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Reisebericht: Mit dem Model S nach Israel und Jordanien

Hi Forum!

Nachdem meine Frau und ich letztes Jahr mit dem Model S in Moldawien waren, ich kurz davor in Portugal, Gibraltar und Andorra (von DeC zu DeC), und im Jahr zuvor am SuC Moskau (Link: externer Blog), musste für dieses Jahr wieder ein kleines Elektroauto-Abenteuer her.

Als ich so überlegte, welche interessanten, per Auto erreichbaren Ziele es noch so gibt, fiel mir ein, dass schon 2015 einige Supercharger in Jordanien gebaut wurden, und man diese doch mal besuchen könnte. Jedoch: Per Auto erreichbar? Auf dem Landweg müsste man durch den Libanon oder Syrien fahren, um in Israel oder Jordanien rauszukommen. War mir aber zu gefährlich. Und selbst wenn es nicht gefährlich wäre: Die Grenze Libanon-Israel ist geschlossen. Syrien-Jordanien ginge wohl, aber naja…

Bei der weiteren Recherche kam ich zu dem Ergebnis, dass es genau eine preiswerte Möglichkeit gibt, mit dem eigenen PKW in das gewünschte Gebiet zu kommen: Mit einem Frachtschiff. Genauer: Mit Grimaldi Freightercruises. Die italienische Schifffahrtsgesellschaft Grimaldi bietet auf ein paar Dutzend Frachtschiffen für Passagiere, optional zusammen mit ihren PKWs, die Möglichkeit, an Bord in einer der 5-10 vorhandenen Kajüten mitzureisen. Ein Entertainment-Programm gibt es nicht. Es gibt nur das Schiff, die Besatzung, deine Kajüte und du wirst 3x täglich mit Essen versorgt. Das ganze läuft unter „slow travel“. Für Leute die mal wirklich Ruhe haben wollen. Ideal, um all die Bücher zu lesen, die man sich über die Jahre angeschafft hat aber für später irgendwann mal in den Schrank gelegt hat. :slight_smile: Es gibt verschiedene Routen (PDF): Europa, Afrika, Südamerika, alles dabei. Für uns kam nur die „ADRIATIC SEA“ in Frage: in Monfalcone, Italien einsteigen und in Ashdod, Israel aussteigen. Die Fahrt sollte 7-8 Tage dauern. Klang gut! Noch nie gemacht, mal was neues. Man hätte bestimmt auch das Auto einzeln verschiffen können, aber so war’s irgendwie noch besser und man musste nicht fliegen, was der Umwelt zugute kommt. Aber es kam anders…

Los ging es am 21.04. in Frankfurt. Erster Übernachtungsstop war Innsbruck in Österreich. Was für eine schöne Stadt und Lage, wow!




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Deine Reise klingt sehr spannend und die Bilder zum Auftakt sind wunderschön. Aber was ist nun los, warte seit 4 min auf die Fortsetzung! :smiley: (Forumzeit hängt ne Stunde hinterher)

Wir haben Sommerzeit :wink:

Eberhard :slight_smile: Ich muss doch erstmal tippen und die Bilder zusammenstellen. Das entsteht hier alles Stückchenhaft…

Das Schiffchen sollte am 24.04. in Monfalcone ablegen, so dass wir noch 2 Tage Zeit hatten. Wir besuchten daher kurz Verona und Venedig, und die Supercharger auf dem Weg dahin, und zwar alle. War zwar ladetechnisch nicht nötig, aber ich wollte sie mal (wieder)sehen. :slight_smile:

SuC Brenner:


SuC Trento:


SuC Affi - hier spricht mich ein Italienier an, in irgendeiner Mercedes-/Audi-Limousine mit deutschem Händlerkennzeichen… „Bellissima machina … do you want to sell this car“? :slight_smile:


SuC Verona - kein Bild gemacht. Verona am Abend:

Übernachtet in einem kleinen Hotel in der Nähe des SuCs Mogliano Veneto, dort kurz geladen (kein Bild), dann weiter nach Venedig:


Einmal im Leben gondeln - kann man machen.


Markusplatz


Garage San Marco, Tagestarif 32 EUR inkl. Strom. 2x DeC im EG und weitere in den oberen Geschossen. Als wir ankamen: Verbrenner neben uns. Als wir wiederkamen: italienischer P100DL mit rotem Tesla-T. Dann der letzte SuC in Europa: Palmanova (kein Bild).

Am nächsten Tag in Monfalcone…


…war es dann endlich soweit: Unser Schiff FIDES ist da! (Link bei Grimaldi (-> Class Spes). Ein „vehicles carrier“, ein Autotransporter. Wir hatten viele Fiat an Bord, aber auch Mercedes, Porsche usw… Die Fahrzeuge werden von A nach B über C transportiert. Ein festes System gibt es nicht. Eine feste Route auch nicht so richtig, wie wir in Kürze noch leidvoll erfahren werden. :slight_smile: Live-Tracking von FIDES bei marinetraffic.com: Link


Hier in der Ecke sollen wir für die nächsten Tage erstmal bleiben. Später muss ich eine Etage höher parken, weil grosse LKWs an Bord kommen und man auf Nummer sicher gehen will dass unserem Auto nichts passiert.


„Limit for Passengers“ hinten rechts. Weiter soll man nicht. Der maltesische Kadett begrüßt uns freundlich an Bord… This is your cabin… outside you have a bench for your use… that’s it… have fun. :laughing:


Die Autos werden bis nachts um 03:00 Uhr abgeladen/rausgefahren… bis zu 3000 Stück passen auf das Schiff. Das dauert ein bisschen. Direkt unter dem obersten Deck liegt unsere Kajüte - Schlafen nicht möglich - aber ich habe Ohropax dabei :slight_smile:


Unsere Kajüte.


Die Besatzung ist 25 Mann stark. Hälfte Bulgaren, Hälfte Philippinos, zwei Maltesen. Hier der Ess- und Aufenthaltsbereich für die Bulgaren und Maltesen. Die Philippinos haben ihren eigenen Bereich. Der Kapitän ist ein junger Typ, ebenfalls Bulgare.


Gegessen wird 3x pro Tag: Um 09:00, 12:00 und 19:00 Uhr. Und was für Portionen! Wir haben echt schwer zu kämpfen, wollen ja niemanden enttäuschen. Einmal lassen wir etwas Schinken übrig und der Koch fragt gleich, ob etwas nicht in Ordnung ist. :laughing: Wir sitzen und liegen nur rum, verbrennen keine Kalorien. Die nächsten Tage werden hart - wir werden gemästet :slight_smile: Hinten rechts unser Tisch. An dem grossen Tisch sitzt die Besatzung. Selten alle zur selben Zeit, insbesondere wenn man irgendwo vor Anker liegt, dann wird viel gearbeitet und man sieht zeitgleich nur 1-3 Personen essen.


Das Schiff liegt je Hafen ca. 18-22 Stunden dort. Am nächsten Morgen ging es endlich los!


Erste Langeweile?! Irgendwie muss man sich ja beschäftigen…


Wir erfahren, dass wir nach Ravenna müssen. Kein Problem, liegt ja so halb auf dem Weg. Doch am nächsten Tag dann die Meldung: Wir fahren zurück nach Venedig. Das liegt nördlich von Ravenna, also total ineffizient. Dann die nächste Meldung: Wir müssen nach Venedig nochmal zurück nach Koper, Slowenien. Das liegt quasi direkt neben Monfalcone, dort, wo wir eingestiegen sind. :laughing: Und dann noch ein Nachschlag: Wir fahren nicht direkt via Piräus (Griechenland) nach Ashdod, so wie es angekündigt war, sondern vor Ashdod wird noch in Alexandria angelegt. Neeeeiiiin. 5 Tage Verzögerung. Damit ist unsere ganze Zeitplanung hinüber. Schnüff!


Ich total gefrustet. Muss erstmal eine Weile überlegen, was wir jetzt machen sollen… meine Frau, angestellt, hat nur für einen bestimmten Zeitraum Urlaub genommen, und mehr Urlaubstage hat sie für dieses Jahr nicht mehr.

Das Essen ist reichhaltig. 3x täglich mindestens so eine Portion. Good luck. :slight_smile:


Venedig mal von einer anderen Seite:


Andocken:


Koper, Slowenien:

Top. Danke fürs teilen.

Sehr schräge Reise :laughing:
Bin gespannt wie‘s weitergeht auf der Knast-Aida…

Wir klären mit dem Kapitän ab, dass wir das Schiff am nächsten Morgen in Koper verlassen dürfen, und unser Auto alleine weiter nach Ashdod verschifft wird, wo wir es abholen werden. Diese Maßnahme ist erforderlich, damit wir ein bisschen was von Israel ansehen können, sonst klappt es zeitlich nicht. Nicht aber, bevor wir mit dem Schiffskoch, der uns nach 4 Tagen ein bisschen in sein Herz geschlossen hat, zum Abschied noch ein paar Bierchen trinken. Ein lustiger Typ!


Aussteigen in Koper. 4 Tage nachdem wir 30 km Luftlinie entfernt in Monfalcone eingestiegen sind. War also eine nette Rundreise -facepalm- :laughing: Eigentlich hätten wir jetzt schon in Griechenland sein sollen. Aber Grimaldi trifft keine Schuld. Man muss mit sowas rechnen. Alles hängt von der Ladung ab. Wir wurden vorgewarnt. Zitat Grimaldi: „2 things are certain in life, 1 of this is the uncertainty of arrival and departure of a cargo ship.“


FIDES links in blau. Wir sehen uns wieder…

:smiley:
Mit dem Taxi und einem kleinen Teil unseres Gepäcks, der Rest ist im Auto geblieben, fahren wir von Koper die 60 km nach Monfalcone… Deja-vu…


Da wir jetzt wieder Zeit gewonnen haben die gefüllt werden will, beschliessen wir, von Triest über Rom zu fliegen…
(Bild: C-zero @ Rom Flughafen)


…und uns 2 Tage lang Athen anzuschauen…





…und dann weiter nach Tel Aviv, Israel…

Tel Aviv - das Amsterdam des nahen Ostens


Old Yaffa (Link)



Schwebender Orangenbaum (Link)

Vielen Dank, für Deinen tollen Bericht.
Gleich abonniert!

Auch ich sage Danke.
LGH

Dann mit dem Bus ins 70 km entfernte Jerusalem mit kurzem Besuch in Bethlehem, Grenzübertritt nach Palästina erforderlich, aber per Taxi kein Problem…

Jerusalem


Klagemauer


Real Musk


Der Salbungsstein @ Grabeskirche. Hier soll der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sein.

Scarf Return Station wenn man vom/ins arabische Viertel kommt/geht @ Klagemauer Jerusalem


Bethlehem. Kurze Story dazu. Taxifahrer bietet Pauschalpaket an: Fahrt nach Bethlehem und zurück und einen persönlichen Guide der einem die Geburtskirche erklärt. Ok, machen wir. Guide bringt uns in die Kirche, erklärt alles top, meint dann plötzlich: Hier stehen die Leute 4 Stunden in einer Schlange um den Geburtsort Jesu zu sehen. Ich habe hier gute Connections, wartet mal. Kommt 15 Sekunden später wieder, drückt uns zwei Gebetskerzen in die Hand und schiebt uns in eine Gruppe von Italienern rein, die gerade feierlich auf dem Weg zum Geburtsort sind. Er flüstert „Join this group!“ - Plötzlich stehen wir mittendrin und es wird hochheilig, drei schwarze Priester beten, dann beten alle, wir stehen wie bestellt und nicht abgeholt daneben. Nach 10 Minuten löst sich die Prozession auf und wir sind wieder „frei“. Der Guide freut sich, dass er uns das ermöglich hat und wir sind noch ganz baff weil alles so schnell ging. Auf dem Weg nach draussen ein Zwinkern in Richtung anderer Araber hier, einen Handshake da… jo, Connections scheint er wirklich zu haben. Schon beeindruckend irgendwie…

Unser Guide