PV-Anlage Leistung gedrosselt (70% Regelung hart/weich)

Moin moin,

im September letzten Jahres ist unsere Photovoltaik-Anlage mit 9,3kWp endlich in Betrieb gegangen! :slight_smile: Zur Zeit noch ohne Akku, aber was nicht ist, kann ja noch kommen.
Die Anlage ist auf einem „Nahezu-Flachdach“ mit ca. 8-10 Grad Gefälle gegen Süd-Ost ausgerichtet und unverschattet. Es handelt sich um 27 Module von LG mit je bis zu 345W Leistung, die in der Summe dann theoretische 9300W ausmachen.

Nachdem es die letzten Wochen so sonniges Wetter hatte und die Sonne immer höher gekrochen ist, stelle ich mir die Frage, wann sich die Leistung der Anlage wohl dem Peak nähern könnte:
In der Mittagszeit, d.h. zwischen 11.30 bis 14 Uhr, haben wir eine konstante Einspeisung von 6300W. Details im beigefügten Datenblatt des Wechselrichters.
Mir scheint, dass da 1/3 an Leistung fehlt (6300 von bis zu 9300W). Natürlich haben wir noch nicht Hochsommer.
Ich finde es jedoch merkwürdig, dass die Leistungskurve nicht wie sonst eine Glocke darstellt, sondern zur Mittagszeit eine Gerade ohne Anstieg/Gefälle.

Kann jemand aus der Region Hamburg oder Norddeutschland möglicherweise mit einigermaßen vergleichbaren Werten weiterhelfen?
Ich hoffe aus dem beigefügten Bild gehen ein paar mehr Details hervor.

Danke für euren Input :slight_smile:
Georg


Welcher WR ist verbaut?

Kann es sein, dass die harte 70% Regelung gewählt wurde?

(Bin selber nur Laie und plane eigene PV)

Ich denke auch das dies die 70 % Regelung ist: 9,3 * 0,7 = 6,5 kW

Der 2fache Knick sieht echt seltsam aus, als wäre bis dahin doch irgendwo eine Verschattung oder so, aber das erklärt den zweiten Knick, wo die Kurve dann endlich die vernünftige Sinus-Form bekommt, auch nicht richtig.
Daß die Kurve oben abgeschnitten ist (also konstante Leistung von 11.30 bis 14 Uhr) kann ich mir nur damit erklären, daß der Wechselrichter hier bereits am Limit ist und nicht mehr erzeugen kann. Das kenne ich von einem niederländischen Kumpel, der nach ein paar Monaten dann einen stärkeren WR eingesetzt hat.

Ein Flachdach ist sicherlich stärker von einem hohen Sonnenstand abhängig als ein schrägstehendes. D.h. Du müßtest im Juni noch deutlich mehr bekommen, vorausgesetzt, es ist dann nicht zu warm.

PS: Die Frage können Dir im PV-Forum bestimmt viele kompetentere Leute beantworten :slight_smile:

Die „Flachstelle“ ist ziemlich sicher die schon angesprochene 70%-Einspeisebegrenzung, die hier auch noch auf „hart“ ausgelegt ist, d.h. es wird der Eigenverbrauch nicht berücksichtigt. Und es ist wohl auch etwas konservativ eingestellt, wenn es nur 6,3kW sind.

Für „70% weich“ brauchst du eine Messung am Einspeisezähler, die mit dem Wechselrichter kommuniziert (z.B. einen ModBus-Zähler).
Dann kannst du die vollen 6,5kW einspeisen, auch wenn die PV-Erzeugung drüber liegt, da dein Eigenverbrauch erst noch abgezogen wird.

Im Hochsommer könnte die Flachstelle so noch größer/länger werden. Es relativiert sich aber etwas, da der Wirkungsgrad der PV-Module bei höheren Temperaturen (auch durch die Eigenerwärmung) etwas sinkt.

Probiere mal folgendes aus:
Wenn du wieder siehst, daß oben abgeschnitten wird, schalte einen fetten Verbraucher zu (>2kW für eine halbe Stunde). Die Sonneneinstrahlung sollte da konstant bleiben, damit man dann folgendes sehen kann:
Geht die Einspeisekurve nach oben, hast du 70% weich.
Bleibt sie bei den 6,3kW, hast du 70% hart.

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Hallo,

danke euch für die raketen-mäßig schnellen Antworten :smiley:.
Bei dem WR handelt es sich um einen Solax Hybrid X3 (oder X1, sehe gleich nach). --> solaxpower.com/wp-content/u … buchDE.pdf

Die 70%-Regelung war mir noch nicht bekannt.
Ich warte noch auf die Installation des Discovergy-Zählers. Würde dieser zu einer „70%-weich“-Regelung führen? Die Werte aus den beigefügten Diagramm stammen aus der App bzw. dem Monitoring-Portal des WR-Herstellers.

Nur aus Interesse:
Bedeutet das, daß in der Einstellung „Hart“ der Wechselrichter auch in der Realität nicht mehr als 6,3kW erzeugt, obwohl bis zu 9kW von den PV-Modulen kommen würden?
D.h. 30% der Module, die sich auf dem Dach befinden, wären in diesem Falle nutzloser, teurer Sondermüll?

Oder werden real doch 9kW erzeugt (und größtenteils eingespeist), dies aber nicht angezeigt, weil es für 30% keine Vergütung gibt?

Wir haben ebenfalls eine Ost-West Ausrichtung (11kWp)
Eine solche Ausrichtung wird nie über 90%
Peakleistung kommen, da nie alle Pannels gleichzeitig halbwegs optimal beschienen werden.
Die 70%-Regelung tut dann noch das Übrige dazu… Die Pannels sind aber bei weitem nicht nutzlos, denn der weitaus grösste Teil der Zeit läugt eine PV-Anlage weit entfernt von der Peakleistung (Winterhalbjahr bzw „graues Wetter) da ist jedes zusätzliche Pannel Gold Wert

@prodatron:
Der Wechselrichter erzeugt nicht mehr AC-Leistung, schmeißt den Rest weg (Wärme).
Die in den letzten Jahren errichteten PV-Anlagen dürfen max. 70% der Modulleistung einspeisen.
Oder du hast einen Rundsteuerempfänger (teure jährliche Gebühr).
Bei Volleinspeiseranlagen sieht es wieder anders aus.

Daher macht bei Eigenverbrauchs-Anlagen mit Überschußeinspeisung (die die meisten auf dem Dach haben dürften) ab 7kW Modulleistung bei Südausrichtung eigentlich nur 70% weich Sinn.
Wenn man Ost/West hat (oder gar etwas Nord wie ich), wird man so oder so selten bis nie an die 70% rankommen.

Danke für die Aufklärung! Das ist ja krass, da wird quasi gefo/ördert, daß man sich teuren ungenutzten Müll aufs Dach packt.

So krass würde ich es nicht ausdrücken, denn es betrifft ja „nur“ die Kappung der Leistungsspitzen.
Dennoch zeigt es mal wieder eindrucksvoll, welchen Schwachsinn sich der deutsche Gesetzgeber ausdenkt und sein eigenes Ziel konterkariert.
Gilt diese aberwitzige Regelung Eigentlich auch für die Windkraftanlagen? Da sprechen wir von ganz anderen Dimensionen. Und der Verkauf von Strommengen ins Ausland zu negativen Preisen spricht ja für sich…

Per se ist eine PV-Anlage kein Müll!
Dass sich der Gesetzgeber von den Pseudo-Strom-Marktakteuren (es gibt keinen echten Strommarkt, weil zur Teilnahme sehr hohe Hürden überwunden werden müssen) die 70/50% einreden lassen hat, ist allerdings genauso traurig wie der 52GWh-Deckel.
Aber wie immer im Leben: Wer sich vorher informiert, ist nacher weniger enttäuscht :laughing:
Man kann die Verluste durch technische Mittel reduzieren (Lastregelung, Speicherregelung) … bei einer Ost-West-Anlage sind die zu erwartenden „Verluste“ durch eine 70% Grenze bei 0-5%

Nachtrag: am 19.4.20 wäre bei mir ein Abregelverlust von 1,5 kWh entstanden (bei ca. 90kWh Produktion)… wurde aber technisch vermieden!

was ich noch dazu sagen kann: die peak-leistungen kommen (bei mir) immer nur in denjenigen zeiten zu stande, wo die sonne scheint, aber das wetter kalt ist :exclamation: in den übergangszeiten.
das war mir vorher so nicht bewusst. habs erst durch die eigene anlage gelernt.

liegt wohl damit zusammen, dass die substanz, kristalle, chemie, was auch immer dadrinnen ist in der pv :smiley: am besten bei kalten temperaturen + perfekte sonneneinstrahlung arbeitet und eben nicht im sommer.

bei mir:

  • übergangzeiten (frühling u herbst): 5,5 werden selten, aber immerhin erreicht.
  • sommer: 4.500W ist idR das max. selten 5.000W und nie den peak-wert.

Grundsätzlich werden die annähernd 100% ja super selten erreicht.
Wenn Du aber gerade zur Mittagszeit oft zu hause bist und die Möglichkeit hättest den Strom zu nutzen, z.B. indem Du den Tesla lädts, macht ein Umbau auf 70% weich sinn. Dann wird der Eigenverbrauch noch abgezogen und nur darauf geachtet, dass nie mehr als 70% Deiner Peakleistung eingespeist werden.

Der Unterschied zwischen der 70%-Regelung und einer 100% Regelung liegt bei 1-2% im Jahresertrag. Man kann seine Anlage auch gerne auf 100% auslegen lassen, dafür muß man dann aber einen Rundsteuerempfänger vom versorgen kaufen und montieren lassen. die Kosten dafür liegen bei grob 500€. Die Anlage müßte also nach aktuellen EEG-Vergütungssatz um die 250kWh mehr im Jahr produzieren.
Bei der 70%-Regelung profitiert man zusätzlich an dem unterdimensionierten Wechselrichter, was meist auch ein paar hundert Euro ausmacht.

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TOP! Damit ist alles gesagt! Offensichtlich gab es keine vernünftige Beratung oder es ist untergegangen.

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Ich würde auf jeden Fall auf 70% weich umstellen.
Das ist eine kleine Einmal-Investition und du wirst in die Verlegenheit, mal mehr als die 70% der Modulleistung einspeisen zu wollen, praktisch nie kommen.

Ich habe knapp 25kWp auf dem Dach, allerdings in alle 4 Himmelsrichtungen verteilt (Nord bringt auch bei 40° Dachneigung mehr als gedacht). Dazu eine 70% weich Einspeise-Regelung, paßt. Eine Abregelung auf 70% konnte ich bislang nur sehr punktuell sehen, kann ich so gesehen komplett vernachlässigen.

Die Maximalleistung meiner PV ist geringer als bei einer reinen Südausrichtung, dafür liefert sie aber über den Tag gesehen über mehr Stunden Energie. Im Hochsommer fängt es schon kurz nach 5 Uhr an und hört erst um 21 Uhr auf. D.h. Frühstück geht da meistens schon komplett mit eigenem Strom, selbst wenn ich keine Akkus hätte.

Super, vielen Dank an alle für die Klärung und die weiterführenden Antworten!
Ich werde mich direkt morgen mit dem Installateur in Verbindung setzen, um den WR auf die „weiche“ Regelung umkonfigurieren zu lassen.

:slight_smile:

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Wir haben auch eine Ost, West, Ausrichtung. Gefällt mir sehr gut, denn so verteilt sich die Energie viel besser über den Tag. Und in Deinem Fall könnte ein Akku natürlich auch helfen, den Strom zu glätten, also die Spitze zu nehmen, anstatt die Module einfach abzuschalten. Braucht dann allerdings noch etwas Management, oder Handarbeit, damit sich der Akku nicht schon morgens füllt. So könntest Du dann die Mittagsspitze fein weg puffern. Bei uns gab es zum Glück noch keine Begrenzung.