Impressum / Datenschutz Regeln Cookies
TFF FORUM TFF E.V. SUPERCHARGE-ME
TFF Forum

Wallbox als Mieter in einem Mehrparteienhaus

Liebes Forum,

ich bin schon seit ein paar Monaten hier angemeldet und durfte bislang schon still von einigen sehr hilfreichen Diskussionen profitieren. Ich arbeite am Plan ein eigenes Model 3 zu kaufen. Damit der Plan aber für mich wirklich rund wird, brauch es eine Wallbox.

Kurz zur Ausgangssituation:
Ich lebe als Mieter in einem 12 Parteien Haus mit Tiefgarage aus dem Jahr 2011. Die TG teilt man sich mit einem weiteren exakt baugleichen Haus mit ebenfalls 12 Parteien. Ich habe zu Beginn des Vorhabens einen Elektriker kommen lassen und die Örtlichkeiten begutachten lassen. Ergebnis: der Einbau einer 11kW Wallbox ist problemlos machbar. Kostenvoranschlag liegt ebenfalls vor. Mit dieser Info habe ich dann sicherheitshalber schon mal die KfW Förderung beantragt.

Im nächsten Schritt habe ich meinen Wunsch dem Vermieter mitgeteilt und auch auf die neuen Bestimmungen des BGB und WEG verwiesen. Der Vermieter ist voll dabei und befürwortet den Einbau. Warum auch nicht? Schließlich habe ich ja 100% Kostenübernahme zugestanden und steigere damit den Wert der Immobilie.

Jetzt wird es aber komplizierter. Mein Vermieter hatte in Nachgang die Hausverwaltung ins Boot geholt und hier fangen die Probleme an. Da werden teilweise komplett falsche Behauptungen aufgestellt und massiv gebremst.

Generell wurde durch die HV gefordert, dass ein weiterer Elektriker die Lage vor Ort, sozusagen als Gutachter checkt. Aus meiner Sicht ein reinses Zeitspiel, da sich mir nicht erschließt, inwiefern die HV hier überhaupt etwas zu melden hat.

Jetzt meine Frage, kennt sich hier jemand mit so einem Genehmigungsverfahren über die WEG aus? Ich weiß, dass ich als Mieter lediglich bei meinem Vermieter einen Antrag stellen kann und der darf laut neuster Gesetzgebung nicht einfach abgelehnt werden. Der Vermieter hat die selbe Ausgangslage ggü. der WEG, muss aber auch hier die Genehmigung erst einholen. Man kann sowas glaube ich per Umlaufbeschluss machen, was hat die Hausverwaltung hier für ein Mitspracherecht? Könnte der Vermieter nicht eigenständig einen Beschlussantrag in Umlauf geben?

Müsste man den Beschluss durch die Parteien beider Häuser fällen lassen, oder trifft es nur mein Haus, da auch nur auf die Sttomversorgung dieses Hauses zurückgegriffen wird (der Anschluss soll direkt an den Zähler der Wohnung gelegt werden)?

Ihr merkt, hier habe ich noch ein paar Fragen. Ich würde mich sehr freuen, wenn hier jemand Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hat und mir vielleicht weiterhelfen bzw. von seinem Genehmigungsverfahren berichten könnte.

Vielen Dank vorab!

Barthinho

Hallo Bartinho,

die aktualisierte Gesetzeslage seit 2021 macht es der WEG nicht mehr so leicht, einen Antrag auf Errichtung einer Lademöglichkeit einfach abzulehnen. Es besteht quasi ein Anspruch eines Eigentümers bzw. eines Mieters über den Eigentümer auf eine Lademöglichkeit.
Das OB ist also relativ klar.

Über das WIE hat die WEG aber sehr wohl eine Entscheidungsbefugnis und das aus gutem Grunde.

Wenn jetzt die ersten Interessenten recht einfach mit einer „Insel-Lösung“ (Wallbox an den Wohnungszähler anschließen) vorauspreschen, können zukünftige Interessenten womöglich in die Röhre schauen, wenn dann z.B. der Hausanschluss überlastet werden würde.
Die zukünftigen Interessenten hätten dann also Probleme, auch deren Recht auf Lademöglichkeit durchzusetzen.

Dies würde in der WEG große Konflikte erzeugen, was mitunter auch vor Gericht enden könnte. So einen Streß will niemand, aber wenn der mal da ist, dann sitzt der Keil meist sehr tief in einer WEG.

Daher würde ich sehr dazu raten, schon von Anfang eine Lösung innerhalb der WEG zu finden, die auch zukünftigen Ansprüchen genügen würde. Ob das jetzt die Insel-Lösung ist oder eine Ladeinfrastruktur mit Lastmanagement, das sei mal dahingestellt.

Aber es wäre sinnvoll, der HV und der WEG erstmal die verschiedenen sinnhaften Optionen aufzeigen zu lassen, alle Aspekte zu beleuchten und dann eine Entscheidung der Richtung herbeizuführen. Erst dann sollte man konkret in eine Realisierung gehen.

Problem ist ja auch, dass die ersten Interessenten meist auf wenig Verständis stoßen und erstmal Vorurteile kommen, weil die wenigsten in der WEG sich mit dem Thema objektiv auseinandergesetzt haben. Und wenn dann die Meinung entsteht, man müsse als Eigentümer für etwas zahlen, was man im Moment gar nicht braucht, dann ist die Akzeptanz schon fragwürdig.

Daher würde ich es für ratsam halten, das ganze über die HV durch eine neutrale Person prüfen zu lassen und eine Entscheidungsgrundlage für die nächste Versammlung vorzubereiten.

Der Elektrobetrieb wird wenig Bereitschaft zeigen, Lösungsalternativen aufzubereiten. Der wird wenn überhaupt, ein Angebot darlegen mit dem seiner Meinung nach einzig richtigen Weg und hoffen, dass das Angebot angenommen wird.

Der Weg, den dein Eigentümer einschlagen müssen wird, wird etwas zäh und mühsam sein und es wäre hilfreich, wenn es schon mehrere Interessenten gäbe.

Schöne Grüße und viel Erfolg.

madmax

Hallo Barthinho,

wie schon von madmax geschrieben kann die HV/Eigentümergemeinschaft nicht ablehnen, sie kann aber Bedingungen für die Umsetzung vorgeben.

Das Thema habe ich als Mieter jetzt auch durch, in einem 7 Parteien Haus.

Ein Problem bei allen MFH ist die Kapazität vom Hausanschluss. Es können in der Regel nur 2-3 Wallboxen direkt angeschlossen werden, wenn es darüber hinaus geht ist ein Lastmanagement nötig, welches locker 10T€ und mehr kosten kann.
Dies wäre dann eine bauliche Veränderung am Haus, die von allen Parteien beschlossen und bezahlt werden müsste im Gegensatz zur einzelnen Wallbox.

Ich habe auch vorher einen Kostenvoranschlag bei Elektriker eingeholt und mich auch diesbezüglich mit meinem Stromanbieter (Stadtwerke) in Verbindung gesetzt. Die haben eigentlich alle jetzt direkt jemanden, der sich mit dem Thema E-Mobilität beschäftigt und als Ansprechpartner zur Verfügung steht und auch solche Vorabanalysen für die HV anbieten.

Unsere HV hat auch alle Parteien angeschrieben und gefragt ob jemand was dagegen hat bzw. ob weitere Parteien in naher Zukunft mit einer Wallbox planen.
Außer mir gab es da keinen weiteren Interessenten, trotzdem wurde dabei vereinbart, dass ich meine Wallbox erstmal direkt anschließen kann, aber sollten später weitere Parteien auch eine Wallbox haben wollen dann ein Lastmanagement installiert wird, wobei die Kosten auf alle Eigentümer entsprechend umgelegt werden und ich meine Wallbox dann auf eigene Kosten umrüsten lassen muss, da es dafür wohl keinen wirklichem Standard gibt und bei einem Lastmanagement dann alles von einem Anbieter kommen muss.

Das Ganze hat jetzt bis zur Entscheidung nochmal ca. 4 Monate gedauert.

Also stell dich gut mit den anderen Parteien aber am Ende heißt es leider warten bis die Entscheidung da ist und du weiter machen darfst.

Grüße
Schoni

1 „Gefällt mir“

Hallo Schoni,

gab es bei dir eine WEG Versammlung, oder wurde das per Umlaufbeschluss gemacht? Hast du vielleicht einen anonymisierten Beschlussantrag, damit ich mir das mal ansehen kann?

Gruß Barthinho

Ne es gab keine WEG Versammlung/Umlaufbescheid, da niemand etwas dagegen hatte habe ich sozusagen vorab das GO bekommen.
Es gibt einen Entwurf für die Kostenbeteiligung, ich schau mal ob ich den Einscannen kann.

Man muss dazu sagen, dass von den 7 Parteien nur 2 Mieter sind und die Eigentümer alle im Haus wohnen und auch ein enger direkter Austausch da ist.

Ich habe den Vorteil, dass zu unserer Wohnung eine Garage gehört, es gibt nur 2 andere Garagen und der Rest sind Außenstellplätze. Da wäre die Herausforderung noch die Leitung über den Hof zu verlegen.

Das reicht aus, um alle Beteiligten abspringen zu lassen, wenn man ganz allgemein gegen E-Mobilität ist.
Warum nicht ein Gruppe Easee-Boxen, die das Lastmanagement unter ich ausmachen? Das klappt über ein WLAN-Netz, das die Boxen aufbauen.
Funktioniert bis zu 101 Boxen.
Die teure Version macht ein Lastmanagement mit dem Haus. Ladeboxen dürfen halt den Hausanschluss nicht überlasten.
Wenn man der Ladeeinrichtung z. B. 22kW zugestehen würde, müsste sich die Boxen diese unter sich je nach Anforderung aufteilen. Alle laden eh nicht gleichzeitig.
Einfach mal goggeln nach „Easee Charge“.

2 „Gefällt mir“

Das hängt davon ab, ob beide Häuser auf dem gleichen Grundstück liegen.

Bzlg Umlaufbeschluss - der kann jederzeit von jedem Miteigentümer initiert werden, da gibt es keine formvorschrift, dass die HV zwingend involviert sein muß.

Insbesondere, wenn nur die HV Männchen macht, aber im Umlaufbeschluss die (Anteils-)Mehrheit aller Miteigentümre dafür ist, kann die HV sich auf den Kopf stellen, und muß den Beschluss umsetzen (HV == Exekutive, WEG == Legislative).

Eine Lösung mit integriertem Lastmanagement anzustreben (wo dann aber alle nachfolgenden mehr oder weniger das gleiche System nutzen müssen - leider fehlt es hier an herstellerübergreifenden Standards) ist sicher keine schlechte Idee.

Eine Variante wäre auch, 100% der Kosten der Vorbereitung (Unter-)Zählerplätze, Kabeltassen, Kernbohrungen u.dgl zu übernehmen - wobei sich dann nachfolgende Nutzniesser den Inflationsbereinigten Nutzwert von den vorherigen Nutzern einkaufen müssen - der 2. Zahlt dem 1. dann 50% der (aufgezinsten) Kosten, der 3. jeweils dem 1. und 2. je 1/6, …

Formal das gleiche - im Rahmen einer (phyischen) WEG Versammlung (aktuell ev nicht die glorreichste Idee) werden Beschlüsse direkt - mit direkter Diskussion - gefasst.

Ein Umlaufbeschluss - der durch einen Miteigentümer an alle anderen Miteigentümer als Brief verschickt werden kann, mit Begleitschreiben (Warum, wie, was, Details) und Abstimmungsbogen (Dafür/Dagegen, oder auch Variante A, B C oder dagegen) inkl. Rückkuvert - kann komplett ohne HV durchgeführt werden. Formal sollte aber die Unterschrift, das Datum, wann die Beschlussfrist endet aufgeführt werden.

Nach eintreffen der Rückmeldungen muß das Ergebnis bekannt gemacht werden (Schwarzes Brett) und es kann dann innerhalb von 1 Monat ein Einspruch dagegen beim BG eingereicht werden. Nach Ablauf der Einspruchsfrist also beim BG erkundigen, ob ein Einspruch erfolgt ist, und wenn nicht, erlangt der Beschluss rechtskraft - und die HV kann formal mit der Umsetzung beauftragt werden (wenn nicht die Mehrheit dagegen ist).

Falls sich keine Mehrheit für die Maßnahme findet, aber die „dagegen“ Eigentümer keine fundierten, sachlichen Gründe im Beschluss genannt haben, wäre wohl der nächste Schritt, aufgrund der aktuellen Gesetzeslage den Einbau mittels Schlichtungsstelle bzw BG durchzusetzen (wobei das der Eigentümer, nicht der Mieter, veranlassen muss, rein formal).

Vermutlich kann man in solch einem Fall, da das gesetz ja als Standard die Erlaubnis vorsieht, bei Stimmenthaltungen - fehlender Rückmeldung - auch von einer Zustimmung ausgehen…

Dieses Konzept der Interessensgemeinschaft Elektromobilität bzw. der Bruchteilsgemeinschaft halte ich in der Praxis für schwer realisierbar.

Da stehen m.E. die Chancen besser, allen Eigentümern klar zu machen, dass eine Ladeinfrastruktur mit Lastmanagement eine wertsteigende Modernisierung der Tiefgarage darstellt, deren umgelegte Kosten relativ leicht über Miete oder VK-Preis refinanziert werden können.

madmax

Bei mir ging das in die richtige Eigentümerversammlung als Punkt auf der TO.
Aber dann durfte ich sie installieren auf meine eigene Rechnung.

Das war erstmal die pauschale Aussage vom Netzbetreiber/Stadtwerken. Zum Glück musste ich mich nicht mit den weiteren Details beschäftigen. Aber mittlerweile ist ja etwas Zeit vergangen und man lernt neue Möglichkeiten dazu :slight_smile:

Können die Easee Boxen eine Abrechnung über RFID oder dergleichen?
Weil es muss ja sichergestellt werden, dass die einzelnen Benutzer separat abgerechnet werden können.
Direkt über die Hausverteilung hat ja jeder seinen eigenen Zähler.

Ich habe aktuell das gleiche Problem, jedoch als Eigentümer. Obwohl eine Heidelberg-Box mit Lastmanagement bis 16 Boxen vorgesehen ist. Wenn die HV ein separates Lastmanagement fordert, kann man das vergessen. Kostet dann laut Elektriker bei uns , ca. 20 Stellplätze, ca. 30-40T€. Sofort abgelehnt wegen den Kosten. Jetzt kommt man noch mit einem eventuellen Verbot für E-Fahrzeuge in der Tiefgarage wegen Brandgefahr. Ich habe jetzt schon mal Kontakt zum Anwalt aufgenommen. Bin auch grad gefrustet.

Das kommt mir sehr bekannt vor. Da kam die HV auch direkt drauf.

Was mir Schwierigkeiten macht ist, dass der Eigentümer, sprich der Vermieter den notwendigen Beschluss der WEG lostreten muss. Aktuell ist er noch pro Wallbox. Nur was passiert, wenn trotz aktueller Gesetzgebung erstmal abgelehnt wird. Hab ich dann als Mieter ein Recht darauf, dass der Vermieter Klage einreicht? Das ist für mich ziemlich undurchsichtig.

Vielleicht vorab mit deinem Vermieter/Eigentümer vereinbaren, dass er dir in diesem Punkt eine Vollmacht gibt, „seine“ Interessen zu vertreten (auf deine Rechnung). Dann kannst du in seinem (als Eigentümer) Namen ggf weitere Schritte vor dem BG starten? (nur ein Gedanke; hier im TFF gibt es einen praktizierenden Anwalt, der möglicherweise besseren Rat geben kann…)

Nutzer werden per RFID-Chip eindeutig erfasst und können getrennt abgerechnet werden. Es gibt eine Art Verwaltungsprogramm, dass sogar Ausdrucke für jeden Nutzer mit seinen Verbrauchsdaten raus lässt.
Ob das aber der Verwalter als zusätzlichen Job übernehmen will, bleibt die Frage.
Allerdings sind die Easee noch nicht eichkonform erhältlich (mein derzeitiger Wissensstand). Erbsenzähler könnten sich da querstellen.
So sieht ein Ausdruck aus:


Quelle: Easee Homepage

1 „Gefällt mir“