Reifenwechsel: Nur einseitig aufbocken

Technische Begründung?

Einfach irgendwas behaupten ohne klar darzulegen wieso das so ist hilft absolut niemandem.

Bernhard

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ich nehme (sehr wenig) Kupferpaste…
(ob gut/schlecht, keine Ahnung… aber beim „über 10 Jahre“ alten Verbrenner, ist das lösen der schrauben zumindest noch möglich, …)

(PS ich bin der Meinung, der ERSTE der etwas behauptet (also dass man FET/ÖL verwenden soll) muss es auch belegen…)

Ja das lass ich gelten - für Leute die sich auskennen. Aber viele meinen dann „viel hilft viel“ und baden die Bolzen im Fett. Und das ist falsch. Deswegen gebe ich den Tipp Radbolzen nie einzuschmieren maximal mit der Drahtbürste abzubürsten um evtl vorhandenen Rost wegzubekommen. Und dann mit korrektem Drehmoment anziehen. Fertig.

Auch den Auflagerand der Felge ziehe ich nur mit Scotch-Pad ab. Rost muss weg sein und gut.

Ich würde ihn nicht einseitig Hochheben nicht das er umkippt !

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Ich zitiere mal den ADAC:

Radschrauben oder -muttern sollten keine Schäden aufweisen. Die Gewinde der Schraubverbindungen und die Auflageflächen müssen sauber und frei von Rost sein . Wenn nicht, eignet sich eine Drahtbürste zur Reinigung. Gewinde sollten grundsätzlich nicht geschmiert werden.

Aber macht wie ihr wollt…

Wie sagte der Hobbyelektriker im Krankenhaus:
Den gelb / grünen Draht hab ich 20 Jahre lang nicht angeschlossen, da ist noch nie was passiert :wink:

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Vielleicht kann uns Daniel @reifenreber.de ja etwas aus seiner Erfahrung zu dem Thema beitragen. Ich denke, er sieht die volle Palette von festgegammelt bis voll zugeschmiert mit Fett regelmäßig.

Ich kenne Reifen- und Autohändler die in unseren Breiten mit echten Winterverhältnissen minimal fetten. Der Toyota meiner Mutter kam neu direkt vom Händler mit gefetteter Radnabe, sogar mehr als ich für gut befinde.

Nur um das nochmal deutlich zu sagen. Es geht um winzige Mengen eines dicken fettes am Zentrierring und den Radbolzen. Sonst nichts. Das die Radnabe und Gewinde sauber sein müssen ist völlig klar. Gegen unsauberes Arbeiten hilft kein Fett der Welt.

Bernhard

Vielen Dank für Eure Antworten. Also kann ich ihn einseitig anheben. Immer wieder spannend finde ich, wie dynamisch eine solche Diskussion dann neue Schwerpunkte findet :smiley:

Vielleicht könnte ein Moderator hier aufräumen und das Thema schließen. Ich danke Euch und bleibt gesund :slight_smile:

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Radbolzen oder Radschrauben, allgemein alle Verschraubungen dürfen nicht gefettet oder geölt werden.

Für die, die einen technischen Hintergrund wissen wollen folgendes.
Die Auslegung für Schraubverbindungen erfolgt trocken. Da sind empirisch, über die Jahre ermittelte Beiwerte zur Auslegung in Form von Tabellen verfügbar. Durch den Einsatz von Öl oder Fett am Gewinde werden die Reibwerte reduziert und das Drehmoment, welches als Anzugsmoment eingebracht wird erhöht sich auf die Verbindung stark.

Wir haben im konkreten Fall bei den Radbolzen eine elastische Schraubverbindung, da wir hier stets elastisch verformen. Anderes Beispiel wäre beim klassischen Verbrennungsmotor eine Zylinderkopfschraube, die wird plastisch gedehnt. Deshalb spricht man auch oft von Dehnschrauben.
Wieder unser Fall, wir haben klassisch das Reibmoment im Gewinde und das Kopfreibungsmoment. Es ergibt sich ein Nutzdrehmoment, welches mir die erforderliche Spannkraft meiner Verbindungsstelle bzw. in der Schraube erzeugt. Lassen wir jetzt mal noch klassische Dinge wie Selbsthemmeffekte weg, die eher wichtig sind in der Frage wann sich eine Verbindung löst, bin ich beim Anziehen der Radmutter. Bei der Montage wird der größte Teil des Anziehdrehmoments aufgebraucht zur Überwindung der Reibung in Schraubenkopf bzw. Auflagefläche und zwischen den Gewindeflanken. Wenn jetzt jemand hin geht und die Reibung durch Einsatz von Schmiermittel jeglicher Art um ein Vielfaches reduziert, muss man nicht mehr so viel Moment zum überwinden der Reibung aufbringen. Das führt dazu, dass ich mehr Klemmkraft erzeuge.

Also auch klar, warum erst mal nicht einfach so das Rad abfällt. Es ist eher anders herum, du überlastest die Verbindung. Wenn du Pech hast, fügst du somit dauerhaft eine Schwachstelle ein und bei noch mehr Pech reißt irgendwann was ab. Mehr will ich jetzt nicht ins Detail gehen.

Quelle bin ich selbst. Ich bin Ingenieur und verantwortlich für genau solche Themen im Chassis bei einem großen Automobilhersteller in der Entwicklung.

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@Paddy Gestatte einem Nicht-Techniker mal eine Frage zu deinen Ausführungen:
Wie sieht es Deiner Meinung nach dann mit dem guten, alten WD40 aus.
Dies ist ja an sich kein Gleitmittel sondern dient der Verdrängung von Wasser ( Daher auch die Bezeichnung WD = Water Displacement ) und meinem Verständnis nach auch der Vorbeugung gegen Rost?
Kann dieses Mittel hier gefahrlos angewandt werden?

Sorry für OT

Nein, da eine Änderung von dyn. Reibungskoeffizient auftritt. Das kann man auch im Datenblatt von WD40 nachlesen. Dort wurde der Nachweis geführt:
„Getestet mit zwei aufeinander liegenden wärmebehandelten 4340-Stahl-Proben
mit normaler Oxidschicht, geschmiert mit WD-40 Multifunktionsprodukt“
Man sieht ganz klar, dass hier ein Effekt auftritt. Deshalb würde ich ebenfalls dazu abraten die Gewinde damit einzusprühen und unmittelbar danach die Schraubverbindung herzustellen.

Du kannst sicherlich bedenkenlos WD40 einsetzen, um verschmutzte Gewinde i.V.m. einer Drahtbürste zu reinigen. Man sollte aber darauf achten, dass kein Schmierfilm am Gewinde verbleibt. Also lange genug ablüften oder mit Bremsenreiniger o.ä. die Rückstände entfernen.

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Toll, wenn du das seit 15 Jahren machst, muss es ja korrekt sein…

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Danke für diesen ausführlichen Post!
Genau so kenne ich das auch und habe es auch so gelernt. Maschinenelemente war eines meiner Lieblingsfächer.

Ich habe jedoch auch irgendwann gelernt, dass Theorie und Praxis oft abweichen. Deswegen bauen wir ja auch Sicherheiten in unsere Konstruktionen ein.

In der Realität ist eine nicht zu lösenden Radmutter/Schraube jedoch ein sehr häufiges Problem. Als ich in Ungarn auf der Autobahn stand und mit mehreren Radmuttern kämpfen musste hätte ich mir gewünscht, dass irgendjemand den kleinen tropfen Fett auf das Gewinde getan hätte. Wenn man dann beim Losschrauben spürt wie das trockene Gewinde reibt und man das typische Knauern hört… Echt eine Erfahrung auf die ICH verzichten hätte können.

Ich werde meine Radbolzen auch in Zukunft mit meiner Bremsenpaste minimal antupfen. Bzw macht man das sowieso nur einmal denn das hält 10 Jahre wenn man den Bereich um die Radnabe bei jedem Wechsel schön sauber macht. Sauberkeit ist sowieso das um und auf bei so einer Flanschverbindung. Geht dann im Endeffekt wirklich nur um einen dünnen Film der der Korrosion vorbeugt.
Ich ziehe alle Radmuttern mit Drehmomentschlüssel an. Nicht wie viele mit einem Schlagschrauber auf töten gestellt oder stehend auf einem Radkreuz. Ich habe noch nie einen Stehbolzen gedehnt geschweige denn abgerissen. Weder M12 noch die massiven M14. Dazu braucht es auch weitaus mehr als die Werksangabe für das Drehmoment plus ein bisschen Fett.

Muss halt jeder für sich entscheiden. Bin sicher hier auch nicht der einzige der solche Erfahrungen gemacht hat, vor allem unter den Vielfahrern wo die Autos auch im Winter sehr viel Salz sehen.

Klar besteht eine Gefahr wenn man fettet und dann wie ein Wahnsinniger die Schrauben anknallt. Man muss halt wie bei allen Arbeiten an sicherheitsrelevanten Stellen mit Hirn agieren.

Bernhard

Ich habe mir extra einen flachen Wagenheber geliehen, der dann auch zu hoch war… :grimacing:

Aber so ging es dann:

Tja wer das T „tieferlegt“ muss eben auch den Wagenheber anpassen…

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Auch eine gute Hilfe.

Bernhard

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besser hätte ich es nicht erklären können - super :+1:t3:

Wohin soll er denn umkippen @Heizi? Einmal übers Dach auf die andere Seite?
Das einzige Risiko bei einseitigem (ein-eckigem) Anheben ist dass der Heber zur Seite wegrutscht un das Auto wieder runterkommt. Je nach Lage rollt es dann evtl. noch vor oder zurück. Drunterlegen würd ich mich nicht, aber seitlich Räder wechseln ist selbst im unwahrscheinlichen Fall ausserhalb des Gefahrenbereichs.

:rofl: :man_facepalming:

@Heizi hat doch Recht. Wenn man ihn weit genug hochhebt auf einer Seite kippt er um. Ob er es bis auf das Dach schafft oder auf der Seite liegen bleibt? :thinking:

Man :woman_facepalming:t3:
Das war dich ironisch gemeint :joy:

PS
Die Ossis haben den Trabi zu Reifenwechseln immer auf die Seite gelegt

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Bei dem tiefen Schwerpunkt denke ich, dass er einfach wieder zurück auf die Räder fällt.
So wie dieses Model X:

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