Jochen Rudat

An der App Entwicklung ist jedes SeC mit beteiligt, deren Feedback fliesst mit ein. Im übrigen finden die Mitarbeiter das sehr gut, da so Probleme direkt einfliessen. Hatte mit einem Mitarbeiter der dafür zuständig ist vor 2 Wochen ein sehr langes Feedbackgespräch aus Kundensicht, er hat vieles notiert und sich gefreut über konstruktives Feedback.

Der Verdacht, dass es zwischen Palo Alto und Tilburg Spannungen gibt liegt nahe, und in Stefans letztem Video gibt es auch deutliche Hinweise: Stichwort »Waschverbot«.

Vermutlich passiert hier was, was ich von meinem AG (und vermutlich jeder von seinem) kennt: In der Zentrale sitzen Leute, die etwas für machbar halten und diejenigen nicht fragen, die die Umsetzung bewerkstelligen müssen. Aufgabe von Leuten wie Rudat ist es dann eben, zwischen den Parteien zu vermitteln und nach »oben« Ergebnisse zu liefern ohne »unten« all zu viel Unheil anzurichten. Da kann irgendwann die Schere so weit aufgehen, dass man es nicht mehr für sinnvoll hält weiter zu machen.

Natürlich will Palo Alto die Auslieferung so schlank wie möglich haben, und man ist dort der Meinung, perfekte Autos auf den Weg nach Europa zu schicken. D.h. in Europa dürfen keine ausreichenden Ressourcen zur Nachbesserung bereitgestellt werden, man ist auf Prozessoptimierung fokussiert, bevor überhaupt die Inhalte der Prozesse funktionieren.
Andererseits denke ich – und das war von Anfang an meine Kritik an Tesla in Europa –, dass man dort eine seltsame Personalpolitik fährt. Mein Eindruck ist, dass man nicht genug Geld für kompetente Leute ausgeben kann oder will und sich viel zu sehr an Äußerlichkeiten der Bewerber orientiert (dazu gehört auch ein glatter Lebenslauf). Mit anderen Worten: Man hat Soldaten rekrutiert, anstatt Persönlichkeiten zu gewinnen – eigentlich das Gegenteil von dem, was Elon tut.

Ich hoffe jedenfalls, dass jetzt eine Welle der Erschütterung durch das Unternehmen geht, und ein paar Leute Verantwortung an sich nehmen (das ist das Gegenteil von »Verantwortung für Fehler übernehmen«, was ja heutzutage gleichbedeutend ist mit »weglaufen«).

Der Gedanke kam mir auch schon.

Ich hatte mal das Vergnügen, Herrn Rudat bei einem Event in der Schweiz vor einigen Jahren zu hören und ganz kurz mit ihm zu sprechen, als er noch Tesla-Chef „nur“ in der Schweiz war. Er machte auf mich nicht den Eindruck, dass er keine Ahnung hätte von dem, was er da tut oder was getan werden sollte. Im Gegenteil, er war von Tesla und der Mission ehrlich begeistert und sehr optimistisch.

Wenn man sich die Aussagen seines Vorgängers in Deutschland Philipp Schröder so anschaut (es gab da ja mal einen Bericht in der ARD (?) über Tesla, in dem er zu Wort kam, auch zu den Gründen, warum er Tesla verlassen hat), dann glaube ich auch, dass sich die Leute in Europa wirklich den Mund fusselig reden und was für Tesla erreichen wollen in Europa, aber aus USA aber nicht darauf eingegangen wird und Sonderwünsche aufgrund lokaler Marktbedingungen abgebügelt werden - immer frei nach dem Motto, was für USA passt, passt für die ganze Welt.

Bisher hatte ich bei Tesla immer den Eindruck, dass die - im Gegensatz zu GM bei Open und Saab - den europäischen Markt besser verstehen. Aber so langsam gleitet das auch in das übliche Fahrwasser ab: Macht Umsatz und ansonsten haltet die Klappe.

Aber die absolut unterirdische Kommunikation ist für mich wirklich der Punkt, der mich irre macht. Es kann doch wohl nicht sein, dass man email und Telefon (aus welchen Gründen auch immer, Bagatellanrufe etc.) faktisch abschaltet und alles in eine App packt, die das Beta-Stadium noch nicht erreicht hat. Es gibt keine festen Ansprechpartner, keine Vorgangsnummern, es wirkt wie ein Rumgebastele. Die SeC Mitarbeiter bewundere ich wirklich, denn wenn man dann es irgendwie geschafft hat, einen Termin zu bekommen und zu kommunizieren, dann sind die sehr hilfsbereit und freundlich und bemüht. Leider bekommen die dann auch den Frust und die Enttäuschung ab für Dinge, die Ihnen aus USA verordnet werden.

Und wenn man es finanziell nicht schafft, eigene SeC aufzubauen, dann muss man es eben wir andere Autohersteller machen und Dritte als Vertriebs- und Servicepartner suchen, die Geld investieren. Aber auch das dauert ja anscheinend ewig, wenn man Bodyshop werden will.

Und die Sonderbehandlung von Nextmove (oder eben deren Fehlen): Alle Autohersteller behandeln Grosskunden anders. Eben weil die andere Anforderungen haben. Wenn Tesla meint, das nicht nötig zu haben - Arroganz kommt bekanntlich vor dem Fall. Schade, sehr schade,

Cer: Ja, man sieht das gut an der Stellungnahme von Tesla zu den NextMove-Vorwürfen: Dort wird die steigende Produktqualität in den Mittelpunkt gestellt, womit man die Notwendigkeit bestreitet, dass die Abläufe bei Übergabe und beim „After-Sales“-Aufbereiten zu verbessern sind.

Ich befürchte, dass die NextMove-Kritik ähnlich wie parallel laufende Bemühungen im Mutterschiff versanden. Man erschließt weitere Absatzmärkte für das Volumengeschäft mit guter Gelegenheit, dort in ähnliche Probleme hineinzulaufen. Die verfügbare Produktionskapazität wird weiterhin verkauft und man kann an den Fabriken oder der Spielkiste rumbasteln. Es gibt viele Erfolge wie der Ausbau der Gigafactory 3 oder die Ausweitung des Supercharging-Netzes, brennen wird vor allem der Rückstand im Autopilot-Programm - so was wie Service-Schwächen werden in der Wahrnehmung unter „Ferner liefen“… einsortiert sein. Nachhaltige Veränderungen sind erst zu erwarten, wenn es massiven Druck durch Aktionäre bzw. Kreditgeber gibt. Der letzte Einschlag war: „Werdet profitabel“, worauf hin teilweise kopflose Einsparprogramme gestartet wurden. Jetzt steht irgendwann das „Wo bleibt Euer Wachstum?“ im Raum, wenn man der Kundenzufriedenheit und Weiterempfehlungsbereitschaft so zusetzt wie aktuell zu beobachten.

Dr. M:
Wir unterhalten in der Firma einen großen Bestand an Dienstwagen. Die Fuhrpark-Abteilung braucht stabile Abläufe. Die Dienstwagen-Nutzer haben keine Zeit, den Betrieb ihrer Fahrzeuge sicherzustellen und erwarten z.B. einen Hol-und-Bring-Service der Werkstatt aus unserer Firmen-Tiefgarage selbst bei Kleinigkeiten. Wir zahlen möglicherweise für Gourmet-Küche, Tesla möchte Systemgastronomie wie McDonalds erreichen. Ich kriege für meinen Tesla eine experimentelle Sonderbehandlung, zehn Teslas würden die Abteilung komplett lahmlegen. So wie aktuell geht es nicht, falls man irgendwann Flottengeschäft mit Firmen oder gar Behörden betreiben will.

Ich kann das Datum nicht bestätigen aber er ist definitiv schon vor dem Nextmove Video gegangen.

Jochen ist ca. 3 Jahre Director Europe. 2009 Bei Tesla angefangen und davor BMW und Porsche. Eher 40+

Genau das meine ich. Das bringt ja auch das neue nextmove Video klar zum Ausdruck. Für Privatkunden mag das Tesla-Prozedere gerade noch tragbar sein, aber für eine Firma, die auf das dauernde und unbedingte Funktionieren der Fahrzeuge angewiesen ist und damit Geld verdienen will (zum Beispiel eben durch Vermietung derselben wie nexmove), die kann Mängel und die nicht absehbare Behebung derselben nicht gebrauchen. Die Autos müssen laufen, es muss schnelle Reparaturen und eine zuverlässige und mängelfreie Auslieferung zum vereinbarten Termin geben. Von der Ersatzteilversorgung ganz zu schweigen. Und da reden wir ja offensichtlich nicht nur von ein paar Lackschäden. Privatkunden kann man vielleicht gerade noch zumuten, sich dreimal auf den Weg zum Auslieferungstermin zu machen und kurz vor dem Ziel zu erfahren, dass das Auto nicht da ist und man den Tag Urlaub umsonst investiert hat. Ein gewerblicher Kunde kann bei 85 bestellten Autos nicht wegen jedes Fahrzeugs separat anreisen und dann auch noch den Termin kurz vorher abgesagt bekommen. Mir hat das schon bei der Übernahme meines Fahrzeugs gereicht - und da sprach noch keiner von Servicehölle. Seither wurde es ja nur schlimmer.
Man kann es mit der Vereinheitlichung auch übertreiben. Nicht jeder Kunde ist gleich und wenn ich für 5 Mio Autos bestelle, dann erwarte ich mindestens eine gute Behandlung des Auftrages, wenn es schon keine Sonderbehandlung oder gar Sonderkonditionen gibt. Wenn bei mir jemand Dauerkunde ist und ziemlich regelmässig grössere Aufträge erteilt, dann bekommt der natürlich besondere Aufmerksamkeit.
Ich finde, dass es Tesla mit den Kosteneinsparungen übertreibt bzw. falsche Prioritäten setzt. Es macht zumindest aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn, mängelbehaftete Fahrzeuge auszuliefern und dann im Rahmen der Garantie aufwendig daran herumzubasteln, um diese selbst verursachten Mängel zu beheben. Und die Produktionsvereinfachungen und der faktische Wegfall fast aller Auswahlmöglichkeiten bei der Konfigurationsmöglichkeiten wie Wegfall des Schiebedachs, des Doppelladers, des 3-phasigen UMC oder des von vielen vermissten Metalldachs haben offensichtlich leider nicht dazu geführt, dass die Qualität in der Produktion besser geworden ist. Da wären qualifiziertere Mitarbeiter sicher der bessere Weg, auch wenn die teurer sind. Aber enttäuschte und frustrierte Kunden sind sicher teurer. Zumindest langfristig.

Das ist ja ein Knaller! Wundert mich, dass hier keiner darauf reagiert hat!?
Kennst Du Details, was dieser „Organisationsmangel“ sein soll?
Ist das Thema nicht einen eigenen Thread wert?

Man wird ja in den nächsten Quartalen sehen wieviele Kunden sie abgeschreckt haben. Wenn ich mal so die Youtubkommentare überfliege sind da einige (mich eingeschlossen) die erstmal abwarten wie der Zirkus weitergeht.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht formgerechtes Benennen eines neuen Geschäftsführers.
Die klagende Instanz prüft auf Formfehler bei der Führung und der Organisationsstruktur einer GmbH nach Schweizer Recht.

OK, Danke! Dann würde es ja doch weiterhin in diesen Thread passen :wink:

Ja, falls Tesla Schweiz liquidiert wird, braucht es nur noch einen Liquidator. :wink:
Meistens gibt es jedoch für solche Issues eine Lösung, z.T. erst am letzten Tag der Frist.
Es wurden jedoch in der Schweiz schon Firmen von Amtes wegen liquidiert.

Nach meiner Erfahrung ist dies ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. In der Regel unterstützt das Handelsgericht die Angelegenheit der Firmen statt der Gegenseite, unabhängig davon ob auf jener Seite Kunden oder Behörden stehen.

Das Problem dürfte sein, dass aktuell keiner der eingetragenen Geschäftsführer einen Wohnsitz in der Schweiz hat. Nach Art 814 Abs 3 Zivilgesetzbuch muss mindestens ein Geschäftsführer einer schweizer GmbH einen Wohnsitz in der Schweiz haben.

[url]https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19110009/index.html#a814[/url]

Ja! Lasst uns aus diesem rein hypothetischen Thema ein riesen Fass aufmachen! :angry:

Denkt ihr wirklich Tesla ist zu blöd, das Problem innerhalb eines Monats zu lösen??

Zumindest waren sie zu blöd das geordnet zu regeln so dass es zu einer Klage kam :laughing: . Ich schließe also nichts aus.

Nicht blöd, aber ignorant und unorganisiert. :smiley:

Der aktuelle Geschäftsführer in Amsterdam müsste einem Schweizer Mitarbeiter soweit vertrauen, um ihn als neuen Geschäftsführer zu bestimmen. Dies dürfte vermutlich schon schwierig sein.

Eine firmenfremde Person als Geschäftsführer zu bestimmen, ist wahrscheinlich zu teuer und bringt der Firma auch zu wenig Vorteile.

Man beruft den einzigen GF mit Wohnsitz in der Schweiz per Ende Mai ab und schafft es bis Mitte August nicht einen neuen zu benennen. Ob blöd oder unfähig, da sehe ich keinen Unterschied, zumal der Notar bei der Eintragung der Abberufung mit Sicherheit auf das Problem aufmerksam gemacht hat. Aber eventuell hat der Notar das auch an eine eMail-Adresse geschrieben, die bei Tesla nicht mehr gelesen wird. Wobei man bei solchen Rechtsakten eigentlich persönlich beim Notar erscheinen muss.

Möglichkeit Nummer 3, es liegt in der Schweiz etwas so böse im Argen, dass keiner den Job machen will. In fast 3 Monaten sollte man auch auf dem Schweizer Arbeitsmarkt per Headhunter einen Interimsmanager finden können, der auf dem Papier den GF macht.

In Deutschland schein Rudat übrigens noch nicht abberufen zu sein. Er wird im Deutschen Handelsregister immer noch mit Einzelprokura geführt. Was die kurzfristige Abberufung in der Schweiz noch seltsamer macht.

Ich bin gespannt wie es weiter geht.
Ich hatte ja im Februar das Vergnügen von Rudat persönlich mein Model 3 in Empfang zu nehmen.
Wir hatten eine langes und angenehmes Gespräch.
An den nicht ausgesprochenen Sätzen konnte man verstehen,
das die Europäische Geschäftsführung nichts zu sagen hat,
sondern nur die Anweisungen aus den USA umsetzten muss.
Persönlich war mir Herr Rudat wirklich sympathisch, und er machte
den Eindruck eigentlich mehr bewegen zu wollen, als er darf.

Nach meinem Eindruck hat bei Tesla erst der VP und höher einen gewissen Einfluss. Die Directors sitzen praktisch auf dem Schleudersitz und können bei der geringsten unerwünschten Handlung gefeuert werden.