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Ladestationen in Berlin: be-emobil.de

Wie sich ja schon herumgesprochen hat, arbeitet Berlin bereits seit einigen Jahren auf eine einheitliche Ladeinfrastruktur für die ganze Stadt hin. Anfang des Jahres 2015 wurde die Ausschreibung vergeben und kurz danach die erste Säule nach den neuen Kriterien aufgestellt. Es gibt dazu viel zu sagen, und sicher auch viel zu kritisieren. Nachdem ich gestern Gelegenheit hatte, dabei zu sein, als das Konzept von den zuständigen Herren Blümel (Senat für Stadtentwicklung und Umwelt) und Schulte (Allego GmbH) vorgestellt und erläutert wurde, kann ich zumindest sagen, dass das kein Schnellschuss ist, sondern dass bereits sehr viele Überlegungen und Anforderungen eingeflossen sind, und dass es für alle Einzelheiten, auch wenn sie auf den ersten Blick überraschen mögen, gute Gründe gibt. Ich denke, daraus könnte etwas werden!

Es lohnt sich sicher, dem Thema einen eigenen Thread zu widmen, zumal es nicht ganz abwegig ist, dass künftig andere Städte das Berliner Konzept (etwas ganz ähnliches soll wohl auch in Hamburg umgesetzt werden) als „Blaupause“ verwenden werden.

Ohne weiter auf die inhaltlichen Details einzugehen, hier erstmal die Website, die noch ziemlich frisch ist und in den nächsten Wochen und Monaten zunehmend mehr Information enthalten soll, einschließlich tagesaktueller Informationen zu genehmigten und im Bau befindlichen Ladesäulen und natürlich auch einer Karte einschließlich Belegtanzeige:
:arrow_right: be-emobil.de

Die Diskussion wird schon von allein in Gang kommen, da bin ich sicher! :mrgreen:

Edit: Link auf die erste Säule korrigiert.

Argh TNM ist der Start Abrechnungspartner. DAS wird bei DC Ladungen teuer

Wieso, Ladung soll lt. Website zeitbasiert und nicht energiebasier abgerechnet werden, weshalb wird dann Gleichstromladung teuer?

Gruß Mathie

Potentiell deshalb, weil der Zeittarif am Gleichstromlader ungleich höher liegt als der an einer normalen AC-Säule.

Über die Endkundentarife für DC-Laden kann gegenwärtig nur spekuliert werden, da es noch keine DC-Ladestationen gibt. Der Tarif von TheNewMotion für die eine existierende AC-Säule (Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin) ist laut Website:
Start (einmalig) € 0.77
Menge (/kWh) € 0.00
Zeit (/Minute) € 0.05

Die Säule kann maximal 11 kW. Wenn man diese Leistung tatsächlich nutzen kann, entspricht das 27 ct/kWh zzgl. Startgebühr. Darüber kann man sich erstmal nicht beschweren.

Das Problem, dass Fahrzeuge, die nur einphasig laden können, an einer 11 kW-Säule einen horrenden Aufpreis zahlen, wird auch angegangen. Im Moment sieht es so aus, als könnte an derselben Säule für einphasiges Laden ein anderer Tarif gelten als für dreiphasiges Laden. Außerdem sind auch einige dediziert einphasige Ladepunkte mit 3,7 kW geplant („Laternenladen“).

Ein ähnliches Problem hätte man auch an 22 kW-Säulen, wenn das Fahrzeug nur 11 kW laden kann. Diesem Problem geht man dadurch aus dem Weg, dass man ausschließlich 11 kW anbietet. (Ausnahme: „Schnellladesäulen“, siehe unten)

Grundsätzlich ist TNM aber nur ein MSP (Mobility Service Provider = Vertragspartner für Endkunden). TNM ist sozusagen der Pilot-MSP, aber die Idee ist, dass viele verschiedene MSP Zugang zum System erhalten, darunter z.B. ÖPNV-Betreiber mit ihren Kundenkarten, Carsharing-Betreiber mit ihren Kundenkarten, Auto-Hersteller, große Arbeitgeber, usw… Jeder MSP kann seinen eigenen Business Case stricken, kann den Strom also billiger oder teurer oder pauschal oder gar nicht abrechnen. Es gibt im wesentlichen nur zwei Rahmenbedingungen: Erstens wird zeitbasiert abgerechnet, und zweitens ist der Preis, den Allego (CPO = Charge Point Operater = Betreiber der Ladestationen) von den MSP nehmen kann, vom Senat gedeckelt. Wenn wir uns das eine Beispiel ansehen, was wir haben (s.o.), dann kann ich verraten, dass der Preis, den TNM nimmt, deutlich unterhalb des vom Senat vorgegebenen Preisdeckels liegt. Offenbar ist Allego zurzeit noch weit davon entfernt, den Deckel auszuschöpfen (oder TNM subventioniert die Berliner Ladesäulen, was ich aber nicht annehme).

Der zeitgebundene Tarif scheint unausweichlich zu sein: Man zahlt für die Nutzung der Infrastruktur. Dafür, dass man guten Gebrauch davon macht, ist man selbst verantwortlich. Eine Säule zu blockieren, ohne zu laden, ist kein guter Gebrauch der Infrastruktur und wird bestraft. Das ist für den einzelnen etwas unbequem, für die Gemeinschaft aber wohl tatsächlich das beste. Man muss ja nur mal in diesem Forum oder in GoingElectric gucken, wie viele Beschwerden über Carsharing-Fahrzeuge es das gibt, die (angeblich) tagelang eine Säule blockieren. Das wird mit dem neuen Modell praktisch ausgeschlossen. Die Carsharer sind nun gezwungen, dieses Problem zu lösen.

Noch eine Info zum DC-Laden, die viele freuen wird: In Berlin werden als „Schnellladesäulen“ ausschließlich 50 kW-Triplelader aufgestellt, d.h., 50 kW CHAdeMO, 50 kW CCS und 43 kW AC Typ 2 an einer Säule! :slight_smile:

Ich bin auch grosser Befürworter von zeitbasierter Abrechnung, der Platz an der Ladesäule soll doch dafür genützt werden wofür er geschaffen wurde - zum laden. Nicht zum parken.

Ich halte es auch für nicht richtig Ausnahmen für einphasige Lader an dreiphasigen Ladern zu machen - es kann nicht angehen das ein i3 den 43kW Ladeplatz den ganzen Tag um den gleichen Preis verstellen darf wie ein Zoe der nach 30mins fertig ist.

43 kW gibt es nur am Schnellader, der eh teuer ist und wo der i3 mit CCS lädt. Alle normalen AC-Ladesäulen sind 11 kW, so dass die Unterschiede zwischen verschiedenen Fahrzeugen nicht mehr ganz so dramatisch sind.

Wenn es überall ausreichend viele einphasige Ladesäulen zusätzlich zu den dreiphasigen gäbe, würde ich Dir recht geben. Das ist aber nicht der Fall und macht auch nicht wirklich Sinn: Anstatt immer abwechselnd einphasige und dreiphasige aufzustellen, statte ich doch lieber gleich die ganze Stadt mit dreiphasigen Ladesäulen aus. Deinen Groll gegenüber der Blockadehaltung deutscher Autobauer teile ich durchaus, aber jetzt nimm doch mal einen Twizy: Findest Du es wirklich gut, wenn der das dreifache für den Strom bezahlen muss, wie ein Tesla?

das Grundproblem der Zeittarife ist das die Wagen die dranhängen EXTREM unterschiedlich sind und dies in keiner Form berücksichtigt wird und dadurch utopische Ladekosten entstehen. Solange das nicht abgefangen wird muss man jedesmal aufpassen nicht extremst abgezockt zu werden. Egal ob als i3 Fahrer an AC oder Tesla Fahrer an DC. Ich verstehe einfach nicht wieso man eine Konstruktion bastelt die solche Schwächen aufweisst.

Sinnvoll in meinen Augen ist ein Energietarif gepaart mit einem niedrigen Zeittarif. Sagen wir mal alles kost 30cent die KWh egal ob DC oder AC 3,7kw, zusätzlich 10 oder 20 oder 50 Cent die Stunde. Dann bleibt da keiner mehr 24 Stunden stehen und die Ungerechtigkeiten sind gegessen. Ist da noch keiner drauf gekommen?
oder wo hat meine Denke einen Fehler. Über den Zeittarif wird die Dringlichkeit, oder die Verfügbarkeit des Ladeplatzes gesteuert. Am Brandenburger Tor 50 Cent die Stunde in der Pampa am Park and Ride wo 20 Säulen stehen 5 Cent die Stunde
Genial oder? :sunglasses:

Also, so EXTREM ist das gar nicht. Wie schon erwähnt werden für normale AC-Ladung ausschließlich 11 kW-Säulen aufgestellt. Da ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Fahrzeugen maximal Faktor 3, und wie gesagt wird im Moment darauf hingearbeitet, auch diesen Unterschied noch auszubügeln, indem je nach Ladungsart (einphasig oder dreiphasig) unterschiedlich abgerechnet werden soll (Zukunftsmusik, aber immerhin).

Wenn ich mich als Tesla-Fahrer an eine DC-Säule stelle, dann sollte ich entweder einen CHAdeMO-Adapter benutzen, oder ich bin selber schuld und zahle entsprechend. Schließlich ist der Tesla in dem Fall der Schnarchlader und blockiert eine Säule, an der andere Fahrzeuge 50 kW DC oder 43 kW AC laden könnten. Dort einen Tesla mit 11 kW oder auch mit 22 kW AC dran zu hängen, ist eben keine gute Nutzung der Infrastruktur. Dafür musst Du dann bluten – oder Dir einen normalen 11 kW Ladepunkt suchen. Das Verhältnis von normalen 11 kW Ladepunkten zu Tripleladern wird perspektivisch in der Gegend von 20:1 liegen, sollte also kein großes Problem sein.

Ich finde zeitbasierende Tarife ziemlich unsinnig. Ich möchte das zahlen was ich verbrauche. Zeitbasierende Tarife basieren auf der Theorie, dass eine Ladesäule ein knappes Gut ist. Wenn dem so wäre würde die Elektromobilität scheitern. Daher finde ich den Denkansatz falsch.
Wenn es irgendwo Knappheit gibt, dann sollten dort mehr Ladestationen gebaut werden oder die Standzeit per Beschilderung limitiert werden. Aber zeitbasierte Abrechnung macht alles komplizierter, undurchsichtig und letztendlich ungerecht.
Wenn ich schon lese, dass man das Problem der 11kW Lader an 22kW Ladestationen dadurch löst, dass man keine 22kW Ladestationen baut, kriege ich die Krise.

Aber genau das meinte ich doch. Chademo will TNM 50 Cent die Minute. Rechne das mal auf eine Volladung bei 43kw und bei paar an 20kw
edit: die TNM App wirft ja schon 77 Euro als voraussichtlichen Preis aus :open_mouth:

Du verbrauchst aber nicht, oder zumindest nicht nur, Strom. Du beanspruchst Platz und Du nutzt eine Infrastruktur, die jemand für teuer Geld installiert hat.

Vergleich das mal mit den Preisen für Lebensmittel im Restaurant oder im Lebensmitteleinzelhandel. Im Restaurant zahlst Du ein Vielfaches für letztlich gleiche Ware. Ist das ein Skandal? Nein, denn Du bezahlst eben nicht nur für die Lebensmittel, sondern auch für den Service und auch ganz wesentlich für die Location. Du hast die Wahl, zu Hause zu essen für den reinen Lebensmittelpreis, oder im Restaurant gegen einen ziemlich saftigen Aufschlag. Trotzdem haben Restaurants eine Daseinsberechtigung.

Wenn Du nur für Strom bezahlen möchtest, dann lade doch einfach zu Hause. Wenn Du in der Stadt öffentlichen Raum beanspruchst und eine Infrastruktur nutzt, die jemand anders für Dich aufgebaut hat, dann spielen die Stromkosten eine Nebenrolle. Du zahlst für den Service und die Location. Da scheint mir der Zeittarif eigentlich ziemlich passend.

Nur zur Klarstellung: Ich weiß nicht, welche Motivation hinter der Entscheidung gegen 22 kW steht. Es mag ganz andere Gründe geben. Da aber nun mal nur 11 kW angeboten werden, entschärft das unterm Strich auch die Ungerechtigkeiten beim Zeittarif.

Die Argumentation kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich habe nicht gesagt, dass ich 25Cent für die kWh zahlen will.
Und Dein Restaurantvergleich bestätigt meine Argumentation. Da zahle ich immernoch dafür wieviel Bier ich trinke und nicht wie lange ich dafür brauche :wink:

Den Aufbau der Infrastruktur als Argument für Zeittariffe zu nehmen leuchtet mir auch nicht ein. Und dann Umwege mit verschiedenen Zeittariffen je nach Leistungsabnahme des Fahrzeuges zu kreieren bestätigt meiner Meinung nach den Unsinn.

Gibt es dann auch verschiedene Zeittariffe je nach Tageszeit? Oder muss ich mein Auto dann auch um 4 Uhr nachts von der Ladestation abholen?

ich kann beiden Argumentationsstränge nachvollziehen. Mein Einwand ist nur das bei Zeittarifen viel Unsinn passiert und der nicht transparent ist. Die Anbieter wissen glaube ich nicht mal selber was sie veranstalten würden sie sonst über 100 Euro für eine Füllung anbieten? Bei Volumentarifen ist es transparenter. Solange die Anbieter nix auf die Kette bekommen sollten sie das machen was sie verstehen.
Für Ziele wie Parkraum freihalten etc. sind sie einfach noch ncith reif weil sie das Handwerk noch gar nicht beherrschen. Jeder muss erst mal in die Lehre gehen und kleine Brötchen backen. Entweder kaufen sie jemanden ein der weiss was er tut oder sie machen Volumentarife und gut. Alles andere endet im Chaos.
Ich verstehe bei solchen Projekten nie wieso nicht wenigstens einer mit gesundem Menschenverstand dabei ist. Nur einer, der Veto-Recht hat. Ich weiss utopisch, schöner Traum.

Nachts tickt die Uhr maximal 4 Stunden lang. Wenn Du länger brauchst, bis der Akku voll ist, bekommst Du auch weiterhin Strom, aber Du zahlst in jedem Fall nur für die ersten vier Stunden.

okay so negativ wollte ich jetzt nicht rüberkommen. Ich weiss da geben sich viele Leute viel Mühe. Nur als Endkunde gedacht, manchmal wäre einfacher einfach besser. Berlin ist mir halt nur negativ aufgefallen da ich dort manchmal Destination Charging mache. Und ich sehe nur wie die gleichen Fehler wieder und wieder gemacht werden.
Soll für Berlin heissen, eine Karte für alle, und ein Tarifstruktur wo bei keiner Kombi Aussreisser nach oben Möglich sind. Das alles. Sollte machbar sein, das würde ich mir wünschen
Wunschkonzert Ende :wink:

Man kann auch Parkzeit (Parkticket) und kWh (Säule) getrennt abrechnen, dass halte ich für das sinnvollste in dem meisten Fällen.

Aber damit hast Du ja das zentrale Anliegen der hier diskutierten Bemühungen perfekt beschrieben! :slight_smile: Genau das ist das Ziel, genau dafür hat der Senat jetzt sein umfangreiches Regelwerk aufgestellt, und das wird nun umgesetzt. Spätestens ab Mitte 2016 wirst Du alle Ladesäulen, die Du in Berlin finden kannst, auf dieselbe Weise und zu denselben Konditionen nutzen können.

Und was die Ausreißer angeht: Wenn Du den oben zitierten Tarif von TNM zugrunde legst, dann zahlst Du im schlimmsten Fall für eine Stunde parken 3 Euro. Das ist für einen Parkplatz in guter Lage zwar teuer, aber nicht exorbitant. In einigen Städten ist das für Parkplätze im Zentrum ein ganz normaler Tarif, und da kriegst Du nicht mal Strom dazu!