Victron ESS: weitere PV-Anlage einbinden

Guten Abend zusammen,

ich habe eine PV-Anlage mit einem Victron ESS. Zusätzlich habe ich noch eine weitere PV-Anlage, die am AC-in sitzt und somit bei einem Stromausfall aus wäre.

Nun suche ich nach einer Möglichkeit, wie ich die Anlage am besten auf der AC-out-Seite einbinden kann.

Die Anlage hat 18 kWp und besteht aus 80 Heckert Solar NeMo 225:
Leerlaufspannung: 34,01 V
Kurzschlussstrom: 8,73 A
MPP-Spannung: 27,76 V
MPP-Strom: 8,16 A
Die Anlage besteht aus 4 Strings à jew. 20 Module.

Gibt es von Victron ein MPPT (48 V), mit dem ich die vier Strings anshcließen könnte (eine Neuverkabelung der Module würde ich mal ausschließen)? Ich habe auf der Webseite von Victron geschaut und festgestellt, dass es dort nur MPPTs bis 150 V Leerlaufsspannung gibt. Ich komme mit meinen 20 Module auf 680 V…
Habe ich das so richtig gerechnet? Habe ich einen Denkfehler? Was gibt es für eine Möglichkeit die Anlage auf der Gleichstromseite einzubinden?

Eine weitere Möglichkeit wäre, der Anlage einen Fronius-Wechselrichter zu verpassen. Diese Wechselrichter können in das ESS eingebunden werden. Ich habe hier zwar höhere Verluste, da es kein AC-System ist, aber die Umrüstung wäre relativ einfach.
Hier würde in meinen Augen der Fronius Symo 17.5-3-M in Betracht kommen. Da dieser „nur“ MPPTs hat, müsste man hier zwei Strings zusammenschalten (= Leerlaufsspanung: 680 V, Kurzschlussstrom: 17,46 A). Laut dem Datenblatt müsste dieser Wechselrichter funktionieren, oder?

Oder welche Lösung würdet ihr noch sehen, die Anlage auf der AC-out-Seite in mein Victron ESS einzubinden?

Viele Grüße
Roland

Ich hab bereits einen Symo 17.5 und spiele mit dem Gedanken, mir ein Victron ESS zuzulegen. V & F arbeiten hervorragend zusammen, bei voller Batterie im Inselbetrieb wird die Leistung der PV gar stufenlos zurückgenommen.

Problem: Der AC Wechselrichter darf nicht stärker sein als die Victrons (du brauchst deren 3, wenn du einen dreiphasigen WR bei Stromausfall weiter betreiben willst). Also reichen dir nicht mal 3 Stk MultiPlus II 5000, das wird teuer :roll_eyes: Sie nennen das 1:1 Regel, die Geräte gehen bei Nichteinhaltung kaputt, weil die Regelung nicht so schnell arbeiten kann.

Wie häufig habt ihr denn Stromausfall? Und reicht dir die PV am ESS nicht, um im Fall der Fälle 1-2 h den Kühlschrank weiter zu betreiben? Ich bin nämlich von der Nonplusultra-Lösung wieder einwenig weggekommen.

Was sicher Sinn macht, sind zumindest wenige Module an einem Victron MPPT und somit direkt am Akku, wegen Fähigkeit zum Schwarzstart. Aber unsere 2,5 kWp an der Fassade (die einphasig angeschlossen sind) reichen mir eigentlich um im Ereignisfall über die Runden zu kommen. Wärmepumpe ist dreiphasig, schade, aber nur dafür 5-8000 EUR mehr auszugeben?

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Hallo,

vielen Dank für deine Antwort und die vielen Infos.

Ein Victron ESS ist eine feine Sache. Stärke des Systems ist zum einen die nahezu unendliche Skalierbarkeit und die Flexibilität sowohl bei der Erstinstallation als auch mal bei Nachrüstungen.

Von der 1:1-Regel habe ich noch nicht gehört. OK. Das ist für mich wichtig zu wissen. Ich habe drei MultiPlus II 5000. Dann geht bei mir ein Wechselrichter mit 17,5 kW nicht.
Muss für die Einhaltung der Regel der AC-Wechselrichter kleiner als die Summe aller Victrons sein oder müssen die Wechselrichter kleiner als einer der Victrons sein? Müsste ich dann also zwei AC-Wechselrichter à 9 kW einsetzen oder quasi vier à 4,5 kW?

Die PV am ESS ist relativ klein mit ihren 6 kWp. Darum hätte ich meine große Anlage mit 18 kWp schon gerne irgendwie notstromfähig. Aber nicht um jeden Preis. Wenn es zu aufwendig wird, dann lasse ich das…

Das habe ich mir ja auch schon überlegt. Ich habe aber 4 Strings mit jew. 680 V. Da müssen die MPPTs von Victron passen…
Da kann ich nicht mal kurz einen String auf einen MPPT legen. Da müssten ich dann die Module auf dem Dach anders verkabeln. Und da steigt der Aufwand dann enorm.

Korrekt. Denn…

… genau das ist der Fall. Der Fronius speist ja immer gleich viel Leistung ein auf jeder Phase. Hab noch nie was anderes gesehen.

Also wenn ich schon drei Victron 5000er hätte; ich würd’s wohl tun und die grosse PV auch bei Stromausfall in Betrieb halten wollen sowie echten Dreiphasenstrom im Haus haben.

Was haben deine 80 Module / 4 Strings denn für eine Ausrichtung, zwei oder gar alle vier identisch? Falls nicht, bräuchtest du zwei 7er (oder einen davon den 8,2er), aber das macht das Projekt wieder unnötig teuer.

Mit 18 kWp brauchst du ja mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht den 17,5er, eher einen 15er, dann würde das ja gerade so passen mit den Victrons. Wir haben hier 10 kWp 30° ENE plus 13 kWP 20° WSW und zusammen (= 23 kWp) treiben die den 17,5er ganz selten vielleicht mal im kühlen Frühsommer oder kurz nach einer kühlenden Wolke an sein Maximum. Dafür läuft der WR ansonsten einen viel grösseren Teil seiner Betriebszeit mit besserer Effizienz nah am optimalen Bereich (hohe Auslastung) und die Preisdifferenz von 2-300 EUR gilt es ja auch noch aufzuholen in den ~15 Jahren.

Victron MPPT für alles kannst wahrscheinlich vergessen, die hören bei 250 V auf. Und kann dein Akku überhaupt ~20 kW direkt aufnehmen?

Was brauchst du denn, wenn der Strom ausfällt? Nur schon der Akku alleine sollte dich doch über die Runden bringen.

Infos dazu gibt es zahlreiche, z.B. hier oder hier. Zentraler Teil bei letzterem: „The same spike will cause the AC output voltage of the Multi to spike, as these two are directly related, and when the spike on the battery voltage is high and fast enough, the Multi can never regulate its PWMs down fast enough to prevent the spike on AC. This spike can damage the PV inverter, the Multi and also any connected loads and other equipment.“

Vielen Dank für deine Antworten.

Eben. So dachte ich auch. Alles andere wäre ein Kompromiss… :see_no_evil:

Die vier Strings sind alle auf dem Dach des Nebengebäudes. Ausrichtung ist relativ genau Süd, die Dachneigung beträgt 22°.
Die 6 kWp der DC-Anlage (Victron) ist an der Südfassade des Nebengebäudes (Süd, 90°).

D.h. ein 15er würde gehen? Wenn dann vom Dach aber mehr Leistung kommt, gibt er dann aber nur 15 kW ab? Oder würde er dann ganz abschalten?

Das wäre die schönste Lösung, ja… Aber dann müsste ich die Strings vom Dach komplett neu verkabeln. Das würde den Aufwand nicht rechtfertigen. Alle 80 Module neu verkabeln… Vermutlich will der Solarteur dann noch ein Gerüst zur Absicherung haben… usw…

Mein Speicher besteht aus 8 Modulen, die parallel verschaltet sind. Jedes Modul kann mit 62 A ge- oder entladen werden. Das gibt dann insg. 500 A bei 48 V (= 24 kW).

Ja genau. Der Akku bringt mich schon sehr weit. Aber in den trüben Monaten ist der auch relativ schnell leer. Und dann muss ich in (momentan) mit „nur“ einer Anlage mit 6 kWp wieder füllen… Das wird eng.
Dazu kommt noch, dass wir zum Heizen zwei Wärmepumpen (eine jew. im Wohn- und Nebengebäude) haben. OK. Im Notfall könnte ich die Wärmepumpe im Nebengebäude drosseln oder teilweise ganz abschalten…

Danke. Das schau ich mir mal an.

Nice.

Siehst du im Datenblatt: Max. PV-Generatorleistung (Pdc max) 22,5 kWpeak, an AC kommen halt max. 15 kW raus. Dabei geht nichts kaputt oder so.

OK. Prima. Vielen Dank für deine Hilfe. Dann wird es wohl ein 15er werden. Über 16 kW kommt die Anlage sowieso relativ selten. Das ist nur an ein paar kühleren Tagen im Frühjahr und Spätsommer der Fall. Da macht es den Kohl auch nicht mehr fett, wenn dann „nur“ noch 15 kW kommen.

Du wirst mehr Energie erzeugen damit, denn die abgesägten Spitzen zwischen 15 und 16 kW sind deutlich weniger, als das zusätzliche halbe bis ganze Prozent Verlust, das anliegt wenn man einen WR 95% des Jahres nicht auslastet.

Danke für die Info. Wenn man sich das überlegt, macht das schon Sinn. Nur habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht…

Das war dann vermutlich auch der Grund warum der Solarteur von knappen 10 Jahren für die Anlage mit 18 kWp einen Wechselrichter mit 17,5 kW eingebaut hat.

Victron hat durchaus MPPT Controller für mehr als 250V, zum Beispiel MPPT RS 450/100. Allerdings ist bei Victron tatsächlich die Strategie eher die Module parallel zu schalten auf der Eingangsseite. Wenn man nicht unverkabeln kann schwierig. 20 Module sind ja eher 800V Stringspannung.

450 V bringen mir leider auch nichts… Das ist auch noch zu wenig.

20 Module in Reihe mit jew. 34,01 V ergibt 680,2 V.

Hier in der Schweiz ist es üblich (unterhalb 800 m.ü.M.) den Faktor 1,15 auf diese 680 V drauf zu rechnen, macht also 782 V, da es an kalten Frühlingstagen auch mal mehr als die Normeinstrahlung sein kann, insb. bei so gut nach Süden ausgerichteten Anlagen wie deiner. Im Berggebiet sind’s sogar 1,25 wenn ich mich richtig erinnere. Mit Victron MPPT kommst du hier also nicht weiter.

Du brauchst also nur noch einen Fronius Symo 15 (Lieferzeit 6 Monate?) und hast anschliessend genau das, von dem mein Technik-Ich ab und an träumt :wink: Hast du auch Platz, wenn der grosse Blackout kommt, für das halbe Dorf bei dir? :wink:

Ja, da komme ich mit den Victron MPPTs gar nicht hin…

Also, dann schau ich mich mal nach einem Symo 15 um. Und ja, Platz hätte ich für ein paar Leute. Aber für das halbe Dorf wird es eng. 3.000 Leute bekomme ich nicht unter… :rofl:

Eine weitere Frage ist mir noch gekommen. Meine große Dachanlage ist auf der Seite des Netzbetreibers angeschlossen (AC-in). Die Ladestation meines Teslas ist auf der Hausseite (AC-out) angeschlossen. Ich habe dieses Frühjahr bemerkt, dass die Verlustleistung der Wechselrichter stark zugenommen hat, wenn ich meinen Tesla geladen habe.

Bildschirmfoto vom 2022-06-30 18-31-03
(Der Juni ist in der Grafik noch auf dem Stand vom 15. Juni - also nicht wundern.)

Es dürfte also die Verlustleistung wieder deutlich abnehmen, wenn ich die große PV-Anlage und die Ladestation auf der gleichen Seite anschließe, oder?

Hieraus folgt meine These, dass alles Strom, der durch die Wechselrichter muss, eine Verlustleistung nach sich zieht. Wie verhält es sich, wenn nun die große Dachanlage (18 kWp) auf der Hausseite ist und durch die Victrons ins Netz eingespeist wird? Werden hier die Verluste höher sein, als wenn die Dachanlage schon auf der Netzseite ist?

Ich dachte die Victrons leiten AC-AC unverändert durch im Netzbetrieb? Könnte auch eine merkwürdige Berechnung zugrunde haben das Ganze, kenne mich aber zuwenig aus.

Das habe ich auch gedacht. Aber das Diagramm oben zeigt eindeutig, dass in Monaten, in denen ich viel geladen habe, der Verlust größer ist.

Gerade habe ich meine Verbräuche usw. abgelesen. Darum hier zur Vollständigkeit noch einmal das Diagramm mit dem kompletten Juni.

Bildschirmfoto vom 2022-06-30 23-03-59

würde ich auch erstmal so bestätigen.
Verlustleistungen, fand ich bisher nur für den DC-AC Teil
https://community.victronenergy.com/questions/56351/multiplus-485000-efficiency-curve.html

In Deutschland rechnet man das auch darauf. Praktisch ist es mit den MPPT so, dass du kurze Straenge parallel schaltest. 2 Module in Serie MPPT 100/*, 3 in Serie MPPT 150 V, 5 in Serie 250 V, etc. Und dann halt 3-4x parallel.

Aber da der OP seine Module nicht umverkabeln moechte, geht nur die AC Loesung (die Victron bei hohen Leistungen ja auch empfiehlt).

Ich bin auf jeden Fall sehr interessiert, was hierbei rauskommt. Im Moment kann ich dir vielleicht beim einen oder anderen noch weiterhelfen @Rolando , bestimmt wendet sich das Blatt aber bald :wink:

Ein Victron ESS werde ich mir früher oder später wohl auch einrichten. Nicht primär der Ausfallsicherheit wegen, einfach um wie auch bei der PV einen Grossteil meiner Energiekosten auf Stand X einfrieren und damit kalkulierbar machen zu können. Solange das mit weniger Emissionen als die sehr tiefe Messlatte hier in CH geht, bin ich dabei.

Favorit bei mir aktuell ist ein einzelner MP II GX 3000 oder 5000, daran ausfallsicher die einphasigen Teile der PV (1 + 1,5 kWp Fassade) und ergänzt um 10-20 kWh aus SecondLife Tesla oder VW MEB mit BMS (JK simpel oder REC hightech) und wenn ich Lust hab, wenige Module via Victron MPPT direkt daran für Schwarzstart. Dreiphasige Verbraucher bleiben während Stromausfall aus.