstellen.
Aber halt: Wenn ich das im Video richtig verstanden habe, brauche ich Wasser und Paste zu gleichen Teilen. Und vergleichbar mit einem Verbrenner bräuchte ich dann wieviel? ~25kg Paste und ~25Liter Wasser?
Also eine Kartusche mit 25kg und zusätzlich noch ein Wassertank.
Kommt mir nicht unbedingt sehr praktisch vor…

Das Video ist ja schon über ein Jahr alt - ich habe ein paar Minuten danach gegoogelt, aber keine neueren Infos dazu gefunden.
Hab ich nicht lange genug gesucht, oder gibt es da einfach nix neueres?

Da wird für den Fahrzeugbereich auch nichts konkurrenzfähiges kommen.

Die Realität ist einfach so:

Wasserstoff 1

E-Fuels

Ich bin da einfach für PV und Windstrom im BEV.

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Also in dem Video wird auch darauf eingegangen, dass diese Technologie wahrscheinlich so nicht für die Mobilität geeignet ist, aus vorgenannten Problempunkten. Ich finde es nur sehr interessant, weil es der ohnehin nicht unbedingt für die Mobilität geeigneten Wasserstofftechnik neue Impulse gibt. Solange wir nicht elektrische Energie im Überfluss produzieren können, wird Wasserstoff mit seiner mageren Effizienz eher nebensächlich sein. Der OP hat ja schon gezeigt, mit DER krassen Infrastruktur, wie sie momentan für die H-Technik nötig ist, gestaltet sich das Ganze bestenfalls als Forschungsprojekt mit Teilnahmemöglichkeit von Interessierten :wink:

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Empfehle Videos vom Helmholtz Institut Ulm , Prof Max Fichtner. Podcast Geladen, Polis da gibt es alles was man wissen moechte.

Habe das mal leicht korrigiert:

… als Forschungsprojekt mit Teilnahmemöglichkeit von an Subventionen Interessierten

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genau.
Was anderes ist das nicht.
Subventionen abgreifen und eMobilität schlecht reden.

Nachfolgend ein Beitrag von Alex, YT Elektrisiert;
Er informiert sich über den Mirai und H2 global.
Die Fahrt zur Wasserstofftanke ist ein Fiasko da diese nicht funktioniert. Sie fahren weiter und bleiben fast liegen.
Mit Alex seinen Tesla hätten die ein Kabel angesteckt und wären Kaffee trinken gegangen, klar.
Warum macht sowas? Der Toyotahändler könnte ja auch das neue BEV verkaufen. Stattdessen erzählt der was von der Sahara, als wenn die Bubenphantasien auch nur einen Deut realistisch wären.
Alex will Klicks, klar. Nur der Quatsch, den da der Toyotahändler erzählt, ist echt grenzwertig.
Das Schwadronieren von H2 aus der Wüste wird immer wüster.

(Elon Musk liegt falsch - Experte erklärt warum Wasserstoff doch die Zukunft ist - YouTube)

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Irgenwie müssen die Großkonzerne doch noch Geld verdienen.

Jeder der die Technik und die Unterschiede bei Aufwand und Effizienz kennt, weiß dass Wasserstoff im Auto einfach nur sinnlose Verschwendung ist.

Durch die deutlich schnelleren Ladezeiten bei vielen aktuellen BEV, hat der Wasserstoff-Unfug auch noch den letzten angeblichen Vorteil verloren.

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