Frage betreffend Mehparteienhaus Kapazität Hausanschluss

In meinem Bekanntenkreis wollte sich jemand eine normale (Schuko-) Steckdose in der Tiefgarage eines Mehrparteienhauses (ca. 25 Wohneinheiten) montieren lassen um ein Plugin-Hybrid abends oder über Nacht laden zu können. Bei der Eigentümerversammlung wurde dies mit der Begründung abgelehnt, dass „wenn das dann jeder will ist der Hausanschluss überlastet, somit darf keiner.“

Ich behaupte, dass das Quatsch ist, dann dürfen sie auch abends nicht gleichzeitig kochen und womöglich müssten sie sich ja absprechen wann jeder die Waschmaschine laufen lässt!!!

Jetzt hätte ich gerne eine Meinung von jemandem der sich auskennt, oder gar eine Quelle, die das verlässlich widerlegt/bestätigt.

Danke

Hoffe die Frage wurde noch nicht diskutiert!!!???

Eine allgemein gültige Antwort auf diese Frage ist, wie so oft, leider nicht möglich.
Die Leistung die ein Hausanschluss pro Wohneinheit vorsieht kann in der Tat erheblich variieren. Stichwort: Gleichzeitigkeitsfaktor

Es gibt also in der Tat Häuser, bei denen rechnerisch pro Wohneinheit nur 2kW verfügbar sind.

Die Hausanschluss-Sicherungen sind allerdings bei moderater Überlast träge genug, dass da lange nicht das Licht ausgeht.

Ich würde dem Bekannten empfehlen, sich das Ganze mal mit einem Fachmann für Ladestationen (nicht einfach irgendein Elektriker) anzuschauen.

Ansonsten ist das „was wenn das alle tun“ natürlich in erster Linie ein Totschlagargument um die Diskussion zu beenden. Argumenten dieser Art begegnet man am ehesten dadurch, dass man eine Zusage zur Teilnahme an einem koordinierten Ausbauprozess (mit Lastmanagement) abgibt. Wenn das dann irgendwann passiert hat man vielleicht einen kleineren Geldbetrag in den Sand gesetzt, dafür konnte man aber frühzeitig handeln.

Ok, danke für die Antwort!
Ich dachte eigentlich dass z.B. Herde mit Starkstrom viel mehr ziehen als ein E-Auto an der Schuko.
Aber gut, dann muss wohl ein Fachmann her.

Ein E-Herd braucht tatsächlich mehr Leistung bei Vollgas als ein Hybrid. Die laden normalerweise nur mit 3,7kW oder sogar weniger, wenn man das im Menü so einstellt.

Erster Fehler bei der Eigentümerversammlung ist übrigens nach einer Steckdose fürs Elektroauto zu fragen. Irgendein Schwager eines Bruders ist immer Auspuffbieger bei VW und damit hast du sofort den Widerstand.

Besser ist eine Steckdoese für den Staubsauger zu beantragen. Das bekommt man viel leichter durch, denn Auto putzen tun alle Deutschen gern. :wink:

In erster Näherung ist das tatsächlich Quatsch. Wenn es um eine Wallbox mit 22 kW Anschlussleistung gehen würde, wären die Bedenken angebracht. Aber einer Schukosteckdose entnimmt man typischerweise max. 2,3 kW als Dauerlast (10 A), ähnlich wie ein kleiner Heizlüfter.

Je nach Größe und Alter des Mehrparteienhaus sind Hausanschlüsse typischerweise mit 35 bis 160 A abgesichert, Gewerbe und große Hausanlagen darüber (bis 250 A) [1].

Bei der Frage, ob die Dimensionierung ausreichend ist, muss man noch den Gleichzeitigkeitsfaktor berücksichtigen (siehe z.B. [2]). Dieser besagt ganz grob, wie viele der Verbraucher typischerweise gleichzeitig elektrische Leistung entnehmen. Generell gilt, dass der Gebäude-Gleichzeitigkeitsfaktor bei wenigen Wohneinheiten höher ist (~ 0,7 bis ~ 1,15), da sich die unterschiedlichen Gewohnheiten (Kochen/Wach-/Schlafenszeiten) besser ausgleichen, je mehr Parteien es gibt (geht gegen ~ 0,5 bei vielen WE).

Kurzum: Wenn es ein normales Wohnhaus ist, deren Bewohner keine energiefressenden Geräte im Dauerbetrieb haben, sollten auch 25 Elektroautos an Schukosteckdosen geladen werden können, ohne dass es zu einer Überlastung des Hausanschlusses kommt, wenn dieser ausreichend dimensioniert ist.

Zum Vergleich: Wenn alle Parteien gleichzeitig mit zwei Herdplatten kochen würden und zusätzlich ihren Elektroofen anhätten, dann wären allein das 25 x ca. 7 kW = ca. 175 kW. Ist Euer Haus mit 125 A abgesichert, wäre der Hausanschluss schon doppelt überlastet. Wie oft ist das schon passiert?

Ich würde anregen, einen Elektriker ein Gutachten zur Bemessung des Hausanschlusses nach DIN 18015-1 anfertigen zu lassen, dabei sollten die 25 Steckdosen mit der entsprechenden Leistung und passendem Gleichzeitigkeitsfaktor (z.B. 0,5) in die Berechnung eingehen. Da kommt ggf. eine Aufrüstung heraus, deren Kosten man auf alle umlegen könnte. Vielleicht passt es aber auch einfach in die vorhandene Bemessung, da diese schon mit Weitblick für genau solche Anwendungsfälle ausgelegt wurde.

Viel Erfolg!

[1] ednetze.de/fileadmin/ednetz … orgung.pdf

[2] elektropraktiker.de/ep-2009 … 687c8e9522

Super, danke für die Infos!

Moin!
Wichtig ist wirklich der Gleichzeitigkeits-Faktor. Bei einer Lademöglichkeit muß diese mit Faktor 1 voll eingerechnet werden. Andere Verbraucher im Haushalt laufen nicht so lange mit voller Last.

Unbedingt das Warmwasser im Auge haben. Wenn dabei Durchlauferhitzer zum Einsatz kommen, gibt das oft böse Lastspitzen. Da kann man dann nur mit Lastmanagement dagegen arbeiten.

Ok, Durchlauferhitzer gibt es da meines Wissens nicht.
Aber so ein Plugin-Hybrid dürfte ja auch nach 2-3 Stunden geladen sein, man könnte doch einfach per Zeitschaltuhr die Stromzufuhr der Garage auf 12 nachts bis 4 morgens beschränken, da gibt es sonst quasi keine großen Verbraucher und das Problem wäre gelöst. Oder liege ich da falsch!? Da kocht für gewöhnlich niemand mehr und die meisten schlafen, also kein Licht, Fernseher…

Klar, sowas kann man machen. Wenn ein paar Stunden in der Nacht zum Laden ausreichen ist das Risiko erheblich kleiner.

Vor allen Dingen hilft: diplomatisch bleiben und eine Lösung anstreben, die alle einbinden kann, wenn dies später mal nötig ist. Dazu reicht eine erste Wallbox, die auch Lastmanagement kann (Master/Slave-Prinzip). Die Slaves später müssen meist nur vor gleichen Hersteller sein und dürften etwas einfacher ausfallen.

Wer den Anschluss stark ausnutzen will oder muss (weil es bspw. ohnehin knapp dimensioniert ist), der benötigt ein übergeordnetes Lastmanagement, das die Anschlusslast erfasst und entsprechend die Ströme für die Ladeinfrastruktur freischaltet. Das wird dann teurer als die Verwaltung einer fix eingestellten Summe.

Der örtliche Elektriker wird wissen, was möglich ist und ob etwaige Lastabwurfschaltungen nötig sind. Das wäre bei Durchlauferhitzern der Fall, die die Ladung kurz unterbrechen, wenn diese laufen. Das ist die preiswerteste Variante, wenn der Anschluss nicht ausgebaut werden soll/kann, oder teure Lastspitzen vermieden werden sollen.

Ich hatte im parallelen Thread dazu kommentiert. e-via 24 -- 17. - 19. Mai 2012 Und hoffe wegen mir vieler bekannten und ähnlichen Fälle auf eine baldige Vereinfachung der gesetzlichen Regelung. Aber auch dann gilt: Höflich und diplomatisch vorgehen. Streit lohnt sich langfristig nie.