Von Schwabylon bis zu den Lofoten

Die diesjährige Urlaubsreise führt mich von der Wahlheimat Schwaben bis hoch zu den Lofoten.
Los gehts am 25. Mai 2022 gegen 20.30 Uhr mit 100 % im Akku, ich sammle meine Freundin in Bietigheim ein und die Nachtfahrt nach Hirthals, wo am nächsten Abend unsere Fähre nach Bergen ablegen wird, beginnt.
Wir sind entspannt unterwegs, haben wir doch über 23 Stunden Zeit für 12 Stunden Fahrstrecke. Los gehts mit 120er Tempomat über die A81 bis Würzburg, dann über die A3 und B19 durch Würzburg auf die A7. Nun muss man nur noch der A7 bis zu ihrem nördlichen Ende an der Grenze zu Dänemark folgen…
Aufgrund entspannter Fahrweise und hervorragender Effizienz meines Model 3 LR mit 18" Aerowheelcap-Felgen kommt der erste Ladestop nach 467 km bei Aral Pulse nahe Hildesheim. Ein kleiner Pinkelstop an der Raststätte Rhön war noch dazwischen.

Nach laden auf 80 % ging es weiter auf der A7, an Hamburg vorbei bis zum Parkplatz Bönningstedt-Ost, wo sich die Müdigkeit bemerkbar macht und wir einen ca. 3-stündigen Schlafstop einlegen. Hierfür haben wir die Verdunkelungen vom Emobilityshop an den Scheiben angebracht, so kann niemand hereinschauen und es ist einigermaßen dunkel.
Halbwegs erholt geht es dann morgens nach einem kleinen Frühstück weiter mit Zwischenziel Flensburg. An der Team Tankstelle Flensburg Peelwatt legen wir 334 km nach Hildesheim den 2. Ladestop ein, wo wir ebenfalls auf 80 % luden.


Hier gibts zwei Alpitronic HYC300 mit insgesamt 3x CCS und 1x ChaDeMo sowie eine Vorbereitung für einen weiteren HYC300.


Anschließend gehts nach einem Kaffee und einem kleinen Frühstück für einen morgendlichen Spaziergang in die Stadt. Wir vertreiben uns die Zeit und schauen uns Hafen und Fußgängerzone an, denn unser eigentliches Ziel, eine Pizzeria am Hafen, öffnet erst um 12 Uhr die Pforten.
Dank Feiertag ist wenig los, von zwei gröhlenden Vatertags-Saufgruppen mal abgesehen. Wir decken uns noch mit Brot einer Bäckerei ein, denn Essen in Norwegen ist bekanntlich teuer.
Nach dem Mittagessen in der Pizzeria inklusive einer Pizza to go für abends auf dem Schiff geht es dann weiter, die Fähre erwartet uns. Das Navi behauptet zwar wir würden bis Hjørring, den letzten Ladestop vor der Fähre, gelangen, ich habe aber aufgrund des mittlerweile auflebenden Windes und meiner nun eher am dänischen Tempolimit orientierten Fahrweise Zweifel daran und wir machen noch einen kurzen Ladestop von 27 auf 62 % südlich von Randers bei SPERTO.

Das stellte sich auch als goldrichtig heraus, mit den restlichen 27 % wären wir nicht ganz bis Hjørring gekommen. Dort angekommen war dann der einzige HYC150 in diesem Ort komplett belegt, wir entschieden uns aufgrund des deutlich teureren SuC nebenan der durchgehend sowieso in der Leistungsteilung hin und der üppigen Zeit bis zur Abfahrt der Fähre fürs warten. Nach 5 Minuten fuhr einer der Ladenden weg und wir konnten anstöpseln, allerdings lieferte die Säule nicht die erwarteten 75 kW, sondern nur 50. Die Säule kann nämlich insgesamt nur 100 kW. Als später das zweite Model 3 neben uns wegfuhr hatten wir dann immerhin 75 kW, da die Stecker wohl auf 200 A limitiert sind.



Nach einer über eine Stunde dauernden Ladepause dort ging es dann weiter nach Hirthals, wo wir es dann nach einiger Zeit warten auf die Fähre nach Bergen schafften und müde ins Bett gingen…

Fortsetzung folgt :slight_smile:

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Nach einer etwas windigen Überfahrt und erholsamem Schlaf an Bord in der Kabine geht es am nächsten Morgen erstmal nach oben, wir haben den Zwischenstop der Fähre in Stavanger bereits hinter uns gelassen und fahren nun bei etwas durchwachsenem Wetter durch die Fjorde südlich von Bergen.





Nach Ankunft in Bergen wollen wir eine kleine Wanderung auf einen der sieben Hausberge von Bergen machen, den Fløyen. Dazu fahren wir durch den Stadttunnel ins Parkhaus am ZOB, welches mit der „Sesam Sesam“-App per Kennzeichenerfassung bezahlt wird und etliche Typ2 Ladestationen inklusive Lastmanagement besitzt. Das Laden im Ladebereich wird ebenfalls über die App abgerechnet, die reinen Parkgebühren sind für Elektrofahrzeuge 50 % reduziert, bei norwegischen Kennzeichen wird das automatisch erkannt, als ausländisches Elektroauto muss ich im 1. Stock bei der Info vorbei und die haben das dann in kürzester Zeit im System hinterlegt, toller Service :+1:





Die nächsten zwei Nächte verbringen wir auf einem kleinen Campingplatz südöstlich von Bergen, hier laden wir mit dem UMC2 und blauem Campingadapter.



Von hier aus machen wir auch noch eine direkte Wanderung auf den höchsten Hausberg von Bergen, den Ulriken.











Während unseres gesamten Bergen-Aufenthalts war es zwar überwiegend schön, aber sehr windig. Als dann das Wetter zu Regen umschwenkte haben wir uns dazu entschieden eine Nacht weniger dort zu bleiben und die Fahrt Richtung Jostedalsbreen Nationalpark anzutreten.
Kurz vor der Abfahrt kam dann noch ein Besucher vorbei…

Mit 87 % ging es dann los Richtung Olden…

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Die Fahrt Richtung Olden verläuft sehr entspannt, die Norweger fahren alle sehr gemütlich, die Tempolimits von 80 km/h auf Landstraßen bzw. 90 wenn explizit beschildert auf gut ausgebauten Abschnitten verleiten sowieso zum gemütlich im Verkehr mitschwimmen.
Auf dem Weg steht dann auch die erste von zahlreichen Fährfahrten über die Fjorde an, es geht von Oppedal nach Lavik über den Sognefjord, und das vollelektrisch, denn die Fähre fährt hier mit Strom :+1:
In Lavik befindet sich dann kurz hinterm Fährterminal ein Supercharger, aber an laden ist bei den niedrigen Verbräuchen hier sowieso noch nicht zu denken:


(das war bei regnerischem Wetter wohlgemerkt)

Weiter ging es mit kleinem Stop in Skei neben dem dortigen SuC und Ionity…


…über einen kleinen Pass mit Skigebiet zu dieser tollen Aussicht hier bei Utvik.

Weiter am Fjord entlang kommen wir dann entspannt in Olden an, unser Campingplatz liegt wunderschön gelegen direkt am Fjord und wir können wieder an blauer CEE16 laden.

Tags darauf versuchen wir uns an einer Wanderung zum Brenndalsbreen, scheitern allerdings ca. 300 m Luftlinie vor der Gletscherzunge mangels Wegmarkierung. Wir erfahren später, dass eine wichtige Brücke und Stahlseile so früh in der Saison noch gar nicht installiert sind und wir so den Weg gar nicht finden konnten.








Nachmittags sind wir dann weitergefahren zu einem Campingplatz oberhalb von Geiranger.



Hier hätten wir nur per SchuKo laden können, da wir aber noch mehr als genug Strom im Akku hatten haben wir darauf verzichtet und sind am nächsten Tag nicht ganz so weit gefahren…

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…am nächsten Morgen war das Wetter wieder sehr schön und wir wollten zuerst die Aussicht auf den Geirangerfjord von ganz oben bewundern, dazu sind wir die Mautstraße zum 1500 m hoch gelegenen Aussichtspunkt gefahren, diese kostet umgerechnet ca. 27 € und das Ticket kann online gekauft werden.
Dort oben liegt noch eine Menge Schnee, die Straße selbst ist aber einwandfrei geräumt.



Blick auf den Campingplatz und die Straße hoch zum Beginn der Mautstraße.




Verbräuche sind hier extrem - in beide Richtungen. Start am Campingplatz mit 50 %, Ankunft oben mit 38 %, zurück auf Höhe des Campingplatzes mit 45 % und unten in Geiranger angekommen mit 47 %.

Von Geiranger aus haben wir eine sportliche Wanderung am Fjord entlang bis auf ca. 600 m Höhe gemacht.



Nach der Wanderung haben wir uns auch aufgrund des Ladestands und der fortgeschrittenen Tageszeit für eine kurze Fahretappe entschieden und sind zu einem Campingplatz in Stordal aufgebrochen, auf dem Weg mussten wir noch die Fähre von Eidsdal nach Linge nehmen.
Der dortige Campingplatz liegt neben einem ruhigen Industriegebiet am Fjord, ein Dauerbewohner hat uns nett die Räumlichkeiten gezeigt und wo wir laden können. Hier gab es nur SchuKo, wir haben mit 8 A von abends 18.30 Uhr bis morgens gegen 9 Uhr von 38 auf 66 % geladen.


Verbrauch vom Campingplatz Olden bis Campingplatz Stordal:

Weiter gehts dann morgen mit der Etappe Stordal - Trondheim - Grong/Medjå.

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Am nächsten Tag war Regen angekündigt, da dieser aber nicht vor 10 Uhr in Stordal ankommen sollte haben wir uns entschieden den Wecker auf 8 Uhr zu stellen und vor Einsetzen des Regens unser Begleitzelt, in welchem wir unsere Sachen aufbewahren, abzubauen und den Platz trockenen Fußes zu verlassen.

Die Wettervorhersage versprach deutlich weiter nördlich schönes Wetter und wir wollten in großen Sprüngen den Lofoten näherkommen. Dazu bekam ich pünktlich zum Fahrtag am Abend zuvor von @Richie94 den Tipp, dass bei Bonnet nun auch Ionity dabei sei und dies auch in Norwegen funktionieren müsste. Ionity gibts in Nordwegen allerdings in Nord-Richtung bis maximal kurz vor Trondheim, die Ladestation sagte uns unser Navi mit 21 % SoC bei Ankunft voraus, direkt nebenan befindet sich ein Supercharger zum Vorkonditionieren und falls es wider erwarten doch nicht funktionieren sollte als Backup.
Die 247 km absolvierten wir bei teils strömendem Regen, das Wetter besserte sich jedoch ab Orkanger bis Trondheim spürbar und so konnten wir neben der Ionity Ladestation beim Laden gemütlich vespern. (für Auswärtige: schwäbisch für Brotzeit)
Der Verbrauch war etwas höher als sonst, wir kamen soweit ich mich erinnere mit 16 oder 17 % dort an.




Geladen wurde dank des Bonnet-Codes für eine kostenlose Ladung natürlich bis 100 % und dann gings weiter zum nächsten Ziel: Medjå bzw. Grong, man weiß nicht so recht wie der Ort jetzt heißt :smile:
Dort kamen wir nach 213 Kilometern mit 61 % SoC an und konnten wieder an blauer CEE16 laden.

Wir entschieden uns dazu hier zwei Nächte zu bleiben, um auch mal einen ganzen Tag an einem Ort zu verbringen und nicht direkt das Zelt wieder abbauen zu müssen. Das Wetter war hier sehr angenehm, von Wind keine Spur und schön sonnig. Eine kleine Wanderung zu einer Anhöhe haben wir tags darauf unternommen, weiter durch den Wald ging es dann leider nicht mehr, da der Boden in Norwegen so früh im Jahr noch stark von Wasser gesättigt ist und meine Wanderschuhe leider nicht so richtig wasserdicht sind.
Spritpreise in Grong (Umrechnungskurs ca. 10:1)


Einen SuC gibts hier auch… direkt neben dem Grong Hotel (das heißt wirklich so, es handelt sich nicht um ein Grand Hotel)

Zwei sehr große Flüsse fließen direkt bei Grong zusammen, der Namsos und der Nebenfluss Sanddøla.

Tags darauf sollte das Wetter wieder schlechter werden und wir beschlossen weiterzufahren bis Mo i Rana am Ranfjord, nahe des Saltfjellet - Svartisen Nationalparks.
Per zeitgesteuertem Ladevorgang wurde unser Model 3 über Nacht auf 100 % geladen, die es pünktlich zum Ende des Frühstücks erreichte. Die nun folgende Fahretappe war wieder eine der längeren Art, bei der wir auch das Tor zu Nord-Norwegen passierten.

Was mir während der Fahrtage immer wieder auffällt ist die enorme Lautstärke des Asphalts hier oben. Im Winter fahren die allermeisten mit Spike-Reifen herum und die Straßen haben dadurch in den Fahrrinnen eine sehr raue Oberfläche, die trotz lediglich 70-90 km/h Fahrgeschwindigkeit Lautstärken wie bei 150+ auf deutschen Autobahnen produziert.

Kurz vor Mo i Rana gabs am Fjord noch einen kleinen Pinkelstop, bei dem wir die einfachen norwegischen Rastplätze kennenlernten. Hier gibts ein Plumpsklo und sonst nichts außer schöner Aussicht.


Dafür war dies unsere bisher sparsamste Langstreckenetappe, 281 km mit 47 % Verbrauch (Ankunft am Campingplatz mit 53 % SoC).

Der Platz war dafür aber auch der am wenigsten idyllische. Mo i Rana ist eine Industriekommune, die besonders vom Bergbau geprägt ist. Etwas oberhalb des Platzes hinter einem Wald befindet sich das Industriegebiet mit einer großen Erzbrechanlage, die kontinuierlich Lärm und Staub produziert, der durchs Tal ins Nirvana zieht. (zum Glück stand der Wind nicht ungünstig)
Als Auto mit Zelt hatten wir einen Platz ganz am Ende des Campingplatzes bekommen, mit dem längsten Laufweg zu Küche, Duschen und WCs und direkt unter einer Hochspannungsleitung, welche beim abends einsetzenden Regen immer wieder dicke Tropfen genau auf unser Dach fallen ließ.

Vor einsetzen des Regens nutzten wir aber das gute Wetter am frühen Nachmittag noch aus und wollten zur Gletscherzunge des Svartisengletschers. Wir unterschätzten aber völlig, dass hier noch gar keine Saison war und wie viel Schnee dort noch liegt.
Die letzten 2 km Fahrweg zum eigentlichen Parkplatz lagen noch unter 10-50 cm hohem nassen Schnee begraben, der See über den laut Anschrieb ab Mitte Juni ein Boot Richtung Gletscher fahren sollte war noch fast vollständig von Eis bedeckt.


Die Wanderung vom provisorischen Parkplatz zum eigentlichen Parkplatz war dann auch genug für uns, das dauerte schon in Summe fast 2 Stunden hin und zurück, inklusive nasser Wanderschuhe.
Auf dem Weg zurück nach Mo i Rana sahen wir dann noch zwei Rentiere, direkt neben der Straße.


Weiter ging es dann am nächsten Tag mit der Etappe Mo i Rana - Bodø - Moskenes (Lofoten) - Stamsund.

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Für den Fahrtag von Mo i Rana auf die Lofoten war ab dem Mittag zunehmender Sturm angesagt und wir wollten so die 10 Uhr Fähre ab Bodø erwischen, der Wecker klingelte also bereits um 5.45 Uhr. Nach schnellem Abbau des Zelts und der Tescamp ging es schon los, Frühstück war für den ersten Superchargerstop der gesamten Reise am SuC Storjord geplant. Start in Mo i Rana mit ca. 38 %, Ankunft am SuC Storjord mit 7 %. So früh morgens gab es fast keinen Verkehr auf der Strecke, aber einen kurzen Schreckmoment gabs dann kurz hinter dem Polarkreis als ein Rentier spontan meinte die Straße queren zu müssen… In dem Abschnitt ist 90 erlaubt, bis ich realisierte dass das Rentier nicht brav an der Seite bleibt musste dann doch mal die mechanische Bremse in Betrieb genommen werden:




Am SuC war dann nichts los, vor Ort gibts 8x V2 laut Navi, tatsächlich sind es 8x feste V2 und zwei Paletten-V2 ohne Säulennummer, evtl. nicht in Betrieb. Dazu noch zwei 50 kW Charger von Fortum Charge & Drive.



Wir haben gemütlich auf 80 % geladen und dabei gefrühstückt, neben uns tankte ein RAM-ähnlicher Pickuptruck mit einem großen Boot auf dem mitgeführten Anhänger, laut Kennzeichen aus Brandenburg kommend. Der tankt sicher genauso oft wie ich laden muss…
Er fuhr ca. 5 Minuten vor uns los, wir hatten ihn aber nach ca. 25 km eingeholt und durften dann hinter ihm herfahren (bei Steigungen gings auf 45-50 km/h runter, an Kreisverkehren bis auf Schritttempo). Im Gegensatz zu den meisten Norwegern, die bei sowas dann irgendwann mal anhalten und einen vorbeilassen, mussten wir ca. 50 km hinter ihm herfahren bis sich eine entspannte Überholmöglichkeit bat. Unnötig…

Die weitere Fahrt bis Bodø Ferjekai war wieder von Regen und Wind geprägt. Am Fahrhäfen angekommen sehen wir dann, dass es auch noch eine Fähre um 13.15 Uhr gegeben hätte, man also auch ausschlafen hätte können. Die Website zeigte tags zuvor nur 10.00 und 16.00 Uhr an.
Zuerst durften alle mit vorgekauftem Ticket auf die Fähre, dann die Bobile (Wohnwägen) ohne Ticket und dann wir. Zur Bezahlung wurde unser Kennzeichen wieder per Smartphone des Personals erfasst, dazu gabs diesmal ein kleines „Interview“ wo wir unsere vollständigen Namen in ein Mikro sagen mussten. Wozu das wohl war?
Kurz vor Abfahrt haben wir uns noch für die nächsten Zwei Nächte ein AirBnB in Stamsund gebucht, da das Wetter sehr stürmisch werden sollte und wir bei Regen und Sturm nicht im Auto schlafen wollten.

Hier noch der Verbrauch SuC Storjord - Bodø.

Die Fährfahrt war dann etwas schaukelig, aber da man oben vorne sitzend die Aussicht aufs Meer hatte ließ sich das besser ertragen als die Schaukelei in der Kabine von Hirthals nach Bergen.

In Moskenes auf den Lofoten angekommen ging es dann erstmal eine Stunde bis Leknes, die zweit-„größte“ Stadt der Lofoten mit etwas über 3000 Einwohnern. Wir haben im dortigen Einkaufszentrum Pizza gegessen und uns darüber gewundert, dass gegen 16 Uhr das ganze Zentrum nach und nach schloss. Aber ja, hier gibts wohl auch Pfingstfeiertage…
Im Anschluss testeten wir noch kurz nebenan die Bilkraft Ladestation, die mit 50-180 kW beschriftet ist. Wir kamen bei 45 % SoC auf maximal 66,2 kW, das dann schnell auf unter 50 kW fiel. Bei 50 % haben wir es dann sein gelassen, dazu sind 4,25 NOK/kWh + 1,25 NOK/min zu teuer. Von dort ging es dann noch ca. 15 Minuten weiter bis Stamsund und wir bezogen die Unterkunft. Der Besitzer des Hauses fährt einen Mercedes E300de PHEV, welches er aber zu Hause nie lädt, was nach seiner Aussage eigentlich saudämlich sei bei Strompreisen von umgerechnet 0,8 bis 6 ct/kWh. Die niedrigen Preise lägen wohl daran, dass das Stromnetz hier im Norden Norwegens nicht mit dem Süd-Norwegens verbunden sei und so Stromüberschuss herrsche, der nicht exportiert werden könne. Geheizt wird hier oben auch oft mit Strom, im Garten stand auch noch eine Sauna.

Nach einer Nacht hier wollten wir am nächsten Tag mal den Supercharger in Svolvær erkunden, welcher mit 130 kW max und 4 V2 Ladeplätzen für 3,10 NOK/kWh (ca. 31 ct) deutlich günstigeres Laden als am Vortag versprach. Die Anfahrt bis dort dauert etwas mehr als eine Stunde für knapp über 60 km Strecke, es geht kurvig am Meer entlang bis nach 37 Kilometern die E10 wieder erreicht wird. Am SuC angekommen war erstmal Leistungsteilung angesagt, da bereits ein Model S und ein Model 3 dort luden. Wir stellten uns neben das Model S und das fuhr auch 10 Minuten später als erstes weg. Geladen wurde dann bis 90 %, danach haben wir noch eine kleine Wanderung auf den Linken gemacht, eine kleine Anhöhe oberhalb von Svolvær. Das Wetter lud nicht zu riesigen Wanderungen ein, es war kalt, windig und regnerisch, dennoch bot sich eine schöne Aussicht.


Auf dem Rückweg ging es dann noch für einen Abstecher nach Henningsvær, wo wir auf dem Parkplatz am Dorfeingang doch tatsächlich eine Typ2 Ladestation entdeckten. Bezahlt wird fürs Parken mit der EasyPark App, welche ich mir spontan herunterlud. Das Laden wird ebenfalls darüber gestartet und bezahlt, es kamen aber trotz 16/16 A im Display nur 7 kW an, scheinbar lädt man hier zweiphasig oder eine Phase war kaputt. Das Dorf ist sehr touristisch ausgerichtet und besitzt am Ende sogar einen eigenen Fußballplatz. Wir haben bei regnerischem Wetter dann ein Cafè aufgesucht, das auch locker im hippen Berlin hätte sein können.
Am Meer muss man sich auf den Lofoten an den Fischgeruch gewöhnen, denn dort hängt massenweise die lofotische Spezialität: Trockenfisch. An diesem Tag eher nasser Fisch.

Ein Model 3 fuhr im Ort herum und zeigte, was so alles an Gepäcktransport möglich ist.

Danach ging es erstmal wieder heim zum Abendessen.

Am nächsten Tag, dem gestrigen (6. Juni), zogen wir dann aus dem AirBnB aus.
Vormittags machten wir noch einen kleinen Ausflug zu einem Sandstrand in der Nähe von Leknes.


Nachmittags zogen wir dann quasi um die Ecke in einer Art Jugendherberge wieder ein, die von einem kernigen Typen namens „Roar“ seit 47 Jahren betrieben wird. Sie befindet sich in zwei alten Fischerhäusern direkt am Meer und bietet ca. 70-80 Plätze, wovon aktuell aber mit uns nur 8 belegt sind.
Am Nachmittag wollten wir uns dann noch einen Gletscher hinter Svolvær anschauen, der aber leider von der gegenüber verlaufenden E10 doch nicht sichtbar war. So war es eher ein „Scenic Drive“ bei stärker werdendem Sturm.




Abends zog dann die stürmische Kaltfront ab und blauer Himmel kam raus, der zu einem kleinen Abendspaziergang einlud.

Es gibt sie also doch, die lofotischen Freilanderdbeeren :wink:


Fortsetzung folgt…

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Tolle Zusammenfassung, tolle Bilder.
Ich habe den Thread gestern morgen schon meiner Freundin gezeigt und bin spontan mit der Planung eines Nordkap-Roadtrips beauftragt worden. Vielen Dank auch. :face_with_symbols_over_mouth: :face_with_symbols_over_mouth: :rofl:

Freue mich schon jetzt auf Deine Fortsetzung.

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Gestern wurde dann erstmal lange ausgeschlafen, das Wetter war recht wechselhaft, im einem Moment regnete es, im nächsten schien wieder die Sonne. Gegen Mittag gabs dann mal Frühstück und wir rangen uns anschließend auf, doch noch eine Runde wandern zu gehen. Unser Ziel Ballstad liegt südsüdwestlich von Leknes, ca. 30 Minuten Fahrt von Stamsund entfernt, von dort soll ein steiler Weg auf ein Hochplateau führen. Wir haben den erstmöglichen Weg-Einstieg genommen, der aber eher in den Gärten von Anwohnern und einer Jugendherberge begann… Beim Aufstieg sahen wir dann, dass weiter hinten auch noch reguläre Aufstiege direkt vom Fahrweg abzweigten.
Beim Aufstieg begann es mal wieder zu regnen, dazu wehte ein eisiger Wind. Ich war somit von innen und außen nass…
Oben angekommen belohnt einen dafür ein großartiger Ausblick aufs Meer, die vorgelagerten kleinen Inseln und das wechselhafte Wetter.








Unten am Meer hängt wie an so vielen Orten auf den Lofoten der Dörrfisch (Tørrfisk) zum Trocknen auf großen Holzgerüsten, der etwas fischige Geruch ist im ganzen Ort wahrzunehmen.



Nach der Wanderung ging es erstmal zurück zur Unterkunft, die nassen Klamotten trocknen, etwas entspannen und später noch Abendessen kochen. Nach dem Essen kam noch ein Pärchen aus der Schweiz dazu und wir haben uns lange (sehr lange :smile:) gut unterhalten, sie sind ebenfalls mit einem Model 3 LR in MSM hier oben, nur ohne die Aerowheelcaps. Um 3 Uhr nachts ging es dann mal ins Bett, wie schnell die Zeit verfliegt fällt einem kaum auf, insbesondere da die Sonne hier oben nicht untergeht und man auch um 2 Uhr nachts das Gefühl hat es könnte früher Abend sein.

Heute morgen (8. Juni) haben wir dann die Unterkunft verlassen und sind zu einem nahegelegenen Campingplatz gewechselt, das Wetter soll jetzt stabiler sein, somit müssen wir nicht mehr vor Regen und Sturm in feste Behausungen flüchten :wink:
Vor der Weiterreise haben wir uns noch zum gemeinsamen Mitternachtssonne am Strand schauen für heute Nacht verabredet. Wir sind gespannt…
Geladen wird nun am Campingplatz wieder per SchuKo Adapter und UMC2 mit 8 A. Strom kostet hier 100 NOK/Nacht (ca. 10 €), wir laden den Nachmittag bis Abend über und dann nach dem Mitternachtsausflug bis zur Weiterreise morgen.

Wäsche trocknen ist natürlich so eine Sache hier, aber dank ausgezeichneter Wäscheständer-Funktionalität des Model 3 überhaupt kein Problem :crazy_face:

Die weitere Planung sieht eine Übernachtung bei Kabelvåg nahe Svolvær vor, um am Freitag die Bootstour mit einem Elektro-Hybridboot zum Trollfjord zu machen. Anschließend soll es wieder ganz in den Süden der Lofoten gehen, eine Übernachtung bei Moskenes auf dem Campingplatz ist angedacht und am Samstag die Fähre zurück zum Festland nach Bodø. Ich werde weiter berichten :smile:

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Da ich jetzt auf der Fähre von Moskenes zurück zum Festland nach Bodø sitze habe ich endlich Zeit für ein Update.

Am späten Abend waren wir zusammen in Eggum die Mitternachtssonne anschauen. Die Sonne war zwar etwas schüchtern und hat sich lange hinter einer Wolke versteckt, dennoch war es eine ganz besondere Stimmung wenn man bis 4 Uhr morgens am Strand sitzt, plaudert und es die ganze Zeit taghell ist.
Das Pärchen hatte auch noch eine kleine 300 g Drohne dabei, die wir zwischenzeitlich bis auf 500 m Höhe aufsteigen ließen und von dort bereits die Sonne sahen als sie unten noch versteckt hinter der Wolke war.
Die Vögel, die dort am Strand leben, sahen die Drohne beim Tiefflug für ein gemeinsames Foto übrigens als Bedrohung an und flogen sehr nah um die Drohne herum. Wir haben sie dann wieder gelandet und verstaut, wir wollen ja die Vögel auch nicht unnötig in Rage versetzen.
Noch ein paar Bilder vom Strand aus:







Ich glaub ich seh doppelt :wink:


Am nächsten Morgen haben wir dann erstmal wieder ausgeschlafen. Danach ging es zum nächsten Campingplatz bei Kabelvåg, von wo aus wir tags darauf die Schiffstour zum Trollfjord machen wollten.
Am Nachmittag haben wir noch eine 11 km lange Wanderung um einige benachbarte Seen unternommen, die auch sehr schöne Aussichten bot.









Am darauffolgenden Morgen mussten wir etwas früher aufstehen als die letzten Tage, da die Schiffstour in Svolvær bereits um 10 Uhr startet. Parken konnten wir direkt am Amfi Shoppingcenter, nur 100 m vom einzigen Supercharger der Lofoten (4x V2 Palette, 130 kW) entfernt und ausgestattet mit zwei 22 kW Wallboxen des Tesla Owners Club Norway. Laden konnte man hier gratis, parken ist die ersten 2 Stunden kostenlos, danach 22 NOK/h (2,20 €).


Die Schiffstour mit einem dieselelektrischen Hybridschiff (Baujahr 2019) zum Trollfjord war ihr Geld definitiv wert. Wir waren zwar geschätzt mit Abstand die Jüngsten auf dem ganzen Schiff (Altersschnitt definitiv 60+), aber das war nicht weiter schlimm :wink:
Bei der Fahrt geht es zuerst an einer kleinen Inselgruppe vorbei, die das Zuhause von einigen Dutzend Seeadlern ist.

Das Wetter war traumhaft, die Fernsicht exzellent, wir haben genau den richtigen Zeitpunkt gewählt.




Im Trollfjord selbst waren dann mehrere Ausflugsboote und unseres fuhr dort dann rein elektrisch. Die steilen Felswände sind beeindruckend, aber auch an so einem Ort darf eins nicht fehlen: ein Wasserkraftwerk :laughing:




Auch im Fjord gab es wieder Seeadler.


Der Tourguide hat während der ganzen Fahrt viele interessante Einblicke in die norwegische Geschichte, Landschaft und Gesellschaft gegeben. Am Anfang hat er die meisten markant sichtbaren Berge benannt, inklusive ihrer Besonderheiten. So konnte man bis zu einer Insel direkt vor Bodø schauen, welche die Stadt vor dem rauen Meer abschirmt.

Bei der Rückfahrt zum Hafen von Svolvær sah man dann bis zur Südspitze der Lofoten.

Diese war dann auch unser weiteres Fahrtziel, denn nach der Schiffstour ging es mit 100 % im Akku voll geladen los Richtung Moskenes, wo sich ein Campingplatz direkt neben dem Fährhafen befindet.
Auf dem Weg dorthin wollten wir eigentlich noch bei einem beliebten Surferstrand anhalten, aber es kam mal wieder anders als geplant :wink:
Bei der inoffiziellen Umfahrung von Leknes (ausgebaut wie ein breiterer Feldweg) nahmen wir noch eine Anhalterin aus der Schweiz auf. Sie wollte nach Reine, das ist eine Ortschaft vor Moskenes, wo sich der Fährhafen befindet. Während der Fahrt gab sie uns einige wertvolle Tipps, unter anderem ein Fischburgerrestaurant kurz vor Reine und die Besteigung des Reinebringen, dies ist der Hausberg von Reine. Diese hatte sie für den frühen Abend auch noch geplant.
Wir ließen sie somit in Reine raus und nahmen ihren schweren Gepäckrucksack mit zum Campingplatz, dort wollte sie ihn später wieder abholen kommen.
Wir fuhren dann zum Campingplatz und bauten unser Zelt auf, anschließend entschieden wir uns für den Besuch des empfohlenen Fischburgerrestaurants (welches wirklich sehr leckere Fischburger macht!), das eine interessante Innenausstattung besitzt :wink:

Anschließend wollten wir ebenfalls auf den Reinebringen hinauf. Der Parkplatz am Ortseingang von Reine hatte sich mittlerweile geleert und wir starteten von dort aus unsere Tour. Der sehr beliebte Weg wurde vor einigen Jahren von Sherpas neu gebaut, wir waren dann aber doch überrascht, dass der Weg nun aus ca. 1800 Naturstein-Treppenstufen bis kurz vorm Gipfel bestand :sweat_smile:
Die 500 Höhenmeter Aufstieg haben wir in ca. 40 Minuten bewältigt, oben angekommen ist die Aussicht wirklich überragend.



Nach einigen Minuten am Gipfel kam uns dann die Anhalterin von zuvor entgegen und wir plauderten noch eine Weile dort oben. Sie ist noch spontan zu einem Nachbargipfel gewandert :smile:
Wir sind anschließend zusammen abgestiegen, im Laufschritt waren wir in ca. 20 Minuten wieder unten. Ich weiß jetzt aber auch, dass Treppensteigen nicht nur bergauf anstrengend sein kann…

Da wir sowieso dasselbe Ziel hatten nahmen wir sie wieder mit und fuhren zusammen zum Campingplatz. Sie war äußerst dankbar für die zweimalige Mitfahrgelegenheit und wir für die tollen Tipps von ihr :smile:

Anschließend haben wir auf dem dortigen Campingplatz übernachtet, welcher eher auf Masse statt Klasse ausgerichtet ist. Es ist der einzige Platz ganz im Süden der Lofoten, der nächste folgt erst ca. 30 km weiter nördlich, und hat mit seiner Lage direkt neben dem Fährhafen einen Standortvorteil. Allerdings lässt das Ambiente hier zu wünschen übrig und an vielen Stellen des Platzes roch es unangenehm nach Toilette, wenn der Wind vom Meer her wehte. Man will gar nicht genauer wissen woran das liegt.

Immerhin war auch hier die Aussicht gut.

Heute morgen hieß es dann wieder früh aufstehen, um die 7 Uhr Fähre nach Bodø zu bekommen. Am Fährhafen angekommen stand mal wieder nach unserer Fähre eine 9 Uhr Abfahrt auf der Tafel, welche online gar nicht zu finden ist und eigentlich erst ab dem 24. Juni fahren soll.
Als dann der Kontrolleur zu unserem Auto kam gab es kurz Verwirrung, ich hab wohl aus Versehen die 10.45 Uhr Fähre gebucht. Die gibts aber laut dem System des Kontrolleurs gar nicht. Das war ihm dann auch zu blöd und er hat uns einfach aufs Schiff gewunken. Glück gehabt, hier in Norwegen ist das schön unkompliziert, ich möchte mir das Theater an einem deutschen Hafen nicht vorstellen :sweat_smile:
Jetzt sitzen wir müde auf der Fähre nach Bodø und wollen nachher noch einige Kilometer fahren. Es ist Regen in Sicht, wir sparen uns wohl die Küstenstraße und nehmen lieber die E6, um Kilometer zu schaufeln (soweit das mit 60-90 km/h eben geht :wink: )

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Danke für den tollen Bericht, die Bilder und den Tipp in Reine. Vielleicht werde ich dann auch so weit runter fahren und den Berg besteigen. Scheint ein echtes Highlight zu sein. Wo genau ist das Fischrestaurant? Koordinaten, oder Name?

Ich bin in drei Tagen auf den Lofoten. Fahre allerdings von Skutvik rüber, das ist nicht so weit und wenn ich richtig informiert bin, braucht man da nix buchen. Ist ein „normales“ Fährschiff d.h. Auto-Kennzeichen werden gescannt. Den Charger in Svolvær habe ich auch im Visier. Hoffe das klappt.

Anita’s Sjømat

Das geht auch bei der Fähre ab Bodø, allerdings kann es zu Ferienzeiten natürlich sein, dass die Fähre bereits ausgebucht ist. Ohne Ticket wird man erst draufgelassen wenn alle Vorbucher schon auf dem Schiff sind.

Ich schreibe übrigens demnächst noch die Fortsetzung bis zum Ende der Reise, war leider nicht so toll da Corona dazwischengefunkt hat…

Super danke. Bin gespannt auf die weiteren Berichte. Du fährst vermutlich in Norwegen zurück? Ich plane danach über Kiruna und Schweden zurückzufahren. Norwegen war ich schon und Schweden hat keine Maut :).

Wir sind schon seit ca. 2,5 Wochen wieder zu Hause, uns hat allerdings in der 3. von 4 Wochen des Urlaubs Corona erwischt. Wieder zu Hause waren wir beide wieder negativ, allerdings noch ziemlich k.o. :sweat_smile:
Wir sind dann weiter über Grong, Trondheim, Øyer (nahe Lillehammer) und Høyheimsvik nach Bergen zur Fähre zurück, dann Fähre nach Hirthals und zurück in den Süden gefahren.