Reparatur der Batterie beim Model S 85 bei Korrosion der Platinen

Auf anraten von @Der-Kieler mache ich hier mal einen Thread zu meiner Batteriereparatur auf. Sinn ist es, das vorgefundene Problem für andere Sichtbar und auffindbar zu halten.

Ursprünglicher Thread:

Geschichte:
Ich bin in der Stadt an eine Ampel rangerollt, plötzlich keine Rekuperation mehr und der Wagen war nicht mehr fahrbereit. Alles funktionierte ausser dem eigentlichen Fahren. Also Warnblinker an und rückwärts in eine Parklücke gelenkt.
Danach kam der doppelte Reset ohne Erfolg. Der Anruf bei der Pannenhotline ergab, dass der Wagen eingeschleppt werden muss. Leider bin ich in der mitte Deutschlands, sodass es in jede Himmelsrichtung mindestens schonmal 150 km bis zum nächsten SeC sind. Da ich auf dem Weg zu einem Termin war, habe ich den Wagen erstmal stehen lassen und bin dann ca. 3 Std. später wieder da gewesen.
Ich war bereit den ADAC zu rufen und mich auf eine teure Reparatur vorzubereiten. Aber OH WUNDER, alles ging wieder, als ob nie was gewesen wäre. Ich bin dann die 30km nach Hause mit starker Beschleunigung, JoJo-Fahrten etc. zurück–> Nichts keinerlei Anzeichen eines Fehlers.

Fehlercodes:
Folgende Fehlermeldungen waren da:
GTW_w157 Leistung reduziert
GTW_w018 Energie des elektrischen Systems reduziert
BMS_f017 Wartung ist erforderlich
BMS_w017 Wartung ist erforderlich
DI_w127 Fahrzeug schaltet ab

Vorherige / Aktuelle Kontrollen
Die 12V Batterie habe ich nicht geprüft bisher, aber auch keine auffälligen Verluste oder Anzeigen bisher gehabt.
Die Massepunkte habe ich vor einem halben Jahr kontrolliert und konserviert.
Die HV-Batt prüfe ich regelmäßig über SmT und habe dort keine nennenswerte Zellunterschiede.
Laden an der heimischen Wallbox geht.

Bekannte Probleme
Mein Klimakompressor hat seit kauf einen Rückschlag im System, wie ein dumpfes knallen. Technisch aber bisher unauffällig.
Das Laden am SuC startet nicht immer direkt. Ab und an kommt die Fehlermeldung, dass es nicht möglich ist. Neu Anstecken hilft.

Tesla Lösung
Neue HV-Batterie für rund 20300€ - Angebot erstmal nicht angenommen.

Ich habe im englischsprachigen Forum über Kurzschlüsse in Bauteilen gelesen (z.B. Klimakompressor, Heizer), die zu solchen Problemen führten.

Angeboten wurde mir erstmal ein neuer 90er Akku.

Nach der spontanen Selbsheiliung lief das Fahrzeug erstmal problemlos. Laden am SuC etc war möglich.

Ich habe mal meine geloggten Daten des Nominal Full Pack aufgeschrieben:

Aktuell mit 752 ChargeCycles und 1/3 DC zu 2/3 AC.

Wie man sieht, gab es einen relativ großen Sprung zwischen Oktober und Februar. Aber da liegen auch einige Softwareupdates zwischen.
Weiterhin habe ich in dieser Zeit eigentlich nur von 20% auf 80% geladen.

Der Tauchsieder sollte gehen. Zumindest ist der Coolant heater beim Vorkonditionieren zur Anfahrt zum SuC auf 100% gegangen. Vorher war er bei 0% beim Start in der Garage.

Zum Start war die Batterie kalt mit ca. 8,5°C und einer CellDiff von 0,019V. Diese ging bei Fahren auf 0,1V und max. 0,2V.

Das ist nach dem Laden am SuC auf ca. 95% entstanden

So nun mal zu dem Ergebnis meines Problems.

Der TFF-User @Sparbine kontaktierte mich und sagte mir, dass es bei diesem Schadensbild (Fahrzeug geht nach 2 Stunden wieder) vermutlich nicht an der HV-Batterie liegt.

Viel mehr wurde ein Signal vom Drehzahlsensor in der hinteren DU vermutet. Ursache soll dabei Feuchtigkeit am Sensor gewesen sein.
Erklärt wurde es so:
In der flüssigkeitsgekühlten DU befindet sich ein Simmerring, der undicht werden kann. Daraufhin kommt Flüssigkeit in die DU, die bei hohen Temperaturen verdampft und sich als Kondensat am Sensor niederschlägt → der Sensor sendet falsche Signale, das System schaltet ab.
Trocknet es dann ab, läuft alles wieder.

Ich bin daraufhin nach Paderborn zu Matthias Röpke gefahren und wir haben den Sensor rausgeschraubt. Dieser war mit einer kristallinen Masse überzogen. Gereinigt und wieder verbaut. Fahrzeug lief danach wieder.

Zwei Wochen später hatte ich dann Zuhause eine unangenehme Überraschung:

  • BMS_u018 Maximaler Batterieladestand reduziert

Auslesen mit SmT ergab eine CellDiff von 0,3 V. Ein Modul (Nr. 5) war ausserhalb der Reihe.

Ich telefoniert mit Sparbine und wurde an Herr Braun, ViB Car Service in Berwangen empfohlen. Also Fahrzeug auf den Trailer gepackt und in den Süden verschickt.

Diagnose:
Feuchtigkeit in der HV-Batterie. Die Platinen an den Modulen waren teilweise korrodiert. Vermutlich durch schlechte Versiegelung mit dem Epoxyharz oder altersbedingt…
Alle Module wurden ausgebaut, überprüft und ggf. nachgelötet/die Elektronikteile ausgetauscht und neu versiegelt.

Der Drehzahlsensor wurde auch überprüft und war trocken. Einen Austausch des Simmerrings habe ich daher noch nicht machen lassen.

Mittlerweile bin ich mehrere Tausend Kilometer gefahren und es funktioniert alles einwandfrei.
Mein herzlicher Dank geht dort an @sparbine und Herrn Braun, die den Wagen wieder auf die Straße gebracht haben.

Vanja Katic von der EV Clinic Graz hat bei FB genau das gleiche Schadensbild auch gepostet.

Danke für die umfassende Dokumentation und ein Dank auch an die Menschen, die zur Lösung beigetragen haben.
Da macht das Forum wieder mal Sinn.

Klasse, vielen Dank auch von mir. Perfekt dokumentiert und bebildert.
Das wird viele interessieren. :blush:

Genau das Problem hatte ich im Mai. Allerdings erst einmal als Fehlermeldung, der Wagen lief aber trotzdem noch tadellos. Beim Termin im SeC wurde dann die Feuchtigkeit in der DU festgestellt und diese wurde sofort auf Garantie gewechselt. Einen Monat später wäre die DU aus der Garantie gewesen. Schwein gehabt.

Klasse!
Hat sich damit sich das defekte Modul und der reduzierte Ladestand erledigt?

Kannst Du die aktuellen Werte posten?

Super dass die Reparatur so geklappt hat und das Problem auch ohne HV Akku Tausch gelöst werden konnte.
Würdest du uns verraten was die Reparatur gekostet hat?

Danke für die Schilderung und auch Danke auch an User wie @Sparbine, die einem mit hilfreichen Tipps zur Seite stehen.

Danke auch von mir, für deinen ausführlichen Bericht, sehr interessant :nerd_face:

ich komm da, wenn ich mal kurz 150kW oder mehr Schub gebe, auf easy 0,5V CellDiff… reduziert sich dann aber rasch auf deine Angaben

Ich hoffe deine HV Batterie lebt noch lange :four_leaf_clover:
Lieben Gruss

Schön, das man es reparieren kann! Informatiiv auch der Preis für den neuen Akku.

Wie hoch waren denn die Reparaturkosten?

Vielen Dank für deinen super guten Bericht hier.

Ich hatte so ähnliche Symptome.
Bei mir war allerdings der Klimakompressor defekt/schuld.

So funktioniert ein gutes Forum! :+1:t2: :wink:

Das oben eingestellte Angebot für einen neuen 90er Akku finde ich interessant. Hieß es bislang nicht das gibt es für die 85er nicht? Und ein Abzug für den ausgebauten 85er Akku ist auch nicht aufgeführt oder steht das im Angebot weiter unten?

Gerne für alle die Informationen brauchen. :ok_hand:

Ich bin jetzt rund 4000 km gefahren und habe die 2022.12.3.16 drauf.

Heute morgen bei kaltem Akku mit 53%:
CellDiff: 0,013 V
Nominal Full Pack: 66,0 :cry:


Wobei ich fast nur SuC geladen habe seit der Wagen wieder da ist.

Gedauert hat die ganze Geschichte rund 2 Monate. Lag aber an mir, da ich mit der Rekoga am streiten war.

Gekostet hat es definitiv weniger als bei Tesla. Grob kann man von einem Viertel ausgehen.

Interessant.
Ich dachte dass der reduzierte nominal Wert auf eine durch Korrosion reduzierte Nominalspannung zurückzuführen gewesen sein sollte.

Dem ist anscheinend nicht so.

Das würde bedeuten, dass irgendeine Auswirkung der Korrosion eine nachhaltige Beeinträchtigung der Zellkapazität ist.
Nach 4000 km sollte eine ausständige Kalibrierung des BMS nicht mehr die Ursache sein.

Kann ich kaum glauben.
Kannst Du ihn mal runterfahren, auf 100% laden, und dann nochmals SMT Screenshots posten?

Danke

danke für den Erfahrungsbericht, aber wo genau gast den Akku reparieren lassen, EV Clinic Graz, finde darüber rein garnichts ?

Ein sehr ausführlicher und informativer Bericht, vielen Dank dafür.

Und ein weiteres Fehlerbild, welches man bei den alternden Fahrzeugen im Hinterkopf behalten kann.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hat die Firma VIB Car Service den BMS Print repariert. Sehr interressant. Kannst du zur Firma genaue Anschrift oder Website bekannt geben? Hab im Internet auf die schnelle nichts gefunden. Vielen Dank.

ja und so langsam habe ich das Gefühl es könnte sogar mehr Probleme als bei manch einem Verbrenner geben, naja der Entwicklungsstand der Technik ist beim 85D etc eben noch nicht ganz so fortgeschritten.

Das kann schon richtig sein mit den

Bei einem der letzten „Softwareupdate“ wurde leider wieder die Brickspannung auf 4,1Volt bei einigen Batterien gesetzt.

Bitte einmal voll laden und dann mit SMT auslesen.

Das kommt Dur glaube ich nur so vor.
Beim Verbrenner gibt es ein Vielfaches an Bauteilen und allein deshalb eine viel höhere Wahrscheinlichkeit, dass etwas kaputt geht.
Guck mal in Verbrenner Foren was da an Fehlern bei 10 Jahre alten Autos diskutiert wird. Ich glaube, dass Du dann Deine Meinung änderst. :wink: .