Impressum / Datenschutz Forumsregeln
TFF FORUM TFF E.V. SUPERCHARGE-ME
TFF Forum

GAUs zeigen: Kernkraft ist sicher?

Ich habe gerade einen Artikel gefunden, wo behauptet wird, dass wesentlich weniger Menschen durch die Atomunfälle in Tschernobyl, Three Mile Island und Fukushima ums Leben gekommen sind als offiziell berichtet wird:
It Sounds Crazy, But Fukushima, Chernobyl, And Three Mile Island Show Why Nuclear Is Inherently Safe

Ist das so eine Milchmädchenrechnung wie bei den „Lungenfachärzten“ neulich oder kann das wirklich stimmen? Ich bin kein Wissenschaftler und kenne mich im Detail nicht mit Strahlung aus. Für mich sieht das erstmal stimmig argumentiert aus.

Außerdem wird im Artikel behauptet, dass durch fossile Energieerzeugung sehr viel mehr Menschen ums Leben kommen. Sollten wir also statt Kernkraftwerke abzuschalten, lieber Kohlekraftwerke abschalten?

Ja, mir ist klar, dass Solar- und Windkraft noch besser sind, aber bitte, lasst das mal aus diesem Thema draußen und lasst uns über Kernkraft diskutieren.

Ich halte es für müßig über eine Technologie zu diskutieren, bei der selbst Dr. Merkel verstanden hat, dass sie – aus hinreichend bekannten Gründen – keinerlei Zukunft hat.

Es wäre sinnvoller zu diskutieren, wie wir diesen Wahnsinn (in Form von Atommüll) jemals unter Kontrolle bekommen wollen, was angesichts des Zustandes der Zwischenlager die nächste tickende Zeitbombe darstellt.
Auch wäre interessant zu wissen, wie viele milliardenschweren Betonsärge man über dem Tschernobyl-Grab noch bauen muss in den nächsten Jahrhunderten und was mit der Umwelt passiert, wenn die dort lebende Bevölkerung dazu technologisch nicht mehr fähig sein wird.

Nur ein Wort zu Fukushima: ich habe wiederholt in den ÖR Nachrichten gehört, wie von den „zehntausenden Toten der Atomkatastrophe von Fukushima“ gesprochen wurde. Wenn man heute eine Umfrage in der Bevölkerung starten würde mit der Frage „Wieviele Menschen sind bei der Atomkatastrophe von Fukushima ums Leben gekommen? 0, 100.000 oder 1.000.000?“ kann ich mir die durchschnittliche Antwort schon denken.

Äh, gab‘s da in der Gegend nicht auch irgendwann mal einen Tsunami? Könnte mich irren, war bestimmt bei weitem nicht so schlimm wie die Atomkatastrophe.

Ich denke in Fukushima sind für das Ereignis vergleichsweise wenig Menschen unmittelbar ums Leben gekommen - genau wie in Tschernobyl. Ein GAU ist ja nicht mit einer A-Bombe gleichzusetzen.

Bei Fukushima muss man die Rechnung auf 50-100 Jahre anstellen - so funktioniert der Mensch allerdings nicht. Ist schon ein Problem, was Generationen übergreifend existieren wird. In Tschernobyl ist die Datenlage wg. es damals und jetzt existierenden Systems nicht gut. Man darf sich da aber keinen Illusionen hingeben. Dieser GAU hat über die Jahre vielen Menschen das Leben gekostet und tut es immer noch. Und wenn wir nicht vom direkten Tod reden, dann reden wir ha auch über leider sehr viele Fehlbildungen, Mutationen und Behinderungen.

Es wäre für uns alle besser, aus der Atomkraft auszusteigen - gerade auch wg. der nach wie vor ungelösten Endlagerfrage. Zu den Fossilen muss man sicher auch nichts mehr sagen…

Ein Beispiel: Hier, in meiner wohlanständigen Stadt, hat man eine Fußgängerzone saniert. Dauerte doppelt solange, wie geplant. Warum? Weil beim Bau andauernd Dinge aus dem Boden kamen, von denen keiner wußte - die aber in den letzten 50 Jahren da reingekommen sind. Und da glaubt jemand ernsthaft, wir können über Jahrhunderte sicherstellen, daß unsere Hinterlassenschaften adäquat behandelt werden? Es ist Irrsinn - und zumindest heute kann niemand mehr behaupten, wir „brauchen“ diesen Irrsinn.

Zum Thema Kernenergie möchte ich hier mich ganz bewusst nicht äußern. Da sind mir einfach zu viele Emotionen drin.

Nur ein Wort zur Kohle: während meiner Zeit, als ich bei einem größeren Energieversorger gejobbt hatte, hat mir ein Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Kollegen, die in den Kohlekraftwerken arbeiten, signifikant früher sterben als der Rest der Belegschaft - oft ziemlich nahe am Renteneintrittsalter. Seine Beobachtungen stützten sich zwar nur auf die Todesanzeigen am Schwarzen Brett, aber das über einen recht langen Zeitraum.

Statistisch gesehen ist die Atomkraft tatsächlich als sicher einzustufen, nur was bei einer Havarie passiert und was die Folgen der Abfälle sind, das ist das größere Problem.

Hier zwei Links von einem Kanal auf youtube, der Kurzgesagt heißt und sich den Themen möglichst objektiv annähert.

3 Gründe für Atomkraft: youtu.be/9PugxoigU8U

3 Gründe gegen Atomkraft: youtu.be/V3OrmIuN_QQ

Alles Gute!

komisch. kommt mir nicht sooo objektiv vor. achtet mal zB auf das vokabular… oder auf die schlichte aussage: atomkraft erspart co2. da kommen wie sie genau drauf? = pauschalaussage.

das auf die schnelle

zum thema:
kernkraft ist so lange sicher, wie sie nicht aus dem ruder läuft. geschieht das, ist sie zumindest kurz vor dem GAU nicht mehr zu steuern.

Als Österreicher, die wir nur ein AKW haben dass aufgrund einer Volksabstimmung nie in Betrieb genommen wurde, habe ich wohl eine contra Kernenergie Haltung mit der muttermilch aufgesogen.

Vielleicht ist es daher interessant für mich, dass das Thema hier als emotional bezeichnet wurde. Welcher Aspekt genau ist hier emotional?

Ich selbst denke btw dass neben der Gefahr von Unfällen einfach auch der dürftig gelöste Aspekt der endlagerung mehr als dagegen spricht.

Solange es keine vernünftige Lösung für das Endlagerproblem gibt, sind alle anderen Themen in meinen Augen Ablenkthemen.

Die Zahl der Toten, die sich direkt aus einem Unfall ableiten lassen als Maßstab zu nehmen ist einerseits äußerst ungenau (Strahlung wirkt nun mal nicht nur unmittelbar), andererseits finde ich es ein bisschen obszön, hier eine Vergleichsrechnung aufzumachen.

Vielleicht wird das Endlagerproblem überschätzt. Vielleicht wird Raumfahrt irgendwann so sicher, dass wir den Mist in die Sonne schießen können. Vielleicht gibt es eine andere Lösung. Aber eine Technologie, deren Folgen wir weder abschätzen noch mit dem aktuellen Wissen kontrollieren können, hätte die Menschheit eigentlich nicht verwenden dürfen (und sie hätte das auch nicht müssen).
Man muss sich bewusst machen, dass wir uns derzeit hundertprozentig darauf verlassen, dass künftige Generationen eine Lösung für das Endlagerproblem finden.
Wir arbeiten aber gar nicht seriös daran (im Moment werden relativ verzweifelt einigermaßen brauchbare Zwischenlager gesucht), sondern lassen das unschöne Thema einfach liegen. Auf diese Weise, das weiß der Elektromobilist nur zu gut, passiert aber generationenlang gar nichts.
Und was geschieht, wenn die Menschheit in ein posttechnologisches Zeitalter eintritt und Hochtechnologie verlernt? Ähnliches ist in der Geschichte der Gattung Homo Sapiens schon oft vorgekommen. Dann haben wir vielleicht eine esoterisch gebildete Agrargesellschaft, die aber völlig hilflos vor den leckenden Fässern mit strahlenden Reststoffen steht. Denen bleibt dann nur noch die (eher weniger) kontrollierte Übergabe des Planeten an die Insekten.
Das kann uns natürlich egal sein. Mir erschient es jedenfalls als hinreichender Grund, auf die ohnehin unmäßig teure und aufwändige Technik zu verzichten.

Schöne und wahr formuliert.

Bei einer ehrlichen Berechnung aller Kosten für den Aufbau, den Betrieb, den Schutz, den Rückbau von AKWs, die Gewinnung, den Transport, den Schutz, die Zwischenlagerung und die Endlagerung spaltbaren Materials kommt heraus, dass Kernkraft mit einem gewaltigen Abstand die bei weitem teuerste Form der Energiegewinnung ist.

Die Betreiber versuchen mit Erfolg, viele dieser Kosten zu sozialisieren und nur die Gewinne zu privatisieren. Nur deshalb ist Kernkraft für sie profitabel, für die Gesellschaft insgesamt aber eben nicht nur hochriskant, sondern auch ein riesiger ökonomischer Verlust.

Ich halte Kernkraft nicht für ungefährlich, aber die Gefahren durch Kohleverstromung für weitaus höher. Ich gehe davon aus, dass der Klimawandel weitaus mehr Menschenleben fordert, als Atomstrom. Dazu kommt als moralischer Aspekt, dass die Gefährdung durch Atomkraft mit zunehmendem Abstand geringer wird, der Klimawandel dagegen global wirkt und insbesondere Menschen gefährdet, die weniger von der Industrialisierung profitieren als wir in den energiehungrigen Industrieländern. Da baden andere unseren Konsum aus.

Deshalb fand ich Merkels Ansatz vor Fukushima, zuerst aus der Kohle und dann aus der Kernkraft auszusteigen sinnvoll. Zu meinem Bedauern hat Merkel nach Fukushima ihre Meinung geändert, ich vermute aus machttaktischen Gründen, nicht aus innerer Überzeugung. Aber das ändert leider nichts daran, dass Deutschland die Klimaziele zumindest kurz- und mittelfristig verfehlen wird.

Wenn es um die Gefährdung von Menschenleben geht, halte ich Atomkraft für weniger gefährlich als Kohlestrom, da ich den globalen Klimawandel für weitaus gefährlicher halte als die allgemein niedrige und in Einzelfällen lokal stark erhöhte Strahlenexposition durch Atomkraft. Sicher ist Atomkraft deshalb aber trotzdem nicht, nur das in meinen Augen das kleinere Übel verglichen mit Kohlestrom.

Gruß Mathie

Den panischen Ausstieg aus der Kernenergie nach Fukushima sehe ich auch als Fehler an.

Jetzt aber nochmal wieder umzudrehen, mit dem Risiko, dass danach nochmal ein panischer Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vollzogen wird, wäre aber auch falsch. Dann lieber mehr in Erneuerbare, Leitungen und Speichertechnik investieren, damit es auch ohne Kernkraft funktioniert.

Selbst in Indien die massivst in Solar investieren zeigt sich das Problem das noch mehr auf andere emerging countries zutrifft
economist.com/sites/default … FBC040.png
Die installierte Kapazität bei EE bringt halt nicht ganz so viel.

Die Emerging Countries rechnen sich natürlich die Systemkosten aus und sehen auch was in Indien läuft.

Weniger Kernkraft heisst halt in Ländern die Grundlaststrom brauchen dann mehr Kohle und wenn man Glück (im Sinne für weniger CO2) hat mehr Erdgas.

Aber Halbwertszeiten des Mülls aus AKWs von 15000 Jahren sind auch ein Unding. Andererseits ist die Frage, wie lange es Leben der herkömmlichen Form auf unserem Planeten noch gibt, wenn wir den CO2 Ausstoß nicht reduzieren und den Klimawandel stoppen können.

Ich denke auch, mit der Einstellung vieler Menschen was Gefahren angeht wird es die moderne Gesellschaft eh keine 1000 Jahre mehr geben. Und für unseren Planeten sind 15.000 Jahre gar nichts. Es ist wichtig sich gegen Unsinn wie Atom- und Kohlekraft zu engagieren, aber nicht bis zur eigenen Aufopferung und genau das würde ich auch gerne meinen Kindern mitgeben.
Traurig ist einzig, dass wir technologisch schon ziemlich weit sind und trotzdem diesen Planeten und seine Bewohner noch derart mit veralteter Technologie missbrauchen, damit einige wenige ihren Reibach machen.

Leben? Was soll das für ein Problem haben. Wir hatten schon ein „warmes Flachmeer“ über Deutschland, da kommen die meisten Fossilien her :wink: Wenn ich die Wahl zwischen unsichtbarem Tod und Siechtum gegen tropisches Klima habe, weiß ich was ich wähle.
Das irre ist, daß immer noch so getan wird, als hätten wir keinen Alternativen. Es gibt keinen technisch/naturwissenschaftlichen Grund mehr, sich mit AKWs und Ölbrennern abzuplagen.

Ich denke auch, mit der vorherrschenden Grundeinstellung vieler Menschen was Gefahren angeht, wird es die moderne Gesellschaft eh keine 1000 Jahre mehr geben. Und für unseren Planeten sind 15.000 Jahre gar nichts. Es ist mMn wichtig sich persönlich gegen offensichtlichen Unsinn wie Atom- und Kohlekraft zu engagieren, aber nicht bis zur eigenen Aufopferung und genau das würde ich auch gerne meinen Kindern mitgeben.
Traurig ist einzig, dass wir technologisch schon ziemlich weit sind und trotzdem diesen Planeten und seine Bewohner noch derart mit veralteter Technologie missbrauchen. Und das nur, damit einige wenige ihren Reibach machen, die auch noch Argumente für ihre Taten haben, die breiten Anklang finden.
Vielleicht ist der Mensch aber auch so geboren worden und der Gang der Dinge nicht aufzuhalten, denn wir glauben oft lieber an Dinge, als uns zu bemühen sie zu verstehen.

Hallo an alle,

Die Opfer von Tschernobyl und Fukushima kommen erst noch.
Eure Diskussion macht mich zu tiefst traurig.
Es zeigt mir, wie weit weg wir mittlerweile wieder vom Wissen um diese Katastrophen sind.
Ihr macht euch Gedanken über Halbwertszeiten?
Kurz zu mir: ich bin Im Tschernobylverein tätig. Wir holen fast jedes Jahr Kinder aus der Region Dobrusch nach Grimmen. Diese Region hat die Gleiche Größe von Grimmen und 20000 Einw.
Nur mal zu Relation: es leben in Tschernobyl verseuchten Ländern ca. 2 Mio. Menschen.
Ich war mal wieder vor ca. 2 Monaten dort.
Habe gefragt wieviel Schilddrüsen kranke es in Dobrusch gibt. Und jetzt Achtung:
2000 die sich behandeln lassen.
Das sind 10%. Ok? Aber es werden doch nicht mehr? Oder?
Jetzt der Schock: es kommen Jährlich ca. 100 Kinder dazu. Und es sterben Jährlich ca. 100 Menschen.
Die Schilddrüsen filtern die Strahlung. Gerade Kinder nehmen diese wie einen Schwamm auf.
Ich muss jedesmal heulen wenn ich daran denke.

Es ist eine Katastrophe. KATASTROPHE!

Der Staat verpflichtet jedes Kind bis 18 das es mindestens 21 Tage raus muss aus dem Gebiet. Macht er es zum Spaß?
Wir werden einfach dumm gehalten.
Ich könnte noch viel mehr berichten.

Ich bitte euch. Informiert euch. Denkt klar über die Zusammenhänge. So wie ihr sie auch bei Diesel vs. Elektro sucht.
Es gibt eine Diesellobby und genauso eine Atomlobby.
Mann weiß um alles. Tut aber nur das gerade notwendigste um die Massen ruhig zu halten.

Kurz gesagt. Es werden in den nächsten tausenden Jahren Millionen von Menschen frühzeitig sterben.

Traurige Grüße Martin.