Nordics-Roadtrip: 4 Länder, 12 Tage, 3.600km

Hallo zusammen,

meine Frau und ich sind zurück von unserer (zweiten) Hochzeitsreise, die uns von Berlin aus über Dänemark & Schweden nach Norwegen geführt hat, unserem eigentlichen Ziel. Zurück wieder über Dänemark Richtung HH und dann Berlin.

Die Fakten vorweg:

  • Fahrzeug: Model 3 LR (09/21) auf 19“ Sportfelgen
  • Gesamte Strecke: 3.667km
  • Ladevorgänge: 20 (davon 17 an Tesla-SuC)
  • Energie: 586 kwh
  • Verbrauch: 160 Wh/km
  • Ladekosten gesamt: €366,78

Die Stationen:

  • 30.05.: Berlin - Kopenhagen (über Rostock, Fähre nach Gedser)
  • 31.05.: Kopenhagen - Oslo (über die schwedische Westküste)
  • 02.06.: Oslo - (nahe) Jondal (AirBnB-Haus)
  • 06.06.: Jondal - Dirdal (AirBnB-Apartment)
  • 09.06.: Dirdal - Kristiansand
  • 10.06. Kristiansand (Fähre nach Hirtshals, Dänemark) - Hamburg
  • 11.06.: Hamburg - Berlin

Dazwischen nahezu jeden Tag Ausflüge in die Natur, zu Sehenswürdigkeiten oder in die Städte Bergen und Stavanger an der Westküste Norwegens.

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Bericht strukturiere. Jeder, der schon einmal in diesen Ländern unterwegs war, weiß, dass man darüber ganze Bücher schreiben könnte. Daher werde ich Kapitel und Themen benutzen und weniger chronologisch vorgehen. Am Ende dieses Berichts kommen dann ein paar Eindrücke und Impressionen, die ich fotografisch festgehalten habe, die aber nicht das erhabene und teils atemberaubende Gefühl widerspiegeln können, das man persönlich empfindet vor Ort.

Das Reisen allgemein:
Es ist eine Wohltat, mit einem Elektroauto durch diese Länder zu reisen. Durch die Tempolimits (in Norwegen 110 max, meist jedoch zwischen 60-90) findet ohnehin eine Entschleunigung statt, die durch die Natur noch verstärkt wird. Wer einmal mit einem leise surrenden Tesla im Sonnenuntergang entlang der Fjorde in Norwegen gefahren ist, das ruhige und glitzernde Wasser neben sich, dazu die mächtigen und von Bäumen gesäumten Berge über sich … es ist schwer in Worte zu fassen. Je nach Uhrzeit fährt man teilweise minutenlang alleine durch diese Buchten, einzig unterbrochen vom Plätschern der vielen Wasserfälle, an denen man ganz eng vorbeifährt.

Dazu fahren die Skandinavier auch anders. Alles ist entspannter, ruhiger, gelassener. In den Großstädten oder größeren Städten gibt es in den Stoßzeiten auch viel Verkehr und auch mal Stau und nicht alle halten sich brav an die Tempolimits, klar. Der Unterschied wurde uns in dem Moment klar, als wir dann gestern über die dänisch-deutsche Grenze bei Flensburg gefahren sind und nach wenigen Minuten ein erste Passat Kombi bei 130km/h einen Meter hinter unserem Kofferraum hing und drängelte.

Für den Verbrauch waren und sind die Bedingungen auf unserer Reise natürlich wie gemacht: das Tempo überwiegend zwischen 50-80, dazu Temperaturen zwischen 16-23 Grad, kaum harte Beschleunigungen notwendig. Der Gesamtverbrauch der Reise lag nach 3.667km bei 16,0 Kwh/100km - wenn man hier die knapp 900km abzieht, die wir davon in Deutschland bei Hin- und Rückreise abspulen mussten, läge der Verbrauch sicherlich noch einmal deutlich darunter.

Elektromobilität:
Mit einem Wort: Unglaublich. In Kopenhagen fiel mir die Tesla-Dichte (bzw. E-Autos allgemein) zum ersten Mal deutlich auf. Aber Oslo hat dann alles getoppt. Ich habe nicht gezählt, aber nach zwei vollen Tagen in der Stadt kann ich (unwissenschaftlich) behaupten, dass die Quote bei über 80% liegt. Das ging sogar so weit, dass ich mit meiner Frau ein kleines Spiel gespielt habe. Egal, wo wir waren in der Stadt. Einer von uns sollte von 10 bis 0 runterzählen und wetten, dass in der Zeit mindestens ein Tesla an uns vorbeifuhr. Fast immer hat das geklappt. Alle Modelle, alle Farben und Kombinationen. Und nicht nur Tesla: BMW iX, Mercedes EQS, Audi eTron, Polestar 2, VW ID4 … in Oslo sieht man alle Modelle, und zwar ständig. Nun gehört die Stadt sicherlich zu den reichsten Europas, aber mit dieser Dichte hätte ich nicht gerechnet. Sehr beeindruckend.

Aufgefallen ist mir in Oslo die sehr hohe Dichte an Pre-Refresh Model 3. Entweder haben die damals die erste Charge an Model 3 gekauft oder das sind viele gebrauchte aus Deutschland :wink: - Model Y-Dichte ist ebenso deutlich (!) höher als in Deutschland. Weiß dominiert als Farbe auch hier, allerdings dicht gefolgt von Midnight-Silver. Weiße Innenausstattung fährt da allerdings fast niemand. Die Hälfte aller Tesla ist jedoch entweder Model S oder Model X.

Die direkte Folge, die mich fast noch mehr beeindruckt hat: das Geräuschniveau in der Stadt. Das war fast surreal, als meine Frau und ich am ersten Abend so gegen 18 Uhr zum Abendessen aufgebrochen sind. Wir wohnten im Süden der Stadt, in der Nähe des Hafens in einem zugegebenermaßen schicken und angesagten Viertel. Es lief der normale Berufsverkehr und man hörte: nix. Wir sind nach einigen Metern beide stehengeblieben, schauten auf die zweispurige Straße und eine größere Kreuzung und beobachteten leise den Berufsverkehr. Das Gehirn spielt da fast nicht mit, weil wir aus Berlin bei ähnlichem Verkehr eine ganz andere Geräuschkulisse gewöhnt sind. Wenn zwischen den ganzen E-Autos dann doch mal ein Handwerker mit einem Diesel-Kleinlaster dabei war, fiel er umso mehr (und unangenehm) auf. Ein kleiner Ausblick auf das, wie in Zukunft unsere Städte aussehen und „klingen“, wenn die Verbrenner ausgestorben sind. Dazu hat Oslo das innerstädtische Parken fast komplett in die Parkhäuser verbannt.

Die E-Auto-Dichte nahm dann ab, je weiter wir Richtung Westen zu unserem AirBnB-Haus an einem Fjord fuhren. Aber auch noch hier: Tesla allerorten. Unser Model 3 hat sich sehr wohlgefühlt. :wink:

Ladeinfrakstruktur:
Wie erwartet war es sensationell in Norwegen. In jedem noch so kleinen Dorf mit 500 Einwohnern an irgendeinem Fjord stand an der Dorf-Tankstelle oder am Supermarkt eine Ladesäule. In den Parkhäusern in Bergen und Stavanger sind ganze Etagen mit Wallboxen ausgestattet. Man bezahlt dann mit einer App das Parken und das Laden einfach gleichzeitig. Einmal habe ich bei einem lokalen Betreiber laden wollen und müssen. QR-Code an der Säule gescannt, ein paar Daten eingetragen, Ladevorgang gestartet und fertig. Herrlich unkompliziert. Selbst auf den Fähren von Dänemark nach Norwegen und zurück hängen im Laderaum der Schiffe dutzende Wallboxen. Es ist eine Wohltat. (Klar, Norwegen hat unter 6 Millionen Einwohner, das kann man nicht 1:1 mit Deutschland oder meinem Wohnort Berlin vergleichen.)

Im Übrigen ist Skandinavien allgemein und Norwegen ganz speziell digital weit vorne. Egal, in welchem Restaurant oder Supermarkt wir waren und egal, wie abgelegen das auch war: Überall war kontaktloses Zahlen per Karte oder ApplePay eine Normalität. In fast allen Restaurants gab‘s digitale Speisekarten, die Bestellung erfolgte oft über eine App. Vor der Reise haben wir unser Auto über EuroPass angemeldet, die Abrechnung für die Maut erfolgt automatisch. Selbst die kleinen Fähren, die einen von Fjord zu Fjord bringen und oft nur 15-20 Minuten fürs Übersetzen brauchen → auch hier: App installiert, Kennzeichen und Zahlungsmittel hinterlegt, Auto wird beim Fahren auf die Fähre gescannt, 24 Stunden später kommt die Mitteilung, dass der fällige Betrag abgebucht wurde vom Zahlungsmittel der Wahl. Ich habe während der gesamten, fast zweiwöchigen Reise nicht einen einzigen Geldschein oder Münze in der Hand gehabt. Weder Euro noch Kronen.

Und selbst bei unseren Wanderungen auf die diversen Felsvorsprünge der Fjorde und Täler - überall stabile LTE-Verbindung. Ich bin sehr, sehr beeindruckt und angetan. Arbeite in Berlin in einer Digitalagentur, aber wenn ich mittags um die Ecke beim Asiaten Mittagessen will, heißt es oft „Cash only“ und bei Zugfahrten von Berlin nach HH bricht kurz hinter der Stadtgrenze in Berlin das Internet-Signal zusammen.

Das Laden:
Weiter unten kommt eine Auflistung meiner Ladevorgänge. Einen Großteil konnte ich über die vielen SuC abdecken, aber eben nicht immer. Die sind in Norwegen (gemessen an der Größe des Landes und der Einwohnerzahl) zwar überdurchschnittlich oft vertreten, liegen aber meist an den Hauptverkehrsrouten. Wenn man jedoch plant, am nächsten Tag tief in die Fjorde und Dörfer zu fahren, muss man etwas vorausschauend laden. Eine Sorge, die sich aufgrund der hervorragenden Infrastruktur allerdings als unbegründet herausgestellt hat.

Was mir jedoch auffiel, ist, dass die Routenplanung im Tesla tatsächlich nicht immer die cleverste oder sinnvollste ist. Besonders ist mir das auf der Fahrt von Hirtshals (Dänemark, da wo das Schiff aus Norwegen anlegt) bis Hamburg. Ich kam am Hafen mit 12% an und Tesla schlug mir bis HH zwei Ladevorgänge vor: Einen mit 55 Minuten Ladezeit und einen zweiten mit 35 Minuten, also insgesamt 90 Minuten. Geladen habe ich dann insgesamt vier Mal und habe dafür nur knapp 60 Minuten gebraucht.

Fazit:
Ich kann wirklich jedem und jeder Tesla-Fahrer:in nur empfehlen, mal nach Norwegen zu fahren und dort Urlaub zu machen. So gewaltig und wirklich atemberaubend die Natur dort ist, so viel Spaß macht es dort gleichzeitig, mit einem E-Auto ohne Ladesorgen unterwegs zu sein und ebenso ohne Bargeld. Diesen Spagat zwischen Natur und Moderne bekommt das Land wirklich großartig hin. Ich hätte mir rückblickend nicht vorstellen können, diese unglaublichen Pass-Straßen entlang der Täler und Fjorde mit einem Diesel oder Benziner (am besten noch mit Handschaltung :exploding_head:) zu durchfahren.

Und jetzt ein paar Bilder und eine Lade-Auflistung.
Danke Euch fürs Lesen :slight_smile:





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Und wegen der Bildbeschränkung auf fünf Bilder hier noch die Ladekosten-Auflistung

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Sehr schöner Bericht! Danke schön.

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Danke für den Bericht! Norwegen ist das Urlaubsland, in das es mich seit 2002 immer wieder zieht.
Kleine Anmerkung: Es heißt „Fjord“. :wink:

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Ups und danke Dir! Ist hiermit geändert :slight_smile:

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Toller Bericht über euere Reise bzw. Eindrücke. Schöne Bilder.
Danke dafür! :+1:t3:

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Oh ja, ich fühle mich wiedererkannt aus meinem Urlaub 2018 in DK. Kaum von der Fähre auf Fehmarn runter, wurde wieder genötigt wie ein Großer…

Und bevor Mißverständnisse entstehen: nicht wiedererkannt im Sinne „in einem Passat sitzend“ :rofl:

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