PV-Anlage auf dem Mehrfamilienhaus

Vor einigen Tagen war die Versammlung unserer Wohnungseigentümergemeinschaft. Es handelt sich um ein etwa 20 Jahres Haus mit etwa 30 Wohnungen in 3 Stockwerken.

Meine Ladestation und Unterstützung der E-Mobilität wurden positiv aufgenommen :slight_smile: und meine Anregung, über die Installation von PV nachzudenken, auch aufgegriffen. :slight_smile:

Jetzt habe ich angefangen, mich zu informieren, und bin erschrocken über die organisatorische und rechtliche Komplexität, die da auf einen zukommt. Ich fand bei meiner kurzen Recherchen sogar Stimmen, die geschrieben haben, PV-Anlagen im Mehrfamilienhaus machen nur Masochisten. :cry:

Das betrübt mich, dass wohl ein sinnvoller Beitrag zur Energiewende am lobby-korrupten Politik- und Regulierungssumpf scheitern soll. Bevor ich die Idee wieder beerdige, kann jemand vielleicht positive Erfahrungen beisteuern?

Meine Motivation ist, dass ich gerne meinen Fahrstrom lokal erzeugen (und mich unabhängiger vom Netz machen) möchte, und wenn er günstiger als aktuell 26ct/kWh ist, dann wäre das ein Plus. Die Motivation der anderen Eigentümer sind größtenteils Wertsteigerung des Gebäudes mit erhoffter langfristiger Rendite.

Moin!
Grundsätzlich kann es nur Eigenverbrauch geben, wenn Erzeuger und Verbraucher die identische Person sind. Da im Haus aber sicherlich jeder einen eigen Stromzähler hat, wird das schon einmal schwierig.
Der Stromverkauf an Dritte ist natürlich möglich, dann wird aber die EEG-Umlage fällig.

Bleibt eigentlich nur der Weg der Volleinspeisung. Bringt eine sichere Rendite über die nächsten 20 Jahre und spart Ärger mit Behörden und anderen Eigentümern.

Es sei denn er mietet die Dachfläche an. Dann klappt es auch mit dem Eigenverbrauch.

Sollte das mit der PV anlage nicht klappen versuche für deinen Ladeanschluss bei deinem Netzbetreiber einen Heizstromanschluss/Zähler zu bekommen. Da gibt es dann Strom ab 16 Cent pro kWh.

Ich habe auch vor, dieses Thema bei unserer nächsten Eigentümerversammlung zur Sprache zu bringen und bin deswegen sehr interessiert an den Lösungsmöglichkeiten.

Es gibt hier doch den ein oder anderen Spezi auf diesem Gebiet.

@aquaandreas : Habt ihr einen Hausverwalter, der ggfs. aus anderen Objekten Erfahrungen hat ? Ich werde unseren Hausverwalter vor der nächsten Versammlung mal interviewen bzw. seine Erfahrungen erfragen.

Unser Hausverwalter hat da keine Erfahrungen.

Und Heizstrom/Nachtstrom kommt doch wahrscheinlich aus Grundlast-Anlagen (Kohle/Nuklear). Da werde ich den Teufel tun auch wenn es günstiger ist. Ich zahle schon 3ct/kWh mehr für ordentlichen Ökostrom (naturstrom.de).

Wäre es Eigenbedarf, wenn die Eigentümergemeinschaft eine GbR gründet, und dann intern untereinander abrechnet? Ich hatte gehofft, auf solche Erfahrungen zu treffen.

Lohnt sich denn Volleinspeisung bei ca. 200qm Dachfläche momentan noch?

Grüße, Andreas

Moin!
Gemäß den aktuellen Aussagen von mehreren PV-Profis waren die Bedingungen in den letzten Jahren schlechter. Demnach lohnt es sich also auf jeden Fall.

Vorteil Schweiz: bei uns kann jeder Eigenverbraucher werden, der hinter dem Hausanschluss steckt, er muss nur sein Einverständnis erklären.

Die Schwierigkeit, die Miteigentümer von der PV zu überzeugen, besteht allerdings auch hier. Im ersten Anlauf bin ich schon mal gescheitert, jetzt versuche ich es nochmal.

youtube.com/watch?v=n6uy4OjFQLE

In welchem Land Europas steht Dein Haus?

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Service/Gesetzesvorhaben/mieterstrom-entwurf.html

Die Situation wird sich für PV auf Mehrfamilienhäusern verbessern und auch der Verbrauch im Gebäude finanziell lukrativer werden. Ich schlage vor, dass du nach einem Solateur in eurer Gegend suchst, der Erfahrung mit dem Bau von PV auf Mehrfamilienhäusern hat. Oder noch besser, eine BürgerEnergie Genossenschaft in der Region, die so ein Projekt durchführen könnte.

@eggerhd

Deutchland.

@stromer
@raven

Danke für diese Hinweise. Es gibt zwar wohl keine Bürgerernergie-Genossenschaft hier, aber zweit Orte weiter habe ich etwas gefunden. Werde ich mal kontaktieren,

Hi Andi,

Wo gibt es denn einen Heizungsstromtarif für 16ct/kWh?

Schöne Grüße

Ben

Ach, übrigens, „Mieterstrom“ ist der Fachbegriff für eine solche Anlage.

Wird von vielen Stromversorgern angeboten, z.B. auch dem Ökostrom-Anbieter Polarstern:

polarstern-energie.de/mieterstrom/

Oder der RheinEnergie in Köln:

rheinenergie.com/de/geschae … /index.php

Schöne Grüße aus Köln

Ben

Gibt es hier Vermieter, die Erfahrung mit Mieterstrom oder entsprechenden Alternativen haben?
Ich würde gerne das ganze mal durchrechnen und Planen, sowie anderen Miteigentümern vorstellen, falls es sich lohnt.

Fand dazu dieses Video ganz hilfreich:

Kurzfassung: Das offizielle Mieterstrommodell ist eher was für Idealisten. Es gibt aber alternative Wege, die durchaus interessant sind. Man erhöht z.B. einfach etwas die Miete und überlässt dafür den Strom den Mieter. Dann spart man sich teure besondere Zählereinrichtungen und einiges an Bürokratie.

Stimmt ihr dem Video zu?

Ohne das Video en Detail gesehen zu haben.
Mieterstrom funktioniert wunderbar.
Haben wir hier schon in ein paar (wenigen) Anlagen implementiert.
9 Wohnungen. 1 PV. 1 Akku. Und nur der klägliche Rest kommt vom Netzbetreiber.
Ihr braucht lediglich einen Betreiber der Anlage. Das kann zB die Verwaltung sein.
Die kauft entweder den Strom der PV oder betreibt ihn selbst. Dann ist der Strom lediglich ein Umlageposten wie heute schon die Heizung. Der Mieter zahlt es nicht mehr an die Netze sondern in die Nebenkosten.
Der selbst wohnende Eigentümer gleichsam an die Gemeinschaft. Abgerechnet wird nach tatsächlichem Verbrauch wie gehabt. Nur dass die Verwaltung eine Zeile mehr in Ihrem Excel sheet braucht.
Aber aus 9x Grundgebühr für jeden einzeln wird 1x Grundgebühr umgelegt.
Da kann die Verwaltung einen Teil davon bekommen und den anderen Teil legt man gegen den Strompreis.
2. Möglichkeit ist einfach das Dach für ein paar wenige € an einen Betreiber zu „vermieten“. Auch das erzeugt Erträge für die Gemeinschaft. Beides ist lukrativ. Und die Immo Werte/Preise gewinnen dadurch mehr als die Kosten der PV.

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Es gibt auch schon Anbieter auf dem Markt, mit denen man das zusammen verwirklichen kann. Habe mich aber selbst noch nicht damit beschäftigt.

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Das machen inzwischen viele Solarteure.
Wir auch.
Da ist kein großes Geheimnis dran.
Im Prinzip wechselst Du Deinen Stromanbieter von freier Auswahl auf Deine Eigentümer Gemeinschaft.
Damit fällt der Posten Stromrechnung weg und es kommt ein ähnlicher (etwas geringerer und 20 Jahre gleichbleibender bei gleichem Verbrauchsprofil) Posten in den Nebenkosten hinzu.

Gut, aber es ist ja auch eine gewisse Hardware notwendig. Müssen da nicht dann eigene Stromzähler montiert werden? Dann müssen natürlich auch die Mieter mitziehen. Da macht man dann den Bezug attraktiv, indem man etwas billiger anbietet als der billigste Anbieter am Markt.
Und die Version mit Speicher muss man sich natürlich durchrechnen. Auf jeden Fall wird ja trotzdem Bezugstrom anfallen und dafür muss man dann auch einen Stromliefervertrag abschließen. Dann muss man natürlich auch Rechnung schreiben, Erträge versteuern etc.
Wenn du solche Projekte in D schon durchgeführt hast kannst du vielleicht etwas dazu sagen welche Gebühren etc. beim Verkauf des Stroms an die Bewohner im Gegensatz zum Bezug aus dem Netz wegfallen.

Bei dem Mieterstrom gibt es im Prinzip 2 Möglichkeiten. Entweder man baut es so dass alle mitziehen „müssen“. Oder dass jedem Wahlrecht entsteht. Das ist eine Entscheidung der Eigentümergemeinschaft.
Beides ist aber prinzipiell möglich.

Technisch wird im Zählerschrank im oberen Anschlußraum entschieden. Entweder Strom aus EVU oder mit einem „privaten“ Zähler Strom aus der Gemeinschafts PV.

Abrechnung läuft dann je nach Modell. Entweder über einen externen Betreiber. Also ganz ähnlich der heutigen EVU Geschichte. Oder die Verwaltung übernimmt die Abrechnung im Zuge der Nebenkostenabrechnung. Genau so wie heute auch Heizung abgerechnet wird in Mehrfamilienhäusern.

Der Anreiz ist dass der Strom um ein paar ct billiger ist als der Grundversorger Tarif.
Die Abrechnung steuerlich macht die Verwaltung als sowieso Firma oder der Betreiber. Für den Endkunden ist das total egal.

Wir machen da beides. Aktuell kristallisiert sich der Weg.
Betreiber mietet das Dach zum symbolisch Preis. Baut dort PV. Eigentümergemeinschaft verpflichtet sich den Strom für 2ct unter Grundversorger abzunehmen. Abrechnung wie gehabt über den Betreiber der Anlage.
Als das schlüssigste Konzept heraus.

Technisch bedeutet es einen Umbau oder Neubau der Verteilung im Elektroraum.
Je nach Alter der Anlage.

Dazu kommt inzwischen eigentlich IMMER eine Ladelösung für die Gemeinschafts Tiefgarage. Dann bietet sich der Umbau der Verteilung in einem Rutsch an was Kosten für die Gemeinschaft spart.

Größter Anreiz und letzter Überreder für alle Skeptiker ist idR. Dass alleine durch den Aufbau der PV der Immopreis und damit der Mietertrag um mehr steigt als das was die PV pro Nutzungseinheit kostet.
Und damit fängst Du dann auch jeden.

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