Vehicle to Grid (V2G) und Vehicle to Home (V2H)

Ich würde sogar noch eins draufsetzen:
Was Ihr hier völlig außer Acht lasst, ist die wirtschaftliche Seite.

Man bedenke:

  1. Netzkosten
    62% des Strompreises entsteht durch Netzentgelte, Steuern u.ä. die (Achtung!) NICHT anfallen wenn der Strom lokal verbraucht oder ins Auto geladen wird.
    Strompreiszusammensetzung 2022: Strompreis einfach erklärt

  2. Gestehungskosten
    Die Gestehungskosten von PV-Strom liegen bei 11ct (kleine Anlagen) bis runter in den Bereich von 3ct bei größeren Anlagen.

Genau hier liegt doch ein ENORMES wirtschaftliches Potential!

Angenommen Dein Arbeitgeber hat Dachflächen frei, zB auf Werkshallen.
Er stellt da PV auf & verkauft Dir den Strom.
Es fallen KEINE Netzentgelte / Steuern an, weil „lokaler Verbrauch“.

Das macht eine Differenz von 2/3 zum normalen Strompreis die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen können.
Du lädst tagsüber auf der Arbeit Dein Auto, fährst abends Deine rollende Batterie nach Hause und versorgst Dein Haus damit.

Und der Verkauf an Dich wäre auch noch vor Einkommensteuer (geldwerter Vorteil).

Das wäre ein win-win-win für alle Beteiligten:

  • Arbeitnehmer: bekommt Strom für zB 1/3 des Preises
  • Arbeitgeber: kann ja gerne mitverdienen
  • Gesellschaft: Weil der Strom fürs Pendeln und das Haus erst gar nicht durchs Netz fließt, wird dieses entlastet - genau genommen bezieht der E-Auto-Fahrer nachher WENIGER Strom aus dem Netz als der Verbrenner-Fahrer!

Aber alles das braucht V2H / V2G - Funktionen im Auto.

Ich frage mich schon warum V2H in den Diskussionen hier im Forum, in der Gesellschaft insgesamt, in den Anforderungen an E-Autos und in den Beschwerden auch und gerade an Elon so wenig Priorität hat.
Mir scheint das wäre die eine Maßnahme, die in der Praxis am MEISTEN zur Netzstabilität beitragen könnte und das völlig ohne große, teure, langwierige Erweiterung von Infrastruktur.

Wieso gibt’s keine einzige für Privatnutzer erschwingliche Wallbox mit V2Home (ich will ja gar nicht „2grid“ fordern, 2 home würde ja fürs erste reichen)?
Wieso zahle ich 60.000 EUR für ein MY und so eine technisch einfache Anforderung ist nicht drin?

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tja, hast das falsche Auto gekauft.
Unser Hufschmied fährt einen Nissan NV200 mit einem Stromerzeuger den er in den Chademo Anschluss steckt und betreibt damit seine portable Schmiede.
Es wohnt in Belgien und konnte das einfach so kaufen. Nach dem Preis habe ich nicht gefragt aber es sagt es ist günstiger als seine alte Schmiede die mit Gas betrieben wurde.

In DE wird alles verhindert was mit E-Mobilität zu tun hat. Es wurden ja schon Autos von Tesla für V2G in NL benutzt. Ich weiß nur nicht was aus den Pilot-Projekten geworden ist. Die Autos von Tesla (IMHO Model S) sollten es aber können.

Das ist mir neu.
Kannst Du mehr verraten? Worum ging’s da, waren die speziell ausgerüstet? Könnte ein Tesla mit chademo-Adapter bidirektional (vorausgesetzt die wallbox kann es)?

Auf der „Automotive Week 2017“ wurde das Projekt vorgestellt.
Nun kann ich aber nichts mehr dazu finden. :frowning:

Finde nur noch ein Bild auf Twitter von der E-Parade.

V2G, V2H → V2x, was wird das… nix?

In meinen Augen ist das eine Phantomdebatte, die vom wesentlichen ablenkt. Warum?
V2x erhöht die Komplexität:

  • Zusätzliche Abrechnung (Eichung)
  • erhöhte Lade-/Entladezyklen (Degradation)
  • Technische Schwierigkeiten/Komplexität analog zum Balkonkraftwerk (Leitungsschutz, Personenschutz, etc.)
  • Angst vor „mein Auto wird leergesaugt“ - Auto ist nunmal emotional

V2x löst kein Problem im BusinessCase, schafft aber neue:

  • Wenn der reine Strompreis die Schalthandlungen regeln soll, dann gibt es zur vollen Stunde Regelkatastrophen, auch bei Preisänderungen im Minutenbereich, egal. Ein ähnlich gelagertes Bsp: Heizen: Programmierte Thermostate werden schwere Last für das Stromnetz | heise online
  • Die Erzeugung der Erneuerbaren schwankt nicht nur zeitlich, sondern auch geographisch. Der Börsenpreis hat aber keine geographische Komponente die kleinräumlich genug wäre
  • viele ältere Trafostationen sind gar nicht darauf ausgelegt, die Energieflüsse beliebig umkehren zu können (Primär- und Sekundärwicklung), sie müssten erneuert werden.
  • Die Verteilung der Last im Netz verändert sich durch die eMobilität räumlich sehr viel stärker und häufiger durch pendelnde Verbraucher, als die dies bisher bei vorwiegend stationären Verbrauchern der Fall war. Bei V2G würde sich auch noch die Speiseleistung räumlich verlagern. Der Stress auf das Netz würde nicht ab- sondern zunehmen!

Und die schöne Rechnung, dass ein Erzeuger von Erneuerbaren Energien Geld damit verdienen könnte, z.B. der Arbeitgeber, die geht leider auch nicht auf.

Dann braucht er einen Stromhändler oder müsste sich selber an alle Regularien halten. „Aus energierechtlicher Sicht wird der PV-Anlagenbetreiber zudem zu einem EVU im Sinne des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG)
Also muss das alles wieder gemessen werden, mit ZählerMiete, Umbauten in der Verteilung, etc. pp. → beliebig aufwändig.

nö, das geht auch deutlich simpler.
Vorüberlegung:

  • Jedes moderne Auto hat eine SIM-Karte, allein schon wegen des eCall.
  • Gibt es noch Autos ohne eingebautes Navi? Also weiß jedes Auto genau wo es ist (geolocation)
  • Netzbetreiber sind räumlich klar abgegrenzt.

These:
Würde eine ähnliche regulatorische Vorgabe gemacht wie beim eCall, dann könnte dem jeweiligen Netzbetreiber mitgeteilt werden:

  • dass in seinem Netz ein eAuto angesteckt wäre und ladebereit wäre
  • wie hoch der Ladestand ist
  • wie hoch der gewünschte Ladestand ist
  • wie flexibel der Fahrer ist, also in welchem Zeitfenster geladen werden soll/muss

Damit könnten die jeweiligen Netzbetreiber dann ganz kleinräumlich die Energieflüsse beeinflussen, bis hinunter in die 400V Ebene im Quartier.

  • Wenn die PV-Anlage, das Windrad um die Ecke liefert, dann Ladeleistung hoch.
  • Wenn ein Großverbraucher plötzlich einschaltet, dann Ladeleistung runter
  • Wenn eine Wolke vorbeizieht, oder die sprichwörtliche Sonnenfinsternis kommt: Ladeleistung runter.
  • mehrere Quartiere miteinander konzertieren um im Mittelspannungsebene gewünschte Effekte zu erzielen
  • usw.
    Und all das ginge sofort mit den verfügbaren Mitteln. Die Ladeleistung „nur“ der Erzeugung anzupassen ist um mehrere Größenordnungen einfacher, also die Energieflüsse auch noch umzukehren.

Mir will nicht in den Kopf, warum man das Einfache nicht zuerst umsetzt. Falls noch immer nötig, dann könnte der zweite Schritt anschließend folgen. :man_shrugging:

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Wäre das Allereinfachste nicht, die Autos als lokalen Speicher für PV zu nutzen?

Ist alles „fertig reglementiert” und würde zumindest bei den PV Anlagen Betreibern schonmal ordentlich zum Erhöhen des Eigenverbrauch beitragen.

Vielleicht wäre es auch an der Zeit davon abzurücken antiquierte Gesetze und Verordnungen zu „patchen“ und ein zeitgemäßes Regelwerk von 0 an neu zu entwickeln.

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Das wäre sicherlich das Einfachste, ja. In meinen Augen aber nicht ganz zielführend.

Im Sommer habe PV-Leistung im Überfluss. Da brauche ich mein Auto nicht als Speicher. Im Winter ist der PV-Strom sehr sehr knapp. Da bin ich mal froh, wenn ich mein Auto überhaupt über PV laden kann und nicht gleich alles in Hausnetz bzw. in meinen Hausspeicher geht.

V2H wird erst interessant, wenn die PV-Anlagen so groß sind, dass ein Einfamilienhaushalt vielleicht 50 kWp auf dem Dach hat und im Winter einigermaßen über die Runden kommt.

Damit wärst du im Sommer 100% autark und würdest dem Netz etwas gutes tun.
Im Winter zwingt dich niemand dein Auto als Speicher zu nutzen, dann deaktiviert man die Funktion einfach.

Ich bin der Überzeugung dass man von der typisch deutschen „nur die 100% Lösung zählt“-Mentalität weg muss, denn auch kleine Verbesserungen lohnen sich in Summe.

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Ich bin im Sommer zu 100 % autark…

Das ist richtig. Darum zählt jedes PV-Modul und auch jede kWh in Speichern.

Nur wäre halt in meinen Augen V2H nur in der Übergangszeit sinnvoll. Das wäre gerade mal im Oktober (vlt. auch September) und im März/April. Und wenn man mit dem Auto unterwegs ist kann es eben nicht geladen oder auch entladen werden.
Die meisten sind den ganzen Tags unterwegs und dann kann der Akku vom Auto nicht geladen werden und wenn man dann zu Hause ist, ist der Akku im Auto vielleicht gar nicht mehr so voll, dass er für V2H genutzt werden kann.

Wie ohne Speicher?

Ich habe einen stationären Heimspeicher.

Ich, ich…
Ich habe keinen stationären Speicher zur PV, aber 75kWh im BEV den würde ich gerne dafür nutzen. Steht ja zu 95% rum, und Zuhause ~80%.

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Das funktioniert dann halt nur, wenn dein Auto nahezu jeden Tag zu Hause steht. Wenn du tagsüber unterwegs bist kannst du den PV-Strom nicht ins Auto laden und nachts verbrauchen.

Wobei… Beim Arbeitgeber kostenlos laden und den Strom dann zu Hause verbrauchen, hört sich auch nicht übel an…

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Da würde der AG schnell ein Riegel vorschieben, wenn der Verbrauch zu hoch wäre.
Ja, das kommt bestimmt, günstig Strom laden, ggf. teuer einspeisen. Technisch, sogar abrechnungstechnisch durchaus machbar.
Die Stromzähler (PV, Wallbox) sind heute ziemlich genau.

wir haben 3 BEV und einer von denen steht immer zu Hause rum. :stuck_out_tongue:
Nur einer von denen kann V2x und hat auch eine Zulassung zum einspeisen (Leaf) aber nutzen kann man es nicht. Der Netzbetreiber findet immer wieder Gründe es nicht zu zu lassen.

Wir müssen da wohl warten bis das die hiesige Autoindustrie, in Absprache der Energieversorger, so weit sind das sie damit Geld verdienen können. Dann wird das kommen.

Z.Zt. wird bei uns ein Pumpspeicher geplant. Da steht V2G in direkter Konkurrenz. Da machen die Industriegesteuerten Politiker nicht mit.

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Und da sind wir wieder beim „Gründe suchen warum es nicht geht“.

Mein Auto hat 80kwh und ich könnte mehrere Tage zehren ohne Probleme, darüber hinaus gibt es Dinge wie Homeoffice etc.

Und du sagst es ja selbst - DU hast einen Speicher, viele andere nicht. Diese anderen haben aber ggf schon mind ein E-Auto vor dem Haus, warum also noch eine Batterie?

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Siehe oben:
Aufgrund der Tatsache dass 40% des Strompreises Durchleitungsgebühren und Steuern sind, wäre da ein Geschäftsmodell denkbar bei dem beide Seiten gewinnen.

Nochmal:
Wir fahren 70 kWh Batterien durch die Gegend und beschweren uns darüber dass die Stabilität des Netzes eine Herausforderung ist?!?
Das passt nicht.
Da läuft ganz grundlegend was verkehrt.
Eine Batterie ist der optimale Puffer um Stabilität in einem Netz zu VERBESSERN.

Nur passiert das derzeit nicht und es hapert an allen Ecken:

  • Es fehlen die richtigen Normen (für Typ 2-Verbindung noch nicht spezifiziert, nur chademo)
  • es gibt keinerlei Anreize vom Gesetzgeber
  • viele Autohersteller machen nix
  • Es gibt fast keine Wallboxen mit Wechselrichter bzw die sind ABSURD teuer.

Stattdessen fördern wir den Einbau von stationären Speichern.
Nix gegen die per se, aber so lange die weltweite Herstell-Kapazität für Akkus der Flaschenhals ist, so lange würde es mehr Sinn machen V2G- Autos und Wallboxen zu fördern als fest installierte Akkus, mit der Begründung dass jedes Auto auch ein Speicher sein kann, aber kein fest installierter Speicher mich zur Arbeit fahren wird.

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Hallo zusammen,

ich möchte mich garnicht wirklich in die Diskussion einbringen, denn ich habe den kalten Standpunkt, dass V2X sehr sinnvoll ist und definitiv ein absoluter Vorteil von BEVs ist und der Energiewende dient, sondern vielmehr auf einen anderen Umstand hinweisen:

Die „neue“ Regierung ändert den Kurs der CDU/SPD und V2X ist Teil vom Osterpaket.

Die Bundesnetzagentur kann nämlich künftig einheitliche Vorgaben für die Integration von steuerbaren Verbrauchern/Erzeugern in das Netz machen :+1:t2:

Bedeutet also im Klartext: Deutschland kommt dem Schritt zu Vehicle2Home und Vehicle2Grid deutlich näher - und das sind doch mal gute Nachrichten! :blush::ok_hand:t2:

Viele Grüße
Manuel

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Klingt interessant…

Wie kann ich teilnehmen? Was bedeutet das konkret? Verpflichtung, dass BEV V2x-fähig sein müssen? Verpflichtung dass wallboxen…

Weiß man schon irgend etwas konkretes?

Nein, sowas ist noch nicht bekannt.

Nächste Schritte sind nach meiner Einschätzung:

  1. Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Liegt schon seit paar Wochen bei Steinmeier zur Unterschrift…
  2. BNetzA entwickelt Vorgaben
  3. Energieversorgungsunternehmen entwickeln Produkte und Tarife

VG
Manuel