Netzdienliches Laden - heute schon möglich?

http://www.netzfrequenzmessung.de/

In letzter Zeit wird viel über V2G (vehicle to grid) oder Hausspeicher, die Ihr Geld mit Regelenergie (Sekundenreserve) verdienen sollen.
Dabei wäre es doch schon heute einfach möglich, wenn das Ladegerät auf Schwankungen der Netzfrequenz proaktiv reakieren würde. Wenn das Fahrzeug über längere Zeit am Ladegerät angeschlossen ist (über Nacht oder am Arbeitsplatz) könnte es 50% der Ladeleistung zum netzdienlichem laden nutzen. Normalerweise wird mit 50% der möglichen Ladeleistung geladen. Je nachdem wie die Netzfrequens schwankt, wird die Ladeleistung erhöht bzw. abgesenkt.

ABer dafür sollten die Ladegeräte wieder leistungsfähiger werden z.B. 33kW beim Model S/X/3 statt nur noch 11kW.
Bei weiter absinkenden Ladeleistungen bleibt halt weniger Flexibilität übrig, denn die Batterie soll ja auch zur geplanten Abfahrtszeit geladen sein.

Ich sehe das zweischneidig, Funktionen zur Reduktion der Ladung werden sicher implementiert, solche um die Leistung die bezahlt wird (bei mir Bereitstellung 3x60A) sicherzustellen sicher wieder nur zögerlich oder nie. Das ist Pandoras Büchse. Ich will auch zukünftig eine 22kW Sofortladung entscheiden, bin nur wenn das garantiert ist bereit die Ladung aktiv zu flexibilisieren.

Sehr spannend! Danke für den Link.
Kennst Ihr einfache Frequenzzähler, die mir mit dieser hohen Auflösung ein auswertbares Signal liefern?

@Leto: Regulatorische Eingriffe sind natürlich problematisch. Aber das hindert uns nicht daran, eigenverantwortlich unsere Ladeleistung anzupassen.

Es gibt ja schon einige wenige Autostromanbieter mit günstigen Tarifen. Nur laufen diese unter abschaltbare Lasten, d.h. diese könnten wie z.B. eine Wärmepumpe zu bestimmten Zeiten (Sperrzeiten) komplett abgeschaltet werden. Dafür muss man ein geringeres Netzentgelt zahlen, was den Strompreis verbilligt.

Wenn du mit 22kW lden willst, bracuhst du ein Ladegerät mit höherer Leistung, die die abgerufene Leistung um 22kW schwanken läßt, aber innerhalb der Ladezeit flexibel auf die Netzfrequenz reagiert. Die Netzfrequenz soll ja bei 50.00Hz liegen. Rein theoretisch liegt die Zeit oberhalb dieser Frequenz genauso hoch wie die darunter (Sonst würde die Netzzeit immer mehr im vergleich zur Standardzeit auseinanderlaufen. Wenn du nur im Schnitt mit 18kW laden würdest, könnte deine Ladeleistung zwischen 14kW und 22kW schwanken. Bei 100.000 ladenden eAutos mit dieser Flexibilität könnten schon 400MW Regelleistung zur Verfügung gestellt werden.

Übrigens beträgt zur Zeit die notwendige Regelleistung bei ca. 900MW

https://www.regelleistung.net/ext/

Muss mich noch umgewöhnen, will ja nur 16,5 kW :frowning:

Die Netzfrequenz soll wohl für diesen Zweck nicht sehr gut geeignet sein, weil sie im gesamten europäischen Verbundnetz (das ziemlich groß ist – Portugal bis Polen) identisch ist. Über die lokale Netzsituation sagt das also eher wenig aus. Vielleicht ist es besser, wenn man z.B. die energy-charts checkt und dann (v.a. in Norddeutschland) manuell lädt, wenn gerade viel Wind in DE ist, oder so. Natürlich mit mehr Arbeit verbunden und so richtig gut kann man die Lage und Flaschenhälse im Netz dann auch nicht einschätzen.

Wirklich automatisieren lässt sich das wohl erst mit Smart Metern, oder wenn das Auto direkt mit dem Stromversorger kommuniziert via Internet, oder so.

Das Internet oder Datenleitungen sind für die primäre Regelleistung (next-kraftwerke.de/wissen/r … elleistung) zu langsam.
Boxen für Zuhause, wie z.B. von GridX (gridx.de/) messen vor Ort die Netzfrequenz und arbeiten dann mit dem PV-Batteriespeicher gegen die Abweichung.

Grüße SuCseeker

Zu langsam?

30 s ist doch eeeeeeeewig viel Zeit um das über Internet oder LTE zu machen. Vor allem wenn es ein Schwarmkraftwerk ist. Wenn 10% der Speicher keine Verbindung aufbauen können müssen halt andere einspringen.

Gruß

Bernhard

Sorry, Du musst etwas genauer lesen, die Primärregelleistung muss innerhalb der 30s komplett aufgebaut sein, das sind Stand Jan. 2016 unglaubliche 583 MW !!
Diese muss dann auch 15 min. gehalten werden können.
Bei Unterschreitung oder Überschreitung der Frequenzschwellen wird schon vor Ablauf von 100ms Regelleistung zur Verfügung gestellt.

Grüße SuCseeker

datatec.de/HM8123-X-Hameg-Fr … etail_text
:mrgreen: wenns genau werden soll

jaja - toller Tip! :open_mouth:
War mir schon klar, das von Dir sowas kommt :wink:

Ich präzisiere: kennt Ihr Hutschienen-Frequenzzähler mit hoher Genauigkeit und einer einfachen Schnittstelle, die bitte deutlich unterhalb des Preises eines 21"-Reifensatzes liegen?

Eberhard, ich weiß immer noch nicht genau, worauf du hinaus willst mit solchen Posts? Warum sollte ich mir den Kopf unserer Netztbetreiber zerbrechen? „Die“ schalten einfach mal ein paar Windräder aus, und lassen uns dafür blechen (EEG). Wenn „Die“ einen Profit riechen würden beim Anbieten intelligenter Ladeboxen, würden sie das schon machen. Je mehr wir uns darum einen Kopf machen umso weniger wird bei den Netzbetreibern Leidensdruck aufgebaut. Ich bin erst bereit meine „Akkuzyklen zu verkaufen“, wenn für mich was dabei rumkommt. Wenn die ersten Blackouts da wären, würde Schwung in die träge Runde kommen. Mit „Ich lade, wenn viel Wind da ist“ ,schieben wir diesen Punkt nur noch weiter in die Zukunft. Oder liege ich hier falsch?

Gruß
Markus

Mit genau lesen hat das nix zu tun. Der Text bei next-kraftwerke beschreibt nur den aktuellen IST-Zustand. Wahrscheinlich noch aus einer Zeit in der man mit Tonwahlverfahren beim Regelkraftwerk angeklingelt hätte. Die Reaktionszeiten wären heute schon kein Problem und werden mit fortschreitender Technik immer schneller.
Meinetwegen kann man auch 10% der Regelleistung frequenzgesteuert fahren und den Rest über Abruf halt 1 oder 2 Sekunden später.

Über die „unglaublichen“ 583 MW werden wir in 5 Jahren nur noch lachen. Das sind gerade mal 50.000 Elektroautos mit 11 kW oder ca. 200.000 Hausspeicher oder 10.000 Powerpacks. Pfff - Kleinkram.

Gruß

Bernhard

Da bin ich ja bei Dir, wenn PV noch stärker ausgebaut wird und an einem sonnigen kühlen Maitag Wolkenfelder durchziehen gibt es einiges an Schwankungen.
Durch weiteren dezentralen Ausbau werden aber Ausfälle einiger größeren Einheiten nicht mehr so ins Gewicht fallen.
Die ausgeschriebene Primärregelleistung (PRL) wird auch immer in zeitlichen Abständen neu festgelegt.

Am 26.04.2016 ist wohl ein Erzeuger mit 1GW hart ausgefallen. Das Ergebnis siehst Du hier: netzfrequenzmessung.de/aktuelles.htm#2016_04 .

Was die Elektroautos betrifft sehe ich das entspannt, da sich nur der Gesamtverbrauch in D erhöht bei 5 Mio. oder mehr BVs. ´
Es wird ja über den Tag verteilt geladen. Der eine lädt nachts der andere tagsüber im Büro.

Grüße SuCseeker

Mir ging es nur darum darzustellen, daß man ohne die Batterie zu nutzen, alleine über die Steuerung der Ladeleistung um einen Mittelwert herum Regelleistung erbringen kann und man so Schwankungen der Netzfrequenz ausgleichen kann. Mit dem Ergebnis, das die Übertragungsnetzbetreiber weniger Regelleistung ausschreiben müssen, was Geld spart.

Du hast das Problem ja schon umrissen. Egal, wie teuer es wird, die Netzbetreiber reichen das einfach an den Endkunden weiter. Die machen sich keinen Kopf darum, wie es günstiger gehen könnte. Und die Netzagentur winkt doch jede Preiserhöhung durch. Oder wie kommen +80% binnen Jahresfrist bei einigen Netzbetreibern zustande?

Ich glaube, in diesem Thema ist eine Unmenge an Potential drin. Und E-Autos laden ist in meinen Augen nur die Spitze des Eisbergs. Ich gehe davon aus, dass wir auch kurz vor einem Boom an Powerwall aehnlichen Systemen stehen. Und dann wird es wirklich spannend: dann koennte man naemlich sekundengenau entscheiden, ob es guenstiger ist, eigenen PV Strom in die Batterie oder ins Netz zu geben.

Leider ist die Art und Weise wie unsere Netzbetreiber denken und unsere Politiker handeln noch einige Jahre hinten dran. D.h. auch wenn ich das Potential sehe, glaube ich nicht, dass wir auf absehbare Zeit eine Incentivestructure sehen, die gemeinfoerderndes Verhalten ermuntert.

Was ich viel eher sehe ist, dass wir irgendwann bei Solarstrom unter die Transferkosten des Netzes fallen werden (nicht nur, weil die Netzbetreiber sich nur einen feuchten Kehricht um Kosten scheren) und dann das oeffentliche Netz nur fuer extreme Grossverbraucher und arme Menschen da sein wird. Denn jeder, der ein paar Euro auf die Seite legen kann, wird versuchen autark zu werden. Damit haben sich dann solche Ueberlegungen auch erledigt.

Ich glaube, hier sind die richtigen Ansprechpartner für meine Frage:
Können wir uns nicht zusammenschließen und uns in die Regelenergie einbringen? Wenn wir 100 Teslafahrer zusammenbringen, die eine 22-kW-Wallbox und Ansteuerung über das Web installieren, hätten wir zumindest nachts eine Leistung von mind. 1,1 MW und könnten bei durchschnittlich 20 kWh Verbrauch pro Tag 2 MWh abrufen. Die Fahrer können dann an der Wallbox einen individuellen Zeitraum festlegen, in welchem die Ladung von statten gehen muss und über ein Zentralsystem wird der Ladevorgang je nach Netzfrequenz gestartet?

Also, wer kennt sich mit Regelenergie aus und kann sagen, ob man da einen Social-Business-Case draus machen könnte (mit entsprechend niedrigerem Strompreis für die Teilnehmer…) ?