Tesla in Osteuropa

Danke für deine intensive Auseinandersetzung mit der für uns ungewöhnlichen Situation und der persönlichen Darstellung :exclamation:

Danke für den informativen Bericht Teekay. Belaruss hatte ich so noch nicht auf dem Schirm für eine Reise.
Gruß Siggy

Wie lief/läuft eigentlich die ganze Onlineverbindung des Autos ? Konnten die Karten oft geladen werden und war Onlinemusik möglich ?

Grüße René

Bis zur polnisch-belarusisschen Grenze gibts Internet in guter Qualität. In Belarus gibts zwar guten Empfang, aber mangels von Tesla gebuchten Roamings keinen Internetzugang im Tesla. Schlimmer noch: Das Navignon hat auch keine Kartendaten für Belarus, so dass auch die Offline-Navigation ausfällt. Hier sollte Tesla wenigstens die Option von kostenpflichtigen Kartendownloads anbieten, immerhin gibts von Navignon selbst Karten bis zur russischen Grenze.

Und mit externem Mobilrouter/Mobiltelefon mit Internet Sharing über Wifi gibt’s auch keine Onlinekarte?

Doch, das klappt natürlich immer. Aber Routenplanung geht dann trotzdem nicht, denn die läuft über Navignon und blendet dann nur die Route in Google Maps ein.

Mir wurde jetzt übrigens eine CEE rot installiert und ich kann statt mit 6A einphasig mit 10A dreiphasig laden - und die Spannung ist sogar noch 5V höher als vorher bei 6A einphasig. Theoretisch ginge sogar 16A, kurz getestet - aber niemand hier weiß, mit wieviel A der ganze Hausanschluss abgesichert ist. Die Sicherung hinter dem Zähler hat 40A - aber auf dem Zähler selbst steht nur „10-20A“.

@Teekay: Dem interessanten Bericht zu Folge, nehme ich an, dass du oder deine Freundin fliessend russisch spricht, damit man besser in Kontakt kommt.
Leider habe ich von den russisch stämmigen in D In den letzten Jahren immer den Eindruck, dass man sich mit „Muskelmasse“ schützen muss. Ist der Eindruck falsch?
Gute Fahrt, Conni

Also ich hab bislang noch keine Situation erlebt, in der ich mich hätte verteidigen müssen oder in der der Fortgang des Kontakts zu einer Verteidigungssituation hätte führen können.

Abgesehen davon, dass einen hier jeder bis zum Platzen mit Essen vollstopfen will, wenn man irgendwo eingeladen wird. Wenn man satt ist und sich die Teller auf dem Tisch leeren, wird nochmal alles nachgelegt, bis es aussieht wie zu Beginn des Essens.

Die bedrohlichsten Situationen entstanden bisher in Läden, in denen die Verkäufer in praktisch allen Fällen ein Gesicht machen, als wäre es eine extreme Belastung für sie, irgendetwas verkaufen zu müssen. :slight_smile:

Selbst die Polizisten sind alle freundlich gewesen - selbst an dem Tag, an dem ich versehentlich mit abgelaufenem Visum im Zug saß (hatte bei der Beantragung des Visums nicht bedacht, dass der spät abends abfahrende Zug erst weit nach Mitternacht die Grenze passieren wird). Das gab eine etwas längere Kontrolle und ich musste währenddessen den Zug verlassen - das war alles - danach konnte ich mit dem selben Zug weiterfahren. Übrigens damals komplett ohne Russischkenntnisse und ohne Englischkenntnisse auf Seiten der Polizei. Möchte nicht wissen, was in Deutschland bei einem de facto unerlaubten Aufenthalt geschehen wäre.

Bis jetzt hat auch jeder Polizist länger über den Tesla als über Pässe, Visa, Zollformulare oder Mautzahlungen reden wollen. Inklusive der freundlichen Bitte, mal rein interessehalber den Frunk anschauen zu dürfen.

Im Übrigen sind Belarussen nicht Russen.

Aha, danke, wichtiger Hinweis. Wieder was dazugelernt.

Danke, hatten überlegt im nächsten Jahr durch alle Länder Europas zu fahren. habe noch mäßige Russischkenntnisse aus Urzeiten…
Durch die einseitige Berichterstattung in den hiesigen Medien wurde in den letzten Jahren sehr viel Angst geschürt. Aber scheinbar ist das Auto ein interessanter Botschafter, der Grenzen überwindet…

Viel Spaß weiterhin, Gruß Conni

Ach so, noch zum Thema Essen: Als wir in Bialystok bei einem Polen laden kamen, wurden wir auch mit einem randvollen Tisch empfangen. Er hat schon vor drei Jahren eine CEE durch die Hauswand verlegt und in einem polnischen Verzeichnis eingetragen, obwohl er sich selbst kein Elektroauto leisten kann. Wir waren seitdem der erste Ladegast überhaupt. Den Kontakt hat freundlicherweise ein Pole im Goingelectric-Verzeichnis hergestellt.

Dass wir neben Strom auch noch Abendbrot bekämen, damit hatte ich nicht gerechnet und das war bis dato auch das erste Mal, dass ich bei einem privaten Ladehalt so empfangen wurde. Nach dem Anschließen des Autos rechnete ich damit, die nächsten Stunden arbeitend im Auto zu verbringen. Stattdessen wurden wir hinein gebeten und er, seine Frau und drei Kinder begannen, den Tisch mit immer mehr Essen vollzustellen. Und er war auch noch enttäuscht, dass wir nicht soviel geschafft haben - denn Zitat: Er habe extra noch Hühnchen vorbereitet.

Ihm genügte es dann , selbst den P85D gefahren zu haben - Geld wollte er für die 45kWh, das Essen und seine 5h Zeit keines.

Darum merke: Richtung Osteuropa ein paar Geschenke mitbringen für Stromspender.

Es hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil, in diesem Teil Europa’s am Steuer unterwegs zu sein: der Gastgeber fühlt sich nicht gekränkt, wenn man die Einnahme von Hochprozentigem mit dem Argument „ich muss noch fahren“ ablehnt :wink:

Ich mache mal einen Zeitsprung und fange mit dem Ende der Tour an. Den Zwischenteil gibts später.

Vorgestern gegen 10 deutscher Zeit fuhren wir los. Statt etlichen Stunden, wie man immer wieder liest, dauerte der Grenzübergang nur 30min. Vor uns standen nur zwei andere Autos. In Warschau haben wir das erste Mal bei RWE geladen. Drei von vier Ladeanschlüssen gaben nur 6A ab. Die RWE-Infrastruktur in Polen ist also zwar gratis, aber bei weitem nicht so potent wie in Deutschland.

In Lodz kam dann die Chademo-Ladung, die wie im Tesla-Unterforum beschrieben vom Chademo-Adapter nach einiger Zeit hitzebedingt gedrosselt wurde. Obwohl die Sonne schon sehr tief stand und nicht mehr brannte, wurden die beiden Stromkontakte im Adapter zu heiß. Eine Enttäuschung für mich.

In Poznan dann der GAU. Die Galactico-Säule, die laut Galactico bis zum 31.7. repariert werden sollte, war noch immer ausgeschaltet. Die Reparatur lief so ab, dass Galactico die Säule einfach von der Website löschte. Irgendwie glaube ich nicht, dass da nochmal was repariert wird. Von Volker.Berlins positiven Berichten inspiriert, fuhr ich zum Andersia-Hotel. Laden konnte ich dort nicht, weil der Mitarbeiter an der Rezeption keine Ahnung hatte und niemanden erreichte, der Ahnung hat. Ausgebucht war das Hotel auch noch.

Am nächsten Tag konnte ich dann in zweiter Reihe parkend laden. Hat dann inklusive Parken 45 Euro gekostet. Zzgl. 120 Euro für die ungeplante Hotelübernachtung. Das war die teuerste Ladung bisher - und ich kam erst um 16 Uhr wieder weg. Beim nächsten Mal ruf ich die zwei Polen mit CEE-Dose in der Nähe an.

Auf dem weiteren Rückweg wurde ich an einer Raststätte von einem deutschsprachigen Migranten angesprochen. Gut gekleidet, Audi A6 Fahrer, deutsches Kennzeichen. Ich ging davon aus, dass er wie üblich eine Frage zum Tesla hätte. Aber nein, er hätte seine Brieftasche verloren, sei Auto Importeur/Exporteur und brauche Geld für Benzin, das ich ihm bitte leihen möge. Angesichts seines gepflegten Äußeren, des Fahrzeugs und der überreichten Visitenkarte fand ich das nicht unrealistisch. Hätte er mir nicht noch sein Handy und seinen Goldring als Pfand in die Hand gedrückt, hätte ich die Story vielleicht sogar geglaubt. Als ich dann den Namen von der Visitenkarte im Browser eingab, hatte ich auch noch seine Goldkette in der Hand. Nachdem ich weiter auf das Laden der Google-Website wartete, machte er einen Rückzieher. Wenn ich ihm nicht helfen wolle, dann eben nicht.

Die Autobahn-Gold-Mafia muss ihr Vorgehen noch optimieren. Eine halbwegs gut gemachte Website gibts als Template für 35 Dollar. Eine Domain gibts ab einem Euro. Und schon hat er nicht nur eine Visitenkarte mit Namen, sondern auch eine Website, die das bestätigt. Dann müsste er auch nicht so aufs Tempo drücken beim „Gold“-Verkauf.

Hallo Teekay
Das klingt nach einer spannenden Tour durch Osteuropa! Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß dabei.
Ich lese öfters im G.E. oder hier Deine Threads & Kommentare. (btw: Vielleicht verschlägt es Dich mal zu unseren monatlichen Treffen anch Süddeutschland, würde mich fruen).

Bezüglich Goldmafia:
Den Fall hatte ich in sehr ähnlicher Weise vor ein paar Monaten sogar hier bei mir um die Ecke, im Wald zwischen ein paar Kuhkäffern. Daqs Gold wurde mir zwar noch nicht angeboten, aber der Rest genau gleich, Geld für Benzin, etc!
Ich glaube, das betreiben die mittlerweile richtig organisiert! (Ich habe dann als es mir zu unseriös und bedenklich wurde vollstrom gegeben und weg war ich…

Viele Grüße Daniel

Ich bin gutgläubig.
Daher zweimal drauf reingefallen (Nordhessen).

Hmm… Ich habe nie Bargeld dabei… Ausser 50ct fürn Parkplatz :slight_smile:
Kann mir dann wohl nicht passieren.

Gruss

Mario

„Geld für Benzin, das ich ihm bitte leihen möge“
So war es. Aber das nächste mal sage ich dem Betrüger „Dann kauf dir doch ein Elektroauto“.

In Belarus gibt es übrigens eine sehr interessante Regelung. Liegt die Temperatur zwischen 11 und 21 Uhr über 25°C, dann haben LKW über 6t Achsgewicht Fahrverbot (mit zahlreichen Ausnahmen für z.B. Busse, Tier-, Nahrungs- und Bautransporte). Das ist blöd für die Fahrer, nicht nur, weil Standklimaanlagen in den Trucks eher selten sind. Aber dafür gibt es selten ausgefahrene Fahrspuren im Asphalt, die dann bei Regen schnell zu Aquaplaning führen würden. Und natürlich muss die Straße dann auch wesentlich seltener repariert werden - Baustellen an Schnellstraßen (vergleichbar mit Autobahnen und Bundesstraßen in D) hab ich in drei Wochen keine einzige gesehen und trotzdem war die Straßenqualität sehr gut.